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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Mittwoch, den 21. Februar 1900.

51. Sahroang.

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®^ftplhtMA6»M auf bie -Schlüchterner Zeitung" iverben nod) sorwährend von allen ------------------ - Postanstalten utd Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Die deutsche Genossenschaftsbewegung schreitet unaufhaltsam vorwärts. Das beweist die ge­waltige Zahl der heute bestehenden genossenschaftlichen Körperschaften, welche auf den verschiedensten wirthschaft- lichen Gebieten ihre Thätigkeit entfalten. Ein eigen­artiger Prozeß hat sich damit vollzogen: die der Rück­kehr vom absoluten Individualismus zur gemäßigten Associationswirthschast. Man kann keineswegs behaupten, daß dieser Prozeß als abgeschlossen betrachtet werden dürfte; im Gegentheil ist wahrzunehmen, daß der Stein je mehr, desto stärker ins Atollen kommt. Eine ganze Reihe von Produktionsgebieten haben sich der genossen­schaftlichen Arbeit erschlossen, und geben die eigentlichen Produktivgenossenschaften nach dieser Seite den typischen Ausdruck ab. Sie aber wie alle anderen Genossenschafts arten greifen in letzter Linie immer wieder zurück auf das Kapital. Es ist in diesem Punkte beachtenswerth, daß auch hier genossenschaftliche Gebilde den Boden vor­bereiteten und daß das Kapital der Mittelstände sich ge­nossenschaftlich organisirte. In den Städten geschah das vorwiegend nach Schulze-Delitzsch, in den ländlichen Distrikten drang der Ruf des Systems Raiffeisen sieg­reich vor. Die nach diesem gegründeten Kreditgenossen­schaften werden bekanntlich wenigstens für das platte Land als mustergiltig angesehen, sind also eigentlich tonangebend" geworden. Die meisten derselben insofern sie wirklich auf dem genannten Systeme grundsätzlich be­ruhen, sind in dem Generalverbande ländlicher Genossen­schaften für Deutschland (Sitz der Centrale Neuwied, Sitze der Verbände in Berlin, Breslau, Cassel, Danzig, Erfurt, Köln, Königsberg, Ludwigshafen, Nürnberg, Posen, Straßburg, Wiesbaden) vereinigt. Welche Lei­stungen in diesem Kreise auizuweisen sind, das beleuchtet in scharfer und wohl einwandfreier Weise eine soeben erschienene aus ührliche Sta'inik pro 1897 (Preis 8 Mk, Verlag von Reisseisen u. Cons. in Neuwied). Aufge­führt sind darin 2014 Vereine, d. h. fast nlle, die da­mals länger als ein Jahr bestanden hatten. (Gegen Ende vorigen Jahres zählte der Generalverband mehr als 3300 Genossenschaften, darunter gegen 3200 Spar- und Dahrlehnskassen-Vereine). Hinsichtlich der^erstge nannten Zahl von Genossenschaften berichtet die Statistik über die Mitgliederzahl, Seelenzahl der Vereinsbezirke, den Kassenumschlag (ca. 215 626 000 Mark), die Ver waltungskosten, das Betriebskapital (einschließlich des eigenen Vermögens), die Geldbewegung in laufender Rechnung mit der Centralbank (Landwirschaftliche Central- Darlehnskasse für Deutschland) sowohl wie juit Mit­gliedern, die eingelegten und zurückgezahlten Sparkassen- gelder, die Ein- und Auszahlung, welche sich auf die gegen feste Rückzahlungsfristen gewährten Darlehn beziehen, den Verwendungszweck der Darlehn, die Zeitdauer und die Sicherstellung der letzteren, die verschiedenen Zins­sätze, die gemeinschaftlichen Bezüge an Kohlen, Dünge- und Futtermitteln, Saatgut, Maschinen u. f. tv., die erzielten Gewinne und über anderes mehr, so über eine Menge einz lner Notizen über Wohlfahrtseinrlchtungeil. die von den Vereinen getroffen worden sind. Das höchst minutiöse Werk bietet auch eine Uebersicht darüber, in welchem Geschwindigkeitsmaße in den einzelnen Zeitab­schnitten die Vereine entstanden.

Es ist volkswirthschastlich von großer Bedeutung, den Einfluß, welchen die Genossenschaftsbewegung auf die Gestaltung der Dinge, im Besonderen auf die Lage der Landwirthschaft auszuüben im Stande ist, einiger­maßen mit Hilfe von Zahlen messen zu können. Frei­lich wird man lediglich an Hand dieses Verfahrens zu einem solchen Bilde, welches vollauf und getreu die innere Wirksamkeit der Genossenschaften wieder,piegelte, kaum gelangen. Kennt man aber die Verhältnisse, auf welche das Zahlenmaterial sich bezieht, so ist ein zu­treffendes Urtheil eher möglich. Um eben die Kenntniß von der Einrichtung der Vereine und Verbände wo es nöthig sein sollte, zu ermitteln, sind der Statistik die Satzungen der Ortsvereine sowohl wie der größeren Verbände beigegeben. Selbst Kundigere werden sich hie und da darin Raths erholen. Freilich bleibt die un- ptittelbare persönliche Berührung mit den lebendigen

Vorgängen im genossenschaftlichen Leben die beste Lehr- meisterin. Immerhin ist die Extrahirung durch Dar­legungen und Zahlen nicht zu unterschätzen. Namentlich der Gelehrte wird ihrer für seine rühige, prüfende Arbeit nicht entrathen können. Bei richtiger Benutzung läßt sich aus dem besprochenen Werk sicherlich eine reiche Aus­beute gewinnen.

Deutsches Reich.

Berlin. Kaiser Wilhelm weilt augenblicklich wieder einmal in der Waldesstille des Schlosses Hubertusstock, trotz der winterlichen Jahreszeit; wie lange der Jagd- anfeuthalt des hohen Herrn in Hubertusstock dauern wird, ist noch nicht bekannt.

Die Ratifikation des Samoa-Abkommens ist den Berliner Neuesten I x wichten" zuwlge jetzt vollzogen werden. Die Vcröffe;n^ ng des vom Reichstage an­genommenen Gesetzes >J in den nächsten Tagen. Nach Apia selbst wi j^ch geschehener Veröffent­lichung an das ConsÜIät die Weisung ergehen, die deutsche Flagge zu hissen. Damit ist die Besitzergreifung von Seiten des Reichs vollzogen.

Die wegen Wiedererrichtung der Berliner Ge­treidebörse und des Frühmarkts gemachten Borsckläge haben die Genehmigung des preußischen Staatsministeri- nms erhalten, sodaß die Wiederherstellung der Berliner Produktenbörse auf der neu gestalteten Grundlage für die allernächste Zukunft zu erwarten ist. Man darf sich von dem Eintritt geregelter Verhältnisse nnd einer börsenmäßigen Getreidenotiz für den Handel wie für die Landwirthschaft Vortheile versprechen, sodaß die Erle­digung der lange umstrittenen Angelegenheit nur freudig zu begrüßen ist.

Abermalige Erhöhung der Lederpreise. Die deutschen Schuh- und Schäfte-Fabrikanten haben die Preise ihrer Fabrikate abermals und zwar mit Wirkung vom 15. Januar ab erhöhen müssen.

Alle Jägerbataillone sollen nach derSchles. Vlksztg." mit je einer Maschinengewehrbatterie ä sechs Gewehre ausgerüstet werden. Im Ganzen würde es sich um 38 Batterien handeln und dem Reichstag müßte ein Nachtragsetat in Höhe von 23 Mill. Mark zu- gehen.

Aus Metz wird vom Sonnabend gemeldet: Gestern Nachmittag verunglückten auf dem Schießplatz zwei Mann vom Großherzogl. Hessischen Dragoner-Regiment Nr. 23 durch einen von einem Sergeanten der 5. Schwadron desselben Regiments abgegebenen Schuß. Der eine Soldat wurde ins Herz getroffen und war sofort todt. Der andere wurde in den Hals getroffen und starb heute früh im Lazarett. Den Serganten trifft keine Schuld. Die beiden Soldaten hatten sich unvorsichtiger­weise vor die Scheibe begeben.

Die Stadt Herne i. W., die noch vor wenigen Jahren als ein größeres Dorf gelten konnte, hat sich in staunenswerther Weise entwickelt. Die Einwohnerzahl beträgt jetzt 26 000. Die Geschäfte der Verwaltung haben sich vermehrt, sodaß, um den Bürgermeister zu ent­lasten, ein zweiter Bürgermeister angestellt werden muß. Die Stadtverordneten wählten an diese Stelle den Ge­richtsassessor Köhne in Bochum. Bald wird Herne aus dem Kreisverbande ausscheiden und einen eigenen Stadt­kreis bilden. So werden dann aus dem alten Kreise Bochum entstanden sein: der Stadt- und Landkreis Bochum, der Stadt- und Landkreis Gelsenkirchen, der Stadtkreis Mitten, der Kreis Hattingen und der Stadt­kreis Herne, eine Entwickelung, wie sie sonst nirgends in Preußen vorgekommen ist.

Gotha, 14. Februar. Ein eigenartiges Mißgeschick trat den auf dem hiesigen Bahnhöfe migefteüten Stations­assistenten Regenspurger. Als dieser stark auf eine harte Semmel biß, brach plötzlich die Kinnlade und hing schlaff hernieder.

Kahla, 15. Februar. DieDorfzeitung" berichtet, daß die Bilanz des verkrachten hiesigen Spar- und Vor­schuß Vereins nach gerichtlicher Feststellung eine Schulden­last von 297 826 Mk. 69 P g. ergiebt, der nur etwa 34 000 Mk. Aktiva gegenüberstehen.

Weißenfels, 13: Febr- Wie das ..Weißens. Tage­blatt" meldet, sind bei der hiesigen Schuhfabrik von Emil Blasig von Petroria aus für die Buren 10,000 Paar Stiefel bestellt worden, die schleunigst geliefert werden sollen. Die Filzfabrik in Temesar (Ungarn) erhielt durch die Brüsseler Transvaalvertretung eine

Bestellung von 100000 Filzlappen, die als Händeschutz beim Gewehrfeuer dienen sollen. Die Lieferung muß innerhalb 20 Tagen abgehen.

Arrslarrd.

Zürich, 14. Febr. Der langjährige Hauptkassier und Prokurist der Baumwollfirma Theodor Fierz in Fluntern, Bernhard Küng, ist verhaftet worden, nachdem entdeckt wurde, daß er seine Firma um große Summen betrogen hat. Er spekulirte nämlich ohne Borwissen seines Chefs auf eigene Rechnung in Kaffee, Wolle, Garnen u. s. w., und nachdem er sein eigenes Vermögen von von 60.000 Frs. verloren hatte, entwendete er der Firma Werthtitel, versetzte sie und verlor den erhaltenen Betrag ebenfalls; der Schaden der Firma soll 160,000 Frs. betragen. Der Verbrecher ist geständig. Er ist aus dem Aargau, 57 Jahre alt und lebte bei einem Gehalt von 6000 Frs. mit seiner Frau sehr einfach. Vor etwa drei Wochen halte er in der hiesigen Tonhalle sein 25= jähriges Dienstjnbilünm in glänzender Weise im Kreise aller Angestellten und Scannen der Firma Fierz gefeiert bei welcher Gelegenheit er viel'ach beschenkt, vom Chef des Hauses als seltenes Muster von Pflichttreue und Ehrlichkeit gefeiert und allen Anderen als Beispiel vor Augen geführt wurde. Die Veruntreuungen haben schon im Jahre 1895 begonnen.

Paris, 16. Febr. DieEstafette" erzählt, dem­nächst würde ein Korps von zweitausend französischen Freiwilligen nach Transvaal abfahren. Ein Schiffs - rheder habe sich b:reit erkärt. sie frei zu befördern. Der Eclair" will wissen, Steil Rhodes leide so schwer an Rheumatismus, daß er bettlägerig sei. Dies sei der Grund, weshalb er keinen Fluchtversuch zu unternehmen im Stande sei, und weshalb Roberts jetzt Kimberley zu befreien suchen müsse.

Amsterdam, 14. Febr. Der Gesandte des Oranje- freistaales im Haag. Doktor Heinrich Müller, dementirt alle englischen Tendcnzbcrichte über einen angeblichen Zwiespalt zwischen den Oranjeburen und den Trans- vaalern. Dr. Müller erklärt, die beiden Republiken werden bis znm Ende des Krieges und noch darüber hinaus vereint bleiben. Die Niederlage der Engländer bei Rensburg gilt für ebenso schwerwiegend wie die Niederlage Bullers am Tugelaflusse. Das Vordringen der Buren gegen Rensburg verhindert den Plan des Marschalls Roberts, n.it seiner ganzen Streitmacht in den Oranjestaat einzufallen, weil durch die Niederlage des Generals Elements seine Rückzuglinie sowie seine Verproviantirung bedroht sind.

London, 16 Februar. General Roberts telegraphirt aus Jacobsdaal, General French sei mit Artillerie, Kavallerie und Infanterie vor Kimberley eingetroffen. Dem Kriegsamt zufolge verfügt General French über 3 Schwadronen Ulanen, eine Schwadron Husaren, eine Schwadron Dragoner und zwei Batterien berittener Artillerie, sowie 8 Compagnien berittener Infanterie, im ganzen 6000 Mann.

London, 17. Februar. Zu dem Siege des Generals French über die Buren wird noch gemeldet, daß der General den Buren eine große Anzahl Vieh abgenommen hat Die Buren wurden durch das Schnellfeuer des Generals überrumpelt und mußten die Flucht ergreifen, Die Verluste, der Engländer sind unbedeutend; ihre Be­geisterung ist unbeschreiblich. Gestern Abend ist eine zweite Depesche von Roberts eingetroffen, die die An­nahme, daß Kimberley entsetzt ist, bestätig'. Roberts telegraphirt aus Jacobsdaal, daß er Morgens folgende Depesche von French erhalten habe:Habe Feind von der Südseite von Kimberley von Alexandersfontein bis Oliphantsfontein völlig verjagt und will nun sein Terrain besetzen. Ich habe das Lager des Feindes nebst Vor- rälhcn an Proviant unb Munition erbeutet. Verluste sind ungefähr 20 Mann. In Kimberley ist alles ver­gnügt und wohl.« Man wird jedoch mit der Beurtheilung der Bedeutung dieser Meldung zurückhalten müssen bis weitere Nachrichten, an denen es vorläufig noch gänzlich fehlt, eintreffen. Es ist auffällig, daß die Suren den Engländern den Einzug in Kimberley so leicht gemacht haben sollten. Es stehen augenblicklich nach dem Ein­treffen bedeutender Verstärkungen unter Cronje 20,000 Bewaffnete den ebenso starken Engländern gegenüber. Wenn eine so starke Macht thatenlos zusieht, wie die englische Kavallerie in Kimberley einzieht, dann hat sie unzweifelhaft ihre bestimmten Absichten. Möglich iweise