SchWernerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit »Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Mittwoch, den 31. Januar 1900.
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51. Jahrgang.
N<»11p!!n»ia<l»^"^ bic .Schlüchterner Zeitung" lltverben noef) fortwährend von allen -—!-'.—--." > -Postanstalten und Landbriejträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
J.Nr. 395. K. A. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden excl. Klosterhöfe und Neustall werden darauf aufmerksam gemacht, daß über die Einsprüche gegen die jetzt offenliegende Wählerliste bis zum 15. Februar d. J. von der Gemeindevertretung zu beschließen ist (cfr. § 27 und 37 der Landgemeinde-Ordnung.)
Bis zum 10. Februar erwarte ich kurze Anzeige, ob Einsprüche gegen die Wählerliste ergangen sind und was darauf veranlaßt ist.
Schlüchtern, den 25. Januar 1900.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat anläßlich seines Geburtstages, dessen Feier durch den Trnncrfall im Kaiserhause, sowie durch das ungünstige Wetter beeinflußt war, mehrere hervorragende Persönlichkeiten durch Orden ausgezeichnet. Ferner hat der Kaiser anläßlich seines Geburtstages ein Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens gestiftet, das am Bande des-Großkreuzes des Rothen Adler-Ordens getragen wird. Zur Verleihung dieses Kreuzes dürfen dem Kaiser nur solche Personen vor- geschlagen werden, die bereits das Allgemeine Ehrenzeichen besitzen. — Die sterbliche Hülle der Herzogin Friedrich traf am Sonnabend nachmittag auf derFamilienbesitzung Primkenau in Schlesien ein. Die Beisetzung erfolgte Sonntag nachmittag, wozu das Kai erpaar mit den Prinzen kurz vorher eingetroffen war. Andere deutsche Fürstenhäuser waren bei der Trauerfeier zugegen, die sich recht erhebend gestaltete. Die kaiserliche Familie kehrte Abends nach Berlin zurück.
— Ueber die Schädigung des Postverkehrs nach Süd, afrika durch englische Behörden geht der National-Zeitung folgende Mittheilung zu: Die am 28. September, 10. und 15. Oktober v. I. nach Transvaal aufgegebene deutsche Posten, die letzte der über Southampton-Kapstadt geleiteten, sind am 3. Jannar d. I. von Kapstadt zurück, gesandt worden und am 22. d. Mts in Köln wieder eingegangen. Die Posten sind sofort umgearbeitet und nach der Delagoa-Bai weitergesandt worden. Ueber die Ursache der Verzögerung in der Rücksendung liegt bis jetzt noch keine Aeußerung seitens der britischen Postbehörden vor.
— Die Reichsbank ermäßigte den Diskont auf 5'/,, der Lombardzinsfuß fiel auf ö1,0^.
Ausland.
London. Vom Kriegsschauplatze meldete General Bluller, daß General Warren den Spionskoop, einen steilen, von den Buren besetzten Berg südwestlich von Ladysmith erstürmt und die Stellung der Buren unhaltbar gemacht habe. Die Verluste an Menschenleben sollen groß sein; General Woodgate erlitt eine schwere Verletzung, welcher er bald erlegen ist. Nach späterer Meldung hatte General Warren nur eine Vorhöhe des Spionkoop, welches ein kleines Plateau bildet, genommen, mußte dasselbe aber, wie General Buller neuerdings meldet, in der Nacht zum Donnerstag wieder räumen. Die Division Warren erlitt furchtbare Verluste, welche hier auf 600 Todte und 1500 Verwundete angegeben wurden. Fast die gesammte Artillerie Warrens fiel in die Hände der Buren. Der schleunige Rückzug Bullers über den Tugelafluß kann ihn allein vor der Vernichtung retten. Der Entsatz von Ladysmith ist fortan undenk bar. Man erwartet hier stündlich die Meldung von der Kapitulation. Guten Nachrichten zufolge befindet sich auch General French in einer gefährlichen Lage. — Lange können sich die Engländer in dem bedi äugten Gebiete nördlich vom Tugela nicht anihalten, da die Bcrproviantiernng der 30 OuO Mann zählenden Bullcr- schen Armee dort ganz und gar unmöglich ist. Der General wird daher bald den Rückzug antreten oder den entscheidenden Angriff wagen müssen, der die Vernichtung bedeutet. — Das Klima in Südafrika ist jetzt für Europäer ein höchst gefährliches. In Ladysmith sowie in ganz Natal werden die Briten unter den Folgen der klimatischen Einflüsse ebenso zu leiden haben, wie aus
dem südlichen und westlichen Kriegsschauplatze. Die Buren sind dagegen an das Klima gewöhnt und begrüßen in ihm einen nicht zu unterschützenden Bundesgenossen.
London, 28. Januar. General Buller telegraphiert aus Spearmanskamp vom 27. Januar: „Nachdem die Truppen Warrens den Spionkop aufgegeben hatten, hielt ich einen zweiten Angriff für unnütz, denn der rechte Flügel der Buren ist zu stark, als daß ich den Durchbruch erzwingen könnte. Ich beschloß deshalb, die Truppen südlich des Tugela zurückzuziehen.
London, 23. Jan. Die „Central-News" melden aus Durban: Der Dampfer „Hawarden Castle" kam hier von der Delagoa-Bai an. Er war vollbesetzt mit Passagieren, hauptsächlich englischen Flüchtlingen, welche aus Prätoria vertrieben waren, weil sie sich weigerten, für die Buren Kriegsdienste zu leisten. Einige derselben waren schlecht behandelt und als fahnenflüchtig eingesperrt worden. Einer der Flüchtlinge erzählt, daß ein Dr. van der Moe aus dem Burenheer bei Colenso nach Prätoria gemeldet habe, daß die englischen Krankenpfleger, welche verwundete Buren verpflegen, deren Wunden wieder aufgerissen haben. Aehnliche skandalöse Vorgänge sind mehrere im Umlauf. — Die Noth in Ladyshmüh scheint aufs höchste gestiegen zu sein. „Reuters Bureau" gibt aus Durban am Montag die Sterblichkeit an Typhus und an Dysenterie in Ladysmith auf zehn Fälle täglich an. Allein in der vergangenen Woche sind in Ladysmith drei englische Kriegskorrespondenten, des „Standard", der „Daily Mail" und der „Morningpost", gestorben. — Die englischen Gefangenen in Transvaal, deren Zah bereits auf 4000 bis 5000 gestiegen sein soll, beginnen für die Sicherheit des Landes eine Gefahr zu bilden. Wie verlautet, will daher die Regierung sie aus Prätoria nach Pietersburg in den Norden des Landes senden, da sie hier mit viel weniger Bedeckungsmannschaften in Gewahrsam gehalten werden können. Fluchtversuche sind dort nämlich so gut wie ausgeschlossen, denn sollte ein solcher gewagt werden, so wird ihn das Op'er sicher mit dem Leben büßen müssen. Das Land dort ist jedoch nicht etwa wüstenartig, sondern im Gegentheil beinahe tropisch üppig infolge seiner Tieflage. Aber auch ungesund, nur ganz spärlich bevölkert und noch von wilden Thieren durchschwärmt. Kein Flüchtling darf hoffen, seinen Weg nach der Küste oder Rhodesia ohne Waffen und gute R^leansrüstung zu finden; er wird eine sichere Beute des Fiebers, des Hungers oder wilder Thiere.
— Die Verluste der Buren seit dem Beginn des Krieges beziffert der Gesandte von Transvaal in Brüssel Dr. Leyds auf 212 Todte, 1000 Verwundete und 200 Gefangene, die Verluste der Engländer dagegen auf insgesammt 8000 an Todten, Verwundeten und Gefangenen.
Paris, 25. Jan. Trotz des amtlichen Dementi hält die „Patrie" die Meldung aufrecht, daß nach Madagaskar 5000 Mann Verstärkung gesandt werden sollen, darunter ein Kolonial-Regiment, zwei Bataillone der Fremden Legion, eine Genie-Compagnie nebst chinesischen Erdarbeitern und zwei Batterien. Der Genie-Oberst Joffre soll mit der Errichtung eines befestigten Lagers bei Diego Suarez betraut werden, wo die Verstärkuugs- trnppen untergebracht werden sollen. Das Blatt bemerkt dabei, diese Maßnahmen bezweckten, Madagaskar gegen einen englischen Handstreich zu schützen.
Rom, 21. Januar. Wie ans Buenos Ayres tele- grgphirt wird, wurden unter den Papieren einer soeben sallirten italienischen Firma in Santa Fö Dokumente gefunden, woraus hcrvorgcht, daß die beiden Inhaber der Firma seinerzeit an der Verschwörung Luchenis theilnahmen (welche zur Ermordung der Kaiserin von Oesterreich in Genf führte. D. Red.) Beide flohen darauf nach Südamerika, wo sie unter falschen Namen auftraten Der Eine hatte neuerdings mit dem Geld seines Associgs die Flucht ergriffen. Der Andere, ein gewisser Riccardi, hat Selbstmord begangen.
Persicu. Der Schah Mozaffer-ed-din wird, laut Nachrichten aus Teheran, im April Berlin besuchen. Von Berlin wird er sich nach Paris zum Besuch der Ausstellung begeben.
China. In Peking scheint's eine Palastrevolution gegeben zu haben. Eine Meldung aus Shanghai besagt: Durch einen vom Kaiser Kwangsu unterzeichneter Erlaß wird der 9 Jahre alte Sohn des Prinzen Tuano, Namens Puthing zum neuen Kaiser ernannt. Dieser
wird am 31. Januar den Thron besteigen. Trifft die Meldung zu, so hat die Kaiserin-Regentin ihren Neffen, der sich übrigens auch selbst entleibt haben soll, jedenfalls zur Abdankung gezwungen. Dieser war schon bisher nur Strohmann, und eine Strohpuppe wird auch der neue Kaiser sein. — Wie die gebildeten Chinesen, die Mandarine, über die Frcmdeninvasion denken, das Hat der Gouverneur Mühten von Schantung selbst offen erklärt. Weil die Missionare ermordet wurden, deshalb sind die Deutschen gekommen, darum Kiautschau und alles, was darauf folgte. '„Du hast die Deutschen gerufen," sagte der genannte Gouverneur zu dem Bischof Anzer, wären keine deutschen Missionare und keine von ihnen geleiteten Christen in Schantung, so wären Kiautschau, Port Arthur u. s. w. nicht in fremde Hände gekommen: Ihr seid schuld an allem. Darum erklärte auch Li-Hung-Tschang, mit dem Bischof Anzer seit vielen Jahren bekannt ist, und der gewiß zu jenen Männern Chinas zählt, welche ihr Land und seine Stimmung genau kennen, am 3. September v. J. in einer Unterredung : Er wundere sich gar nicht, daß in Südschantung alles brünier und drüber gehe. „Südschantung," sagte er, „sei die Veranlassung der Besetzung von Kiautschau gewesen. Diese Kenntniß bringe allmählig unter daS Volk und erzeuge Erbitterung gegen die Mission und gegen die Christen; Ausstände seien somit die natürliche Folge." So war also durch Kiautschau Zündstoff genug zu einem gewaltigen Brande in Südschantung aufgehäuft. Trotzdem wäre die Ruhe vielleicht erhalten geblieben, wenn nicht ein zündender Funke zur rechten Stunde diese explosiven Mächte gelöst hätte. Dieser war gegeben in dem Staatsstreich, welcher vorigen Herbst am kaiserlichen Hofe in Peking sich vollzog. Der Kaiser mit seinen Reformsrennden wurde bei Seite geschoben. Die konservativen Fremdenhasser schaarten sich um den Thron der Kaiserin. Die fremdenfeindliche Reaktion trat in ihre vollen Rechte und wurde durch das Verhalten bei Mandarinen geradezu begünstigt.
In Sidury scheint die Bubonenpest ausgebrochen zu sein und sich auch bereits nach England übertragen zu haben. Ein Trunsportfuhrmann, der mit den Werften in der Londoner City in Berührung kam, scheint ange- lieckt zu sein und liegt krank darnieder. Da die Pest durch Ratten auf den aus den östlichen Häfen kommenden Schiffen eingeschleppt sein dürfte, so ist zu befürchten, daß noch mehrere Personen infizirt sind.
Lokales und Provinzielles. * Schlüchtern, 30. Januar.
* — Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde in der herkömmlichen Weise gefeiert. In den Schulen der Stadt begann die Feier um 9 Uhr. Die Lehrer hielten Ansprachen und die Schüler trugen patriotische Gedichte und Gesänge vor. Um 10 Uhr fand die Seminarfeier statt. Eröffnet wurde dieselbe durch Choralgesang nnd Schriftverlcsung. Die Festrede hielt Herr Seminarlehrer Spengler über das Thema: Der Geburtstag des Kaisers, ein Tag dankcSsreudiger Erinnerung und ein Tag ernster Mahnung. Dem Redner wurde von allen Seiten Anerkennung und Beifall gezollt. Hierauf trugen die Seminaristen einige sorg ältig eingeübte Chorgesänge geschmackvoll vor. Mit Gebet und Choralgesang wurde der festliche Act beschlossen. Um 1 Uhr vereinigte Lehrer und Schüler ein solennes Mahl, )as dem Seminarökonomen Freund alle Ehre machte. Gegen 8 Uhr sand in der festlich geschmückten Turnhalle eine Abendunterhaltung statt. Hierbei wechselten musikalische mit theatralischen Vorträgen ab, welche reichen Beifall fanden und die Zuhörer bis gegen 12 Uhr in der heitersten Stimmung erhielten. Außerdem fanden zu Ehren des TageS im Hotel „Stern" und im „Deutschen Kaiser" Festessen und in verschiedenen Vereinen dem Tage angemessene Festlichkeiten statt.
* — Nach einem Beschlusse des Landesausschusses ist für daS Etatsjahr vom 1. April 1900 bis da hin 1901 die Erhebung einer Bezirkssteuer von 5 Proz. in Aussicht genommen.
* — Das Regierungsamtsblatt enthält eine Bekanntmachung des Kgl. Oberbergamtes Clausthal, welche zufolge untern 8. Januar d. J. Sr. Durchlaucht dem Fürsten Franz Josef von Jsenburg in Birstein das Bergwerkseigenthum .für ein Feld von 2188832 qm Flächeninhalt in den Gemarkungen Untersotzdach und Birstein zur Gewinnung von Braunkohlen verliehen ist,