WüchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Samstag, den 17. Februar 1900.
51. Jahrgang.
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auf ^ -Schlüchterner Zeitung" 5t*Hl-8/UU88$i/88 merben nod) forwährend von allen ' ----- -------- ~ Postanstalten utd Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich. ~
Berlin. Der Kaiser reiste am Mittwoch vom Stet- tiner Bahnhof nach dem Jagdschloß Hubertusstock. — Der Kaiser wird Ende Juni in Eisleben zur 700jährigen Jubelfeier des Mansfelder Bergbaues eintreffen und daselbst eine Parade über 9000 Berg- und Hüttenleute abnehmen.
— Bei dem gestrigen Festmahl zu Ehren des Prinzen Heinrich brächte der Kaiser einen Trinkspruch aus, in welchem er die Begrüßung des Prinzen seitens des Publikums dahin auslegte, daß in weiten Kreisen des Volkes sich der Gedanke Bahn breche, daß Deutschland zur Erhaltung seiner Großmachtstellung einer starkcu Flotte bedarf.
— Die außergewöhnlichen Verhältnisse, die augenblicklich den englichen Kohlenmarkt beherrschen, erweisen sich auch von recht einschneidender Bedeutung für die Kohlenversorgung der deutschen, im Auslande auf den Stationen befindlichen Kriegsschiffe. Denn es wird bekannt gemacht, daß vom 1. April dieses Jahres ab die erforderlich werdenden Kohlen bis auf Weiteres von den Schiffskommandos selbstständig zu beschaffen sind, während bis zu dieser Zeit noch Kontrakte mit den Lieferanten lausen, die die Marineverwaltung zu neuen Bedingungen nicht verlängern will. In Berücksichtigung kommen für die Kohlenversorgung unserer Auslandsschiffe nicht weniger als 37 Häfen, zu denen sämmtliche Haupthäfen der Erde gehören. Da die deutschen Auslandsschiffe fortgesetzt ueuer Kohlenübernahmen bedürfen, um nicht in ihren Bewegungen behindert oder gar gänzlich lahmgelegt zu werden, so wird den deutschen Schisfskommandos nichts anderes übrig bleiben, als jeden geforderten Preis für die Kohle zu zahlen.
— Der Kohlenmangel macht sich in Thüringen schon recht bemerkbar. So zahlte in Saalfeld eine dortige Fabrik für den Doppelwaggon Kohlen 360 Mk., also 200 Mk. mehr wie bisher.
— Die Mitglieder des Bundes der Landwirthe haben in einer Versammlung einstimmig eine Erklärung angenommen, in welcher die Regierung getadelt wird, daß sie noch keine Schritte unternommen 1. das Gesetz betr. den unlautern Wettbewerb, das sich als nahezu haltlos erwiesen hat, zu reformiren, 2. dem wachsenden Umsichgreifen der Konsum- und Beamtenvereine durch eine Revision des Genossenschaftsgesetzes zu steuern, unterlassen und keine Schritte gegen die Rabattsparvereine und ähnliche Unternehmungen gethan hat, 3. wird erklärt, die Versammlung hält es dringend erforderlich, daß die Reichsregierung demnächst eine offizielle Konferenz beruft, wie dies in anderen Ländern bereits geschehen, um die Frage des Mittelstandsschutzes gründlich zu untersuchen. Der Centralverband der selbstständigen Gewerbetreibenden wird beauftragt, in diesem Sinne bei der Regierung vorstellig zu werden. ,
— Der soeben zur Veröffentlichung gelangte Geietz- entwurf über die Einführung einer Waarenhaussteuer in Preußen schlägt die Besteuerung nach dem Umsatz vor, weil diese nach Ansicht der Regierung die meiste Aussicht auf Annahme durch das Abgeordnetenhaus hat. Die Steuer fließt den Gemeinden zu und beträgt 7500 Mk. bei einem Jahresumsatz von mehr als 500 000 Mk. bis 550 000 Mk. Für jede 50 000 Mk. mehr steigt die Steuer um 1000 Mk. Bei 900- bis 950 000 Mark beträgt der Steuersatz 16 500 Mark, bis 1 Million Mark: 18000 Mark und für jede weitere 100 000 Mk. Umsatz 2000 Mk. Steuer mehr, höchstens aber 20 Proz. des Reinertrages. Die Vorlage unterscheidet: 1. Material- und Kolonialwaaren, Eß- und Trinkwaaren, Tabak, Drogen u. s. w; 2. Manufaktur- und Modewaaren, Wäsche, Konfektion u. s. w.;
3. Haus- und Küchengeräthe, Glaswaaren, Möbel u. s. w.;
4. Edelmetalle, Kunst-, Luxus- und Galanteriemaaren rc.
Leipzig, 12. Febr. Wie vorauszusehen war, hat bte große Streikbewegung der böhmischen Bergarbeiter auch auf die Bergleute des sächsischen und mitteldeutschen Kohlenbezirks übergegriffen. Sowohl im Zwickauer und Oelsnitz-Lugauer Steinkohlenbezirk als auch im Weißen- sels-Zeitz-Meuselwitzer Braunkohlenbezirk haben sich in den letzten acht Tagen «Anzeichen eines bevorstehenden
Streiks bemerkbar gemacht, die allerdings in erster Linie sich als solche eines Sympathiestreiks kennzeichnen, bei welchem man aber auch natürlich für sich selbst wirth- schaftliche Vortheile herausschlagen will.
Bochum. Welch' hohe Wogen die Begeisterung für die Buren in Deutschland schlägt, geht aus zahlreichen Beispielen hervor. So berichtet die „Vossische Zeitung", daß in einer Bochumcr Wirthschaft zahlreiche junge Männer sich vereinigt haben, um über Mittel und Wege zu berathen, wie sie den Buren thatkräftig beistehen können. Etwa 70 von ihnen sollen entschlossen sein, als Freiwillige in das Burenheer einzutreten. Wenn der Plan nicht zur Ausführung kommen sollte, so ist doch wenigstens der gute Wille vorhanden.
Von der Mosel. Die Geheimnisse des Moselweines werden durch eine in mehreren rheinischen Zeitungen gleichlautend abgedruckte Annonce wie folgt enthüllt: Es findet sich dort eine vom Notar Rath zu Cues a. d. M. unterzeichnete Anzeige, nach welcher die Firma Mcrtes-Licht & Co. in Koblenz ihr zu Dusemond — gegenüber dem Brauneberge — gelegenes Anwesen am 12. Februar d. J. versteigern läßt. Als Empfehlung ist in der Anzeige des Notars folgender Satz enthalten: „Zur rationellen Weinverbesserung vorzüglich geeignetes Quellwasser ist reichlich vorhanden." Diese Empfehlung haben die Besitzer nicht für ausreichend gehalten. Sie fügen der Anzeige eine mit ihrer Firma unterzeichnete fettgedruckte Nachschrift folgenden Wortlautes bei: „Das obenerwähnte Quellwasser fließt durch eine Sonderschicht zwischen Fels, Kies und Thonerde, ist lieblich weich, mundfüllend und völlig geschmacklos, daher zur Weinverbesserung vorzüglichen geeignet."
Ausland.
Vrüffel, 14. Febr. In einer Korrespondenz des „Petit bleu" aus Pretoria wird versichert, daß in den letzten Tagen des Dezember 2000 englische Soldaten an den Ufern des Moputa-Flusses, an der Grenze zwischen Swasi-Land und dem portugiesischen Gebiete, angekommen seien, welche sich während des Rückzuges aus Dundee von den Truppen Whites getrennt hatten und wochenlang im Zululande umhergeirrt seien. Sie wären ohne Stiefeln und stark ausgehungert auf portugiesischem Gebiete angelangt. Die 2000 Engländer glaubte man mit General White in Ladysmith eingeschlossen.
London, 13. Februar. Die „Liverpoolpost" bestätigt amtlich, daß eine starke Burenkolonne in das Zulu-Land eingefallen ist, in der Absicht, sich der großen Viehherden, die sich dort befinden, zu bemächtigen. Diese Gegend ist am reichsten an Vieh in ganz Afrika. — Den letzten Meldungen zufolge sind in Ladysmith für 25 Millionen Franken Munition aufgespeichert. Das Kriegsamt hatte dort die Hauptniederlage für die englische Armee in Südafrika errichtet. — Nach englischen Blättern sind Whites Truppen in Ladysmith nur noch bis zum 19. Februar mit Proviant versehen. Nach dem abermaligen Mißerfolg Bullers kann das Schicksal von Ladysmith als besiegelt gelten. Die Londoner Blätter melden zwar, daß Bullers Truppen „nur zeitweilig" südlich vom Tugela stehen und daß die ganze Truppen- masse bald wieder in Thätigkeit treten werde, der Rückzug bedeute nur eine Aenderung der Taktik, deren Nothwendigkeit sich ergab aus den In ormationen, welche durch die Vorwärtsbewegung erlangt wurden. Andererseits aber wird aus Brüssel gemeldet, daß das ganze Armeekorps Bullers von Ladysmith zurückgezogen werden soll und zur Oranjegrenze abmarschiren werde. Der Burengeneral Joubert stellt eine Armee von 40,000 Mann zur Vertheidigung des Oranjestaatcs auf.
Zürich, 9. Februar. Die Regierung Transvaals hatte vor einem Jahre bei der bekannten geographischen Anstalt, Verlag Schlump -Winterthur, 5000 Kriegskarten von Südafrika, nach den Geländeaufnahmen europäischer Offiziere, bestellt. Die Karten konnten jedoch vor dem Kriegsausbruch nicht fertiggestellt werden und blieben liegen, bis vor wenigen Wochen die englische Regierung dies erfuhr und einen Abgesandten beauftragte, diese Karten für die englische Armee aufzukaufen. Der Verlag weigerte sich, die Karten einem Anderen, als dem Besteller auszufolgen, umsomehr als die Transvaal- Regierung die Kostensumme bei dem ' Kriegsausbruch deponirt hatte. Gestern erschienen zwei direkte Abgesandte Transvaals, die das gesummte Material abholten.
Odessa. Eine Petroleumleitung von über 220 Kilo- meter Länge wird demnächst in Rußland ihrer Bestimmung übergeben werden. Sie soll die berühmte Petroleumstadt Baku mit dem wichtigen Ausfuhrhafen Batum am Schwarzen Meer verbinden und die Erdölausfuhr aus dem abgeschlossenen Becken des Kaspischen Meeres fördern, da die Eisenbahn den Transport nicht bewältigen kann. Die Leitung soll die Fähigkeit erhalten, jährlich 980 Millionen Liter Petroleum zu befördern. Die Leitung folgt auf der ganzen Strecke dem Lauf der Eisenbahn, in deren Damm die Röhren gelegt wurden.
Kairo, 12. Febr. Die Insubordination unter den sudanesischen Truppen scheint, wie jetzt Wolffs Bureau in einem Telegramm aus Kairo vom Sonntag zugiebt, erheblichen Umfang angenommen zu haben. Die eingeborenen Offiziere seien sehr kompromittirt. In Privat- nachrichtcn aus Kairo heißt es: Die Unterdrückung der Meuterei in Omdurman ist theilweise mißlungen. Die Lage ist gefahrdrohend.
Bombay, 7. Februar. Meldung des Reuter'schen Bureaus. Die Zahl der Todesfälle in Bombay erreichte gestern die noch nicht dagewesene Höhe von 408. Die höchste Ziffer für einen Tag war bisher 392. Während die Pest und die Pocken wüthen, treten auch andere Krankheiten epidemisch auf. Die Lage der Dinge wird noch dadurch verschlimmert, daß die Bewohner der durch die Hungersnoth betroffenen Gebiete hierher flüchten.
Rew-Aork, 8. Febr. Eine Anzahl englischer Agenten durchziehen die westlichen Staaten der Union, um große Mengen von Pferden anzukaufen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchter«, 16. Februar.
* — Dem Bürgermeister a. D. Ziegler in Neuen- gronau ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.
* — Die Generalversammlung des hiesigen landw. KreiS-Vereins am vergangenen Mittwoch, an welcher der zufällig hier anwesende Ober-Regierungsrath Rudolf aus Cassel theilnahm, war sehr gut besucht. Es wurde in derselben Folgendes verhandelt und beschlossen: 1. Die Wiedereinrichtung der Zuchtgenossenschaft für die Simmenthaler Viehrasse. — Die verschiedenen Redner bewiesen, daß der Kreis Schlüchtern und speciell die Viehzüchter nur dann einen Erfolg in der Simmenthaler Viehzucht haben können und die seit Jahrzehnten durch Einführung von Original-Simmenthaler Bullen und Rinder gebrachten bedeutenden Opfer nur dann belohnt würden, wenn Herdbuch und Stamm-Zuchtregister ausführlich und gewissenhaft angelegt und fortgeführt werden. Die Zuchtgenossenschaft müsse sich vorerst nur auf Original-Simmenthaler Thiere und deren Nachzucht beschränken und hierauf weiter aufbauen, natürlich dürfe dabei nicht ausgeschloffen sein, daß auch im Kreis gezogene weibliche Thiere Simmenthaler Reinzucht mit tadellosem Körperbau und guter Milchergiebigkeit, in das Zuchtregister ausgenommen werden. — In den Vorstand der Zuchtgenossenschaft wurden hierauf gewählt: Herr Rentmcister Pfalzgraf als Vorsitzender und die Herren Kohlhepp-Schwarzenfels, Leipold-Lindenberg, May-San- ncrz und Weichel dahier. Der Vorstand wird demnächst in dieser Zeitung, sowie durch Cirkulare seine weiteren Bekanntmachungen erlassen und soll die Zuchtgenossenschaft, welche ihre Geschäft selbstständig verwaltet, vom landw. Kreisverein und dem Kreis-Communalverband in jeder Beziehung unterstützt und gefördert werden. — Der Vorsitzende Herr Geh.-Rath Roth theilte mit, daß jede Gemeinde zum Ankauf eines Original Simmenthaler Bullen eine Beihülfe von 400 bis 500 Mk. zu erwarten habe, und daß ein Drittel der Gemeinden in diesem Jahre, das zweite Drittel in 1901 und das letzte in 1902 diese Beihülfen erhalten werden. 2. Frühjahrs- Aussaat. Es wird beschlossen, folgendes neues Saatgut zu beziehen: Saatgerste Gold'thorpe hat sich bei den vorjährigen Anbauversuchen sehr gut bewährt, z. B. hat Herr Kohlhepp-Schwarzenfels von 2 Ctr. Aussaat 40 Ctr. geerntet, weiter Hanna-Gerste für mittlere und leichtere Bodenarten, ferner Göttinger Saathafer und Frühkartoffeln „Kaiserkrone." Bestellungen auf dieses Saatgut, welches zum Ankaufspreis abgegeben wird — die Fracht- und Transportkosten übernimmt die Vereinskasse — sind bei dem Vereinsschriftführer abzugeben. Gerste und Hafer kostet der Ctr. 9 Mk., Frühkartoffel „Kaiserkrone" der Ctr. 5 Mk. 3. Verbesserungen der Kuh- und Schweinestülle. Der Herr Vorsitzende hielt