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Samstag, den 7.- April 1900.

51. Jahrgang.

Ä

IkfMhttirtMt °uf die »Schlüchterner Zeitung« wvIll-UllHyi/H merben nod) foriwährend von allen

' *- - Postanstalten utd Landbriefträgern, sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar stattete dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe zu dessen 81. Geburtstage am 31. v.M. einen Gratulationsbesuch ab. Dieser ostentative Huld- beweis, sowie die an denselben geknüpften. Kommentare der Regierungsblätter bilden zugleich eine indirekte, aber gar nicht mißzuverstehende Dcsavouirung der Ansstreu- ungen von gewisser Seite, als hätte die Stellung des obersten Reichsbeamten in letzter Zeit an Festigkeit ein- gebüßt.

Das Gouvernement in Deutsch-Südwest-Afrika 'hat neue Bedingungen über den öffentlichen Verkauf ^von Regierungsfarmen gestellt. Hat das Gouvernement auf der Farm Meliorationen, wie Anlegung von Brunnen ' und Wegen und dergleichen, vorgenommen, so wird der Selbstkostenpreis hierfür auf den Kaufpreis geschlagen. Der Käufer darf die Farm während eines Zeitraumes von 10 Jahren vom Verkaufstermin ab ohne Zustimmung des Gouvernements nicht veräußern. Der Käufer ist verpflichtet, mit der Bewirthscha'tung der Farm spätestens innerhalb sechs Monaten vom Tage des Kaufabschlusses f ab zu beginnen. Ehemaligen Angehörigen der Schutz I truppe für Deutsch-Südwestafrika, welche bei dieser als Kapitulanten gedient und sich während ihrer Dienstzeit tadellos geführt haben, sowie den Besitz eines Kapitals von 2500 Mark nachzuweisen vermögen, können nach freiem Ermessen des Gouvernements in dem Kr^nland Farmen je nach der Höhe des nachgewiesenen Kapitals bis zu Größen von 5000 Hecktaren unentgeltlich mit der Maßgabe abgelassen werden, daß der Erwerber einer solchen Farm die sämmtlichen in den vorstehenden Para­graphen für die Käufer festgesetzten Bedingungen, insoweit diese sich nicht auf die Bezahlung des Kaufgeldes be­ziehen, zu erfüllen, beziehungsweise cintretendeifialls die dort festgesetzten Nachtheile zu erleiden hat. Die Bildung von Vereinen ist in Deutsch-Südwesta'rika eine sehr rege. In Otjimbingue hat sich eine Ortsgruppe der Deutschen Kolonialgesellschaft gebildet, die erste im Schutz­gebiet. In Windhoek ist ein Turnverein ins Leben ge­treten, er gewann sofort 45 Mitglieder. Die neuesten Nummern des von einem Schlüchterner herausgebenen Windhoeker Anzeigers bekunden durch eine Anzahl Ge- burts- und Verlobungs-Anzeigen, daß die Bevölk^ung t des Schutzgebietes in erfreulicher Vermehrung in sich

begriffen ist. Die Nummer vom 17. Januar ist auf I rosafarbenenem Papier gedruckt und enthält folgende charakteristische Erklärung:Das am 25. September I / v. J. voü Hamburg verschiffte Druckpapier ist heute, | am 17. Januar, noch nicht in Windhoek eingetroffen, | und das Blatt muß, da anderes Papier nicht zu erlangen | war, in der vorliegenden Gestalt erscheinen. Die That­sache zeigt, wie mangelhaft eS um die Verbindung zwischen y der Heimath und hier immer noch bestellt ist, und von . ' welchen Zufälligkeiten man hier abhängt. Die freund­lichen Leser werden nachsichtig fein 1*

Die preußische Unterrichtsverwaltung dürfte in den nächsten Jahren mit einem starken Lehrermangel zu sümpfen haben. Nach den soeben veröffentlichten Frequenz , Ziffern der stattlichen Schullchrer- nnd Lehrerinuensemi , nate und der Präparandenanstalten haben die Seminare in Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Schlesien und 1 Schleswig-Holstem die etatsmäßige Zahl der Schüler j nicht erreicht und in den übrigen Provinzen nur uner- > ; heblich überschritten. Die Präparandenanstalten bleiben ) in Pommern und Hessen-Nassau ebenfalls hinter der etatS- " Mäßigen Frequenz zurück. In den letzten Jahren, seit der Neuordnung des Militärdienstes der Volksschullehrer, > wodurch dem Schuldienste eine auf 2500 bis 3000 Per- » fönen zu schätzende Zahl von Lehrkräften entzogen wird. haben die Seminare ihre Frequenz nur um etwa 1500 j gesteigert (1895/06 11,280, 1900 11 435). Die in den Jahren 1900 und 1901 zur Entlassung kommenden ; Kurse sind besonders schwach besetzt.

Englische Kohle in Deutschland. Wie bekannt 1 geworden, hat die Einfuhr englischer Kohle in Hamburg in den letzten zwei Wochen bedeutend zugenommen und

Die Totaleinwanderung nach Amerika von 1820 bis 1899 betrug 18,797,028 Menschen, so daß man sagen kann, daß im 19. Jahrhundert mindestens zwanzig Millionen Europäer nach Amerika auswanderten. Die Weltgeschichte kennt keineVölkerwanderung" von ähn­lichem Umfange, da diese moderne Bewegung natürlich den weltgeschichtlichen Vorgang, der diese» Namen trägt, durchaus in den Schatten stellt.

München. Der Köln. Volksztg. wird aus der Jsarstadt geschrieben: Seit Sonntag herrscht in München die feucht-fröhliche Stimmung vor: Das Salvatorbier ist angczap't. Der Stoff geht dermaßen zu Herzen, daß die kluge Polizei den Ausschank nur bis 7 Uhr ge­stattet ; dann ist nämlich die Stimmung bereits so prächtig, als man zum Beginn einer urtröhlichen Rauferei nur wünschen kann Im vorigen Jahre wurde das Ver. gnügen so gründlich betrieben, daß an hundert Personen verwundet in den Spitälern lagen. Der Erfolg ist bei allen Salvatorbieren der gleiche. Der Polizeibericht ist unheimlich lang und enthält eine ganze Liste von schweren Verwundungen und Verhaftungen wegen Prügeleien.

Aus der Pfalz. Einen Schadenersatz von mehr als 25,000 Mk. hatte jüngst der pfälzische Müller und Landwirth M. aus folgendem Anlaß zu leisten. Der 40jghrige Postbeamte W. ging am Weihnachtsabend 1897 mit seinen Kindern und anderen Verwandten durch eine Straße von Kaiserslautern. In angercgter Unter Haltung begriffen, trat er, um auf sein Amtszimmer im nahen Postgebäude zu zeigen, in die dicht am Bürger­steige hinlaufende Rinne und ging in ihr ein paar Schritte fort. Da kam gerade auf der sonst völlig freien, auch genügend beleuchteten Straße ein Wagen hart am Bürgersteig rasch herangefahren, ohne daß W. und seine Begleiter darauf geachtet hätten. Der linke Scherbaum des Wagens faßte den Mantel W'S., dieser'

am Mittwoch ihren Höhepunkt erreicht. An diesem Tage ist das größte Kohlenquanlum angekommen, das in den

Hamburger Statistiken existirkt, indem 25 mit Kohlen befrachtete Dampfer eintrafen, sodaß zu deren Festlegung die Werften herangezogen werden mußten. Die Kohle wird eilens nach Rheinland-Westfalen, Sachsen, Böhmen und Mähren verfrachtet.

Hamburg. Der DampferMichigan", welcher einen Theil des Barnum und Baileyschen Riesenschaustellungs- Unternehmens nach Hamburg bringt, ist soeben dort ein- getroffen. Von der Großartigkeit dieses Unternehmens kann man sich einen Begriff machen, wenn man erfährt, daß allein drei Dampstr von der Größe derPretoria" nöthig find, um das Material und Inventar, die Thiere und die 1000 Angestellten nach Hamburg zu schassen. Vier eigene complette Eisenbahnzüge, bestehend aus je 17 Schlaf- und Personenwagen, werden soeben mittels kolossaler Krähne entladen; 160 Pferde, ein Eisenbahn­reklamewagen, welcher der Schaustellung am Festlande vorauseilt, 20 Kastenwagen und 55 Zellwagen gehören dem Unternehmen. Ferner bringt die Gesellschaft 15 Rollwagen, 255 Pferde, 30 Ponies, 16 Elephanten, 45 Käfige mit Guanacos, Lamas, Zebras, Zebus, Alpacas, Kameelen und Dromedaren mit.

Bremen. Die Auswanderung nach Amerika beginnt wieder stark zuzunehmen. Man rechnet für dieses Jahr auf ca. 400,000 Personen, die nach Ncw-Aork zu be­fördern sein werden. So brächte der Lloyddamp'er München" bei seiner letzten Reise 1128 Personen, die Pennsylvania" 1139 dieOceanic" gegen 1200, und die nächsteMaria Theresia" dürfte ebenso viele mit­bringen. Man sieht, wie schnell sich die Tausende sum- miren, wo das einzelne Schiff mehr als ein Bataillon in Kriegsstärke herüberbringt. Es scheint wieder eine neue Epoche der Auswanderung, wie in den 80er Jahren bevorzustehen. Der durchschnittliche Abgang aus Europa betrug feit 1820, wo zuerst offizielle Ermittelungen hier-

schlug heftig zur Erde und wurde eine Strecke weit ge­schleift, bis W's Schwager dem Pferde in den Zügel fiel und das Ge ährt zum Stehen brächte. Leider hatte der Unfall nach etwa drei Wochen den Tod des Be­amten, dem bei dem Fall oder durch das Aufschlagen beim Fortschleisen das Siebbein gebrochen war, zur Folge. Der jugendliche Wagenlenker kam in Folge besonderer ihn entlastender Umstände mit einer geringen Freiheits­strafe davon. Gegen seinen Dienstherrn richtete darauf die Wittwe für sich und die Kinder eine Schadensersatz- kiage, in der sie eine dauernde Jahresrente von 24u0 M. beanspruchte. Die Haftpflicht M's. wurde neben seiner nach damaligem Pfälzer Recht bestehenden allgemeinen Verantwortlichkeit für seine Beauftragten hauptsächlich damit begründet, daß er einem 14jährigen unerfahrenen Knaben sein Fuhrwerk anvertraut habe. Da seine Ver- urtheilung kaum zu bezwei ein war, leitete M. Vergleichs­verhandlungen ein die auch, nachdem die Kläger ihre Forderung von 45.1'00 anfänglich sogar 100,000 Mark noch bedeutend ermäßigt hatten, auf einer Grund­lage von 25,000 M jüngst zum Abschluß gekommen sind. Nur dem Umstände, daß er sich als vorsichtiger Mann (beim Allgemeinen Deutschen Versicherungs-Verein in Stuttgart) gegen Haftpflicht versichert hatte, verdankt es M., daß er dem schweren Verluste, der für Manchen die wirthschaftliche Vernichtung bedeuten würde, entgeht.

über gemacht wurden, in dem

Jahrzehnt

182030

jährlich

14,439

st

1830-40

M

59,912

N

1840-50

171,325

1850-60

ff

259,822

1860-70

231,482

ff

1870-80

M

281,219

M

188090

M

624,661

ff

1890-99

339,584

Ausland

Brüssel, 4. April. Aus den Prinzen von Wales, der auf der Reise nach Kopenhagen heule Nachmittag 5,30 Uhr auf dem hiesigen Nordbahnhose eintraf, wurde von einem Unbekannten geschossen. Der Prinz ist nicht verwundet, der Thäter wurde verhaftet.

London, 3. April. Aus Bushamskop wird gemel­det, daß das Thal, in welchem die Engländer von den Buren überrascht wurden, heute Morgen noch von den Buren besetzt war. Als jedoch die englischen Vorposten herankamen, zogen sich die Buren zurück. Der Ort, an welchem die Engländer Überfällen wurden, bietet ein

Bild schrecklicher Verwüstung. Ucberall liegen Leichen umher. Umgestürzte Wagen und Kisten mit Lebensrnittel und Fourage. Der Oit war von den Buren aus kluger Weise zum Ueberfall gewählt worden. Dieselben konnten die Engländer von drei Seiten beschießen. Gleich nach dem Angriff entstand unter den englischen Truppen eine furchtbare Panik. Die Maulesel wurden wild, die Ochsen gingen rückwärts, statt vorwärts, tue Wagen stürzten um usw. Die Buren erklären, daß ihre Ver­luste 9 Verwundete und 5 Todte betragen. Gegen 9 Uhr holten die Buren die erbeuteten Geschütze und zogen sich mit denselben zurück.

London, 5. April. Wie aus Kapstadt gemeldet wird, richten Diphteritis und Typhus unter den am Modder­fluß stehenden englischen Truppen große Verheerungen an. Das Transportschiff mit Eronje und Oberst Schiel und mit 1000 gefangenen Buren an Bord, ist nach St. Helena in See gegangen.

Transvaal. Durch den Burensieg von Bloemfontein sind weniger als 3000 - 4000 Engländer in die Hände der Buren gefallen. Ob man es bei diesem Siege, fast unmittelbar vor den Augen des Lord Roberts, mit einem vereinzelten Vorstoß eines kühnen Burenführers oder mit einem Theil eines von der Centralleitung ent­worfenen Angriffplanes zu thun hat, müssen die nächsten Tage lehren. Es scheint aber so, als hätten sich die Buren nach dem Tode JoubertS zur Offensive entschlossen. Diese Annahme wird durch die Nachricht vei stärkt, daß eine Burenabthcilnng in der Nähe des ehemaligen Lagers Cronjes bei Paardeberg lagert. Die Buren hätten sich also zwischen Kimberley und Bloemfontein eingeschoben, so daß sie die linke Flanke der Roberts'schen Armee be­drohen. General Buller soll nun zwar erhebliche An­strengungen zum Vormärsche machen; da aber die Pässe der Drackensberge ohne Ausnahme von deu Buren stark besetzt sind, so haben diese eine Unterstützung der Roberts'schen Operationen durch General Buller nicht zu befürchten.

Lokales und Provinzielles.

Schtüchterv, 6. April.

* Versetzt wurden Lehrer Schlitt von Magdlos nach Erfurtshausen, Lehrer Wenzel von Radmüh