SchlüchtttnerWung
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Deutsches Reich. ~ "
Berlin. Nachdem Kronprinz Wilhelm am Mittwoch sein Abiturienlen-Examen abgelegt hat, folgt am Sonnabend die Prüfung des Prinzen Eitel Friedrich auf Grund der Bestimmungen für die Fähnrichs-Prüfungcn. Prinz Eitel bleibt aber noch ein oder zwei Jahre bis zur Ablegung des Abiturienten-Examens in Plöu, während der Kronprinz nunmehr nach beendeter Schulzeit nach Potsdam zurückkehrt und, wie schon früher gemeldet, fortan seinen eigenen Hofstaat erhält.
— Ueber neue Unruhen in unserem chinesischen Schutzgebiet Kiautschou liegt folgende amtliche Meldung vor: Am 11. Febr. wurde das Bahnbureau südlich von Kaumi von Chinesen Überfällen und gilt seitdem als gefährdet. Der Beamte konnte nach Kiautschou gelangen. Der Gouverneur entsandte von Tsingtau aus eine Schutztruppe nach Kiautschou und beauftragte den Hauptmann Mauve in Kaumi, mit dem dortigen Mandarin über die Beilegung der Unruhen in Berbindung zu treten. — Die Eisenbohnarbciten in Kaumi sind den Chinesen schon lange ein Dorn im Auge. Es ist aber zu hoffen, daß wie in früheren Fällen, so auch diesmal den Unruhen ein baldiges Ziel gesetzt werden wird.
•— Es wird in Deutschland jede Woche eine Million freiwillig für Arbeiterfürsorge von den besitzenden Klassen ausgegeben. DaS muß man annehmen, wenn man die Ziffern betrachtet, die P. Schmidt-Dresden im neuesten ausgesgebenem Heft der Vierteljahrsschrift „Arbeiterfreund", Organ des Centralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen, über die Zuwendungen mittheilt, die im Jahre 1899 von Aktiengesellschaften und Privaten als Geschenke, Stiftungen, Vermächtnisse den Arbeitern gemacht sind. Es wurden für diese freiwillige Arbeiterfürsorge im vergangenen Jahre ausgegeben von etwa 600 Aktiengesellschaften 19,344,1292NL von Privaten 19,314,967Mk. insgesammt also 39 159,696 Mark. Da die Feststellungen sich nur auf 600 von den 5000 deutschen Aktiengesellschaften erstrecken, und auch im fiebrigen die Schmidt- scheu Feststellungen natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen, so ist die Annahme, daß jede Woche in Deutschland freiwillig eine Million für Arbeiterfürsorge von den Besitzenden ausgegeben wird, wohl keineswegs unzutreffend.
— Bauarbeiter Lohnbewegungen in Sicht. Wie der Deutsche Bauarbeitgeberbund seine Disposition für die kommende Bauperiode trifft, um den fest geschlossenen Arbeiterorganisationen gegenüber nicht machtlos dazustchcn, so entwickeln letztere bereits jetzt eine große Rührigkeit, um für die zweifellos bevorstehenden großen Lohnkämpie genügend gerüstet zu sein. Die Sammlungen für den Streikfonds haben den ganzen Winter nicht geruht; in der zweiten Februar Woche sind aus Berlin II allein 30,000 Mark an die Centralstreikkasse nach Hamburg gesendet werden. Der Centralverband der Maurerbe rufsgenossenschaft in Hamburg hat soeben alle Verbände und Vereine davon benachrichtigt, „daß mit dem 1. März, mit welchem Tage die beitragsfreie Zeit endet, die Sammlungen für den Streikfonds überall aufzunehmen sind. Die Versammlungen, welche überall in diesen Tagen einzuberufen sind, sollen beschließen: 1. die Ein führung eines obligatorischen Wochenbeitrages für den Streikfonds für mindestens 40 Wochen im Jahre oder doch wenigstens die Festsetzung einer Mindestleistung." Es sollen gezahlt werden 20 P'ennig pro Woche in Orten, wo ein Stundenlohn bis 35 P'ennig verdient wird, in allen übrigen 25 Pfennig. Es dürften also bei dieser systematischen Beitragseinziehung für den Streikfonds jede Woche viele Tausend Mark aufkommen, und daher sie Maurerorganisationen im April und Mai, in welches Monaten die großen Lohnbewegungen zu ei- wartenVind, über eine wohlgeüllte Kriegskasse verfügen. Wenn Man den Agitoren der Maurer glauben darf, sind mindestens in 300 Orten Lohnbewegungen zu erwarten/? heute schon geben die Centralorganisationen be- hnntA baß Zuzug fern zu halten ist nach Minden i. W., Fran'kfu^rt o- M. und Bremen. Der Deutsche Arbeit- geberbuH^ für das Baugewerbe dürfte nicht verfehlen, angesicht^ieser großen Rührigkeit der Arbeiter seine An- strengunget»- "m die Organisation zu stärken, ebenfalls
Samstag, den 24. Februar 1900»
— Die Berliner Tischlergesellen sind in einen Aus stand eingetreten. An der Bewegung betheiligcn sich über 10,000 Tischlergesellen. Von Seiten der Arbeitgeber im Tiichlercigewerbe wird es nicht für ausgeschlossen gehalten, daß sich Drechsler. Bildhauer, Maschinen- arbeiter, Möbelpolierer u. f. w. den Tischlern anschließen, da sie infolge der Arbeitseinstellung dieser ja doch nicht beschäftigt werden können. Betroffen werden von dem Ausstande ca. 2000 Betriebe, von denen 500 der Vereinigung der Holzindustriellen Berlins angehören, während weitere 500 Arbeitgeber sich durch Unterschrift mit dieser Vereinigung für solidarisch erklärt haben. Die genannten 1000 Betriebe beschäftigen insgesamt ca. 16,000 Arbeiter.
— Die Frage der Waarenhaus-Besteuerung ist nicht nur für den selbständigen Geschäftsmann, sondern auch für den Gehülfen von größter Wichtigkeit, da es dem Letzteren durch die erdrückende Konkurrenz der Großbazare von Jahr zu Jahr mehr erschwert wird, sich selbständig machen zu können. Mau höre nur, was kürzlich der „Konfektionär" über ein einzelnes dieser Riesengeschä'te berichtete: „Leonhard Tictz, eins der größten Kanihäuser . hat innerhalb eines Jahres in verschiedenen Städte!; 5 2 Grundstücke angetauft, die zu Waarenhäusern un^ gebaut werden. Der Einkaufswerth dieser Grundstück, beträgt mehr als 12 Millionen Mark." — Dem entsprechend ist auch der Verdienst dieser Art Geschäfte — und wieviel kleine Geschäftsleute werden dadurch ruinirt?
— Zur Zeit sind noch nahezu eine Viertelmilliarde von Bauresten vorhanden, über die die Eisenbahnver- waltung zu Bahnbauzwecken zu verfügen hat, ferner 113 Millionen für noch gar nicht in Angriff genommene Eisenbahnbauten.
— Durch die Aufhebung der Privatposten, die am 1. April d. Js. eiutritt, werden alle die zahlreichen Geschäftsleute geschädigt, welche den Verkauf von Werthzeichcn dieser Privatanstalten nebenbei betrieben. Namentlich waren es die Cigarrengeschäfte, die so einen ganz annehmbaren Jahresverdienst erwarben, das sich bei Einzelnen bis auf 500 Mk. stellte, da die Gesellschaft 10 Proz. gewährte. Eine Petition der Verkäufer um Entschädigung für diesen Ausfall an die Postoerwallung ist von dieser abschlägig beschieden worden.
Halle a. d. S., 20. Febr. Im Nictlebener Kohlenrevier, im Westen von Halle erfolgte heute der Ausbruch des Streiks. Im Gesammtbezirk Holle sind heute über 1000 Kohlenarbeiter ausständig.
Zwickau, 20. Februar. Die streikenden Bergleute werden von heute ab entlassen. In der Nachtschicht streiten 1199 von 3107, in der Tagschicht 2629 von 8656. Den Angaben des Streikkomitees zufolge streiten 8700 Bergleute.
Aus Sachsen. Ju den sächsischen Kohlenrevieren hat die Lage sich verschärft. Im Königreich Sachsen beträgt die Zahl der Streikenden rund 9000. Im Erzgebirge ist die Kohlennoth bereits eine so große, daß in manchen Orten die Leute, um nicht bitterer Kälte aus- gesetzt zu sein, Haushaltungsgegenstände verbrennen. Soweit möglich, nimmt sich die Privatwohlthätigkeit der fernsten an und in Annaberg giebt jetzt auch die Stadtvertretung, die große Vorräthe aus Westfalen und Schottland noch rechtzeitig bezogen hat, kleinere Quantitäten an die ärmere Bevölkerung theils unentgeltlich, theils zum Selbstkostenpreise, theils unter diesem ab.
Halberstadt. Recht nette Steuersätze hat die Bürgerschaft von Halberstadt aufzubringen. Die dortige Stadt- verordneten-Versammlung genehmigte den Haushaltplan für 1900 nach dem Voranschlag und die Erhebung von 180 Prozent der Grundsteuer, 180 Prozent der Gc bäudestcuer, 180 Prozent Gewerbesteuer, 180 Prozent der Einkommensteuer als Kommunalsteuer, 100 Prozent der Betriebssteuer, außerdem die Biersteuer, Hundesteuer, Umsatzsteuer, Tanz- und Lustbarkeitssteuer und die Baukonsensgebühren.
Bon der Nordsee. 3'/2 Millionen Mark dem Meere abgerungen. Der Nordsee hat im Lau e der Jahre von den Halligen an der Westküste Schleswig HoUslcins ein Stück nach dem anderen verschlungen; aber was das Meer an der einen Stelle zerstört, giebt es an der anderen wieder heraus, so in den Watten der Unterelbe. Vor etwa zehn Jahren — so schreibt man von dort — wurden in den Watten unserer Küste die aus mächtigen Felsblöcken hcrgestellten'Stacks gebaut, welche die Macht deS Wogenanprallcs brechen und ein Aufschlicken der Watten fördern sollten. DaS ist auch gefeiten; die
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Watten sind an verschiedenen Stellen mehrei»^/^ aufgeschlickt, so daß voraussichtlich in abtlU größere Länderstrecken dem Meere abger können. Weiter elbabwärts in der Ger iHvlHyiöfe ist das bereits geschehen. Dort find oh and sonstige Vorbereitungen die Außendeichs mi in den letzten 10 Jahren an vielen Stellen um 6 —8 Hektar au geschlickt worden, die bereits als schöne, fette Außen- deichs-Weiden ausgenutzt werden. In bedeutend größerem Maßstabe ist aber diese Ländergewinnung am holsteini- schon Ufer vor sich gegangen. Nach einer soeben fertiggestellten Aufrechnung betrug die dem Meere abgerungene Ländergewinnung der dortigen Elbe-Nordsee-Marschgegcnd bis zur Nordseegrenze der Marsch bei Tondern in den letzten 50 Jahren im Ganzen 16 150 Hektar. Davon sind bereits 7000 Hektar mit Winterdeichen umgeben und somit gegen jede Fluth gesichert; mit sogenannten Sommerdeichen eingefaßt sind 1600 Hektar, die nur bei ungewöhnlich hohen Fluthen überschwemmt werden. Uneingedeicht sind nur 7500 Hektar. Da die Kosten eines Hektars fertig eingedeichten Landes sich auf ' 2000 Mark belaufen, der Werth eines solchen aber ^2500 Mark beträgt, so bedeuten diese 70o0 Hektar hinter 'Unterdeichung liegende sogenannte „Köge" für den ‘aat einen Vermögenszuwachs von 3 500 000 Mark.
: Mainz, 21. Febr. Lohnbewegungen scheinen in dieiem Frühjahr in allen Gewerben hier aufzutreten. Außer den Bäckern, Schuhmachern, Schreinern, Drehern und Maschinenarbeitern sind jetzt auch die Tüncher und Anstreicher mit höheren Lohnforderungen an ihre Meister herangetreten, und zwar ist die Mehrforderung der letzteren eine ziemlich beträchtliche. Uln einen Ausstand zu verhüten, hat sich die Tünchcrinnung bereit erklärt, die Forderungen der Gesellen einer Prüfung zu unterziehen. — Auch die Lehrer an den hiesigen Volksschulen haben an die Bürgermeisterei eine Eingabe wegen Gehaltserhöhung gerichtet. Die jüngste Gehaltsregulirung der hiesigen Volksschullehrer wurde im vorigen Jahre vorgenommen. — In dem Gemeindewalde bei Griedel bei Butzbach schoß HerrH. P cifer dieser Tage eine Trappe, welche eine Flügelspannweite von nahezu 1,69 Meter hat. Das erlegte Exemplar gehört zu der sehr selten in unserer Gegend vorkommenden mit dem Namen „Deutscher Strauß" bezeichneten größten Vogelart Deutschlands.
München. Pictätlosigkeit gegen eine Leiche. Die „Münchener Post" berichtet, daß die Leiche eines jüngst verstorbenen jungen Malers in die Anatomie verbracht wurde, wo sie auf Vergiftungsspuren untersucht wurde. Das Ergebniß war ein negatives und die Leiche wurde beerdigt. Die Verwandten veranlaßten aber nochmals eine gerichtliche Untersuchung, und als der Sarg gehoben wurde, fand man in der geöffneten Leiche die Leiche eines Kindes, die Eingeweide aber zu Häupten des Mannes.
Ausland.
Frankreich. In Paris dreht sich jetzt Alles um die am 15. April zu eröffnende Weltausstellung, deren Katalog nicht weniger als 30 Bände umfaßt und die Zahl der Aussteller auf 76000 angiebt, von denen nur ca. 26 000 auf Frankreich, die übrigen 50 000 auf das Ausland entfallen.
SpaUcn. In Spanien ist in diesen Tagen der Dampfer „Alicante" mit 1228 Passagieren, befreiten spanischen Soldaten aus den Philippinen, angetommen. General Pena, der sich darunter befindet, erklärte, die genaue Zahl der gefangenen Spanier sei 9000 gewesen, 5üoO wurden befreit, 2000 sind noch gefangen in den Händen der Tagalen und 2000 in der Gechngenschcht gestorben.1
Wien, 22. Febr. Laut hier eingegangener Meldung von authenischer Seite soll die Einschließung des Generals Cronje nicht gelungen sein. Die Engländer Hütten vielmehr eine große Schlappe erlitten und mehrere englische Generäle, darunter Kelly Kenny seien verwundet. General Roberts sei nur mit knapper Noth der Gefangenschaft entgangen.
London. 22. Febr. Die „Daily Mail" veröffentlicht eine Meldung aus Lorenzo Marquez, nach welcher der Buren-Kommandant William einen großen Sieg Über die Engländer davongetragen habe. Weiter wird aus Lorenzo Marquez vom 21. gemeldet, daß der Buren-General Dewey berichtet, er habe die Nachhut der Kolonne des General French angegriffen und 80 Wagen und 2800 Ochsen den Engländern abgenommen. Außerdem seien 58 Engländer gefangen genommen worden.