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SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

6. Samstak, den 20. Januar 1900. 51. Jahrgang.

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N^Kp^NMa^^Ef dieSchlüchterner Zeitung" ^£|££UU»&$$.*8)verben nod) fortwährend von allen ........"-""' rPostanstalten und Landbriejträgern owie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Jan. DieVolks-Zeitung" theilt mit, daß der Kaiser zu seiner diesjährigen Geburtstagsfeier eine Amnestie zu erlassen gedenkt für solche Vergehen, welche mit Strafen bis zu sechs Monaten zu verbüßen sind. DerLokal-Anzeiger" meldet aus Brüssel, daß die Audienz, welche der belgische Kammerpräsident Beernaert am Sonntag bei Kaiser Wilhelm hatte, mit einer Mission des Königs Leopold zusammenhängt. Bei dieser Mission handelt es sich wahrscheinlich um den Wunsch König Leopolds und der Königin Wilhelmine, gemeinsam auf den Kaiser behufs gütlicher Vermittelung zwischen Transvaal und England einzuwirken.

Erkrankung der Kaiserin Friedrich. Wie vom Hamburger Korrespondenten" gemeldet wird, ist die Kaiserin Friedrich an einem Nierenleiden erkrankt.

Unter dem üblichen Gepränge wurden Donnerstag Investitur und Kapitel vom hohen Orden des Schwarzen Adlers im hiesigen Königsschloß abgehalten.

Die dem Bundesrath zugegangene Flottenvorlage bewegt sich nach demB. L. Anz." in dem Rahmen, den der Reichskanzler durch seine bekannte Erklärung im Reichstage umschrieben hat. Es handelt sich um eine Verdoppelung der Schlachtflotte bezw. um die Schaffung einer Aktiv- und einer Reierveflotte ohne Festlegung des Bautempos und des Endtermins mit jährlicher etats- mäßiger Bcwillung der einzelnen Neubauten. Das alte Flottengesetz bleibt bestehen und damit auch der Deckungs­paragraph, der die starken Schultern belasten soll, wenn die Wehrkosteu die geforderte Summe überschreiten, nur wird der neue Sollbestand in das alte Gesetz eingefügt. Man hat darin zweifellos ein Entgegenkommen gegen Wünsche des Reichstages zu erblicken, die bei der ersten Etatsberathung zum Ausdruck gekommen sind. Wie an­gekündigt, ist der Weg der Anleihe beibehalten.

England hat jetzt endlich die Beschlagnahme desBundesrath" zurückgenommen und eine be- friedigence Antwort ertheilt. DieKöln. Ztg." schreibt in einem durch Sperrdruck ausgezeichneten Artikel zu dieser Angelegenheit:Loyalität und politische Klugheit dürfen es um so mehr erheischen, daß aufs schleunigste das bedauerliche Vergehen ler englischen Kapitäne wieder gut gemacht wird und daß Sicherheit gegen die Wieder l Rötung solcher aufreizenden Beschlagnahmen deutscher Postschiffe geboten werden. Legt die englische Regierung Gewicht darauf, die bisherigen Beziehungen zu Deutsch­land nicht vollends zu untergraben, so wird sie gut thun, der deutschen Volksstunmung eine größere Beachtung zu schenken, als sie dies bisher für gut befunden hat."

Nachdem die Garantie der preußischen Domänien und Forsten für die Staatsschulden mit Ende Dezember 1899 erloschen ist, soll mit der Veräußerung von Domänen und Forstgrundstücken mehr als bisher vorge gangen werden. Für das Rechnungsjahr 1900 wird allerdings die Steigerung im Verkaufe noch keine sehr große sein. Im Durchschnitte haben sich in den letzten Jahren die Verkaufserlöse dieser Art auf 2,2 Millionen belaufen. Es wird für 1900 mit einem Erlöse von 2,6 Millionen Mark gerechnet. Davon sollen 700 000 Mark zur Neuerwerbung und Einrichtung von Domäuen- grundstückeu und 30u OuO Mark zum Ankauf von Grund­stücken zu den Forsten vermerkt werden.

Die Zahl der Referendare hat sich in den letzten 12 Jahren erheblich vermehrt, nämlich von 338.5 auf 4313. Besonders stark ist aber die Zunahme im Oberlandesgerichtsbezük Cassel. Es zählte nach einer Nachweisung im Justizministerialblatt Cassel am 1. August 1 99 1.54 Referendare, während am 1. Juli 1887 nur deren 103 vorhanden waren.

Esseu. In den Kruppschen Werken in Essen i Nach demWeckruf" am Donnerstag plötzlich die Arbeit ; an den Zündern für die englischen Geschosse eingestellt - worden. Die offiziöse Erklärung in derNordd. Allg. VZtg", daß Krupp ersucht worden sei, eine etwa beab- sichligle Lieferung von Waffen an eine der beiden krieg­führenden Parteien einzustellen, ist erst am Freitag Abend veröffentlich worden. Schon vorher also hat Krupp die Weiterarbeit eingestellt. Nach demWeckruf" ist am Sonnabend in den Kruppschen Werken auch an

den Geschossen in der Geschoßdreherei die Arbeit einge­stellt worden. Die bereits in Angriff genommenen Shrapncls wandern in das Lager. Jetzt heißts, Italien wolle sich zum Vermittcler machen, für sich Geschütze und Geschosse bestellten und das gelieferte Material als dann den Engländern überlassen. Man wird abwarten müssen, ob sich diese Angabe bestätigt.

Lissa. Probst Dulinski aus Rawitsch ist am Dienstag von der Strafkammer in Liffa (Posen) wegen Belei­digung des dortigen Regimentskommandeurs zu 200 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden. Er hatte an Letzteren geschrieben,auf Grund welcher Bestimmung der grobe Unfug begangen worden sei, daß Soldaten mit bedecktem Haupte mit einer ungeweihten Fahne in die katholische Kirche gekommen seien."

Hamburg. Einem großen Provisionsschwindel sind die Polizeibehörden in Hamburg-Altona auf die Spur gekommen. Vor kurzem wurde in Altona der Agent einer Lebensversicherungsgcscllsckaft, Max Nehemias, wegen Provisionsschwindels in Höhe von 6000 Mark in Haft genommen. Nunmehr sind auch die dort wohn­haften Agenten Ferdinand Winzer, sowie Albert Cordes, August Nehberg und Max Neumann auf Grund eines vom Untersuchungsrichter III in Hamburg erlassenen Haftbefehls dem Unter)uchungsgerängniffe daselbst zuge­führt worden. Winzer hat sich bei zwei Lebensver- sicherungsgesellschaften auf 140,000 Mk., Cordes mit 150,000 Mk, Rehberg mit 60 000 Mk. ebenfalls in zwei Lebensversicherungen und Neumann gar in vier solcher Anstalten mit einer Gesammtsumme von 60,000 Mk. versichern lassen. Die Versicherungen hat Nehemias, der für die Lebensversicherung Star, für die preußische Lebensversicherungsgejcllschaft und ferner auch für die mecklenburgische Sparbank thätig war, entgegengenommen und hierfür eine Provision von 6000 Mark erhalten, obwohl er wußte, daß seine Antragsteller völlig mittellos und die Prämie daher nicht bezahlen konnten.

und Kaffern, die aus Kimberley im Burenlager an­gekommen sind, theilen mit, daß die Garnison und die Einwohner von Kimberley auf die letzten Rationen angewiesen seien.

London, 17. Jan. Es gelangen fortwährend Mel­dungen in das englische Lager, daß die Freistaatburen das Ende des Krieges herbeiwünschen. Kürzlich ging das Gerücht um, in Bloemfontein sei in Anwesenheit des Präsidenten Steijn und des Generals Cronje eine Versammlung abgehalten worden, in der beschlossen wurde, falls die Engländer nicht bis zum 17. Januar an griffen, würden die Freistaatburen heimkehren. Die ge­waltigen Schwierigkeiten, welche die Buren bei der Be­schaffung der Vorräthe für ihr Heer in Sprytfontein haben, da sie keine Eisenbahn haben, springen klar in's Auge.

Aus Johannesburg wird gemeldet: Trotz der strengen Ueberwachung der Delagoabai gelang es, 20 Feldge­schütze für die Buren über die Grenze zu schaffen. Die­selben sind unbehelligt hier eingetroffen.

Ueber die Haltung der irischen Truppen schreibt ein irischer Soldat einem Freunde:Eines der besten Regimenter in der englischen Armee ist das der Münster Füsileers; aber als diese Soldaten ihre Garnison Cork verließen, jauchzten sie für Krüger und die Boeren. Von einem anderen irischen Regiment, dessen Namen ich verschweigen will, warfen viele Soldaten während des Transports ihre Gewehre über Bord. Niemand scheint zu wissen, wo die Münsters Füsileers sind. Es ist gerade, als ob das Feld sie verschlungen habe. Bei Dundee ließen die Dublin Füsileers ihre Standarte mit dem Elefanten auf dem blauen Felde in den Händen der Boeren."

Budapest, 12. Januar. Nach vorliegenden Berichten wird in mehreren Gegenden des Landes für das eng­lische Heer geworben. In Marmaros sollen sich 500 Mann gemeldet haben, deren Abreise natürlich seitens der Behörden verhindert wird.

Tiflis. Ueber das Erdbeben im Kaukasus wird ge­schrieben : Bei dem Erdbeben im Bezirk von Achalkalaksa in der Provinz Tiflis sind drei heftige Stöße aufeinander gefolgt. Die Wirkung war furchtbar. Eli Gemeinden wurden zerstört, in sechs ist nicht ein Haus stehen ge­blieben. Die Zahl der Menschen, die durch diese Ein­stürze das Leben verloren, beläuft sich auf 900, die der zerstörten Häuser auf 700. Die Einwohner, die sich in unterirdischen Wohnungen aufhielteu, wurden darin lebendig begraben Zwei Bataillone Soldaten wurden entsendet, um die Trümmer wegzuräumen. Sie haben schon 600 Leichen ausgegraben, außerdem viele Ver­wundete.

Rom, 18. Januar. DieJtalia" erfährt aus Ls- colipiceno, daß drei Stunden von der Stadt eine Heerde hungriger Wölfe drei Carabinieri und mehrere Bauern überfiel und auffraß.

Amsterdam. Ueber die entsetzlichen Verheerungen, welche die Erdbeben in den ersten Tagen dieses Jahres aus Sumatra und Java verursachten, liegen jetzt amt­liche Berichte vor, die schreckliche Einzelheiten melden. Auf Sumatra sind in 14 Ortschaften, vornehmlich in der Provinz Preanger, deren Hauptstadt Soekaboemi theilweise zerstört ist, viele öffentliche Gebäude eingestürzt. Wie verlautet, soll die ganze Stadt Tjandoer infolge Ausbruchs des Vulkans Gedeh zerstört sein. Hierbei seien mindestens 500 Menschen umgckommen.

Barcelona, 15. Jar. DaS epidemisch hier auf­tretende Denguefieber verursachte hier eine Reihe von Todesfällen. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist er« krankt. In den Geschäften und gewerblichen Betrieben arbeitet nur etwa der vierte Theil deS Personals. (Das Denguenfieber ist eine Infektionskrankheit, welches unter den Symptomen eines mit heftigen Gelenk- und MuS- kelschmerzen verknüpften fieberhaften Rheumatismus auftritt.)

Ausland.

London. Der Uebergang der Engländer über den Tugela. Endlich kommen die ersten Nachrichten über den Vormarsch der Engländer auf Ladysmith. Danach haben die Engländer gestern gleichzeitig an zwei Stellen- bei Potgieters Drift wie bei der Tricharts Drift, fünf Meilen weiter oberhalb, den Tugela überschritten, ohne auf ernstlichen Widerstand der Buren gestoßen zu sein. Am 11. drang Lord Dundonald mit der berittenen i Brigade gegen Springfield vor und nahm durch eine unvorhergesehene Bewegung die Brücke von Springfield. Unmittelbar darauf besetzte er den Zwartkop-Hügel, der die Potgieters Drift beherrscht. Die Buren hatten keine Ahnung von dem plötzlichen Vorrücken der Engländer. Einige badeten gerade im Flusse. General Lytlletons Brigade wurde darauf entmndt, die Position bei Zwartkop zu halten. Nachdem eine starke Abtheilung bei Colenso und die Brigade Hildyard in Springfield gelassen, ging die gesammte Macht vor. Die Fähre bei Potgieter lag nur der Nordseite des Tugela, und Leutnant Carlyle und fünf Mann der Süd Afrika Light Horses mußten über den Fluß schwimmen, um sie herüberzuholen. Nach viertägigem Halt auf der Südseite des Tugela begann am 16. Januar das Vorrücken nordwärts. General Lyttletons Brigade ging Abends über die Drift und hielt die Kopfes zu Rechten der Engländer. General Warrens Division hat einen Angriff auf die linke Flanke gemacht. Der Rest der Kolonne setzt jetzt über den Fluß.

London, 16. Jan. An der hiesigen Börse wurde gestern ein deutscher Makler schwer mißhandelt, weil über ihn das falsche Gerücht verbreitet war, er habe seinen beiden Kommts, die mit den City-Volontären nach Süd- Afrika gingen, erkläet, daß er ihre Plätze nickt rur sie reserviern werde. Bei seinem Eintritt in den Börsensaal wurde der Nichtsahnende von den übrigen Maklern an­gefallen, mißhandelt und mit Füßen getreten. Nach viertelstündiger Mißhandlung fiel er ohnmächtig nieder; als er wieder zu sich kam, wurde er von neuem miß­handelt und schließlich halb todt aus der Börse getragen. Ein anderer deutscher Makler versuchte ihm zu helfen, wurde aber unter Mißhandlungen daran gehindert. Dieser eine in seiner Rohhcit und Brutalität einzig da­stehende Fall ist bezeichnend für die feindliche Gesammt- stimmung Englands gegen Deutschland.

London, 17. Januuar. Die Abendblätter melden aus Jakobsdal vom 14. h. Mks.: Zahlreiche Deserteure

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchteru, 19. Januar.

* Herr Gerichts Assessor Heß von Marburg ist, nachdem Herr Amtsgerichtsrath Zlminerinann zu den Sitzungen des Landtages einberufen worden, dem hiesigen Amtsgericht als Hül srichter überwiesen worden.

* Die neuen Zweipfennigmarken. Es herrscht vielfach Unklarheit über die Giltigkeit der neu ausgege- benen Postmarken im Werthe von zwei Pfennigen,