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Schlüchtmm Zeitung

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

29. Mittwoch, den 11. April 1900. 51. Jahrgang.

auf bie .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ----- Postanstalten utd Landbriesträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

J.-Nr. 3267. K. A. Bei dem Schatzmeister unseres Vereins gingen an Gaben zum Besten der Verwundeten und Kranken im Transvaalkricge ein:

1. von der Gemeinde Breitenbach 5 Mk.

2. Brgstr. Elm in Schwarzenfels 5

3. Bäckermeister Baist hier 2

4. Bürgermeisteramt Steinau 25

5. Brgstr. Schleich in Uerzell 1

6. Lehrer Agrikola in Uerzell 1 Summa 39 Mk.

Schlüchtern, den 4. April 1900.

Der Vorsitzende vom Rothen Kreuz-Verein: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hält einen Generalappell der Gardisten aller deutschen Gaue in der Kieler Woche auf dem Exerzierplatz des ersten Seebataillons ab. In einigen Wochen wird der Kaiser dem Fürsten Egon zu Fürstenberg in Donaueschingen einen mehrtägigen Besuch abstatten, um auf Einladung des Fürsten in dessen Waldungen an den Auerhahnjagden theilzunchmen. Ganz unerwartet wird aus Wien amtlich gemeldet, daß Kaiser Franz Joseph von Oesterreich Anfangs Mai zu mehrtägigem Aufenthalte an dem deutschen Kaiserhofe nach Berlin reist. Der Kaiser geht zu der am 6. Mai stattsindenden Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm am 5. Mai nach Berlin, da er einer von den Pathen des Kronprinzen ist.

In die Stammkompagnien der Marine-Truppen« theile in Kiautschou dürfen nunmehr auch tropendienst- fähige Einjährig-Freiwillige eintreten. Mit dem nächsten nach Kiautschou abgehenden Ablösungstransport erfolgt die Ueberführung. Die Dienstentlassung dieser Ein­jährig-Freiwilligen erfolgt entweder in Kiautschou selbst sofort nach vollendeter einjähriger Dienstzeit, wenn die­selben entweder auf freie Beförderung in die Heimath bezw. dem künftigen Aufenthalsorte verzichten und ein sofort anzutretendes Vertragsverhältuiß in Ostasien nachweisen, oder wenn sie die Kosten der Heimreise aus eigenen Mitteln bestreiten wollen und diese nadnoeifen Andernfalls erfolgt die Rückkehr erst mit dem nächsten nach Erfüllung der Dienstpflicht von Kiautschou abgehen den Ablösungstransport. Die über die gesetzliche aktive Dienstzeit hinausgehende, in Kiautschou verbrachte Dienst­zeit von acht und mehr Wochen wird für eine Uebung in der Reserve gerechnet. Diejenigen Einjährig-Frei­willigen aus Kiautschou, die mit dem Rücktransport nach der Heimath zurückkehren wollen, müssen sich schon bei ihrer Einstellung protokollarisch verpflichten, daß sie sich des Anspruchs auf Entlassung aus dem aktiven Dienste bis zur Rückkehr in die Heimath begeben.

Die Mitgliederzahl des deutschen Flotten-Vereins ist bis zum 15. März auf 349 139 gestiegen, der Zuwachs beträgt in vier Wochen über 26 000, Die Anmeldungen von korporativ beitretenden Vereinen rc, werden in letzter Zeit besonders häufig, sodaß der Verein jetzt fast noch einmal so viel korporative Mitglieder zählt als im Dc zember. Am 3. April sind ferner sämmtliche Evangelsichen Arbeitervereine mit 60 000 Mitgliedern dem Flottenverein beigetreten.

In Berlin wurde am Sonnabend der Raub­mörder Gönczi wegen Doppelmordes vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt; seine Ehefrau wurde freigesprochen.

Düsseldorf, 3. April. Einer merkwürdiegen Er­ziehungsmethode befleißigte sich ein hiesiger Volkschul- lehrer, der unlängst in seinem Klassenlokal bekannt gab, daß jeder Schüler, der sich während des Unterrichtes umsehe, von dem hinter ihm sitzenden Knaben geohrfeigt werden solle. In einem Falle besorgte das denn auch ein Junge einem Kameraden gegenüber so gründlich, daß der Geschlagene sofort zu Hause über Ohrschmerzen klagte, und die ärztliche Untersuchung die Zertrümmerung des Trommelfelles ergab. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den betreffenden Lehrer bereits die Untersuchung tingeleitet.

Mainz, 2, April. Ein wohlhabendes Bäuerlein aus

Ausland.

Belgien. Am oberen Congo ist wieder einmal ein Aufstand der Eingeborenen ausgebrochen, der durch bie. unmenschliche Behandlung veranlaßt worden ist, die Seitens belgischer Beamten den Eingeborenen gegenüber geübt worden ist. Bei der Kaukschuckgcwinnung werden Eingeborene unter Aufsicht von Europäern beschäftigt. Letztere sollen nun an einem einzigen Orte 62 Schwarze, 84 Frauen und 3 Kindee durch Hunger und Feuer mafafrirt habeu. An anderer Stelle sollen 25 Frauen und drei Kinder getödtet worden sein, an einem dritten Orte wurden mehrere Neger erschossen. Djese wurden von Stammesgenossen durch die Massakrirung von drei weißen Agenten gerächt. Das Gebiet dieser Grausamkeit ist dasselbe, das von dem vielgenannten Major Lothaire ausgebeutet wird, der Direktor einer Antwerpener Gesell-' ichaft ist. Lothaire soll mit 260 Soldaten gegen die aufständischen BundjeS auSgezogen fein.

Brüssel. Dr. Leyds hat in diesen Tagen einem Redakteur des PariserMatin" gegenüber erklärt, die Buren seien entschlossen, bis zum Aeußersten zu kämpfen. Auf die Frage, ob die Buren diesen Kampf bis zur Zerstörung der Goldminen treiben will den, erklärte Dr. Dr. Leyds, die Buren seien keine Zerstörer. Niemand besitze ein größeres Maß von Achtung vor dem Eigen- thum, als sie. Sie seien Hirten und Landwirthe, welche l den Vorschriften der Bibel gehorchten: sie würden keine i unnöthigen Verwüstungen begehen. Ein Beweis dafür! sei, daß sie sich bisher als ausgezeichnete Verwalter der > verlassenen Bergwerke bewährt hätten. Die Buren würden 1

der Pfalz besuchte gestern unsere Stadt um Einkäufe zu machen und sich ein Vergnügen in der Messe zu gönnen. Von Hause aus gewohnt, sich auch einen Schoppen zu leisten, beduselte er sich so, daß ihm erst auf dem Heim­weg vor dem Gauthor einfiel, daß er ja mit Pferd und Wägelchen gekommen war und eingestellt hatte, aber wo? Er taumelte zurück in die Stadt und fragte nun Jeden, der ihm begegnete:Sie Vetter Eich hun hie ingestellt, wissener net wu, eich fins net mi". Endlich gelang es einem jungen Mann, das Gasthaus ausfindig zu machen, und der Bauer konnte von bannen fahren; wie er heim­gekommen ist, weiß man nicht.

Kempten. Jugend von heute. In dem Gebirgs- bezirk Sonthofen wurden beim Militär-Ersatzgeschäst von 743 Gestellungspflichtigen nur 143 tauglich befunden. Es gab viele Rekruten, die unter einem Zentner wogen und nicht 1112 Meter groß waren.

Apolda, 3. April. Gegen die überhandnehmende Vergnügungssucht wurde dieser Tage im hiesigen Gemeinderath Front gemacht anläßlich eines Antrages des Gemeindevorstandes, die Tanzerlaubnißgebühr von 3 bezw. 6 Mk. aus 10 und 20 Mark zu erhöhen. Es bestehen hier 83 Vereine (Apolda hat 21,000 Seelen), die über 500 Tänze im vergangenen Jahre abgehakten haben.

Sayda (Thüringen), 31. April. Ein Jäger hat in einem Graben in der Nähe unseres Ortes ein seltenes Thier erlegt, nämlich einen Biber, der über 1 Meter lang ist und 18 Kilo wiegt. Das Thier kann sich nur aus der Elbe, an deren Usern in der an Weiden reichen Gegend zwischen Wartenburg und Wittenberg der Biber noch vereinzelt angetroffen wird, bei dem jetzigen Hoch­wasser nach dem weit entlegenen, aber mit der Elbe in Verbindung stehenden Graben verirrt haben.

Wie derSchlesischen Dolkszeitung" aus Warm- brnnn gemeldet wird, ist dort am Sonntag die Wittwe Hirsch und deren 14jährige Tochter ermordet worden. Der Thäter ist der Sohn der Wittwe, welcher am Tage zuvor seiner Mutter eine große Geldsumme gestohlen hatte. Ein Jahr Gefängniß wegen Thierquälerei. Der Pferdeknecht Martin Moll in Myslowitz hatte kürzlich in betrunkenem Zustande einem ihm anvertrauten Pferde ein Bündel Heu an den Schwanz gebunden und dasselbe dann in Brand gesetzt. Das Pferd erlitt in Folge dessen entsetzliche Brandwunden, erholte sich aber wider Er­warten schnell wieder und wurde schließlich vollständig gesund. Mit Rücksicht darauf daß die That des rc. Moll ein besonders schwerer Rohheitsakt war, erkannte das Gericht unter Versagung mildernder Umstände auf ein Jahr Gefängniß und verfügte die sofortige Verhaf­tung des Verurtheiltcn.

niemals aus bloßer Lust am Zerstören Eigenthum ver­nichten; diese Bedeutung habe auch die neuliche Erklärung des Präsidenten Krüger. Aber wer vermöge zu sagen, wie weit die Nothwendigkeit der Vertheidigung führen werde! Die Buren hätten, als sie das Gebiet von Natal ver­ließen, die Kohlengruben von Dunden zerstören müssen, die den Engländern nützen konnten. England selbst habe Kohlen und Gold als Kriegsmaterial erklärt.

London. Ueber die Situation der Robertsschen Truppen wird geschrieben: Lord Roberts hinge heute vollständig in der Luft, wäre es ihm nicht gelungen, sich die Eisenbahnlinie Bloemfontein Springfontein dienstbar zu machen, die Linie von Kimberely ist mehr als gefährdet. Die Linie Springfontein unversehrt zu erhalten muß sein Huuptbestreben sein; ehe er sich nicht gegen jeden Handstreich der Buren gesichert hat, kann er an den Vormarsch nach Norden nicht denken. Der Vorstoß der Buren bis zu den Wasserwerken von Bloemfontein beweist, daß diese Sicherung noch durchaus nicht gelungen ist. Im Norden hat Roberts das Buren­heer bei Kroonstadt vor sich, dessen Vorhut bis Karree vorgeschoben ist, die linke Flanke seines Heeres ist von Kimberley und dem dort stehenden General Methuen abgeschnitten, auf die rechte Flanke drücken die 810,000 Buren, von denen eine kleine Anzahl sehr leicht bis zum Bahnstrang BloemfonteinSpringfontein vordringen und den Engländern eine sehr üble Lage schaffen kann. Was den Verlust noch schmerzlicher macht, ist der Umstand, daß es gelegentlich dieser Kämpfe den Buren gelang, die Wasserwerke von Bloemfontein zu zerstören. Gelingt es den Engländern nicht sehr schnell, den Schaden zu repariren, dann gerathen sie in die äußerste Bcdrängmß die einem Heere in Südafrika nur wider­fahren kann. Und gerade in der jetzigen Jahreszeit dürste es für Lord Roberts ein Ding der Unmöglichkeit sein, für sein riesiges Heer mit den Zehntausenden von Pferden und Lallthieren das nöthige Trinkwasser zu be­schaffen. Die prekäre Lage des Marschalls Roberts ist vor allen Dingen dem großen Verlust an P erden zu- zuschreiben, welcher ihm alle Beweglichkeit nimmt. General French, der vor sechs Wochen mit 8000 Be­rittenen von Ramdam zum Entsatz von Kimberley vorstieß, hat 3000 Pferde unterwegs verloren; der Verlust an Pferden durch Krankheit und Erschöpfung beim Vormarsch auf Bloemfontein wird auf weitere 4000 berechnet. Kavallerie und Artillerie wurden gleich stark heimgescht. Außerdem sind den Buren am Rielfluß, als sie einen aus 200 Wagen bestehenden Transportzug eroberten, außer 2000 Ochsen noch 3000 Pferde in die Hände ge­fallen, die zum Ersatz für French dienen sollten. Der Verlust von 10,000 Pferden innerhalb sechs Wochen bedeutet für Lord Roberts den Verlust der Beweglich­keit, die allein es ihm ermöglichte, feine Schläge so rasch auszuführen.

P tcreburg, 8. April. Hier trafen Nachrichten ein über Nach orschungcn englischer Unternehmer nach Gold­lagern im Gebiete des ochotsk.schen Meeres an der sibirischen Ostküste. Es sollen dort Goldlager von im­mensem Reichthum gefunden sein, ein zweites Klondike. Ein engli cher Unterrchmer, Oberst Osborne, soll sich bereits um Konzession zur Ausbeutung bemühen. Die russische Regierung ist aber nicht geneigt, ausländische Unternehmungen zu begünstigen und rüstet vielmehr eine Expedition in die betreffenden Gebiete aus.

Türkei. Osman Pascha, der berühmte Löwe von Plewna, ist im Alter von 63 Jahren gestorben.. Er hat sich durch seine Vertheidigung Plewnas einen Welt­ruf erworben.

Amerika. Der Verkauf der dänischen Antillen an die Vereinigten Staaten von Nordamerika soll dem Globe" zufolge bereits stattgefunden haben. Nach Angaben amerikanischen Blätter hat der Philippinenkrieg den Vereinigten Staaten bis jetzt 49 Millionen Dollars, rund 200 Millionen Mark gekostet.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 10. April.

* Pfarrcuratus KieSler in Züntersbach wurde i Kuratus der Knabenrettungsanstalt in Sannerz eilt an Stelle des Alumnatspriesters Dehler, welcher Pfarrverwalter nach Johannesberg versetzt ist.

* Sonder-Personenzüge, welche aus Anlaß des erfestes in diesem Jahre außer den sonst an Sonn- Feiertagen zur Bejördxrung kommenden Zügen an