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Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32. Samstag, den 21. April 1900. 51. Jahrgang.
rie der umliegenden Städte blieb ergebnißlos. Er wird als ein noch junger Mensch geschildert, und man vermuthet in ihm einen Kutscher aus Bayreuth.
— In Windsheim (Franken) wurde vor einiger Zeit in dem Garten des Privatiers Stellwag eine salzhaltige Quelle entdeckt, welche laut eines von dem Professor Petzold in Erlangen erstatteten Gutachtens die Karlsbader Quelle noch an Gehalt übertreffen soll.
Ausland
Prag. In Klappai (Böhmen) sind infolge eines Bergrutsches 56 Häuser eingestürzt, weitere 30 stehen in Gefahr. Der größte Theil des Ortes ist verloren. Ueber die Trümmer der eingestürzten Gebäude ragen nur die Dächer empor. Der Boden zeigt überall große Risse und Höhlungen. Das Rutschterrain am Abhang des Hasenberges hatte am Samstag 450 Meter Länge und 300 Meter Breite. Die Bewegung geht sehr rasch vor sich, manchmal 7 Zentimeter in der Sekunde. Im Rutschgebiet ist außerdem noch ein erdbebenartiges Getöse vernehmbar.
Paris, 16. April. In vergangener Nacht drangen mehrere Jnduviduen in die Kirche von Aubervillier und raubten die Kirchenkasse, Meßgefäße und andere werthvolle Gegenstände. Darauf legten sie an verschiedenen Stellen Feuer. Die Kirche ist fast vollständig zerstört. Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann erheblich verletzt.
Paris. Frankreichs Heer. Die dritte französische Republik verfügt zur Zeit, wie Oberst Hepke mittheilt, über 731 Bataillone, 447 Eskadrons, 515 Feldbatterien — 3048 Geschütze. Im Jahre 1870 rückte die französische Armee mit 368 Bataillonen, 252 Eskadrons, 164 Feldbatterien — 984 Geschützen aus. Deutschland ist inzwischen auch nicht müßig gewesen.
London, 18. April. Nach einem Telegramm des „Daily Telegraph" aus Newyork vom 17. d. M. ist es bei den Dammarbeiten am Krotonfluß, welcher Newyork mit Trinkwasser versorgt, zu ernsten Unruhen gekommen, da die Bauunternehmer sich weigerten, für die neu zu errichtenden Reservoirdämme den Arbeitslohn zu erhöhen. Insgesammt sind 800 italienische Arbeiter an dem Bau beschäftigt, welche die Arbeit niederlegten. In der Nacht vom Montag auf Dienstag wurde ein Sergeant der Unionsarmee von den Ausständigen getödtet, welche vor der Ortschaft Kroton eine Anhöhe besetzt halten. Dieselben üben sich Tag für Tag im Gebrauch von Gewehren und anderen Waffen, womit sie versehen sind. Die Ausständigen drohen den Damm zu sprengen, wo durch Newyork das Trinkwasser abgeschnitten würde. Ein starkes Militäraufgebot, darunter das 7. Regiment, das Elite-Regiment Newyorks, wurde an den Ort beordert.
London, 17. April. Durch die Ausweisung englischer Unterthanen aus Transvaal, die nach Loren^o Marquez abgeschoben werden, ist die Situation dort kritisch geworden, da der britische Konsul ohne Fonds ist, für die zahlreichen Mittellosen zu sorgen, und Natal die Landung absolut Armer in Durban verbietet. Aus Transvaal sollen nun weitere 1500 Engländer ausgewiesen werden, davon sind 800 gänzlich mittellos. Die meisten sind Farbige. Die halbe Blokade von Lorentzv Marquez, sagt der „Mail"-Korrespondent, hat den Buren nicht den geringsten Schaden zugesügt, während sie die britischen Kau leute jeden Geschäftes beraubte. Zu Anfang des Krieges wurden Kaffee und Zucker beispielsweise theuer in Transvaal. Die Buren gaben jedoch sofort deutschen und französischen Firmen Aufträge, und heute sind diese Gegenstände billiger als zu Anfang deS Krieges. Die Engländer sind ruinirt, auch ist der Exporthandel in Wolle und Eisen in die Hände der Holländer übergegangen, die ^während des Krieges reich geworden sind.
Kapstadt. Schwere Anklagen gegen Lord Kitchener. Ueber das britische Verpflegungs- und Transportwesen schreibt der Kriegskorrespondent der „Midland News": „Sie machen sich keine Vorstellung, in welchem Maße die Wahrheit dem Publikum vorenthalten wird. Obgleich die Armee von Enslin bis Paardeberg so gut wie gar keine natürlichen Schwierigkeiten des Transportes zu überwinden hatte und durch keine Flankenbewegung des Feindes behelligt wurde, so waren unsere Mannschaften doch auf halbe Rationen gesetzt, die Pferde dem Verhungern nahe und der Transport der Verwundeten geradezu schimpflich. Der Fehler liegt an der
l^ftdllttlAttt °uf die .Schlüchterner Zeitung» gpmtUU-llyt-ll werben nod) foriwährend von allen ..... - Postanstalten utd Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 18 April. Auf Befehl des Kaisers fand gestern Mittag 12 Uhr im Rittersaale des Königlichen Schlosses zu Berlin die Nagelung und unmittelbar darauf im Kapitelsaale die Weihe der dem Gardefuß- artillericregiment und den Fußartillerieregimentern Nr. 1 bis 8, 14 und 15 zu verleihenden neuen, bezw. erneuerten Fahnen statt.
*— Das Zuckerkartell, nach dessen Zustandekommen sich die rübenbauende Landwirthschaft schon seit Jahren sehnt, scheint nun endlich perfekt werden zu sollen. Nachdem schon bis 1. März etwa 360 Fabriken beigetreten waren, sind jetzt auch die großen Fabriken im Osten: Kruschwitz, Goerchen, Union, Nackel, Wierzcholawiese beigetreten und der Beitritt anderer steht bevor, sodaß man bestimmt darauf rechnet, das Kartell mit 390 (von 402 überhaupt existirenden) Fabriken im Juli d. I. in Kraft treten zu lassen. Für unsere Landwirthe, welche Rüben bauen, ist die Frage nicht ohne Interesse, weil sie dann auf einen Mehr-Erlös von etwa 15 Pfennig pro Centner rechnen können.
Zu einem Pferdehändler der Stadt Kottbus kam dieser Tage ein Mann, der einen großen Posten Perde für die englische Armee in Südafrika zu kaufen beabsichtigte. Die Bauern der umliegenden Ortschaften, die von dem Handel wissen, wollen sich aber in nichts mit ihm einlassen. Auch von verschiedenen anderen Ortschaften Brandenburgs wird von dem Auftauchen englischer Agenten berichtet.
Kvnitz, 15. April. Ueber den Fund des ermordeten Winter wird noch berichtet: Nachdem die Kinder, denen ein Theil der 6700 Mark betragenden Belohnung zufallen wird, Erwachsene von ihrem Funde benachrichtigt hatten, begaben sich der Amtsrichter und Bürgermeister an den Ort der That. Der Graben, in dem der Kop' des Ermordeten gefunden wurde, war nur mäßig mit Wasser gefüllt. Ganz in den Moder desselben hinein- gepreßt, bemerkte man den Kopf des Ernst Winter, der Unterkiefer war deutlich sichtbar. Die Augen waren mit Koth verstopft und geschlossen, das Gesicht geschwollen, trotzdem aber nicht sehr entstellt, sodaß man die Züge des Todten bestimmt wieder zu erkennen glaubte Die Haare waren sämmtlich noch am Kopfe. Unter dem Kinn bemerkte man am Halse blaugrüne Stellen. Nach allgemeiner Annahme kann der Kopf unmöglich seit dem für den jungen Winter so verhängnißvoll ge wordenen Sonntag, dem 11. März er., also genau seit fünf Wochen, dort gelegen haben. Zunächst erschwerte der damals gefrorene Boden das Eindrücken des Schädels in den Sumpf, ohne sich eines Spatens oder sonst eines Instrumentes zu bedienen, da damals die Witterung noch erheblich kalt war. Sodann wäre er von Krähen oder sonstigen Raubvögeln nicht unverletzt geblieben und außerdem von Passanten vermuthlich schon bemerkt worden. Der Kopf war noch ziemlich gut erhalten und noch keineswegs vollkommen in Verwesung übergegangen und es ist daher anzunehmen, daß die Thäter ihn erst vor kurzer Zeit in den Graben geschafft haben. In dem betreffenden Graben wurde auch die Leber, die allerdings schon in Verwesung übergegangen war, aufgefunden. Nach authentischer Annahme kann der Kopf höchstens 24 Stunden im Wasser gelegen haben; solange ist er aber auf Eis gestellt gewesen, sonst hätte er nicht so lange gehalten. Kinder sind auch einen Tag vorher an der betreffenden Stelle gewesen, haben aber von dem grausigen Funde nichts bemerkt. Der betreffende Mann konnte den Schädel dorthin auf drei bequemen Wegen schaffen.
Erlangen, 16. April. Die Ermordung des Schleusenwärters VadeS in Bruck geschah Mittags halb zwei Uhr. Eine halbe Stunde vorher hatte der Thäter um ein Mittagessen gebettelt, aber nur ein Stück Brod und zwei Pfennige erhalten. Dann erschien er plötzlich wieder, fragte nach Vadcs und stieß, als man ihm zum Gesuchten in die Kammer gewiesen hotte, diesem das Messer in die Brust. Der Getroffene konnte dem flüchtenden Thäter noch vor das Haus Nacheilen und brach dann todt zusammen. Der Thäter verschwand im nahen Walde gegen Nürnberg zu, eine Streife der Gendarme
elenden Organisation des Transportes. Unsere Leute haben zu fechten und zu arbeiten bei einer Nahrung, die gerade ausreicht, um sie nicht vor völliger Erschöpfung zusammenbrechen zu lassen. Nachtmärsche und Tageskämpfe werden ihnen bei leerem Magen zuge- muthet. Das Resultat ist, daß die Leute murren und unzufrieden werden. Solche Zustände sind eine dauernde Gefahr für die Moral der Armee. Und alles das ist möglich, trotzdem wir „den großen Organisator" Kitchener haben, der als Generalsstabsches für die Organisation des Transportes verantwortlich ist! Auf die Indifferenz dieses Offiziers gegenüber den nothwendigsten Bedürfnissen ist auch die abscheuliche Behandlung der Verwundeten zurückzuführen. Zunächst verweigerte er den Ambulanzen die Erlaubniß, die Kolonnen zu begleiten, unter dem Vorwande, er hätte nicht genug Futtervorräthe. Die Folge dieses geradezu verbrecherischen Eigensinnes war, daß unsere bei Paardeberg verwundeten 800 Offiziere und Mannschaften drei Tage und drei Nächte, darunter zwei Regennächte, in meist unverdeckten Ochsenwagen, bei glühender Hitze am Tage und bitterer Kälte in der Nacht und mit der traurigen Geschwindigkeit von zwei Meilen per Stunde herum- gerüttelt wurden. Die Qualen dieser armen Menschen waren schrecklich, da das Stoßen der federlosen Wagen auf dem steinigen Felde ihre zerschossenen Knochen aneinander knittern ließ und sie in die entsetzlichste Pein braute, so daß ihr Wimmern und Schreien Einem das Herz zerschnitt. Dabei waren diese Verwundeten so zusammengepfercht, daß sie nicht einmal liegen konnten.
Lokales und Provinzielles.
Salmünster, 18. April. Im Gasthaus zum „Engel" hier logierte sich am zweiten Osterfeiertage ein Fremder ein, welcher sich dem Wirth als Postassistent vorstellter Während die Läden offen waren, machte der angebliche Postassistent verschiedene Einkäufe. Bei einem Friseur gab er sich als Baron von Riedesel aus und zahlte die gekaufte Bartbinde nicht. In einem Manufakturgeschäft kaufte er Schlips, Kragen und Manschetten und gab sich als Postassistent aus, er sei hierher versetzt und schicke durch das Mädchen des Postverwalters den Betrag. Bei dem Gastwirthe ließ er sich einen Regenschirm geben, um mit den Herren Beamten, denen er schon vorgestellt war, ausgehen zu können. Nicht genug, daß er dem Wirthe die Zeche nicht bezahlte, machte er noch eine größere Beute an einem pensionirten Offizier, indem er demselben 50 Mark auf Pump abschwindelte. Mlt dieser Ausrüstung nun suchte unser Postassistent mittelst Blitz- zug ab Elm das Weite.
Aus dem Bogclsberg. Das Aussichtsgerüst auf der Herchenhainer Höhe, das erst vor ca. 15 Jahren errichtet worden, ist infolge des Orkans am Charfrei- tag zusammengestürzt. Die Herchenhainer Höhe bildet seit Jahren einen beliebten Ausflugspunkt für Touristen. Es wäre deshalb im Interesse des Verkehrs zu wünschen, daß das seitherige Holzgerüst recht bald und möglichst durch einen massiven Bau ersetzt würde.
Rieneck. Eine glückliche Gemeinde darf Rieneck in Unterfranken genannt werden. Dort zahlen die Bürger nicht nur keine Umlagen, sie erhalten im Gegentheil jährlich 10 Sler Holz, 300 bis 400 Wellen und außerdem aus dem Erlös der Eichenlohrinde 9 bis 10 Mark baar.
Hanau, 14. April. Auch hier in Hanau wird gleichfalls wie in anderen Orten unseres deutschen Vaterlandes eine Bismarcksäule zur Errichtung kommen. Der hiesige nationalliberale Wahlverein hat die Sache in die Hand genommen und auf die TageSordnuiG seiner demnächst stattfindenden außerordentlichen Generalversammlung den Antrag des Vorstandes betreffs Bildung eines Komitees für die Errichtung einer Bismarcksäule in Hanau gesetzt.
Hanau. Eine alte kurhessische Verordnung vom 24. Dezember 1813 schreibt vor, daß die Landwilthe beim Bestellen der Aecker den Pflug mindestens 3 Fuß von der Straße entfernt zu halten haben, daß sie mit der Bespannung nicht auf dem Straßenbankett wenden dürfen und ferner wird ihnen darin zur Pflicht gemacht, zur Verhütung solcher Vorkommnisse an dem Theil des Ackers, der an die Straße grenzt, Anwandbeete anzu- legen, letzteren Theil also mit der Schippe zu graben. Sechs Landwirthe von Dörizheim waren wegen Ueber- tretung dieser Verordnung in Polizeistrafen zu je zwei