haben, geht hervor, daß sie wieder ganz vorzügliche Positionen besitzen, aus denen heraus sie den Engländern furchtbare Niederlagen bcizubriiigcn in der Lage sind. Lord Roberts, dessen Bewegungsfähigkeit durch den empfindlichen Mangel an Pferden und Zugthieren außerordentlich beschränkt ist, wird daher einen Vormarsch nach Norden vorläufig nicht unternehmen. Da aber die Wafsercalamität in Bloemfontcin immer größer wird, so gewinnt die Vermuthung an Wahrscheinlichkeit, daß sich der britische Generalissimus sogar genöthigt sehen wird, den Rückzug nach dem Süden anzutreten. Pretoria aber bekommen die Engländer vorläufig nicht, ja eS wird immer fraglicher, ob sie es überhaupt je bekommen werden. — Nach Meldungen aus Bloemfontcin wird Lord Roberts Ende nächster Woche seinen Vormarsch antreten. Seine Streitkräfte sollen 80 000 Mann betragen. General Methuen hat sein Hauptquartier in Boshof aufgeschlagen. Der Sohn des Generals Cronje hat im Norden von Mafeking ein FreiwilligcnKorps ausgerüstet und geschworen, die Niederlage seines Vaters zu rächen. Er beabsichtigt, Lord Kitchener todt oder lebendig in seine Hände zu bekommen. — Die Regierungen der beiden Burenrepubliken haben, wie das „Reutersche Bureau" erfährt, Portugal offiziell mitgetheilt, daß sie die Zulassung des Durchzuges britischer Truppen durch das portugiesische Gebiet von Beiraous als einem feindseligen Akte gleichkommend betrachten. Es wird hier für unwahrscheinlich gehalten, daß die Burenrepubliken auf ihr Ultimatum Repressalien folgen lassen. England würde aber Portugal, wenn es wirklich angegriffen werden sollte, sofort unterstützen. Portugal dürfte auf das Ultimatium antworten, es handle nur gemäß seinen Verträgen mit England.
— Unter den holländischen Farmern der Kapkolonie wächst die Erregung von Tag zu Tag. Mehr als die Stockung in den Roberts'schen Kriegsoperationen hat die Verschickung Cronjes nach St. Helena gewirkt. — Die Zerstörung der Wasserwerke von Bloem^ontein hat aus den Gesundheitszustand der britischen Truppen daselbst bereits eine ernste Wirkung ausgeübt. Zwar sind in der Stadt selbst genug Brunnen, aber das Wasser derselben ist außerordentlich unrein, der Grund, warum die Wasserwerke erbaut werden mußten. Vor dem Bau war Bloemfontcin sehr häufig von Fieber heimgesucht. Zur Wassersnoth kommen auch noch Typhus und Ruhr, selbst unter den an klimatische Beschwerden gewöhnten Westaustraliern und Canadiern richten diese Krankheiten arge Verheerungen an. Die Zahl der an Epidemien sterbenden Soldaten beträgt heute schon etwa 50 pro Tag, und die schlimmste Zeit kommt erst. Unter solchen Umständen würde Lords Roberts gewiß gern vorrücken, aber für seine Gesammtarmee reichen wohl Proviant und Wasser nicht aus. Zögert er freilich zu lange, so muß sich der Gefechtswerth seiner Truppen unter den unheilvollen klimatischen und sonstigen Einflüssen vermindern. Die Buren halten im Norden von Bloemfontein scharfe Wacht, sie haben wieder eine RekognoszierungsAbtheilung irischer Füsiliere unter Lord Rosslyn abge- fangen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchteru, 17. April.
* — In unserem heutigen Blatt erscheint zum erstenmale neben dem Verkau'skurs für 3 ’/a prozentige Landeskreditkassen - Schuldverschreibungen der 4 Prozenligen, welche nach unseren Ermittelungen bei der Auslage zur Zeichnung eine so günstige Aufnahme gesunden haben, daß nur 80 Prozent der Anmeldungen berücksichtigt werden konnten.
* — Laut „Köln. Volksztg." wollen die Handelsmühlen der Rheinprovinz, Westfalens, Hannovers und Hessen- Nassaus ein Mehlsyndikat bilden, hauptsächlich weil augenblicklich die Mehlpreise einen Tiefstand erreicht hätten, der zu den Getreidepreisen in keinem Verhältniß steht.
* — Eine Obstbaumzählung soll bekanntlich in diesem Jahre im Deutschen Reiche vorgenommen werden. Diese Zählung soll Aepfel, Birnen, Pflaumen (Zwetschen) und Kirschen umfassen, auch Zwergobst und Spalierobst. Aber es sollen nur Bäume an dauerndem Standorte gezählt werden, nicht solche, die zum Verpflanzen bestimmt sind. Zur Mitwirkung bei der Zählung sollen Obstzüchter und andere sachverständige Personen herangezogen werden. In dicht bebauten Bezirken großer Städte soll von der Obstbaumzählung Abstand genommen werden.
* — Kauf bricht nicht Miethe. Dieser Grundsatz ist durch den § 571 des Bürgerlichen Gesetzbuches ausgesprochen. Derselbe lautet: „Wird das vermiethete Grundstück nach der Ueberlassung an den Miether von dem Vermiether an einen Dritten veräußert, so tritt der Erwerber an Stelle des Vermiethers in die sich aus dem Miethsverhältniß ergebenden Rechte und Verpflicht tungen ein. Erfüllt der Erwerber die Verpflichtungen nicht, so hastet der Vermiether für den von dem Erwerber zu ersetzenden Schaden wie ein Bürge, der auf die Einrede der Vorausklage verzichtet hat." Die Pflichten, welche also der Vermiether durch den Miethvertrag übernommen hat, gehen auf den Käufer Über. Erfüllt diescr sie nicht, so haftet der Vermiether dem Miether für pötn ihm entstehenden Schaden als Bürge. Dadurch ist
namentlich der Miether von Geschäftsräumen, einer Wohnung oder eines sonstigen Unternehmens für die Dauer der Vertragszeit gegen Austreibung möglichst gesichert. Gerade der entgegengesetzte Grundsatz galt vor dem 1. Januar dieses Jahres in vielen deutschen Staaten; der Kauf brach das Miethsverhältniß. Es ist deshalb gut, wenn diese bedeutende Neuerung möglichst zur allgemeinen Kenntniß des Publikums gebracht wird.
— Einen Fehler der neuen Reichspost Gemania- marken hat man entdeckt, nämlich den, daß der Werth derselben (10) nur in Zahlen angegeben ist, nirgends sich aber eine Werthbezeichnung „Pfennig" findet. Diese Unterlassung erscheint unbegreiflich. Im Jnlande mag der Fehler wohl noch angehen, aber woran sollen die Ausländer den Werth erkennen?
Neuhof, 16. April. Seit Jahresfrist macht sich in Neuhof und Umgegend eine Diebesbande bemerkbar, die verschiedene große und kleine Einbruchsdicbstähle ausgeführt hat. Trotz des eifrigen Bestrebens der Polizei konnte man den Dieben bis jetzt noch nicht auf die Spur gelangen. Am Palmsonntage Abends entdeckte man am Bohrthurme Ellcrs, nahe am Walde, eine fünf Mann starke Bande, und es gelang, einen von den Fünfen festzunehmen. In derselben Nacht wurde in Rommerz und in Hauswurz ein Einbruchsdiebstahl verübt. Am 14. d. M. fanden nun die beiden Söhne des Gutsbesitzers Robert Schmitt von Ellers im Forst- bezirk Rommerz-Nord eine Kiste, die mit Diebeswerk- zcugeu gefüllt war. Als nun gestern (Sonntag, den 15. April) die Gendarmerie an den Fundort kam, war die Kiste ihres Inhalts beraubt. Vermuthlich hält sich die Diebesbande im Walde verborgen.
Salmünster, 12. April. Am Dienstag Abend fuhr ein aus Paris kommender Motorwagen vor dem eine halbe Stunde von hier entfernten Dorfe Ahl auf ein anderes Fuhrwerk. Der Motorwagen, in dem 4 Personen saßen, fiel um und wurde so beschädigt, daß er hierher zur Reparatur gebracht werden mußte. Bis heute Mittag war die Maschine wieder flott und die unterbrochene Reise nach Berlin konnte wieder fortgesetzt werden.
Orb, 12. April. Mit dem Bahnban wird nach Ostern begonnen werden. Da eine große Zahl von Arbeitern angenommen wird, so werden die Arbeiten rasch gefördert werden. Die zur Erdbewegung nöthigen Karren rc. sind bereits an Ort und Stelle, auch das Waldstück, welches die Bahn berührt, ist fast fertig gehauen.
Frankfurt, 12. April. Im oberhessüchen Orte Lampertheim waren im letzten Jahre verschiedene Brände ausgebrochen, die böswilliger Weise angelegt waren. Vergeblich waren alle Nachforschungen nach dem Thäter. Nunmehr ist es gelungen, den Thäter in einem Hjäbrigen Knaben festznstellen. Nach seinem Geständnis war es lediglich das Vergnügen, ein Feuer zu sehen und beim Sturmläuten zu helfen, was ihn zu dem Verbrechen getrieben hatte.
Wiesbaden, 14. April. Gegen 3000 Maurer, Grundarbeiter, wollen nach Ostern die Arbeit nicht wieder aufnehmen, weil die Meister die Forderung von 5 Pfg, mehr Lohn für die Stunde ablehnen.
Raboldshausen, 12. April. Mit dem 1. d. M. ist die hiesige israelitische Schule eingegangen, weil sie von nur noch zwei Schülern besucht wurde, und diese zwei Schüler waren — die Kinder des Lehrers.
Aus Waldeck, 12. April. Eine überaus wichtige Entdeckung hat der Bergmann L. zu Thalitter in der Obernburger Feldmark gemacht, in deren Bausandsteinbrüchen sich reichhaltige Erzlager befinden sollen. Derselbe stellte fest, daß in einer Tiefe von einem halbem Meter Silber- und Kupserze vorhanden sind, und hat sich das Mutungsrecht bereits erworben. Bergwerksdirektor Roderburg zu Aachen, welcher sich dieser Tage an Ort und Stelle begeben, sprach die Vermutung aus, daß ein guter Erfolg zu erwarten sein dürfte.
Der Einbruchsdiebstahl bei Trick u. Cie.
Eine amerikanische Geschichte.
Mr. Jonathan Trick und dessen Compagnon, Mr. Edward Trock, die ersten Juwelenhändler Newyorks, saßen dreieinhalb Wochen vor Beginn der Weihnachtssaison in dem Kassenzimmer ihres Geschäftes, Broadway 24, hatten in anerkennenswerther Uebereinstimmung die Beine auf die Schreibpulte gestemmt, rauchten Upman Flors und starrten stillschweigend an die Decke des Zimmers. Nach einer Weile unterbrach Mr. Trick das Stillschweigen: „Edward Trock!"
Mr. Edward Trock warf einen fragenden Blick auf seinen Compagnon: „Mr. Jonathan Trick?"
„Ahem!“ sagte Mr. Trick
„Well!“ erwiederte Mr. Trock.
Worauf Mr. Trick fortfuhr: „Denke, werden Heuer verdammt schlechtes Weihnachtsgeschä t machen?"
„Yes Sir, denke auch," entgegnen Mr. Trock.
„Hab so 'ne verdammte Idee, um 'n brillantes Ge- schüft zu machen, Mr. Trock."
„Well, Mr. Trick."
Mr. Trick erhob sich, beugte sich zu seinem Compagnon und flüsterte demselben ins Ohr: ...... .....,Well?"
„Well!“ murmelte Mr. Trock. You are . . . .“
I ..Pst!"
„Ahem!“
Drei Tage nach diesem Zwiegespräch erhielten die Newyorker Journale spaltenlange Berichte über einen in der jüngstvergangenen Nacht stattgehabten, äußerst verwegenen Einbruchsdiebstahl, dessen bedauernswerthcs Opfer die bekannte Juwelenfirma Trick u. Cie., Broadway 24, geworden. Die Einbrecher hatten geradezu mit beispielloser Kühnheit das halbe Waarenlager geraubt. Der Schaden betrug 250 000 Dollars. Ganz Newyork befand sich in fieberhaftester Aufregung und es wurde von nichts anderem gesprochen, als von dem Einbruchsdiebstahl bei Trick u. Cie. Ein Heer von Detektives wurde aufgeboten, um den Thätern auf die Spur zu kommen. Es vergingen jedoch vier, fünf, sechs Tage, ohne daß die Polizei irgend ein Resultat erzielt hätte. Die Verbrecher waren wie vom Erdboden verschwunden.
* *
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Trick und Cie. hatten den Schlag mit echt amerikanischer Gleichmüthigkeit ertragen. Trick u. Cle. waren eine Firma, die anf festen Füßen stand. Trick u. Cie. inserierte in den Journalen:
Der große Einbruchsdiebstahl bei
Trick & Cie.
soll das P. T. Publikum nicht daran hindern, seine Weihnachts-Einkäufe bei Trick & Cie. zu machen, wo es besser und billiger bedient wird, als überall.
Trick & Cie., Broadway 24.
Und das Publikum, gutmüthig, wie es schon ist, strömte in Hellen Schaaren zu Trick u. Cie. um dort seine Weihnachts-Einkäufe zu machen aus folgenden Gründen:
Erstens war es ein gutes Werk, Trick u. Cie etwas zu verdienen zu geben;
zweitens konnte man bei dieser Gelegenheit die so kunstvoll erbrochenen Kassen besichtigen; und
drittens wurde man bei Trick u. Cie. wirklich besser und billiger bedient, als überall.
Die Folge davon war, daß Trick u. Cie. eine Woche hindurch ein brillantes Geschäft machten, was man den schwer Geschädigten im übrigen wirklich vergönnen durfte.
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Nach Ablauf dieser Zeit kam Mr. Jonathan Trick eines Tages athemlos zur Polizei gelaufen, wo man sehr erstaunt war, den sonst so gemessenen Gentlemen sozusagen außer Rand und Band zu sehen. ,
„Ein Brief!" stammelte Mr. Trick, indem er ein beschriebenes Blatt Papier in größter Aufregung hinhielt, „ein Brief . . . heute früh . . . Post . . . lesen!"
Man las:
„Mr. Jonathan Trick u. Cie., Esqu.
Newyork, Broadway, 24.
Ein anonymer Freund zeigt an, daß es ihm gelungen ist, die Einbrecher und das gestohlene Gut zn eruieren. Wenn Trick u. Cie. bei der Polizei 10000 Dollars für die Armen deponieren und die Polizei dies in den Journalen bestätigt, so werden die geraubten Juwelen wieder in die Hände ihrer rechtmäßigen Eigenthümer gelangen."
Die Polizei schüttelte zwar den Kopf, doch Mr. Trick zog die Brieftasche und legte 10 Noten ä 1000 Dollars auf den Tisch, worauf die Behörde, obwohl sie von der ganzen Geschichte nichts hielt, wohl oder übel in den Journalen verlautbaren mußte, Trick u. Cie. hätten, der Aufforderung des unbekannten Briefschreibers Folge leistend, hieramts für die Armen 10000 Dollars hinterlegt.
* *
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Als die Bediensteten von Trick u. Cie. am Morgen, nachdem die polizeiliche Bestätigung in den Journalen erschienen war, das Geschäft amsperren wollten, stand vor der im Hausflur befindlichen, zu dem Kassenzimmer führenden Thür eine sorgfältig vernagelte und mit Eisenreifen beschlagene Kiste, welche bte Aufschrift trug: „Für Trick u. Cie., Broadway 24, persönlich zu öffnen."
Trick u. Cie. wurden schleunigst geholt, und als Jonathan Trick, Edward Trock und deren Bedienstete die räthsclhafte Kiste umstanden, machte Jonathan Trick die Bemerkung, daß es gut wäre, die Polizei zu verständigen, bevor in dieser Angelegenheit etwas unternommen werde.
Und als die Vertreter der Behörde erschienen waren, wurde die Kiste behutsam geöffnet und in derselben lagen in größter Ordnung, wohl sortiert und säuberlich verpackt, sämmtliche gestohlene Juwelen, und obenauf lag ein Exemplar des am Tage nach dem Einbruchsdiebstahle erschienenen Verzeichnisses der abhanden gekommenen Werthgegenstände, so daß man gleich ein Inventar auf. nehmen konnte, welches auch bis auf das i-Tüpfelchen stimmte.(Schluß folgt.)
Briefkasten.
Betrübte Radlerin. Sie hätten gleich Excelflor-Pneumatics für ihr Rad verlangen sollen, das sind die besten.
TklegraphischkrSchiffsbkricht der,Ned Star Linie" Antwerpen.
Der Postdampfer „Wcstcrnland" der Red Star Linie in Antwerpen, ist laut Telegramm am 11. April wohlbehalten in New Aork angekommen.