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--------------^~*^^^~.^\wmn3K&votui.AxaM'' nvrau«aun*awimeiiwsH«*>CT^^ -«- ' - mMnuMa Mittwoch, den 7. Februar 1900.

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51. Jahrgang.

K^-»l!lt^^S^°uf die .Schlüchteruer Zeitung" werden noch forwährend von allen *" - 1 ' 'Postanstaltcu utd Landbriesträgern

sowie von der Expedition entgegen genonnuen.

Deutsches Reich.

Berlin. Am deutschen Kaiserhofe geht es jetzt recht still zu. Die Trauer für die verstorbene Herzogin Adelheid verbietet jede Feier, und die trübe Stimmung der hohen Herrschaften verbannt auch sonstige Zerstreu­ungen. Die Majestäten widmen sich jetzt hervorragend der Arbeit, waltet doch die Kaiserin mit regstem Eifer über eine große Zahl von Veranstaltungen und wohl­thätigen Vereinen. Die erste größere Feier wird wohl erst die Mündigkeitserklärung und der 18. Geburtstag des Kronprinzen Wilhelm bringen.

Die alten Fahnen der Zenghaussammlungen in Berlin sind im Laufe der Zeit stark brüchig geworden. Man beabsichtigt daher, sie nach Möglichkeit wieder her­zustellen. Es handelt sich im ganzen um 1070 Fahnen: die Wiederherstellung dieser eindrucksvollsten und denk­würdigsten Ruhmeszeichen des brandenburgisch-preußischen Heeres, die man vor dem gänzlichen Zerfall bewahren will, wird wohl vier Jahre in Anspruch nehmen.

Auf eine Eingabe von 482 Apothekern um Ein­führung einer Nachttaxe für des Nachrs bestellte und angefertigte Arzneien sollen nach dem Gesuche er­höhte Preise gezahlt werden hat das preußische Medizinalministerium derApotheker-Ztg." zufolge den ablehnenden Bescheid ertheilt, daß dem Gesuche wegen Einführung einer Nachttaxe für Apotheker nach wieder­holten Erwägungen nicht entsprochen werden könne.

Aachen. Der angekündigte Streik rheinischer Berg lcute ist am Donnerstag zur Thatsache geworden. Aus Aachen wird gemeldet: Ein großer Theil der Gruben­arbeiter des Wurmreviers ist in den Ausstand getreten. Der Betrieb dauert fort, allerdings mit bedeutenden Ein­schränkungen. Welchen Umfang dieser Ausstand an« nehmen wird, darüber läßt sich noch kein Urtheil fällen.

Köln. Der Musketier Rakowsky in Köln, der den Fabrikanten Lämmert hinterrücks überfallen und durch Stiche derart verletzt hatte, daß der Tod eintrat, wurde vom Kriegsgericht zu 4 Jahren Festung, sein Mit­schuldiger Keßler zu einem Jahre Festung verurtheilt. Lämmert hatte bekanntlich ein Mädchen beschützt, das von den Soldaten belästigt worden war.

Vom Harze, l. Februar. Vor etwa vierzehn Tagen wurde gemeldet, daß es gelungen sei, den durch Defrau dation des Kassirers um circa 100,000 Mark geschädigten Spar- und Vorschußverem in Ellrich zu saniren. Mit welchen Opfern das geschehen ist, darüber verlautete nichts Bestimmtes. Daß diese Opfer aber keine geringen für jedes einzelne Mitglied gewesen sind, zeigt derBr. Ldztg" zufolge der Umstand, daß zum Beispiel ein Mitglied bei einer Einlage von 80 Mark zu Sanirungs- zwecken 85 Mark nachzuzahlen gehabt hat. Durch die anhaltend kalte Witterung und den Schneefall hat das Wild furchtbar zu leiden. Wenn auch von den Harzvereinen bafür gesorgt wird, daß die Futtcritellen reichlich mit Futter versehen sind,so sind die Thiere doch so schwach, daß sie nicht im Stande sind, sich bis zur Mutterstelle schleppen zu können, und teilweise unterwegs elend zu Grunde gehen.

Darmstadt, 2. Februar. Seit einigen Tagen tragen die berittenen hessischen Truppen beim Anlegen des Mantels den Säbel übergeschnallt, wie die anderen Truppen. Ueber die Veranlassung zu dieser Anordnung wird geschrieben: Die bisherige Sitte des Unter« schnallens beruht auf einem Herkommen, das der all­gemeinen Bekleidungsordnung widerspricht. Zu dem Erlaß der neuen Verfügung gab folgendes Vortommniß die Veranlassung. Der Bursche des Commandeurs des hiesigen Dragoner-Regiments wurde in Berlin, als er in Berlin den Säbel untergeschnallt trug, von Vorgesetzten angehalten und bestraft. Auf seine Entgegnung, daß in Hessen der Säbel allgemein so getragen würde, kam die Sache zur Sprache und da die Angaben des Burschen sich als richtig herausstellten, wurde sofort eine Verfügung in dem obigen Sinne erlassen.

Ausland.

Trplitz, 4. Febr. Sämmtliche Versammlungen im Streitgebiete wurden wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe verboten. Wegen dieser Maßregelung herrscht unter den Arbeitern große Erbitterung. Die Spannung ist aus das Höchste gestiegen.

Genehmigung unterbreiten muß. 2. Abtretung des nördlichen Kaplandes mit der Diamantenstadt Kimberley, sowie eines Gebietsiheiles von Natal, welches der Trans­vaalrepublik gestattet, eine Verbinduug mit dem Meere herzustellen. 3. Volle Freiheit, die Uitlanderfrage nach den Interessen der Republik zu regeln, 4. Zahlung einer angemessenen Kriegsentschädigung. Wenn England diese Bedingungen nicht annimmt, werden die Buren die Waffen nicht niederlegen, und dann laufen die Eng­länder im Falle weiterer Niederlagen ernstlich Gefahr, alle südafrikanischen Kolonien zu verlieren.

China. Eine Kundgebung gegen die Fremden hat die Kaiserin-Wittwe von China erlassen. DerOstasiat. Lloyd" berichtet über einen Geheimerlaß der energischen alten Frau, in dem zunächst von dertigerartigen Gier" der europäischen Großmächte auf China gesprochen und dann fortgefahren wird:Es ist deshalb unser ganz besonderer Befehl, daß ein Beamter, den die Verhält­nisse in eine Lage gebracht haben, wo nur ein Krieg noch übrig bleibt, seine Pflicht bis zur letzten Consequenz thut. Es ist daher zu wünschen, daß unsere Gouver­neure und Oberkommandanten im ganzen Kaiserreiche ihre Truppen zusammenziehen und gemeinsam handeln, ohne lange zu fragen, wessen Gebiet von dem Feinde bedroht ist; es wird von ihnen erwartet, daß sie Offi­ziere und Soldaten ermuthigen, für Erhaltung von Hab und Gut zu fechten und nicht zu erlauben, daß die Fußtritte habgieriger Fremden den heimischen Boden entweihen. . . Macht diese Worte jedem Einzelnen in Euren Bezirken bekannt!" Da kann eine große Fremdenhetze nicht ausbleiben.

Lokales «ud Provinzielles.

* Schlüchtern, 6. Februar.

j * Versetzt wurde Lehrer Schlilt zu Magdlos (Kreis Fulda) nach Erfurtshausen (Kreis Kirchhain.)

* Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß die Staats Einkommen- und Ergänzungssteuer für das IV. Quartal des Rechnungsjahres 1899 am 7. Februar er. eingezahlt werden muß und daß wegen der am 10. Januar d. J. fällig gewesenen noch nicht bezahlten zweiten Hälfte der Kreissteuer für 1899 in aller Kürze zwangsweise Beitreibung zu erwarten ist.

* Mittwoch, den 14. Februar, Vormittags 11 Uhr soll zu Schlüchtern eine außerordentliche Bullenkörung abgehalten werden. Zwecks rechtzeitiger Tuberkulose- impTung müssen die betr. Bullen bis Montag, 12. Februar, Mittags in Schlüchtern eingestellt und alsbald dem Königlichen Kreisthierarzte angemeldet werden.

* Preiserhöhungen. Den Fabrikanten von Druck- und Schreibpapieren sind jetzt in der Preiserhöhung die Briefumschlag-Fabrikanten, die Fabrikanten von DüAtn und Beuteln, die Fabrikanten von Kartonnagen und die Pappenfabrikanten gefolgt; theils sind die Preiserhöhungen bereits eingetreten, theils sollen sie tu Kürze ins Werk gesetzt werden. Die Porzellan-Fabriken Deutschlands in der Geschirrbranche haben sich zu einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung zusammengethan und haben beschlossen, ihre Fabrikate um 5 Prozent zu erhöhen; ebenso haben sich die Steingutfabriken Deutschlands bis auf zwei zusammengethan und einen Preisaufschlag von 10 Prozent vereinbart unter der Bedingung, daß keine der zusammengeschlossenen Fabriken an ein Geschäft Waaren abgiebt, das von den zwei der Vereinigung nicht beigetretenen Fabriken kauft.

* Unter den Dienstboten herrschkchie Ansicht, daß ein mit einer Herrschaft eingegangeneS Dienstverhälniß durch Rückgabe des etwa erhaltenen MiethttHalers wieder rückgängig gemacht werden könne. Dnes ist eine irrige Auffassung. Bindend ist einzig und Allein das zwischen Herrschaft und Dienstboten getroffene Ueber- einkommen, selbst wenn solches nur mündlich erfolgt ist. DasHandgeld" ist ein aus früheren Jahren stammender und noch jetzt vielfach üblicher Gebrauch ohne rechts­kräftige Wirkung, seine Rückgabe entbindet also keineswegs von dem eingegangenen Dienst.

* Was soll unser Junge werden? Mit dieser ernsten Frage beschäftigen sich, so schreibt uns der deutsch-nationale Handelsgehilfen-Verband, jetzt taufende und abertausende sorgender Eltern. Der Eintritt in das Erwerbsleben bedeutet einen der wichtigsten Wendepunkte des ganzen Lebens. Um so gewissenhafter sollte deshalb allenthalben die Entscheidnng über diese Frage vor­genommen werden. Es unterliegt gewiß keinem Zweifel, daß in Zukunft bei dem erbitterten Kampf um's Dasriy

Wien, 2. Februar. Die Hochzeit der Kronprinzessin Stephanie mit dem Grafen Louyay findet am 3. März auf dem Schlosse Miramar statt.

Kairo, 2. Februar. Die öffentliche Meinung be­schäftigt sich lebhaft mit der wachsenden Unzufriedenheit in der egyptischen Armee. Diese beklagt sich über Miß­handlungen seitens der englischen Offiziere sowie über heimliche Sendungen von eghptischen Truppen und Kriegsmaterial nach Südafrika, was mit der Neutralität Egyptens im Widersprüche stehe. Die englische Regierung, welche bezügl. der Haltung der schwarzen Truppen in Unruhe ist, ersuchte den Khedive um Vermittelung, dieser forderte brieflich zum Gehorsam auf. Trotzdem besteht weiter große Besorgniß. Egypten ist völlig von europäischen Truppen entblößt.

London, 3. Februar. Ein hiesiges Blatt verbreitet ein sensationelles Gerücht, wonach Lord Roberts um Zusendung von 90 000 Mann gebeten habe. Das Kabinet habe geantwortet, die verlangten Truppen würden sofort abgesandt werden. Das Kabinet habe beschlossen, die Miliz-Ballotir-Akte in Kraft zu setzen, wonach ein jeder unverheirathete Mann zwischen 18 und 30 Jahren dienstpflichtig wird. 40,000 Mann sollten von der Miliz-Reserve und 50,000 Mann von den Volontären eingezogen werden. Der gestrige Kabinets- rath habe den Zweck gehabt, alle Einzelheiten hierüber festzusetzen. Wie sehr aber England seine militärischen Hilfsmittel bereits erschöpft hat, beweist ein soeben er­lassener Befehl, wonach alle bisher als untauglich zurück gewiesenen Reservisten angewiesen werden, sich unverzüg­lich von Neuem zu stellen. Aus den Verhand­lungen im Unterhause interessiren besonders die Angaben des Unterstaatssekretärs des Krieges über die Truppen­stärke, die England demnächst in Südafrika vereinigt haben wird. Abgesehen von der 8. Division, von deren Entsendung nach Südafrika vorläufig noch Abstand ge­nommen worden ist, abgesehen von der 4. Kavallerie­brigade, die erst in einigen Tagen nach dem Kriegs­schauplatze abgeht, verfügt England in Südafrika über 180 000 Mann Infanterie, Kavallerie und Artillerie, 36 Belagerungsgeschütze, 38 Marinegeschütze, 36 fünf« zöllige Haubitzen, 54 Kanonen der reitenden Artillerie und 234 Feldgeschütze. Dagegen besaßen die Buren im Jahre 1898, weiter reicht die Statistik des englischen Kriegsamts nicht, zusammen nur 59 000 Mann mit HO Geschützen. Nummerisch sind danach die Engländer den Buren dreifach überlegen, aber desto größer ist doch Die Schande, daß sie ihnen auch nicht in einer einzigen Schlacht haben Stand halten können.

London, 2. Febr. Das Kriegs-Departement der Buren hat nach einem Telegramm derTimes" aus Lorenzo Marquez bezüglich Ladysmith eine veränderte Taktik beschlossen. Enorme Quantitäten Holz und anderes Material, sowie Hunderte von Koffern seien aus Johannes­burg und Pretoria angewiesen worden, um den Klippfluß einige Meilen unterhalb Ladysmith einzudämmen, um die Stadt zu überschwemmen und die Engländer zur Uebergabe zu zwingen. - Das Londoner Kriegsamt be« streitet, daß die Buren dem General Warren 17 Kanonen abgenommen haben. Nach den hier eingetroffenen Nach­richten wird die Zahl der von den Buren erbeuteten Kanonen zwar nicht angegeben, aber es wird berichtet, daß General Warren auf der Flucht nicht bloß seinen gesammten Artilleriepark, sondern auch seinen aus fast 5000 Wagen bestehenden Wagenpark zurücklassen mußte. Daß derselbe in die Hände der Buren gefallen ist, kann wohl nicht bezweifelt werden. Die Katastrophe bedeutet natürlich auch die Besiegelung des Schicksals von Lady smith. Von einer Invasion des Territoriums der beiden Republiken durch die Engländer kann wohl nicht mehr die Rede sein. Vor den Kämpfen am Spionkop konnte England noch einen billigen und vortheilhaften Frieden haben, die Präsidenten Krüger und Sieijn hatten sich mit der Bürgschaft für die Unabhängigkeit ihrer Staaten begnügen wollen, wofür sie den Uitlanders im Gold- miucndistrikt Johannesburg die schon Chamberlain gegen über in Aussicht gestellten Rechte gewährt hätten. Nach der jetzigen Niederlage werden die Engländer nicht so leichten Kaufes davon kommen. Man glaubt, daß die Republiken nur unter den folgenden Bedingungen zum Friedensschlüsse geneigt sein werden: 1. Revision des englisch-transvaalischen Vertrages von 1884, dem zufolge die Transvaalrepublik alle mit auswärtigen Staaten, den Oranjesreistaat ausgenommen, abgeschlossenen Ver­träge der großbritannischen Regierung zur vorherigen