Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 13. Januar 1900
51. Jahrgang
$UfldhtttA£t1auf bie -Schlüchterner Zeitung" viltverben noch fortwährend von allen " i. "--!!^>. üPostanstalien und Landbriesträgern owie von der Expedition entgegen genommen.
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Amtliches.
J.-Nr. 44. K. A. Der Ziegelstein-Fabrikant Johannes Heid zu Salmünster beabsichtigt, auf dem Grundstück Kartenblatt Nr. 2 Parzellen 344,276, ■ 345,276 und 346,276 in der Gemarkung Salmünster einen Zicgelofen zu erbauen. Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Zeichnung und Beschreibung der Anlage kann während der Dienststunden im Bureau des Kreis-Ausschusses Ungesehen werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht auf Montag den 29. Januar 1900 Vormittags 10 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens der Unternehmer oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.
Schlächtern, den 8. Januar 1900.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
J.-Nr. 45. K. A. Der Müller Nikolaus Scheel zu Gundhelm beabsichtigt, zum Betriebe seiner Mühle 7* auf dem Grundstück, Kartenblatt P Parzelle 226,68 und 227,67 einen Dampfkessel aufzustellen.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenut- " niß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bet mir schriftlich in zwei Exemplaren an zubringen. Nach ! Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem
Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Zeichnung und Beschreibung der Anlage können während der Dienststunden im Bureau des Kreis-Aus« schusses eingesehen werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht auf Montag den 29. Januar 1900 Vormittags 10 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens der Unternehmer oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörternng der Einwendungen vorgegangen werden wird.
Schlächtern, den 8. Januar 1900.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Bekanntmachung.
Auf Grund des § 2 des Gesetzes vom 26. Februar 1870 über die Schonzeiten des Wildes und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom I. August 1883 wird angeordnet, daß der Schluß der Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- und Fasanenhennen, Haselwild und Wachteln mit dem Ablauf des 17. Januar 1900 eintritt.
Cassel, den 2. Januar 1900.
Namens des Bezirks Ausschusses: Der Vorsitzende.
J.-Nr. 132. Zu veröffentlichen.
Schlächtern, den 8. Januar 1900.
Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz.
Der Königl. Polizeicommissar Sernow zu Magdeburg hat eine 'Zusammenstellung der Vorschriften über die Prüfung der Laufe und Verschlüsse der Handfeuerwaffen (Gesetz vom 19. Mai 1891 R.-G.-Bl. S. 109) heraus g^^n und derselben eine Uebersicht der inländischen «Tib der gleichwertigen ausländischen Prüfungszeichen beigegeben. Das Werkchen kostet im Einzelbezuge 75 Ps., bei der Beschaffung einer größeren Anzahl (über 10 Stück) zum Dienstgebrauche 50 Pf.
Die Ortspolizeiverwaltungen werden auf das Werk aufmerksam gemacht.
Schlächtern, den 9. Januar 1900.
Der Königliche Laudrath: i. V.: Goerz.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser ist am Donnerstag um 8 Uhr Morgens in Kiel eingetroffen und begab sich sofort zum Königlichen Schloß. Die im Hafen liegenden Schiffe feuerten den Kaisecsalut.
— Prinzessin Heinrich von Preußen wurde Diens-IpCt. niedriger als die offizielle Zinsrate und täglicher
tag Morgen in Kiel von einem gesunden und kräftigen
Knaben glücklich entbunden. Das Befinden der Prinzessinn und des jungen Prinzen ist den Umständen nach ein sehr gutes. — Prinzessin Heinrich v. Preußen ist bekanntlich die Schwester der Kaiserin von Rußland und wurde am 11. Juli 1866 zu Darmstadt geboren. Sie vermählte sich am 24. Mai 1888 zu Charlottenburg mit dem Prinzen Heinrich von Preußen. Der neugeborene Prinz ist der dritte Sohn, der dieser Ehe entstammt. Der älteste Sohn ist Prinz Waldemar, der zu Kiel am 20. März 1889 geboren wurde. Er ist Leutnant im 1. Garde-Regiment zu Fuß und Leutnant zur See a la suite der Marine. Der zweite Sohn, Prinz Sigismund, ist ebenfalls in Kiel am 27. November 1896 geboren. Prinz Heinrich befindet sich auf der Rückreise von Kiautschon nach Deutschland.
— Das preußische Königshaus zählt jetzt außerdem 74jährigen Prinzen Georg, 15 nnvermählte Prinzen und nur 2 junge, nämlich 10 bezw. 8 Jahre alte Prinzessinnen.
— Für die diesjährigen Winterfeste am kaiserlichen Hofe ist die Eintheilung so getroffen, daß am 18. Januar das Fest des schwarzen Adlerordens, am 21. Januar das Krönungs- und Ordensfest, am 31. Januar großer Ball im königlichen Schlosse und am 14. Februar Subskriptionsball im Opernhause stattfinden.
— Die Thronrede, mit welcher der Reichskanzler den preußischen Landtag eröffnete, enthält nur eine Ueberraschung, die verhältnißmäßige Kühle, mit welcher die weitere Kanalvorlage angekündigt wird. Die Staatsregierung — heißt es — hält nach wie vor an der Ueberzeugung fest, daß die Herstellung eines Schifffahrtskanals vom Rhein bis zur Elbe zur theilweisen Entlastung der Staatseisenbahnen, wie zur Hebung des binnenländischen Verkehrs nothwendig ist. Die Vorlage wird aber erst dem Hause zugehen, wenn die Projekte betr. die Herstellung eines Großschiffahrtsweges zwischen Stettin und Berlin, die Beschaffung ausreichender Vor- fluth im Oderbruche, die Verbesserung der Verhältnisse an der unteren Oder sowie an der Spree und der Havel, die weitere Ausbildung der Wasserstraßen zwischen Oder und Weichsel und die Herstellung des Masurischen See-Kanals fertiggestellt sind und deren wirthschaftliche und finanzielle Grundlage klargelegt ist. — Im klebrigen kündigt die Thronrede eine Eisenbahnvorlage, eine Vorlage betreffend die Besteuerung der großen Warenhäuser und andere erwartete Vorlagen an, namentlich auch eine betr. die Reform des Gemeindewahlrechts und eine betr. die Ausdehnung der Zwangserziehung.
— Die Freilassung deutscher Reichspostdumpfer hat bereits begonnen. Außer dem freigegebenen Reichspost- dampfer „General", auf den, wie aus Aden gemeldet wird, außer einigen Chemikalien (!) und Radachsen (!) nichts gefunden wurde, und der bereits seine Weiterreise angetreten hat, wird auch wahrscheinlich dem Dampfer -Herzog" die Weiterfahrt gestattet werden. — Es ist bisher überhaupt noch an Bord keines einzigen deutschen Reichspostdampsers Kriegskontrebandc gefunden worden, Nach einem Telegramm des „Standard" aus Durban vom 7. d. M. wird die Ladung des „Bundesraths" gelöscht. Bisher ist auch dort nichts gefunden worden, was irgendwie verdächtig wäre. Die von der deutschen Regierung unverzüglich gemachten Vorstellungen hinsichtlich der Behandlung neutraler Schiffe sind von der eng lischen Regierung mit aller Berücksichtigung entgegen genommen worden. — Wie verlautet, wird die englische Regierung bereit sein, volle Enlschäigung für jede Ver zögerung zu geben, wenn sich keine Kontrebande vor findet. — Man ist an den maßgebenden Stellen in London von der Langsamkeit dcr Behörden in Durban und Aden durchaus nicht erbaut, und hat selbst den Wunsch, die Verstimmung gegen England nicht weiter anwachsen zu lassen. Schiffen anderer Staaten, Nordamerikas, Rußlands, Norwegens re. ist es ähnlich ergangen wie den deutschen Postdampfern ..BundeSrath" und „General" und es ist selbst vom englischen Standpunkte aus Grund genug vorhanden, das schroffe Vorgehen der Kriegsschiffe, wenn es sich selbst völkerrechtlich vertheidigen ließe, als politisch unklug zu erachten.
— Auf dem Geldmärkte hat die Besserung, die mit
dem neuen Jahre eintrat, angehalten. Die Zinssätze im offenen Markt sind von Tag zu Tag zurückgegangen, der Privatdiskont notirte nur noch 48/< pCt., also 27«
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Geld ist mit 4 pCt. angeboten. Die Gefahr eines Goldausganges aus Deutschland besteht nicht mehr.
— Nach der letzten Lebensmittelpreistabelle hat der langsame Preisrückgang beim Getreide ungehalten. Auch die Fleischpreise sind etwas gesunken, wogegen der Kar- tosielpreis vielfach ziemlich erheblich gediegen ist.
— Für die Besetzung der Subaltern- und Unter« beamteustellen mit Militäranwärtern sind am 1. Januar neue Grundsätze in Kraft getreten. Der neue Cioil- versorgungsschein berechtigt zur Anstellung bei Reichsund Staatsbehörden aller Bundesstaaten und den Gemeindebehörden des Bundesstaates, dessen Staatsangehörigkeit der Inhaber des Scheins seit 2 Jahren besitzt.
Essen. Gegenüber der Nachricht aus London, Krupp liefere keine Geschosse für die englische Regierung, wird dem „Berl. L.-A." von angeblich zuverlässiger Seite aus Essen an der Ruhr gemeldet: Seit Anfang Dezember wird auf den Krupp'fchen Werken an der Herstellung vonShrapnels gearbeitet, derenZeichnungenmerkwürdiger- weise die sonst stets übliche Signatur ■— Name des Bestellers — vermissen lassen. Der Auftrag umfaßt 45,000 Stahlshrapnels zu 7,6 Centimetern. Dies Kaliber führen aber nur Rußland und England. England verwendet im Transvaalkriege 7,6 Centimeter-Ge- schütze. Es ist kein Zweifel, daß diese Geschosse für den südafrikanischen Kriegsschauplatz bestimmt sind. Die vom Besteller eingesandten Maßstäbe, sog. Lehren, und das vorliegende Mustershrapnel tragen englische Maßzeichen.
Brilon. Von einem fünfzehnjährigen Mörder berichtet die „Rh.-W. Z." aus Bigge (Kr. Brilon) : In das hiesige Amtsgericht wurde ein junger, kaum der Schule entwachsener 15jährigcr Bergmann eingeliefert, der drei Tage vorher die Frau eines Bäckers aus Sied- linghausen, welche mit Brot Hausiren ging, überfallen und in bestialischer Weise ermordet hat. Ein am Thatort zurückgelassener Stock und Handschuh, sowie sein un= ruhiges,Wesen wurden zum Verräther. Bei dem Transport durch Siedlinghausen hätte das Volk den Burschen gelyncht, wenn die Polizei ihn nicht geschützt hätte. Für den Mann der Ermordeten war die rasche Entdeckung des Thäters ein Glück, da er seine Frau eine Strecke Weges begleitet hatte und man der Annahme zuneigte, daß er der Thäter sei.
Vom Main. Beneidenswerthe Bürger! Wie wir bereits schon einige Male zu berichten in der Lage waren, ist das Städtchen Klingenberg a. M. in der Lage, seinen Bürgern nicht nur die Belastung mit Steuern zu ersparen, sondern weitergehend sogar noch alljährlich einen respektablen Betrag in Baac auszu- zahlen. In diesem Jahre erhielt jeder Bürger 300 Mk., insgesammt kam die Summe von 90,000 Mk. an 300 Bürger zur Vertheilung. Dieses in der Geschichte der kommunalen Verwaltungen wohl einzig dastehende Vor- kommniß wird ermöglicht durch den Ertrag der im städtischen. Besitz befindlichen Thongruben.
Ausland.
Madrid, 9. Jan. Von den Philippinen kommt die Nachricht, daß in Manila die Pest ausgetreten ist und bereits einige Todesfälle vorgekommen sind. Da gerade der Rücktransport der befreiten Kriegsgefangenen statt- findet ist man hier nicht ohne Besorgnis.
London. Die jetzige Lage der Engländer in Südafrika wird selbst in den Londoner Blättern für ernster und kritischer erklärt, als sie seit Beginn der Feindseligkeiten gewesen ist. Die Blätter fordern neue energische Maßnahmen. Die Beweise mehren sich, daß nicht bloß die allgemeine Kriegsführung, für die die Regierung un ehlbar veranwortlich ist, bis zu einem gewissen Grad fehlerhaft gewesen, die traktische und strategische Ausbildung der Führer und Truppen sei unzulänglich. — Die versuchsweise Mobilisirung russischer Truppen an der afghanischen Grenze hat den Engländern vollständig die Besinnung geraubt. Die Lage wird von den Blättern als so ernst bezeichnet, daß die einzige Aushilfe, den Eifer der russischen Kriegspartei zu dämpfen, in der Mobilisation eines Theils der englischen Motte erblickt wird, die sich in Europa und Asien Geltung verschaffen könne. — Blutige Vergeltung. Die scheußlichen Grausamkeiten der englischen Lanzenreiter im Gefecht von Elandslaagte sind erst aus Privatbriejerl