WuchtemerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 7.
Mittwoch, den 24. Januar 1900.
51. Jahrgang.
Np^pl^tna^"^ die .Schlüchterner Zeitung" »»werden noch fortwährend von allen ' '"" '—"" -Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Die schwere Erkrankung der Mutter der Kaiserin wird, falls nicht bald eine entschiedene Besserung eintritt, auch auf die Feier des Gebutstages des Kaisers im Berliner Schlosse einwirken. Schon heißt es, daß die Könige von Sachsen und Württemberg und andere Fürstlichkeiten nicht, wie sonst, zum Fest eintreffen werden, und bei Ausbleiben einer wirklichen Besserung wird aus dem üblichen großen Ceremoniell vielleicht nur eine stille Familienfeier werden.
* — Die Zahl der bei dem gestrigen Ordensfest vertheilten Orden blieb diesmal hinter denen früherer Jahre zurück; es wurden verliehen 1556 Orden und 880 Ehrenzeichen, im Ganzen also 2436 Auszeichnungen. Von den mit den Orden Dekorirten gehörte fast die Hälfte — 709 — dem Militärstande an. (In den Kreis Schlüchtern sind diesmal keine Allszeichnungen gekommen.)
— Für Kiautschau werden Freiwillige gesucht. Diese müssen mindestens 1 67 Meter groß und im 'Februar 1901 mindestens 19 Jahre alt sein. Handwerker werden bevorzugt. Geeignete Leute haben sich beim Kommando der dritten Matrosen-Artillerieabtheilung in Leer zu melden.
— Die reichste Stadt ist nach den Ergebnissen der Vermögenssteuer für 1899 wie bisher Frankfurt am Main mit einem Durchschnittsvermögen von 197,515 (1897 192,977) Mark, dann folgt Essen (Krupp), wo das Durchschnittsvermögen die starke Steigerung von 150,515 Mark auf 173,401 Mark erfahren hat. Noch stärker war die Zunahme der drittreichsten Stadt Charlottenburg mit 161,326 gegen 125,318 Mark. Charlottenburg hat damit Berlin, Wiesbaden, Aachen und Bonn überflügelt. — Von den elf reichsten Personen in Preußen mit über 30 Millionen Mark Vermögen wohnen vier in Schlesien, je zwei in Hessen-Nassau und in Rheinland, eine in Westfalen und zwei in Berlin. Was das Einkommen anlangt, so geiebt es im preußischen Staat 148 Personen mit einem Einkommen von mehr als ’/s Million Mark; im Jahre 1897 wurden 128, im Jahre 1896 nur 103 derartige Personen gezählt. Von ihnen beziehen 49 (43 und 27) ein Einkommen von mehr als 1 Million Mark. Von diesen Einkommenmillionären entfallen 14 (14) auf Berlin 13 (10) auf Hessen-Nassau, 10 (9) auf das Rheinland und 4 (3) auf Sachsen.
— Wie die „Volksztg." berichtet, wurde gestern in parlamentarischen Kreisen erzählt, daß die Schadenersatz- Ansprüche betreffs des deutschen Reichspost-Dampfers Bundesrath sich auf 430,000 Mark belaufen.
Hamburg, 20. Jan. Wieder ein deutsches Schiff aufgebracht. Das deutsche Schiff „Marie" mit einer für die Transvaalregierung bestimmten Ladung Mehl aus Australien wurde an der Mündung der Delagoabay aufgebracht und mit Zwangsbesatzung versehen nach Durban gesandt.
Halle a. S., 17. Januar. Auch eine Arme! Die Armendirektion erhielt jüngst Kenntnis davon, daß eine Wittwe, eine sog. verschämte Arme, die seit längerem regelmäßig Armenunterstützung erhielt, Baarvermögen besitzen sollte. Man forschte nach und erfuhr, daß die „arme Wittwe" nicht weniger denn 10 000 Mark auf der Sparkasse hinterlegt hatte. Nun hat sie die zu Unrecht erhobenen Unterstützungsgelder zurück zahlen müssen nnd hat vielleicht obendrein noch eine Anklage wegen Betruges zu gewärtigen.
Rudolstadt. Die Rudolstädter Strafkammer ver- urtheilte ein Frau Voigt aus Garnsdorf, die ihren kranken Mann in einer dunklen Kammer durch Hunger und Kälte hatte umkommen lassen, wegen fahrlässiger Tödtung zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängniß
Pfarrkirche«. Der „stärkste Mann der Welt", Herr Georg Lettl, Kunstmühlenbesitzer dahier, hat im Münchener Kindl - Saale die gegen mehrere Münchener Metzgermeister abgeschlossene Wette gewonnen und einen blanken Tausender eingeheimst. Er hob vor einer großen Menge speziell geladener Sportsfreunde 25 Zentner (gefüllte Getreidesäcke) mit seinen Schultern ohne be- sondere Anstrengung und wurde ihm die Summe ohne |tbcn Einspruch ausbezahlt,
Ausland.
Petersburg, 19. Januar. Offiziell wird bestätigt, daß die Engländer an der südafrikanischen Küste einen russischen Lloyddampfer Wladimir Sawin, welcher Material zum Bau eines russischen Kriegsschiffes auf der Werst von Philadelphia an Bord hatte, beschlagnahmt haben. Schritte zur Freigabe des Dampfers sind in London eingeleitet worden.
1. Bericht des Magistrats über Gcmcindeanzelegenheiten; 2. Etat für 1900; 3. Kaufvertrag mit der Firma W. Kaimburg & Co. aus Essen über Ankauf städtischer Grundstücke (Cementfabrik) ; 4. Unterstützungsgesuche.
* — Die Räume des hiesigen Amtsgerichts sollen durch Anbau vergrößert werden. Es sind dafür 18,000 Mk. in den Etat pro 1900 eingestellt.
* — Wie wir vernommen, hält Montag, den 29. d M. Abends 8 Uhr ein Marine-Pfarrer aus Berlin
Brüssel, 19. Jan. Die hiesigen Transvaalkreise
sind durch die Leichtigkeit, womit General Buller den einen Vortrag über unsere Flottenfrage, worauf wir unsere Tugela überschritt, sehr erstaunt. Man glaubt an eine1 Leser aufmerksam machen.
Kriegslist der Buren. Jedenfalls wird jetzt eine große j * — Am 4. Dezember 1899 hat das Gesetz, be- Entscheidungsschlacht zwischen den Truppen des Generals treffend die Fürsorge für die Witwen und Waisen der Buller und den Buren erwartet, von deren Ausgang Lehrer an öffentlichen Schulen, die Königliche Sanktion auch das Schicksal von Ladysmith abhäugt. Im Ueb- erhalten und ist am 19. Dezember im „Reichs-Anzeiger" rirxm r„ft s,..- 11^,.^„" : veröffentlicht worden. Damit ist wieder ein weiterer
rigen ruft der Uebergang Bullcrs über den Tugela
Schritt in der gesetzlichen Regelung der Verhältniße der : Volksschullehrer gethan und das Gesetz wird mit großem : Danke von denselben entgegen genommen. Unvergessen : wird die Thätigkeit Dr. Bosses bei der Fertigstellung : desselben bleiben, dessen Energie die Lehrer einzig und allein das Gesetz verdanken. Nach demselben erhält die i Witwe vierzig vom Hundert desjenigen Ruhegehaltes, zu welchem der Verstorbene berechtigt sein würde, wenn : er am Todestage in den Ruhestand versetzt worden wäre. Ein jedes Kind erhält ein Fünftel des Witwengeldes, eine Waise ein Drittel desselben.
* — Es wird darauf hingewiesen, daß mit der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs die gesetzlichen Zinsen bei einseitigen Handelsgeschäften nur noch 4 Prozent betragen, mithin gegen früher um ein Prozent ermäßigt worden sind. Es können somit bei allen einseitigen Handelsgeschäften nur 4 Prozent eingeklagt werden. Wird indeß ein höherer Zinsfuß vereinbart, so kann dieser auch eingeklagt werden. Die Höhe der gesetzlichen Zinsen mit Einschluß der Verzugszinsen, bei beiderseitigen Handelsgeschäften ist fünf vom Hundert für das Jahr. Dasselbe ist der Fall, wenn für eine Schuld aus einem solchen Handelsgeschäfte Zinsen ohne Bestimmung des Zinsfußes versprochen sind.
* — Das Gerichtsvollzieherwesen soll vom 1. April 1900 ab umgestaltet werden. Dabei ist in Aussicht genommen, die Gerichtsvollzieher gegen festes Gehalt an- zustellen und die Gebühren zur Staatskasse einzuziehen. Die Vergütungen für baare Auslagen werden den Gerichtsvollziehern belassen. Die Gerichtsvollzieher erhalten ihre Aufträge von den Parteien unmittelbar, sie haben ein Geschäftslokal zu halten und sich die Dienstbedürf- nisse selbst zu beschaffen. Sie beziehen einen nicht pensionsfähigen Antheil in Höhe von 24 Proz. von den Gebühren iu Parteisachen, welche für die von ihnen erledigten Geschäfte zur Staatskasse vereinnahmt werden. Für erfolgreiche Erhebung von Geldbeträgen in amtlichem Auftrage wird ihnen eine besondere Vergütung gewährt. Gegenwärtig sind 1796 Gerichtsvollzieher vorhanden," eine Vermehrung auf 2097 Stellen ist in Aussicht genommen. Da bei den kleinsten Amtsgerichten die Gerichtsvollzieher eine ausreichende Beschäftigung nicht finden so sollen sie auch zu dem Dienst der Gcrichtsschrerber, Kanzlisten und Unterbeamten herangezogen werden. Als Gehalt sind in Aussicht genommen 1500 bis 2700 Mk. mit Ansteigen von je 200 Mk. und Erreichung des Höchstgehalts nach 18 Jahren. Bei den nicht voll mit dem Gerichtsvollzieherdienst beschäftigten Beamten ist ein geringeres Gehalt in Aussicht genommen. Denjenigen Gerichtsvollziehern, welche jetzt ein höheres Einkommen beziehen, wird ,ür 5 Jahre der Fortbezug des bisherigen Einkommens gewährleistet. Es wird ihnen für diese Jahre die Differenz zwischen dem künftigen Gesammt« einkommen aus der Staatskasse, (Gehalt, Wohnungsgeld- zuschuß, 10 Prozent reiner Gebührenantheil, Entschädigung für Kostenerhebung) und dem früheren Einkommen bis zum Höchstbelrage von 4500 Mk gewährt, vorausgesetzt, daß die von ihnen der Staatskasse verdienten Gebühren die gleiche Höhe erreichen.
* — Die Biene. Das Bürgerliche Gesetzbuch unterscheidet wilde, zahme und gezähmte Thiere. Merkwürdigerweise gehört die Biene im B. G. B. zu den wilden Thieren. Die Biene hat, so klein sie ist, von jeher, weil sie die Gewohnheit hat, auszuwandern und sich wo anders niederzulaffen, dem Gesetzgeber Schwierigkeiten bereitet und hat eine besondere gesetzliche Be- handlnng erfahren. Schon die Römer hatten ein besonderes Bienemecht. Die alten deutschen Volksgucllen bezeichnen sie als „en will Worm." Das haben die
keinerlei Entmuthigung hervor.
London, 22. Jan. Aus Lorenzo Marquez trifft folgende Depesche ein: General Bullcr wurde am letzten Samstag nach schwerem, den ganzen Tag dauernden Kämpfe auf der ganzen Linie zurückgeworien. General Warren wurde von der Vebindungslinie abgeschnitten. — Die Engländer sehen den neuen Kämpfen um Ladysmith mit großer Zuversicht entgegen und erwarten die Entsetzung der seit Anfang November belagerten Stadt in wenigen Tagen. Anderseits aber wird aus London berichtet, daß der Burenführer General Joubert die größere Hälfte der Divisionen Warren, Lyitleton und Dundonald unbelästigt über den Tugela ließ, um sie in den davorliegenden Thalschluchten einzuschließen, ihnen den Rückzug abzuschneiden und sie zwischen dreifachen Kreuzfeuer vom Zwartskop, Dewdrop und den Onder- brook-Höhen aufzureiben.
Reusburg, 18. Jan. Eine aus 16 Mann derNeu- Südwales-Lancers und der südaustralischen Reiter be. stehende Patrouille fiel gestern in einen Hinterhalt. Es entspann sich daraus ein heißes Gefecht. Die südaustralischen Reiter wurden überwältigt, 5 wurden getödtet und einer verwundet; 2 entkamen, der Rest wurde gefangen genommen.
Kalkutta, 19. Jan. In den britischen Territorien haben jetzt 22 Millionen Menschen unter der Hungersnoth zu leiden, in den Eingeborenenterritoncn 27 Millionen. Das von der Hungersnoth betroffene Gebiet ist in einer Weise gewachsen, welche die schlimmsten Befürchtungen übersteigt. Das Land leidet jetzt unter einem Mangel an Vieh, Wasser und Nahrungsmitteln, welcher sich in der furchtbarsten Weise geltend macht. Etwa 3'/« Millionen Menschen empfangen jetzt Unterstützungen.
Lokales und Provinzielles.
, * Schlüchtern, 23. Januar.
* — Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist nunmehr der Ankauf eines etwa 160 Morgen umfassenden Grundstückskomplexes auf der „Räthe" zur Anlage eines größeren industriellen Etablissements perfekt geworden. Käufer ist der Kaufmann Wilhelm Kaimburg in Essen a. d. Ruhr, welcher eine Ausbeutung der an genannter Stelle liegenden großen Thonlager beabsichtigt. Seitens der Stadt sind circa 14 Hektar Wald A 2800 Mk pro Hektar, und ca. 9 Hektar Acker und Weide zum Preis von 1700 Mark pro Hektar verkauft worden, außerdem ist Käufer verpflichtet, während der Dauer des Bestehens des Etablissements die Bahnhofsstraße von der Post bis zum Bahnhof nach Eintritt der Dunkelheit bis 11 Uhr Nachts elektrisch zu beleuchten. — Der bezügliche Vertrag wird in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch den 24. d. Mts. zur Genehmigung vorgelegt werden und darf an dieser wohl nicht gezweifelt werden, denn die großen Vortheile einer solchen industriellen Anlage für unsere Stadt dürften ja Jedermann einleuchten. — In diesem Jahre noch soll das Fabrikgebäude, dessen Herstellungskosten incl. den erforderlichen Maschinen auf 400,000 Mk. veranschlagt sind fertiggestellt werden, sodaß viele Arbeiter von hier und Umgegend einen lohnenden, sicheren Verdienst daselbst finden. Von Privaten wurden ca. 20 Hektar Grundstücke an ' das neue Unternehmen verkauft, das Ar zu 20 Mk. 1 Vermittler bei den Ankäufen aus Privathünden war Herr Callmann Selig hier. — Wünschen wir dein 1 neuen Unternehmen ein fröhliches Gedeihen zum Segen i unserer Stadt und Umgebung. I
* — Die morgen, Mittwoch, stattfindende öffentliche I Sitzung der Stadtverordneten hat folgende Tagesordnung: