Cassel, 14. Febr. Nach der letzten Statistik gab es hier bei insgesammt 13,556 Censiten netto 100, die über ein Einkommen von 30,500 bis 100,000 Mk. verfügten, und 15, die ein Einkommen von über 100,000 Mk. ver steuern konnten. Zur Ergänzungs- (Vermögens-) Steuer wurden insgesammt 4868 Personen herangezogen Hiervon hatteu nicht weniger als 90 ein Vermögen von 500,000-1 Mill. Mk, 28 erfreuten sich eines Vermögens von 1-2 Mill. Mk. und 6 hatten sich mit einem Vermögen von über 2 Mill Mk. abzuquälen. Man sieht, in Cassel fehli's nicht an ganz — wohlhabenden Leuten!
Eichenberg, 12. Febr. Der Bahnwärter Hollen- bach aus Kirchgandern, welcher, wie seiner Zeit berichtet, am Montag früh am Bahnwärterhaus 164 zwischen Eichenberg und Friedland todt aufgefunden wurde, ist am Freitag Nachmittag unter großer Betheiligung der Orts-Einwohner und des dortigen Kriegervereins beerdigt worden. — Heute Morgen wurde derselbe gegen 9 Uhr auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in Cassel wieder ausgegraben und in Anwesenheit des Sanitätsraths Herrn Dr. Koppe aus Heiligenstadt, des Herrn Kreis- physikus ans Worbis und des Königlichen Amtsgerichts in Heiligenstadt die Leichenöffnung vorgenommen. Gutem Vernehmen nach wurde festgestellt, daß H. ein Loch im Kopfe und ein verletztes Gehirn hatte. Das Weitere wird die nähere Untersuchung ergeben.
Bischhansen (Kr. Eschwege), 17. Febr. Der Knabe Rose zu Thurnhosbach, welcher wegen Brandstiftung im dortigen Dorfe vom November an im hiesigen Gefängnisse in Haft saß, wurde der Zwangserziehungs-Anstalt zu Hof Raith bei Schlüchtxfu übergeben.
Seifertshansen, 14. ^^uar. Herr Förster Michel zu Erkshausen, welcher' d mit gutem Errolg der auch in unserer Gemarkung ^^ enden Sauenplage entgegengetreten ist, erlegte gestern einen' kapitalen alten Keiler. Derselbe wog ausgebrochen 240 Pfund.
Hersfeld, 16. Febr. Eine wirkliche amerikanische Erbschaft ist laut amtlicker Bekanntmachung in den hiesigen Kreis gefallen und die bisher unauffindbaren „lachenden Erben" werden vom Landrath gestickt. Auf seiner Farm in Sakraments County in Kalifornien starb nämlich im vorigen Jahre ein Deutscher, Johann Heinrich Opfer, unverheirathet, mit Hinterlassung eines Vermögens von etwa 120000 Mk. Der Erblasser hat über seinen Nachlaß zu Gunsten einer angeblich in einen Dorst Ansbach ansässig gewesenen, inzwischen aber ebenfalls verstorbenen Anna Katharina Jdler verfügt
Von der Werra, 15. Februar. Eine Londoner Firma bestellte bei der Porzellanfabrik Schneiders Erben in Gräfenthal 5000 Dutzend Porzellanfiguren, je einen englischen Afrikasoldaten darstellend, der trotz der klaffenden und blutenden Wunden aufrecht steht und das Gewehr zum Anschlag bereit hält; der Tropenhelm liegt auf dem Boden. Später soll die genannte Firma Figuren liefern, sie einen Marinesoldaten darstellen, der neben seinem Geschütze steht und auf den Feind hinzeigt. — Den Buren wird das wenig schaden.
Aus dem unteren Maingau, 16. Febr. In der siesigen Gegend sowohl, als auch im benachbarten sog. „blauen Ländchen" hört man lebhafte Klagen über den Schaden, den in diesem Winter die Schneegänse anrichten. Dieselben durchstreifen in Schaaren bis zu 100 Stück die Gegend, fallen in die Wintersaaten ein und weiden ganze Strecken ab. Da die^ Vögel ungemein scheu bezw. wachsam sind, so hält es den Jägern sehr schwer, ihnen auf Schußweite beizukommen.
Hadamar, 15. Februar. Dieser Tage erschien in einem hiesigen Geschäftshaus ein Reisender, der vorgab, für eine Marburger Fabrik Geschäfte abzuschließen. Da der Inhaber des hiesigen Geschäfts nicht anwesend war und somit keine Bestellungen gemacht werden konnten, gab er auch an, von der Firma beauftragt zu sein, Gelder in Empfang nehmen zu sollen. Arglos zahlte ihm daraufhin die Frau des Inhabers einen Geldbetrag aus. Bei dem Nachhausekommen des Mannes erzählte sie ihm den Vorgang und dieser fragte telephonisch bei der Marburger Firma wegen des Reisenden an. Hierauf erhielt er zur Antwort, daß kein Reisender auf der Geschäftstour sei, und daß auch Niemanden der Auftrag geworden sei, Gelder in Empfang zu nehmen. Sofort angestellte Nachforschungen nach dem Reisenden von Seiten der hiesigen Polizeiorgane waren erfolglos.
Klein.Krotzenburg, 18. Februar. Aus verschiedenen Gegenden brachten die Togesblätter in letzterer Zeit Korrespodenzen über enorme Holzpreise. Die dort angeführten Preise wurden aber bei den jüngst in den dies- seifigen Gebieten 'abgehaltenen Holzversteigerungen noch bedeutend übertroffen. Bei Seligenstadt kamen Buchen- lcheiter auf durchschnittlich 10 Mk. und bei Groß- -Lteinheim sogar auf 12 Mk. pro Raummeter zu stehen. Tonnen Prügel kosteten durchweg 7-8 Mk. Auch das Wellenholz erreichte erstaunliche Preise. Der Grund dieser auffallenden Erscheinung liegt vorzuosweise in der Thatsache, daß enorme Mengen Grubenholz verarbeitet und von auswärtigen Firmen erstanden und anderntheils bedeutende Quantitäten Brennholz von fremden und einheimischen Händlern aufgetauft wurden. Raschen Absatz fand deshalb ein Händler aus Dorfprozelten, der dieser Tage mit einer großen Schiffsladung vorjährigen Buchenholzes aus dem Spessart auf dem Main zu Thal fuhr
London, 19. Febr. Die amtliche Bestätigung der Entsetzung Kimberleys hat hier große Begeisterung hervorgerufen. In militärischen Kreisen erwartet man mit Spannung die weiteren Pläne Lord Roberts. Einerseits will man wissen, derselbe plane die sofortige Entsetzung Mafekings, um von dort aus nach Prätoria zu marschieren; andere behaupten, er habe die Absicht, einen Angriff auf Bloemwutein zu unternehmen, ohne sich vorläufig um das Schicksal Mafekings zu bekümmern. — DaS Reutersche Bureau erhielt über den Kampf am 15. Februar bei Jacobsdal ein Telegramm, welches besagt, daß 2000 Engländer durch die Stellung der verbündeten Buren am Modderriver hindurch nach Kimber- ley gelangten, während gleichzeitig ein Theil der Buren bei Kimberlcy im Kampfe begriffen war. Weiter verlautet, daß der Nachtrab der Engländer von den Buren abgeschnitten wurde, welche eine Anzahl Gefangene gemacht und eine große Menge Ochsen erbeutet hätten. Die Wegnahme des englischen Convois von 200 Wagen am Rietflusse erfolgte in Waterval, während die Eng- • länder ihrerseits die 78 Wagen von dem abziehenden General Cronje an einem Punkte nördlich des Modder- river erbeuteten.
New-York, 17. Febr. Das New Yorker „Journal" publizirt eine Depesche Krügers, die besagt, daß die Operationen der Buren sorgfältig geplant und daher keinerlei Beuruhigungen nöthig sei. — Die englische Siegesfreude über den Entsatz von Kimberlcy werde nur von kurzer Dauer sein. Lord Roberts ist bereits von seiner Opcrations-Basis abgeschnitten. Die Buren sollen sich bereits der Eisenbahn nach Kapstadt bemächtigt haben. General Cronje verfügt über 20 000 Mann und ha! ein befestigtes Lager bezogen.
Lokales u«d Provinzielles.
* Schlüchtern, 20. Februar.
* — Unpfändbarkeit der Lcbensvcrsicheruiigspolicen.
Es dürfte wohl wenig bekannt sein, erst das neue Bürgerliche Gesetzbuch hat im besondern sich darüber ausgesprochen, daß eine Lebensversicherungspolice, sofern sie zu Gunsten einer dritten Person lautet, nicht ge pfändet werden kann, also von einem Gläubiger zur Befriedigung seiner Forderung an den Versicherten selbst nicht in Anspruch genommen werden darf. Selbst wenn bei einem Sterbefall es sich herausstellt, daß der versicherte Erblasser Schulden hinterlassen hat, die den Betrag des Erbes übersteigen, so kann, wenn sie zu Gunsten einer dritten Person ausgestellt ist, und von dieser dritten Person die Erbschaft angetreten wird, das aus der Versicherung gewonnene Geld zwangsweise nicht zur Deckung der Schulden beschlagnahmt werden, vielmehr fällt die Vesicherungssumme voll und ganz, ihrer Bestimmung gemäß, dem oder derjenigen dritten Person, Frau, Kinder oder sonst einer benannten Person zu, zu deren Gunsten die Versicherung abgeschlossen und die Versicherungsgesellschaft die Police ausgestellt hat. Es dürste sich deshalb empfehlen, Policen, die auf den Inhaber lauten umschreiben zu lassen, und zwar derart, daß dieselben bestimmt zu Gunsten einer dritten Person lauten, welche letztere allein beim Fälligwerden der Versicherungssumme berechtigt ist, solche in Empfang zu nehmen und darüber zu verfügen.
Bom Bogelsberg, 17. Febr., wird dem „Gießener Anzeiger" geschrieben, daß das neue Stempelsteuergesetz in Bezug auf das Ziehharmonika-Weien und den Tanzunfug von wohlthätiger Wirkung war. Kein Sonntag verging, an dem die jungen Leute nicht auf den Tanzboden zogen und dort ihr Wesen trieben, denn selbstgemachte Musik war bisher im Großherzogthum Hessen steuerfrei. Vorstellungen, Zureden und gute Worte halfen nichts, es wurde getanzt, gejubelt, getrunken das ganze Jahr hindurch. Jetzt ist es besser geworden. Das nervenzerstörende Gedudel hat nachgelassen, seitdem Stempelabgabegefordertwird. — So sehr man auch bemüht ist, den sogenannten Spinnstuben zu Leibe zu gehen, so ist eS doch nicht möglich, diese Sitte oder Unsitte gänzlich aus der Welt zu schaffen. Eine Spinnstubengesellschakt in G., bestehend aus 14 Mädchen, begab sich kürzlich nach Schluß der Spinnstube in eine Wirthschaft, wo zuerst Schnaps und dann Bier getrunken wurde, dabei rauchten die Mädchen fast alle ihre Cigarren. — Eine recht selten vorkommende Zwangs-Versteigerung fand am vergangenen Dienstag in Storndorf statt. Ein für den dortigen Fnedhof bestimmter Grabstein sollte versteigert werden. Da sich keine Steigliebhaber eirgefunden hatten, so wurde der Stein von einem Anverwandten des Bestellers angekauft.
Cassel, 15. Febr. Bei der Fabrik von Salzmann & Co. in Bettenhausen traf vor kurzem ein großer Auftrag für die englische Armee behufs Anfertigung von Zelten rc. ein. Die kriegsministerielle Genehmigung konnte, da England zur Zeit an dem Transvaalkriege betheiligt, nicht ertheilt werden. — 1200 eiserne Bettstellen mit Mosquitonetzgestcll für die deutsche Garni'on in Tsingtau im Kiantschaugeblet sind am 10. Januar bei einer Eisenmöbelfabrik hier von der Marineverwal- tung bestellt worden. Am 3. Februar konnte die Abnahme der fertigen Betten erfolgen, die aus 34800 ein zelnen Theilen bestehen und, in 436 Kisten verpackt, in 1»un Doppelwaggons nach Wilhelmshaven gehen.
und in Seligenstadt und hier das Holz zu 8 Mk. per Raummeter verkaufte.______
Ueber den Kampf der Wissenschaft gegen die Maul- und Klauenseuche hielt in der Januar-Versammlung des Teltower landw. Vereins Gehcimrath Professor Schütz von der thierärzt- liegen Hochschule einen interessanten Vortrag. Die Bemühungen der Bakteriologen und Mediziner sowohl wie die Bestimmungen des Reichsseuchengesetzes — so schreibt „D. Tagesztg." - haben sich leider bis jetzt völlig machtlos gegen die Aphthenseuche, diese Geisel unserer Landwirthschaft, erwiesen. Es ist deshalb wichtig, die Gründe kennen zu lernen, denen dieser Mißerfolg zuzu- , schreiben ist. Der Streit der Bakteriologen, ob es sich bei der Seuche um eine Pflanze, ein Bakterium, oder ein Thier, eine Protozoe, als Erreger der Krankheit handelt, konnte schon aus dem einfachen Grunde nicht entschieden werden, weil dieser Krankheitserreger viel zu klein ist, um mit unsern Mikroskopen wahrgenommen werden zu können. Er geht nämlich ohne weiteres durch jedes noch so dichte Kieselgurfilter hindurch, welches be- kanntlich jedes sonstige Bakterium zurückhält. Beim Ein- t trocknen der Blasenlymphe geht der Krankheitserreger zu | Grunde, ebenso durch Wärme. Bei 45° C. stirbt er nach 20 Min. ab, bei 50° nach 15, bei 70° nach 10 Min., bei 100" sofort. Eine Züchtung desselben bei 37°, wie sie bei anderen Bakterien üblich ist, würde deshalb fehl- 4 schlagen. Dagegen erträgt er hohe Kältegrade, auch sehr W andauernde Kälte ohne Schaden. Desinfektionsmittel s tödten ihn, so 1 °/o Salzsäure, PhoSphorsäure oder Kar- i bolsäure binnen einer Stunde, ebenso 2% Formalin, 3’/o Soda oder 5°|0 Kalkmilch. Wichtig ist sein Ver- : halten im Dünger. Festgepackter Dünger (vom Rindi oder Schwein) erhitzt sich nach Versuchen von Gärtner- ; Jena im Innern bis 70", außen bis 48°, locker liegender im Innern bis 47°, außen bis 35°. Bedeckt malt nun den Dünger, nachdem er fest aufgeschichtet oder festgctreten ist, mit Erde, Streumaterial oder am besten mit Pferdedung, so daß er auch an der Oberfläche jene höhere Temperatur erreicht, so erfolgt sichere Ab- J tödtung des Krankheitserregers, und dies ist das richtige Verfahren, Ansteckung durch den Dünger zu vermeiden; : das im Scucheugesetze Vorgeschriebene (Aussühren des Düngers auf Wegen, die sonst nicht von dem gefährdeten Vieh benutzt werden) reicht nicht aus. Auch die im , Gesetze bezeichnete Jnkubationsdauer (3—7 Tage) ist , nicht richtig Es ist jetzt festgestellt, daß die Jnkubationsdauer 2 bis 10 Tage beträgt. Dagegen genügt die Erhitzung von verdächtiger Milch auf 60—70° zur Zerstörung des Krankheitsstoffes, was wichtig ist, weil . dabei noch kein Kochgeschmack auftritt. Reibt man die gesunde Haut ei" es Thieres mit Blasenlymphe ein, so erkrankt das Thier nicht. Der Krankheilsstoff findet vielmehr nur durch wunde Stellen Eingang. Hunde und Katzen erkranken an derselben Krankheit, können sie also auch übertragen. Durch Tauben kann die Seuche ebenfalls verbreitet werden, obgleich sie nicht selbst erkranken, durch Fliegenstiche indeß nicht, Die Jmpfver- . suche sind leider bis jetzt meist erfolglos ausgefallen, weil der Grad der Giftigkeit der Lymphe sich nicht bemessen läßt.
Vermischtes.
Jena, 15. Febr. Hier zirkulirt in stutentischen Kreisen augenblicklich folgende scherzhafte Rechenaufgabe: Was geben zusammen: 4 Schutzleute, 2 Hasen, ein 1 Kreuzfeuer der Buren, 3 Sozialdemokraten, ein Zahnarzt und endlich die beiden Generäle Roberts und Kit- chencr?
Antwort: drei. Beweis:
Ein Schutzmann gibt Acht, 4 Schutzleute geben 32, die 2 Hasen werden abgezogen (32—2) ----- 30, das Kreuzfeuer der Buren dezimirt (",-30) —27, die 3 Sozialdemokraten theilen, ^(»„27) — 9, der Zahnarzt zieht die Wurzel, (Wurzel aus 9) — 3, die Generäle Roberts und Kitchener können der Sache keine andere Wendung mehr geben bleibt 3.
- Leichen als Handelsartikel. Im Gepäckzimmer des Union-Bahnhofes in St. Louis wurden jüngst vier < Koffer, welche Leichen enthielten — Koffer von der Art, s wie sie von Handelsreisenden zum Verpacken von Mustern gebraucht werden — in Beschlag genommen, und Frank Thompson, städtischer Leichenbestatter aus MemphiS, wurde auf die Anklage des Handels mit Leichen ver- , haftet. Die Polizei wußte schon seit einiger Zeit, daß über St. Louis ein schwunghafter Handel mit Leichen be- trieben wurde. Auf dem Polizeihauptquartier gestand Thompson ein, daß er schon seit vielen Jahren heimlich Leichen an die ärztlichen Kollegs in den Vereinigten Staaten betraute. Er erhalte für die Leichen 200 bis 800 DU. p! o Stück. In den vier in Beschlag ge» nommenen Koffern, die innen mit Zink bekleidet waren, befanden sich die Leichen von drei Negern und die Leiche einer weißen Frau.
— Scherzfrage. „Warum ist in London der Himmel so grau?" — „Weil die Engländer das Blaue herunter' gelogen haben."
— In einer holländischen Zeitung erschien folgender ;
: „Das Kap der guten Hoffnung wird demnächst geteilt: „die Buren erhalten das Kap und die Engländer die gute Hoffnung!"