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geben. Es ist erwiesen, daß junge egyptische Offiziere die Schwarzen zur Insubordination angestachelt haben. Diese Offiziere sollen vor ein Kriegsgericht gestellt werden. . L L ,

London, 10. Febr. Aus Kapstadt wird gemeldet: Der von den Buren am Klipfluß gebaute Damm, welcher den Zweck hatte, Ladysmith unter Wasser zu setzen, sei von der Strömung fortgerissen worden. DerTimes" wird aus Pietermaritzburg mitgetheilt, in Nord-Zululand habe der englische Beamte daselbst, Major Hignett, mit seinen Schreibern, ungefähr 8 Europäern und 30 Poli­zisten von seinem Amtsgebäude aus eine Stunde lang gegen 500 Buren unter Kommandant Joachim Ferreira gesümpft. Major Hignett ergab sich, nachdem zwei Siebenpfüuder auf ihn gerichtet worden waren; er und die anderen Gefangenen befinden sich in Helpinakaar. Das Kriegsamt gibt bekannt, daß sich in Ladysmith noch 8000 Soldaten befinden, von denen jedoch 3000 in Folge von Krankheit und Schwäche zum Kriegsdienste unbrauchbar sind. Die Garnison lebt ausschließlich von Konserven, wodurch die Zahl der Kranken täglich zunimmt.

Es thut den Buren allerdings Noth, daß das Bullersche Heer im Großen und Ganzen unschädlich gemacht worden ist, denn auf dem südtichen Kriegsschauplätze ziehen sich die Wetterwolken jetzt außerordentlich dicht zusammen. Bei Sterkstrom sind die feindlichen Truppen bereits zusammengestoßen, auf englischer Seite führt Lord Roberts selbst den Oberbefehl und sucht mit den vereinigen Streitkräften der Generale Galacre, Kelly Kenny und Frcnch die Südgrenze des Oranje-Frei- staats zu gewinnen und nach Bloemvontein vorzurücken. Bisher ist es dem General Roberts noch nicht gelungen, einen bemerkenswerthen Schritt auf dem von ihm vor­geschlagenen Weg zu thun. Die Buren haben ihre Ab­wehrmaßregeln wieder in mustergültiger Weise getroffen und ihre Streitkräfte ansehnlich vermehrt. Um so be- achtenswerther ist es, daß sie trotzdem am Tugcla stark genug waren, um die Bullerschen Truppen zurückzuwerfen. Der gleichzeitige Angriff Bullers sowie der Generale French und Gatacre auf alle Burenpositionen beweist, daß dies Vorgehen im letzten Kriegsrath unter dem Vorsitz Lord Roberts kombinirt wurde. Die Tugelaschlacht dauert ungeschwächt fort. Sie scheint bisher nicht ent­schieden zu sein. So weit verläßliche Nachrichten reichen, wurde Buller auf den Hauptpunkten zurückgeworfen.

Die Stimmung im Caplande schildert ein in den Hbg. Nachr. veröffentlichter Privatbrief aus Capstadt wie folgt: Es gährt hier unter den Asrikandern von Tag zu Tag mehr. In der ganzen Cap-Colonie von einem Ende zum anderen ist es so, und es bedarf nur eines Funkens, so ist die Revolution da. Schon heute schmug- gelt sich Alles, was nicht zu viel im Stiche lassen muß und irgend Fin Gewehr tragen kann, Reich und Arm, auf die Seite der Buren. Letzter Tage ging von hier­ein Transportdampfer mit versiegelten Befehlen in See; er hat sämmtliche gelungene Buren an Bord, es heißt, daß er damit nach St. Helena geht. Die Bundspartei hat daraufhin sofort eine 9iote an den Gouverneur Milner gerichtet, worin sie zu wissen verlangt, wohin die Buren geschickt werden. Die Airregung hierüber ist geradezu schrecklich, ja man sagt, daß, wenn sich diese Sache nicht auskläre, sich der Asrikanderbund von England lossagen werde. Die Aufregung ist begreiflich; denn sämmtliche Gefangene sind sozusagen Blutsverwandte der Cap-Colonie.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchter«, 13. Februar.

* Wir wollen nicht unterlassen, unsere Leser nochmals darauf aufmerksam zu machen, daß wegen der bis heute noch nicht eingezahlten Staatssteuern für das IV. Quartal 1899 und der 2. Hälfte Kreisumlage für 1899 von morgen ab die zwangsweise Beitreibung zu erwarten ist.

* Nächsten Sonntag Nachmittags 4 Uhr giebt der GesangvereinGermania" von Schlierbach bei Wächtersbach im Hotel Stern dahier ein Concert. Näheres siehe Inserat in heutiger Nummer.

* Errichtung von Geflügelzuchtstationen. Infolge der Aufforderung der Landwirthschaflskammer vom vor. Jahre sind zahreiche Meldungen um Uebernahme von Geflügelzuchtstationen ergangen. Die zur Verfügung stehenden Mittel reichten nur zur Begründung je einer Zuchtstation in jedem Kreise, sodaß zahlreiche Meldungen zunächst keine Berücksichtigung finden konnten. Die Be­schaffung des Zuchtmaterials machte nicht geringe Schwie­rigkeiten und konnte nur zum^Theil aus dem Bereich des Kammerbezirkes erfolgen (zwei Stationen, Homberg und Schmalkalden, sind zur Zeit noch nicht besetzt) Mehrere der Geflügelzuchtvereine leisteten bei der Be­gründung der Zuchtstationen thätige Mithülfe. Im Kreise Schlüchiern wurde als Zuchtstationshalter für Rassehühner Herr Klostergutspächter C. A. Leipold auf Hof Lindenberg bestimmt. Die Zuchtstationsin­haber sind vertragsmäßig verpflichtet, den Zuchtstamm vom 1. Februar ab bis 15. Juni getrennt von jeglichem anderen Hühnervolk zu halten und die Eier soweit sie dieselben nicht selbst zur Nachzucht brauchen an Geflügelhalter, in erster Linie an Landwirthe zum Preise von 10 Pfennig abzugeben. Die Landwirthe, werden ersucht, von der durch die Zuchtstation gegebenen Ge jegenheit zum Anlauf guter Bruteier möglichst weit-

aehenden Gebrauch zu machen. Die Bestellungen und alle Anfragen sind direkt an die Zuchtstationslnhaber zu richten. r _.

* Schwurgericht. Sitzung vom <yebr. Die Dienstmagd Maria Och von Schlüchtern hatte am 7. Dezember v. Js. zwei kleinen 7 jährige« Mädchen, die sich auf dem Wege zur Schule auf der Marktstraße be­fanden, einen Regenschirm entrissen, angeblich um sich gegen den strömenden Regen zu schützen. Es wurden den Geschworenen 2 Fragen vorgelegt: ob die That als Straßenraub oder Diebstahl ihre Sühne finden soll, die Geschworenen verneinten die erste, worauf das Gericht zusätzlich zu einer in Offenbach erhaltenen Strafe von 2 Monaten 5 Monate diktirte.

* Aus der Sitzung der Strafkammer II vom 8. Februar. Der Spinnstubeuunfug, wie er besonders im Vogelsberg und der Rhön noch besteht, hat wieder einmal ein böses Unheil angestiftet. Am 5 November v. I. war bei dem Bauer Lorenz Herchenröder zu Lichen- roth Spinnstube mit allen üblichen Zuthaten. Von dem etwa eine Stunde entfernt liegenden Flechenbach hatten sich eine Anzahl jugendlicher Burschen, meist im Alter von 14 bis 18 Jahren, zu der Spinnstube eingefunden und von diesen hatte sich der 17jährige Bauer August Hoffmann in Erwartung kommender Dinge mit einem Revolver versehen, mit dem er schon, bevor die eigent­liche Fehde ausgebrochcn, experimentirt haben muß, denn im Hofe wurde schon, während noch getanzt wurde, ein Schuß gehört. Als die Mitternachtsstunde heranrückte, begann der Streit damit, daß einer der Flechenbacher einem Lichenrother eine gesalzene Ohrfeige applizirte, was zur Folge hatte, daß der Geohrfeigte sich bei dem Hausherrn beschwerte und daß dieser anordnete, die Flechenbacher Hinauszuthun. Das wurde von den Lichenrother Burschen natürlich alsbald recht gründlich besorgt, infolge friedlicher Unterhandlungen kam es aber doch zu einem Waffenstillstand nnd einige der Flechen­bacher durften wieder hinein, während ein anderer Theil, unter ihnen auch der August Hoffmann, fortging, nach Flechenbach zu. Dieser Theil der Flechenbacher wurde nun in der Dunkelheit von einigen Lichenrother« verfolgt und angeblich mit Steinen beworfen. Während die Ucbrigen die Flucht ergriffen, blieb August Hoffmann zurück, zog seinen geladenen Revolver und gab auf die hinter ihnen hergehenden Lichenrother auf eine Entfer­nung von etwa 40 Schritten einen Schuß ab, darauf ebenfalls schleunigst verschwindend. Die drei Lichenrother Burschen behaupten bestimmt, daß sie die Flechenbacher nicht verfolgt und auch nicht mit Steinen beworfen hätten, sie wären ebenfalls auf dem Heimwege gewesen. Die Kugel hatte leider nur zu gut getroffen. Dem Bauernsohn Lorenz Zimmer von Lichenroth war sie ins Auge gegangen und hatte dasselbe gänzlich zerstört; am nächsten Tage wurde es ihm in der Klinik entfernt, das Projektil steckt noch in der Augenhöhle. Charakteristisch ür die Vorsätze und Erwartungen, mit welchem die aum der Schule entwachsenen Bürschchen zur Spinn­stube gehen, sind die in der Verhandlung zur Sprache zebrachten Aeußerungen von einem der Flechenbacher, dem 15jährigen August Rasch, der auf eine Warnung vor dem Besuch von Lichenroth äußerte:Wir fürchten uns nicht, wir habenSchars" bei uns, und wenn die ganzen Lichenrother kommen", und August Hoffmann soll geäußert haben:Wenn sie uns heute Abend was thun, wird mal auf sie geknallt". Das Schießver- gnügen des Aug. Hoffmann endigt außer der Gefäng- nißstrase mit einem ganz gehörigen Appell an seinen Geldbeutel bezw. den seines Vaters, denn er wird zu 6 Monaten Gefängniß und zur Zahlung einer Buße von 3000 Mark an den Verletzten verurtheilt.Der jetzt im Zuchthause zu Ziegenhain eine einjährige Zuchthaus­strafe verbüßende Bauer Schneider von Neuengronau wird aus seinem jetzigen Asyl vorgeführt, um sich wegen des Vergehens der falschen Anschuldigung zu verant­worten. Im April des vorigen Jahres liefen bei der Hanauer Staatsanwaltschaft zwei anonyme Briefe ein, in denen eine Bauersfrau von Neuengronau beschuldigt wurde, sie habe unreine und ver älschte Butter verkauft, wofür der Briefschreiber um ihre Bestrafung bat. Der Anonymus war der eigene Bruder der denunzirten Frau, der jetzt wegen Verleitung zum Meineid im Zuchthause sitzende Schneider. Er erhält eine Zusatzstrafe von 2 Monaten Zuchthaus. Am 17. September v. J. forderte der Gendarm zu Salmünster den sich' um Mitternacht lärmend auf der Straße umhertreibenden 18jährigen Maurer Enders auf, sich ruhig nach Hause zu begeben, was den jungen Herrn jedoch sehr verdroß und zu einer prahlerischen Antwort veranlaßte, daß er das gar nicht nöthig habe und die Gesetze vielleicht besser kenne, als wie der Gendarm. Letzterer ließ sich dadurch natürlich nicht abhalten, den Gesetzeskenner nochmals zur Ruhe zu verweisen und aulzufordern, heimzugehen, und ctts dem wieder nicht Folge geleistet wurde, sperrte der Gendarm den Radaumacher ein. Hiergegen sträubte sich dieser, machte im Arrestlokal einen riesigen Skandal, schimpfte auf alles was ihm nur einfiel und wurde behufs Belehrung über die Gesetze vom groben Unfug, «ächt- "chem Umhertreiben und Widerstand gegen die Staats­gewalt vom Schöffengericht Salmünster zu 1 Woche Haft und 1 Woche Gefängniß verurtheilt. Seine Be­rufung hiergegen ist ohne Erfolgs

Salmünster, 8. Febr. Heute Morgen 6 Uhr ertönten dahier die Feuersignale. Es brannte in der Anselm'schen Fabrik Soden-Stolzenberg. Die Feuerwehren von Soden, Salmünster, Romsthal und Ahl waren alsbald zur Stelle und arbeiteten angestrengt bis gegen Abend, wo es ihnen erst gelang, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Die Entstehungsursache ist bis jetzt noch nicht aufgeklärt. Der angerichtete Schaden wird ungefähr auf V* Million taxirt.

Freiensteinau, 6. Februar. Auf eigenartige Weise ist ein hiesiger Landwirth, Johannnes Spähn, in seinem Viehstand zu Schaden gekommen. Sein Pferd, das zur Zeit ein Fohlen hat, biß nämlich der nebenstehenden Kuh, die nach dem Hen in der Pferderaufe langte, die Zunge, soweit sie ausgestreckt war, glatt ab. Das ver­letzte Thier mußte geschlachtet werden.

Hanau. Ein Hanauer bei den Buren. Au dem gegenwärtigen südafrikanischen Kriege nimmt auch ein Hanauer, der Goldschmied Joc. Hohmann theil, der vor etwa sieben Jahren sich nach Transvaal begab und nach hier eingelaufenen Nachrichten im Herre der Buren gegen die Engländer kämpft.

Frankfurt a. M., 9. Februar. Unsere Stadt ist gegenwärtig das Operationsfeld einer höchst verwegenen Bande von Einbrechern. die es vor allem aus Gold- unb Juwelcugeschäfte abgesehen haben. Es wurden in den letzten Tagen schon verschiedene Einbrüche verübt, welche anscheinend auf diese Bande zurückzuführen sind, allein was sie in der letzten Nacht geleistet hat, übersteigt an Frechheit und Verwegenheit alles bisher Dagewesene. Der Einbruch wurde in die Uhren- und Goldwaarenhandlung von Wilhelm Krieger, Schäfergasse 20, verübt. Das Geschäft befindet sich erst seit dem ersten dieses Monats in dem Lokale. Die Einbrecher gelangten, wie bei allen früheren Fällen durch den Hausflur an die Hintere Ladenthüre. Obgleich diese eine Doppelthüre ist, wurde sie, als die Schlösser nicht aufzusprengen waren von der Seite mittelst Maurerklammern aufgesprengt, wovon zwei Exemplare am Morgen im Lokale vorgefunden wurden. Die Diebe leerten zunächst den reich ausgestatteten Erker bis aufs letzte Stück voll­ständig aus, öffneten dann die Schubladen, Schränke und Etuis und entnahmen den letzteren die Waaren. Was alles gestohlen wurde, konnte noch nicht genau zu­sammengestellt werden; an Taschenuhren allein fehlen mehr als 500 Stück, an Goldringen etwa 800 Stück, ferner zahlreiche andere Goldwaaren und Reparaturstücke von Kunden. Die Einbrecher müssen Stunden lang im Lokale gehaust haben, denn sie haben selbst die in Etuis befestigten Schmucksachen losgelöst, um nur massenhaft einsacken zu können. Auch die Kassenschublade wurde aufgesprengt; doch befand sich kein Geld, sondern nur ein Revolver darin, den die Einbrecher gleichfalls Mitnahmen.

Vermischtes.

Zu dem Religionsmord in der Gelderschen Ge­meinde Appeltern theilt dieDeutsche Wochenzeitung in den Niederlanden" noch Folgendes mit: In der Ge­meinde Appeltern bildete sich vor einiger Zeit eine reli­giöse Sekte, deren Mitglieder mehr oder weniger an religiösem Wahnsinn leiden. In der jüugsten Versamm­lung wurde beschlossen, ein Gott wohlgefälliges Opfer zu bringen, und für diesen Zweck der 27jährige Bauern­knecht Jan Brinkman aus Azendoorn, ein braver, tüch­tiger Bursche, ausersehen. In der Nacht zum 3. Febr. stellten sich zwei junge Mädchen vor dem Hause des Landwirths Scherf auf und sangen Psalmen. Scherf, ein 28jähriger Bauer und Vater von fünf Kindern, der sich für den Messias hält, ließ die Mädchen in seinen Alkoven eintreten, wo bereits andere Glaubensgenossen Platz genommen hatten, und kündete der Gemeinde an, der anwesende Knecht Jan Brinkman, der von ihrer neuen Lehre nichts wissen wolle, habe den Teufel im Bauch und müsse deshalb sterben. Im selben Augen­blick zerschmetterte er dem Knecht mit einer eisernen Röhre den Kopf. Dann warfen sich die Anwesenden auf den Todten, hackten ihm Kopf und Arme ab und schnitten ihm den Bauch auf, worauf die beiden psalmen- singenden Mädchen ihre Hände m seinem Blute wuschen. Die Wahnsinnigen glaubten nunmehr den Teufel getödtet zu haben. Es wurden Vorbereitungen getroffen, den Todten zu verbrennen, das Holz lag bereit, da trat der Bürgermeister in das Zimmer. Von allen Seiten wurde ihm von den Sektirern zugcrufen:Entblöße Dein Haupt, denn Du bist im Hause Jesus Christus!" Mit denselben Worten wurde Staatsanwalt Mijnlieff em­pfangen. Der^Wahnsinn, der sich der zumeist gebildeten angesehenen Gutsbesitzer bemächtigt hat, grenzt ans Un­glaubliche. Als der Bürgermeister einem bekannten Bauern seine entsetzliche That vorhielt und seine Ver­wunderung darüber ausdrückte, daß auch er sich daran betheiligt habe, antwortete der Bauer:Herr Jesus Christus (der Mörder Scherf) steht über uns und der Obrigkeit." Die Sekte ist weit verzweigt und reicht in Gemeinden über der Maas hinein; viele ältere Leute sind darunter. Diese Leute verkehren in großer Auf­regung, da sich unter ihnen das Gerücht verbreitet hat, Jesus Christus (Scherf) würde drei Tage nach seiner Gesangennehmung die Fesseln sprengen und gen Himmel fahren. Von allen Seiten strömen Stadt- und Land­bewohner nach Appeltern, doch das ruhige taktvolle Ach