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M 33. Mittwoch, den 25. April 1900. 51. Jahrgang.

UfiMlnm^tli auf bie -SGüchterner Zeitung« werden noch fortwährend von ollen

L --^^--------Postanf!alten ntd Landbriesträgern, wie von der Expedition entgegen genommen.

den Diamanten gesichert wird, schwere Vorwürfe gemacht. In einem den gleichen Gegenstand betreffenden Artikel derDeutschen Tagesztg." wird sogar die Frage gestellt, wie die deutsche Regierung so etwas unterstützen könne. Daß ein solcher Vertrag geschlossen wurde, ist im Hohen Maße bedauerlich, aber die Regierung trifft nicht die allergeringste Schuld daran, da dieselbe erst lange nach dessen Abschluß überhaupt davon erfahren hat. Jene Angriffe sind somit als gänzlich unbegründet zurückzu- weisen. Im Namalande besitzt die Südwest-Afrika- Gesellschaft weder Land noch Minenrechte. Was die angebliche Ertheilung einer Concession im Gibeoner Gebiet betrifft, so ist die Regierung noch keinerlei bindende Verpflichtung eingegangen; mit der Südwest - Afrika- Gesellschaft ist überhaupt nicht über die Verleihung einer Concession verbandelt worden. Auf alle Fälle wird bei etwaiger Ertheilung von Bergwerksrechten in jenem Ge­biet sorgfältig darauf Bedacht genommen werden, daß die deutsch nationalen Interessen nach jeder Richtung hin gewahrt werden.

Aus Württemberg. Ein Versuch des Gewerbcver- einsverbandes für Württemberg, durch Gründung einer Motorengesellschaft mit gemeinnützigem Charakter, welche Kleinmotoren anschafft und an Handwerker vermiethet, verdient jedenfalls Beachtung in weiteren Kreisen. Die Miethe eines Kleinmotors kann jederzeit beginnen, der Miethszins wird monatlich erhoben und enthält Ver­zinsung des Anlagekapitals und Amortisation. Ist der Motor noch einiger Zeit als zu klein erkennbar, so kann Umtausch stattfinden. Ein wesentlicher Vortheil für die Handwerker und auch Hausindustricllen besteht darin, daß die Gesellschaft viele Motoren gegen Baar weit billiger beschafft, als der Einzelne das vermag; Zins und Amortisation erfordern daher weit weniger Ausgabe als bei direkter Motoranschaffung, wozu Manchem ohnehin Geld oder Kredit fehlt. Die Gesellschaft und der Gcwerbcvereinsverdand erblicken aber schon darin mit Recht einen Vorzug ihres Vorgehens gegen die direkten Ankäufe von Motoren durch kleine Gewerbetreibende, als die Erfahrung lehrt, daß sich Mancher durch Motoren­ankauf in Schulden steckte, die ihn in Verlegenheiten oder gar in Verfall brachten. Man wird bald erkennen, wie der Versuch aus ällt, und es werden dann Vereine und Vereinsverbände in anderen Staaten an dem Württem- berger Vorgang ein Beispiel nehmen können.

Bingen. 21. April. Ueber die Katastrophe auf dem Rheine tauchen in vielen auswärtigen Zeitungen die wid rsinuigstcn Gerüchte und irrigen Angaben auf: Einige wollen wissen, daß eng umschlungen sich haltende Todte gelänget worden seien. In anderen Zeitungsberichten werden Namen von Personen genannt, die in dem ver- hängnißvollen Kahne sich befunden haben sollen, welche überhaupt nicht existiren. Bis heute Nachmittag ist nicht eine einzige Nachricht eingelaufen, daß auch nur einer der Verunglückten geläudet worden sei. Da die Polizeiverwaltung Bingen an sämmtliche Orte rhcin- abwärts rechts- und linksrheinisch Ausschreiben ergehen ließ mit der Weimng, bei Läudung einer Leiche sofort telegraphisch Nachricht hierher zu geben, bis jetzt aber noch nicht eine eingelaufen ist, so ist sicher anzunehmen, daß auch noch keines von den armen Opfern ausgcfuuden worden ist.

Aus dem Kreise Dicbnrg, 16. April. Eine sehr blühende Industrie scheint in unserer Gegend auf dem Aussterbeetat gesetzt zu sein. Es ist dies die in vielen Orten unseres Kreises ehemals so lebhaft und gewinn­bringend betriebene Häsnerei. Verschiedene Umstände sind es, die diesem Erwerbsjweige den Untergang zu bereiten scheinen. Das billige Emailgeschirr verdrängt immer mehr die Thonwaaren vom Markte und drückt naturgemäß auch sehr stark auf den Preis derselben. Dazu kommt der große Mangel an Arbcitskrü teil und vor allem die enorme Verteuerung der Holzpreise. Bei einem Bedarf von ca. 150 Meter Holz muß ein Häfner heutzutage gegen 700 M. mehr ausgeben als früher. Weiter kommt dazu der große Aufschlag für Bleierz, das zur Glasur in großen Mengen nöthig ist, und trotzdem sinken die Preise für Thonwaaren immer mehr. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn eine Häsnerei nach der andern eingcht und es namentlich an jungen Nachwuchs fast gänzlich fehlt. Die erwachsenen Söhne gehen lieber in eine Fabrik, als daß sie sich Tag und vielfach auch die Nacht hindurch für elenden Verdienst bei ungesunder Arbeit abplagen. ,

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser traf Montag Mittags 12 Uhr mttcls Sonderzug in Strehlen ein und wurde von dem König von Sachsen am Bahnhöfe empfangen. Die uidcn Monarchen begrüßten sich auf das herzlichste und Ihren durch den Park in die königliche Villa. Der Kaiser nahm in der Villa mit dem sächsischen Königs- paar ein Frühstück ein, während für das Gefolge im Desidenzschloß ein Marschallfrühstück stattfand. Die Ankunft des Kaiserpaares in Schlitz ist auf den 24. d. Dts, Vormittags, angesetzt. Während der Anwesenheit des Monarchen auf dem Gräflich Görtz'schen Herrensitze Hallenburg wird auf Befehl des Kaisers das Trompeter­korps des in Fulda garnisonierenden Regiments Nr. 47 die Tafelmusik auszuführen. Der Aufenthalt ist auf drei Tage berechnet.

Eine Ergänzung zum Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ist geplant. Nachdem zuvor Berichte von den Polizeibehörden eingeholt worden, hat der preußische Handelsminister nach derRh. Westf. Ztg " jetzt die Handelskammern zur Erklärung aufgefordert, ob nach dem Bekanntwerden des reichsgerichtlichen Urtheils vom 21. September 1897, in dessen Begründung die sog Nachschiebung neuer Waaren bei Ausverkäufen als nicht schlechthin unzulässig hingestellt worden ist, das Ausver. | kaufswesen an Umfang sehr erheblich zugenommen habe und in Folge dessen eine Ergänzung des Geictzes zur Be , s kümpsung des unlauteren Wettbewerbs erforderlich erscheine.

Das Reichsversicherungsamt hat in einer Unfall- sache den Eisenbahnfiskus verurtheilt, an die Hinter- I bliebenen eines Gepäckträgers, der einen großen Koffer I nach der Wohnung eines Reisenden befördern sollte und dabei von einem durchgehenden Pferde- tödtlich verletzt r wurde, Rente zu zahlen, da der Verunglückte nicht den r Gefahren des gewöhnlichen Lebens erlegen fet, sondern t im Dienste der Eisenbahnverwaltung einen BetriebsunkaU erlitten habe. Das Schiedsgericht hatte die Berufung der Wittwe abgewiesen.

Eine Warnung erläßt derReichsanzeiger" in Folgendem:Schon wiederholt ist in deutschen Zeitungen auf eine Gesellschaft von Schwindlern aufmerksam ge­macht worden, die von London aus durch zahlreiche An-

3 kündigungen in deutschen Zeitungen Darlehen gegen bloße Untcrschri t anbieten, dann aber nach Einziehung von Kosten- und Zinsenvorschüssen nichts wieder von sich hören lassen. Eine Aufzählung der verschiedenen Namen unter denen die Schwindler an treten. ist nutzlos, da die | Namen in kürzester Zeit gewechselt werden, und die da- | bei angegebene Adresse meist nur eine der in London üblichen Briefempfangsstellen ist. Die in der letzten Zeit bei dem deutschen Generalkonsulat in London ein- [ I gegangenen Klagen und Anfragen aus den verschiedensten I Theilen Deutschlands beweisen, daß die Schwindler neuer dings wieder mit Erfolg thätig gewesen sind.^ Von Amtswegen, wie in Deutschland von Seiten der Staats anwaltschaft, werden strafbare Handlungen der vorliegen­den Art, auch wenn bei den Behörden Anzeige davon gemacht wird, in England nicht verfolgt^ es wird don vielmehr dem Geschädigten überlassen, die Strafverfolgung selbst zu betreiben. Da diese aber mit erheblichen Kosten verbunden, auch die Zahlungsunfähigkeit der Schwindler vorauszuschen ist, so ist. ganz abgesehen von der Schwierigkeit, die Persönlichkeit der Schwindler sicher D festzustellen, beinahe jede Hoffnung auf Wiedererlangung der einmal in ihre Hände gerathenen Geldbeträge aus geschlossen. Es kann daher nur wiederholt und dringend davor gewarnt werden, mit unbekannten Personen im Auslande, die sich als Geldverleiher anbieten, in gc schäftliche Verbindung zu treten, namentlich wenn die vorherige Einzahlung von Vorschüssen für Auslagen oder die Vorauszahlung von Zinsen gefordert wird.

DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht unter ihrenLetzten Nachrichten" eine offiziöse Erklärung in Sachen der südafrikanischen Goldminen. Es heißt darin: In derDeutschen Colonialzeitung« werden der Re­gierung wegen eines zwischen der Südwest-Afrika-Com- pagnie und der De Beers Compagnie geschlossenen Ver­trages, nach welchem der Letzteren das Vorrecht auf alle im Gebiete der SüdwesstAsrika-Compagnie zu entdecken­

Ausland

Stockholm, 20. April. Eine starke Heercsvermeh- rung ist vom schwedischen Reichstage beschlossen worden. Es sind bamr 15 Millionen Kronen bewilligt, ebenso ist der Marine-Etat erheblich erhöht worden. Die Gründe, aus denen dieser Beschluß hervorgegangen ist, sind recht wenig erfreulich und ehrenvoll; denn augen­scheinlich liegen sie zu einem großen Theile in dem Zwiste mit dem Bruderlande Norwegen. Man hegt noch nicht unmittelbare Besorgnisse deswegen, aber man will auf alle Fälle gerüstet sein. Ein Krieg zwischen Schweden und Norwegen würde etwa dasselbe bedeuten wie ein Krieg zwischen Oesterreich und Ungarn.

Petersburg. Wie verlautet, sollen große Unterschleire entdeckt sein, welche seit Jahren auf den russischen Kriegs­schiffen verübt wurden. Durch die eingeleitete Unter­suchung wurde konstatirt, daß zahlreiche Seeoffiziere an den Unterschleifen bethciligt sind. Große Mengen von Proviant, Munition und sonstigen Vorräthen, die den Lieferanten bezahlt wurden, ' fanden sich nicht auf den Kriegsschiffen vor. 40 höhere Marine Offiziere, darunter

2 Admirale, wurden verhaftet. Der Zar ordnete an, daß alle verfügbaren Schiffe in den Hafen von Sedasto- pol behu s Revision einlaufen sollen.

London, 20. April.Daily News" meldet aus Bloemoutein, daß am Donnerstag Abend ein Zug mit Verwundeten eingetroffen ist. Es verlautet, daß ein heftiges Gerecht bei Korce Siding an dem großen Kamm stattgefunden hat; die Verluste der Buren sind noch un­bekannt. Die Kavallericremonten sind in Bloemion- tcin eingetroffen und die Artillerie ist bedeutend verstärkt. In Bloemfontein wurde ein großer Vorrath von Waffen entdeckt, namentlich Mausergewehre.

Ueber die gewaltigen Truppenmassen, die England zur Fortsetzung des Krieges nach Transvaal zu werfen genöthigt ist, erfährt man aus Publikationen der eng­lischen Admiralität, daß in der Zeit vom 1. März bis 12. April 61 Transportschiffe insgesammt 52,765 Mann an der südafrikanischen Küste gelandet haben. Von Be­ginn des Krieges an sind annähernd 164,000 in Copland und Natal gelandet worden. Der LondonerCentral News" wird aus Pretoria gemeldet, daß die Buren einer Vertheidigung der Hauptstadt abgeneigt seien und einen Guerillakrieg für wirkungsvoller Hallen.

Dschibuti, 18. April. Die Schaaren des Mahdi sind vor den Verjiärkunzen, welche der Negus Menelik feinen Truppen gesandt hat, nach den inneren Theilen der Landschaft Ogaocn geflohen. Die siegreichen Abes- synier sind nach Harrar zurückgekehrt. Der Religions­krieg ist beendet.

Äcca, 18. April. Das KanonenbootMagpie" hat englische Blaujacken bei Cape Coast Castle gelandet zur Unterstützung der Haussas, die bereits nach Kumassi ab« gegangen sind. Weitere Verstärkungen werden folgen. Gerüchtweise verlautet, daß die Aschantis entschlossen sind, die Dinge bis zum Acußersten zu treiben, bevor die Verstärkungen angetommen sind und den Gouverneur im Fort Kumassi anzugreifen, wenn ihre Forderungen nicht bewilligt werden.

Im südlichen und mittleren Texas ist ein schwerer Wolkenbruch niedergegangen. Ein großes Gebiet ist überschwemmt. Der Expreßzug der internationalen Bahn ist entgleist, wobei es zum Glück ohne Menschenverluste abging. Der Wolkenbruch hat großen Materialschaden verirsacht. Vierzig Menschen haben das Leben eingebüßt. Der Damm des furchtbar augefchwollenen Coloradoflusses in Austin ist gebrochen. Das große Reservoir ergoß sich über das Land, wodurch viele Häuser zerfrört wurden.

Kingston (Jamaica), 18. April. Aus Kolumbien tit die Nachricht hierher gelaugt, daß bei Matumundo und Pradera zwei große Schlachten stattgefunden hätten, in welchen die Aufständischen völlig geflogen feien und große Verluste an Todten, Verwundetest und Gefangenen

8ofal(i und Provinzielles. * Schrnchleru, 24. April.

* Die Postpractikanten Eberhard zu Schlächtern und Knecht zu Elm wurden zu Postverwaltern ernannt.

* Wie mitgetheilt wird, sind die Engrospreise für Kaffee in den letzten Tagen gestiegen, sodaß demnächst wohl auch im Kleinhandel sich eine Preissteigerung be­merkbar machen wird.

* Dem Vernehmen nach bietet sich im Bezirke