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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 10.

Samstaff, den 3. Februar 1900

51. Jahrgang.

IUftdhfttrttHlauf ^e .Schlüchterner Zeitung" gpl'lll'UUnyriltoerben nocl) fortwährend von allen -........'-=' -Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. Januar. Der Kaiser, der am Dienstag, wie alljährlich am Todestage des Kronprinzen Rudolph, dem österreichisch-ungarischen Botschafter in Berlin einen Besuch abstattcte, hatte am Mittwoch eine neue Con- ferenz mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Grafen Bülow.

* Die Ausgabe der neuen Germania-Marken zu 3 und 5 Pfg. ist im April oder Mai zu erwarten. Da die Ortssätze für Karten und Drucksachen zu 2 Pfg. schon am 1. April in Kraft treten, werden an jenem Tage Postkarten und Briefmarken zu 2 Ptg. mit dem Bilde der Germania erscheinen.

Der Kohlenmangel, der infolge des großen Streiks der Bergleute in den österreichischen Kohlenrevieren ein­getreten ist nnd in Böhmen Geschäfte und Verkchrs- institute derartig in Mitleidenschaft gezogen hat, daß der Betrieb theilweise eingestellt werden mußte, droht, tote es scheint, nunmehr auch auf das deutsche Reich überzugreifen. Seit Sonnabend sind keine Kohlensen- dungen mehr nach Deutschland gelangt. Sonst gelangten regelmäßig täglich im Durchschnitt 500 bis lOOLowries zur Einfuhr nach Deutschland.

Ein großer Bankdiedstahl ist in Berlin aus- geführt worden, und zwar an einem Annahmeschalter deS Kassenvereins. Dort sollte der 19jährige Lehrling M. für das Bankgeschäft Dienstbach und Möbius einen Betrag von mehr als 100 000 Mk. in Cheks und Papiergeld einzahlen Der Dieb benutzte den Augen­blick, in dem M. sich zum Abreißen des Chekformulars abwandte, und nahm 8 Tausend- und 3 Hundertscheine an sich. Als das Fehlen des Geldes bemerkt wurde, war der Spitzbube verduftet.

Dresden. Ein unvorsichtiger Radfahrer, der durch sein Fahren auf der Landstraße den Tod eines Menschen verschuldete, wurde in Dresden zu einem Jahr Gefäng­niß verurtheilt.

Lüdenscheid. Ein hiesiger Hotelier verkaufte kürzlich sein Hotel für 135 000 Mark. Der neue Besitzer konnte sich nicht halten, gericth in Konkurs und bei dem gericht­lichen Verkauf erpand der frühere Besitzer das Hotel wieder für 8800ü Mk. (Das ist ein Geschäft!)

Karlsruhe. Der bekannte Leutnant von Brüsewitz, der bei einem Renkontre mit einem Civilisten in einem Karlsruher Cafe seinen Gegner niederstach und deswegen zu dreieinhalb Jahren Gefängniß verurtheilt wurde, ist in den Kämpfen am Tugela gefallen, v. Brüsewitz hatte nach Verbüßung eines Theiles seiner Strafe bei den Buren Dienst genommen.

AuS dem Elsaß. Zwei drollige Fälle gingen in diesen Tagen durch elsässische Blätter. In dem einen Falle wurden in einem elsäfsischen Dörfchen die Dienste eines Feldhüters von einem Ritter der Ehrenlegion ver­sehen. Ein Seitenstück dazu ist, daß in einem benach­barten Orte ein Mitbürger, der als Einjährig Frei­williger bei einem Berliner Garde-Regiment genanden hat, Gemeindediener in. Dieser Gemeindediener ist ein wohlhabender Grundbesitzer, und der Ott ist nicht wenig stolz darauf, einen Gemeindediener zu haben, der Gym nasialbildung besitzt und sein Jahr bei den Garde-Fusi lieren abgedrent hat.

Vorsicht! Falsches Geld! In Mainz kursiren soeben falsche Zweimarkstücke mit dem Prägezeichen der freien Stadt Hamburg Die Stücke sind ziemlich gut auSgeführt und auch das Metall, aus welchem bie Stücke hergestellt sind, hat einen guten Klang. Die Falsifikate lassen sich aber sehr leicht biegen.

Ausland.

Pilsen. Ueber den in Pilsen sta tgchabten Kohlen- krawall wird der Voss. Ztg berichtet: Die steigende Kohlennoth hatte die ärmeren Schichten der Bevölkerung in eine von Tag zu Tag wachsende Erregung versetzt. Gestern zogen große Trupps von Weibern zum Bahn­höfe der Pilsen Prie^ener Bahn, wo 5 Waggons Kohlen zur Abladung bereit standen. Die nach Hunderten zahlende Menge konnte nur schwer zurückgehalten werden. Immer wieder wurden die Bahnbeamten zurückgediängt, wobei die Menge schrie: Gebt uns Kohlen, wir wollen

sie ehrlich bezahlen. Wir können nichts kochen, unsere Kinder frieren zu Hause. Die Kohle ist nur für die Reichen bestimmt! Die Menge machte Miene, sich mit Gewalt der Kohlen zu bemächtigen Als ein Weib mit einem Beamten haudgemein wurde, stürzte sich Alles unter betäubendem Lärm auf die Kohlenwagen und nach kaum einer Viertelstunde waren diese auch schon geplündert. Was man nur in Körben, Säcken, ja sogar in Kleidern zusammenscharren konnte, wurde weggesckleppt. Die Be­amten mußten flüchten. Nach der Plünderung zog die Stenge ab, der Bahnhof, sowie alle Kohlenmagazine sind nun militärisch besetzt. Der Kohlenmangel in Böhmen und den angrenzenden deutschen Gebieten, bis nach Thüringen hinein, nimmt noch immer zu. Auf einigen bayerischen Bahnlinien ist wegen Kohlenmangel der Wagenladungsverkehr eingestellt.

Paris, 30. Januar. Zu dem neuen Gesetzentwürfe betreffend die Vermehrung der »ranzösischen Flotte schreibt derTemps", nach Durchführung des neuen Gesetzes werde die französische Flotte 28 Panzerschiffe, 24 Panzer­kreuzer, 52 Torpedojäger, 263 Torpedoboote und 38 Unter­seeboote zählen. Von den neuen Bauten sollen bis 1905 fertiggestellt werden 2 Panzerschiffe, 3 Panzer­kreuzer, 20 Torpedojäger, 76 Torpedoboote, 26 Unter­seeboote.

Die Engländer hatten in der Delagoabai auch ein französisches Schiff, dieGironde" angehalten, die Ambulanzen und Militärpersonen an Bord hatte. Diesen Passagieren ist jetzt die Erlaubniß ertheilt worden, sich nach Transvaal zu begeben. Reisenden, die auf Schiffen andrer Nationen in Lourenzo Marques landeten und als Reiseziel Transvaal angaben, ist es bekanntlich bis» her verboten gewesen, ihre Reise auszu'ühreu.

Madrid, 28. Januar. Hunderttausend Remington- Patronen, eine große Masse Patronenhülsen, Gewehre und Bajonette und zwei Säcke Briefschaften sind in Kellerräumen, in der Nähe von der Stadt Placencia gemnden worden, die für die Carlisten benimmt waren. Der Hausbesitzer floh über die Grenze. Die Recherchen werden fortgesetzt.

Palermo. Eine schlaue Stadtverwaltung. Seit mehreren Tagen ist Palermo, eine Stadt von 350 000 Einwohnern, ohne Fleisch und ohne Gemüse. Die Läden aller Schlächter, Geflügel- und Gemüsehändler sind ge­schlossen, weil der Stadtrath, um ein Deficit von 800 000 Lire, das durch eine skandalöse und unehren­hafte Verwaltung entstanden ist, zu decken, zu neuen Steuern seine Zuflucht nehmen mußte, und eine Fleisch, Milch-, Eier-, Hühner-, Wein-, Papier-, Festster- und Gemüsesteuer ausschrub. Die kleinen Händler schloffen empört darüber ihre Läden. Das Vieh, welches aus der Umgebung in die Stadt getrieben wurde, reicht bei weitem nicht, um den nothwendigen Bedarf zu decken, und die volksreiche Stadt sieht einer großen Theuerung, und vielleicht auch blutigen Amständen entgegen, wenn der Stadtrath keine Abhüle schafft. Die Volksmassen dcmonstriren täglich zu Tausenden vor dem Rathhaus, jedoch wurden bisher noch blutige Zusammenstöße ver mieden.

Brüssel, 29. Jan. Alle Nachrichten bestätigen die Verluste des Gerals Warren, welcher mindestens 3000 Todte und Verwundete veiloren hat. Die Buren er­beuteten den ganzen Artillerie Park Warrens. Die Niederlage der Engländer artete in eine Katastrophe aus.

London, 30. Jan. Die meisten Blätter sehen die Uebergabe von Ladysmith voraus.Daily Mail" ist der Ansicht, daß es nur ein Mittel gebe, den Fcldzug zu beenden, nämlich die Absendung von zwei neuen Armee-Korps zu je 50,000 Mann. Das Blatt gibt zu, daß zur Verwirklichung dieses Vorhabens die Aus­hebung eingeführt werden müsse. Das Blatt erwähnt als Beispiel die Vereinigten Staaten von Nordamerika während des Seccessionisten - Krieges. DasNew Mark Journal" gibt den britischen Verlust am 24. Januar auf 2700 Mann an. Der Rückzug Bullers ist ent­scheidend für das Schicksal von Ladysmith. Selbst die Times" schreibt, General NobcitS müsse sich entscheiden, ob es möglich und klug sei, weitere Versuche zur Be­freiung Ladysmilhs zu unternehmen. Es sei sehr wahr­scheinlich, daß man früher oder später von einer bei­spiellosen Katastrophe erfahren werde, vergleichbar nur der Katastrophe der Uebergabe von Jorktown an die Amerikaner. (Diese Errinnerung ist überaus bezeichnend. Durch die Niederlage bei Jorktown (1781) wurden die

Engländer gezwungen zur Anerkennung der Unabhängig­keit der Vereinigten Staaten). Während General Buller und Waaren sich schon seit Sonnabend voriger Woche auf dem rechten Tugela-Ufer befinden, ist man über den Aufenthalt der Brigaden Dundonals und Littletons Tage lang völlig im Unklaren gewesen. Besondere Sorge herrschte in London über den Verbleib der Reiterbrigade Dundonals. Man befürchtete, sie habe sich bei dem Versuch, die Buren zu umgehen, zu weit vorgewagt und sei abgeschnitten worden. Jetzt heißt es nun zwar, auch sie habe glücklich das jenseitige Ufer des Tugela erreicht; es ist aber noch ungewiß, ob diese Meldung nicht bloß zur Beruhigung der entsetzlich erregten Ge­müther gemacht worden ist. Die Brigade Littletons ist dagegen bis auf den gegenwärtigen Augenblick der Ueber- gang über den Tugela noch nicht geglückt, sodaß auch sie vielleicht eingeschlossen und entweder aufgerieben ist oder sich in Gefangenschaft der Buren befindet. Daß die Sache am Spionkop und dem nördlichen Tugela- Ufer noch nicht ganz in der Ordnung ist, geht aus der Verschwiegenheit des Londoner KriegsamtS mit großer Wahrscheinlichkeit hervor. Nachdem die letzte An­strengung zum Entsatze von Ladysmith gescheitert ist, sind die Engländer thatsächlich am Ende ihres Könnens angelangt. Vielleicht schließen die Buren den General Buller am Tugela ebenso ein, wie den Lord Methuen am Modderfluß. Und wenn dies das Endziel ihres ganzen Verhaltens am Tugela gewesen wäre, nachdem sie die Engländer von der Eisenbahn fortgelockt haben, so wäre es gewiß das Meisterstück ihrer bisher verfolgten Taktik! Die englische Haupt Armee in unfruchtbarem Gebirgslande umzingelt und abgeschnitten von ihrer Lebensader, das wäre ein Ausgang des ungleichen Krieges, den sich auch der begeistertste Burenfreund nicht hätte träumen lassen!

Das englische fünfte Lancers-Regiment soll voll­ständig aufgerieben sein. Bekanntlich wird biedern Re­giment den Vorwurf gemacht, daß es bei Elandslaagle die Verwundeten, besonders Deutsche und Holländer, mit den Lanzen durchstach, nachdem sie sich ergeben hatten. Dieser Vorgang hat die Boeren natürlich auf Aeußerste erbittert und, wie verlautet, zum Schwüre veranlaßt, keinen Lancers zu schonen, der ihnen in die Hände fallen sollte. In holländischen Blättern wird nunmehr ein Brief aus dem Bocrenlager vor Ladysmith veröffentlicht, worin es heißt:Ungefähr vor 14 Tagen machen die Lancers dasselbe Regiment einen Aus,all auf die etwa 25 Mann starke Brandwacht der Boeren. Diese ziehen sich zurück, jedoch immer schießend, und halten so die Lancers fest. Eine Abiheilung Frerpaatler von General Prinsloo zieht hinter den Lancers herum, 200 Mann der Abtheilung des Generals Meyer kommen der Brandwehr zu Hilfe, und nun werden die Engländer eingeschlossen, sodaß ein Entkommen unmöglich ist. Und von den 600 Lancers, die auf dem Schlachtfeld! die wehrlosen Verwundeten ermorden durften, mögen fünf am Leben geblieben und nach Ladysmith zurückgeflohen sein, um dem General White Botschaft zu bringen was aus den Anderen geworden ist. Das ist die Geschichte der Lancers."

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 2. Februar.

*Herr Seminardirektor vr. Linke dahier ist ab 1. Februar in gleicher Eigenschaft an das Schullehrer- Seminar zu Lüneburg in Hannover versetzt worden. Seine Stelle wird bis auf Weiteres von Herrn Seminar- oberlehrer Reinert versehen werden.

* Gestern Nachmittag bewegte sich durch unser Städtchen ein imposanter Leichenzug, wie er seit langen Jahren hier nicht gesehen wurde. Galt es doch, den langjährigen ersten Seelsorger der hiesigen evangelischen Gemeinde, Herrn Superintendent Heck, zur letzten Ruhestätte zu geleiten. Vor dem Trauerhause wurde von den Zöglingen des Seminars und dem Posaunen- chor des Jünglingsvereins ein Choral vorgetragen und darauf hielt Herr Metropolitan Orth von Rainholz eine Ansprache. Dann trugen die Kirchenältesten den reich- geschmücktcn Sarg zur Kirche, woselbst der Herr General­superintendent Pfeiffer von Hanau die Trauerrede hielt, von welcher alle Anwesenden lief ergriffen wurden. Von den Seminaristen und dem Kirchenchor wurden der ernsten Feier angemessene Gesänge vorgetragen. Dann ordnete sich der Leichenzug zum Gang nach dem Friedhose. Dem