Einzelbild herunterladen
 

Seine Erfindung, durch eine andere Form die tiefen Grundtöne der Kirchenglocken mit etwa einem Drittel des früher dazu gebrauchten Materials an Metall und darum billiger herzustellen, und ferner auch eine harmo­nisch reine Stimmung zu erzielen, hat seinerzeit berech­tigtes Aufsehen erregt und trotz vielfacher Anfechtung schon oft praktische Verwendung gefunden.

Frankfurt a. M., 15. Jan. Ein unbekannter Schwindler, angeblich politischer Gefangener aus Cuba, hat in letzter Zeit von Madrid aus u. a. auch an hiesige Einwohner Briefe gerichtet, in denen er um Ucbersendung eines Geldbetrages bittet, damit er sein „gepfändetes Gepäck" einlösen könne. Als Belohnung verspricht er den dritten Theil von dem Erlös eines Schccks über 900 000 Franken, dessen -geheimen Auf­bewahrungsort" er kenne. Der Polizeibericht warnt vor dieser neuesten Form der alten Hidalgogaunerei, die wahrscheinlich auch anderswo noch versucht wird.

Frankfurt a. M., 16. Januar. Auf dem Lollarer Bahnhof stieß heute eine Locomotive mit einem Pack­wagen zusammen. Drei in dem Postwagen befindliche Beamte wurden tödtlich verletzt. — Die Stadtverord­netenversammlung genehmigte in ihrer gestrigen Sitzung die Eingemeindung der Vororte Oberrad, Seckbach und Niederrad.

Kassel, 18. Jan. Der Zwammentritt der nunmehr gewählten Handwerkerkammer erfolgt am 1. April d. I. Der Herr Regierungspräsident hat als Versammlungs­ort den Sitzungssaal im Kgl. Regierungsgebäude und als einstweiligen Schriftführer der Versammlung einen Regicrnngssekrctär zur Ver ügung gestellt. Die Kammer, welche den Regierungsbezirk Kassel und das Fürsten­haus Waldeck umfaßt, besteht aus 18 Vertretern.

Wanfried, 12. Jan. Von den Folgen des Krieges in Süd Afrika ist auch die von hier gebürtige Fran Blumenthal betroffen worden. Diese reifte im vorigen Sommer zu ihrer in Kimberlcy wohnhaften Tochter. Es ist ihr zwar gelungen, Kimberlcy vor der Einschließung zu verlassen, jedoch mit Zurücklassung ihrer ganzen Sachen. Nun hält sich dieselbe bei Verwandten in Hopctown auf und muß abwarten, bis die Belagerung aufgehoben ist. In Süd-Afrika sind außerdem eine ganze Anzahl von hier gebürtiger Personen, theils schon seit längerer Zeit, theils erst in den letzten Jahren da­hin ausgewandert, wohnhaft. Sie haben wiederholt und in allerneuster Zeit in Deutschland, darunter auch in Eschwege größere Bestellungen gemacht, und einer theilt mit, daß sein Lager an Waffen und Munition voll­ständig geräumt, und daß er hierbei auch manchen Ladenhüter los geworden sei.

Kartshafeu, 16. Jan. Für die Straßenbeleuchtung unserer Stadt ist jetzt das Spiritusglühlicht allge­mein eingerichtet, welches sich gut bewährt.

Marken erhalten ihre eigentliche Bestimmungen erst mit der am 1. April ins Leben tretenden Postnovelle. Von da an wird der Tarif der Postkarten im Ortsverkehr auf zwei Pfennig ermäßigt, und zur Frankirung dieser Lokalpostkarten dient die Zweiprennig-Marke. Außerdem noch zur Frankirung offener Drucksachen, die auch eine Er­mäßigung vom 1. April an erfahren. Bis 1. April dürfen die Zweifennigmarken nur zur Ergänzung dienen. Will man einen Brief mit 5 Pfg. frankiren und hierzu eine Dreipfennig-Marke verwenden, so kann man dieser eine solche neue Zweipfennigmarke als Ergänzung hinzu­fügen. Eine andere Verwendung darf die Zweipfennig marke vorerst nicht finden.

* — Richtig frankiren! Im Publikum ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß das Gesetz wegen Erhöhung des Briefgewichts von 15 auf 20 Gramm schon am 1. Januar in Kraft getreten sei. und man frankirt häufig Briefe von 20 Gramm mit nur. 10 Pfennig Dieses Gesetz tritt erst am 1. April in Kraft. Bnefe, die über 15 Gramm wiegen und nur einfach frankirt sind, werden von der Post nach wie vor mit Strafporto belegt.

* — Auch das Papier wird theurer. Die Fabri­kanten von Zellstoff-Seidenpapier, von Drnck- und Pack Papier, ebenso die Erzeuger von Papierwaaren, insbe­sondere Düten und Beuteln, haben sich dahin geeinigt, eine zehnprozentige Preiserhöhung eintreten zu lassen. Der Aufschlag wird mit dem fortwährenden Steigen der Rohmaterialien- und Kohlenpreise, der Arbeitslöhne usw. begründet.

* — (Sitzung des Schöffengerichts vom 17. Januar 1900.) Zur Verhandlung kamen drei Sachen. 1) Der Bauer Adam Heilmann von Elm ist beschuldigt, am 20. November 1899 über den Acker des Bauers Adam Kreß daselbst „um Weinberg" unbefugt mit einem mit Dung beladenen Wagen gefahren zu sein. Er ist dieser- halb von der Ortspolizeibehörde in Elm in eine Geld­strafe von 6 Mark genommen und hat, da er sich durch die Strafverfügung beschwert hält, auf gerichtliche Ent­scheidung angetragen. Er macht geltend, daß er ein Recht habe, über den fraglichen Acker des Kreß zu fahren und daß er bezw. sein Vorbesitzer dasselbe schon feit dem Jahre 1872 ungestört ausgeübt haben. Durch die Beweisaufnahme kann die Sache nicht klar gestellt werden. Das Gericht giebt daher dem Anzeiger Kreß auf, im Wege des Civilprozeffcs gegen den Angeklagten vorzu« gehen. 2) Der Schreiner Adam Deberle von Elm ist wegen Bedrohung angeklagt Er soll am 3. September 1899 den Knecht Fridolin Weber von hier mit einem Messer bedroht und geäußert haben „heute Abend ver­reckst Du noch. Hund!" Die Beweisaufnahme fällt zu Gunsten des Angeklagten aus und erfolgt deshalb Frei­sprechung. 3) Der Müllergeselle Bönigk von Sternberg hat am 5. d. Mts. in hiesiger Stadt gebettelt und steht dicserhalb unter Anklage. Er giebt dies zu. Er erhält dafür vom Gericht mit Rücksicht auf die vielen ein- einschlägigen Vorstrafen 4 Wochen Haft.

Niederkalbach, 15. Jan. Am gestrigen Sonntag brach während des Morgengottesdienstes bei dem Hüttner Ferdinand Schmitt Feuer aus. Das Anwesen, bestehend aus Wohnhaus, Scheune und Stall, brannte vollständig nieder. Die Eheleute Schmitt waren bei Ausbruch des Feuers in der Kirche und nur die kleinen Kinder waren zu Hause. Außer der Ortsfeuerwehr war auch die Feuerwehr von Mittelkalbach zur Stelle. Das Feuer hat in der Scheune oder im Stall seinen Anfang ge­nommen. Der Abgebrannte war versichert.

Ober.Moos, 14. Jan. In der verflossenen Nacht fand in dem benachbarten Nieder Moos folgende Affaire statt. Mehrere junge Leute waren um 11 Uhr Abends aus der Wirthschaft des Konrad Rühl gekommen und gingen dann nochmals in die Wirthschaft des Jockel Bär. Beim Nachhausegehen gegen 1 Uhr warfen sich die Burschen vor der Hausthüre der Wirthschaft mit Schnee­bällen. Alsbald verspürte einer der Burschen, der Schneider Karl Blum, Schmerzen im Rücken, er griff an diese Stelle und bemerkte, daß er blutete. Einer seiner Kameraden, welcher mit ihm gegangen war, ließ ihn dann allein nach Hause gehen und verfolgte den muth. maßlichen Thäter. Der Verletzte fiel, als er in seiner Wohnung angekommen war, ohnmächtig zusammen. Die Wunde blutete stark. Alsbald wurde der Arzt von Freienstemau geholt, welcher die Wunde als von einem Messerstich herrührend bezeichnete. Der Stich soll 5 Zentimeter tief, durch sämmtliche Kleider, zwischen Nieren und Lungen in den Rücken eingedrungen sein. Die so­fort gerichtlich eingclcitete Untersuchung wird das Nähere über den muthmaßlichen Thäter ergeben.

Hauau, 15. Jan. Ein weit über die Mauern unserer Stadt hinaus besonnter und geachteter Mann. Herr Anton Appuun ist am Samstag infolge einer Herzlähmung aus dem Leben geschieden. Herr A. Appunn, der Sprosse einer bekannten Musikcrfamilie. war im Jahre 1839 in Hanau geboren und wirkte in den letzten Jahren hier als Musiklehrer. Aber ganz beson­ders als Akustiker hat er sich gleichwie sein verstorbener Vater, einen weitreichenden Ruhm erworben. In den letzten Jahren seines Lebens war er hauptsächlich durch Anfertigen akustischer Apparate thätig. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus war er in dieser Beziehung M Universitäten und in fachmännischen Kreisen geschätzt.

Vermischtes.

— Nach einer Statistik der Pariser Polizeiprä'ektur wurden vom April 1898 bis zum September 1899 nicht weniger als 7402 Regenschirme und 4366 — Corsets in den Pariser Droschken liegen gelassen.

— Vernunftstehen. Der in Warschau erscheinende „Kuryer Podzienniz" theilt folgendes Kurosium mit; In einem Dorfe unseres Kreises fanden dieser Tage drei Trauungen statt, welche große Sensation hervor- nefen. An einem und demselben Tage ließen sich ehelich verbinden: ein 76 Jahre alter, vermögender Bauer mit einem 22jährigen armen Mädchen; des Bauern Tochter, eine Witwe von 54 Jahren mit einem 23jährigen Knecht, endlich^ deren Sohn, ein Jüngling von 25 Jahren mit einer 50 Jahre alten, vermögenden Witwe. Es heiratete also an einem Tage: der Großvater, seine Tochter und sein Enkel — es giebt also auch in Rußland „Vernunft ehen".

Kurszettel jetzt und ehemals. Der erste amtliche Kurszettel, den die Registratur der Berliner Kaufmann- schaft zur Verfügung hat, stammt vom 2. Januar 1849 und enthält insgesammt 97 Notirungen, darunter be­findet sich eine große Anzahl von Eisenbahnaktien, da­gegen keine Bank- und Jndustrieaktien. Gegenwärtig werden in Berlin etwa 1900 Papiere notirt. Ein Kurszettel der Börse von Frankfurt a. M. vom 2. Januar 1800 enthält 20 Notirungen.

— Eine seltene Operation führte in Pest der Chirurg Professor Dollinger aus. Der Espcler Landmann Stephan Keucssei litt seit 18 Jahren an einer halbseitigen Ge­sichtsneurose, welche ihm die furchtbarsten Qualen ver­ursachte. Die Technik dieser Operation ist äußerst schwierig. Es mußte in der Nähe des Ohres die Ächädeldecke geöffnet, sodann das Hirn gehoben werden. Der Operateur drang sodann auf der Lagerstätte des Gchlrns tm Halbkreise, ungefähr 15 Zentimeter weit oor, wobei mit der größten Behutsamkeit vorgcganaen werden mußte, um nicht die Blutgesäße zu verletzen. Er gelangte auf diese Weise zu dem Nervenknoten, welcher entfernt werden mußte. Die Operation gelang auf das beste. Der Patient fühlt seitdem keine Schmerzen mehr und ist vollkommen fieberfrei. Es ist dies die zweste ähnliche Operation des Professors Dollinger.

— Auch ein Fest. Fremder (verwundert): „Welches ^est wird dann heute hier gefeiert? - Einheimischer ?iern das 25jährige Bahnverlegungs-Pro- jekt-Jubiläumf"

- Mißgeschick. „Aeh, hast Glück mit Mizzi?" — „Sage Dir, schauderh- ftes Malheur! Habe Mizzi für Gans gehalten, indessen hat sie mich — gerupft."

— Kathederblüthe. „In jenen stürmischen Zeiten hing das Geschick Deutschlands an einem dünnen Faden und dieser dünne Faden war Karl der Dicke."

— Durch Mark und Bein. Geigender Jüngling: „Sie haben nun mein Spiel gehört — was empfehlen Sie mir?" — Kapellmeister: „Werden Sie Chirurg!"

— Kindermund. Mutter: Beim Husten, Greti, hält man die Hand vor den Mund." — Greti l „Aber bei mir, Mama, fliegen ja keine Zähne heraus!"

— Kräftig pariert. „Schockschwerebrett, was ar­beiten Sie da oben, Sie Ochse?" — „Die Ochsen stehen immer unten, oben ist der Heuboden!"

-- Geistvolle Ausrede. Frau: „Elender, unsere Auguste küßt Du?" — Mann: „Aber liebes Kind, ich wollte nur feststellen, ob sie Wein getrauten hat I"

Schutz geger^ Asthma.

Ein hervorragender Arzt erbietet sich, allen an Asthma Leidenden in Schlüchteru ein Schutzmittel gegen diese Krankheit ange» deihen zu lassen.

Die Mehrzahl von Asthma Geplagten ist, nachdem sie Aerzte und zahllose Mittel ohne Erfolg versucht hat, zu dem Schlüsse gekommen, daß es gegen diese höchst lästige Krankheit überhaupt keinen Schutz gibt. Diese Annahme ist falsch. Es hat vielmehr eine anerkannte Autorität, Herr Dr. Rudolph Schiffmann, der mehr Fälle dieser Krankheit behandelt hat, als irgend ein anderer lebender Arzt, durch Herstellung und Anwendung eines Schutzmittels bereits seit vielen Jahren glänzende Eriolge erzielt. Dieses Mittel, Dr. R. Schiffmann's Asthma-Pulver" besteht aus 34,90"/o Salpeter, 51,10°/0 süd-amenkanischcr Stechapfel, 14°/0 riechender Kugel­kolben. Das Pulver ist ein Präventivmittel, welches die behaupteten vorzüglichen Eigenschaften aufweist. Hier­für soll sofort ein praktischer Beweis geliefert werden. Es wird nämlich hiermit bekannt gegeben, daß Dr. Schiffmanns Willens ist, jeder an Asthma leidenden Person ein unentgeltliches Probe-Packet seines Mittels zugänglich zu machen. Zu diesem Zwecke werden hier­mit alle Leidenden dringend ersucht, ihre Namen und Adressen per Postkarte auizugeben. Es wird ihnen als­dann sofort ein absolut kostenfreies Probe-Packet zuge­sandt werden. Herr Dr. Schiffmann geht nämlich von der Ansicht aus, daß eine persönliche Probe mehr über­zeugt und den Werth des Mittels besser beweist, als die Veröffentlichung vieler taufender Zeugnisse solcher Per­sonen, welche durch den Gebrauch dieses Asthma Schutz­mittels vor den lästigen Anfällen jener Krankheit be­wahrt worden sind. „Dr. Schiffmann's Asthma-Pulver" ist bereits seit Jahren in den meisten Apotheken Deutsch­lands verkauft worden, wenn auch viele Personen bisher nie davon gehört haben mögen. Um jetzt alle diese Per« fönen hiervon zu benachrichtigen und in der Absicht, dieses Mittel allgemein zu machen, wird vorstehende Bekanntmachung erlassen. Es ist dies sicherlich ein liberales und ehrliches Anerbieten, und Alle, welche mit dem oben erwähnten Leiden behaftet sind, sollten unver­züglich sub Chiffre: „Dr. Schiffmann" an die Annoncen- Expedilion G. L. Daube & Co., Berlin W., Leipziger- straße 26, zur Weiterbeförderung schreiben und die ihnen gebotene Gelegenheit ein Probe Packet durch eines seiner Äpvtheken-Depüts kostenfrei zugesandt zu erhalten, nicht unbenutzt vorübergchen lassen. Schreibt also sofort, da nur innerhalb der nächsten fünf Tage unentgeltliche Proben versendet werden können. Ausdrücklich wird ge­beten, nichts weiter als Namen und die Wohnung auf eine Postkarte zu schreiben, und diese einzusenden. Nichts weiter ist nöthig.

^SeidTbmc^^

Hohensteiner Seidenweberei Lotze

Hohenstein-Ernstthal, Sa.

Grösste Fabrik von Seidenstoffen in Sachsen. Königlicher, Grossherzoglicher und Herzoglicher- Hoflieferant.

Specialität: Brautkleider.

Von 65 Pfg. bis 10 Mk. das Meter.

Linde’s ^t »öbr ergiebig, den eine Messerspitze voll ,- genügt, Geschmack und Farbe des Kaffees CSSgiIZ zu verbessern.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchteru.

Sonntag, den 2}. Januar 1900.

Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Hattendorff. Nachmittaggottesdienst: Herr Pfarrer Reiß. Wochendienst: Herr Pfarrer Hattendorff.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, den 21. Januar 1900.

Vormittags 10 */2 Uhr: Franziskaner-Pater.

Katholischer Gottesdienst in Steinau.

Vorm. 10'/» Uhr; Herr Caplan Richter.