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Schlüchterner Zeitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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N§ApllmI^ncmf die .Schlüchterner Zeitung" nod) fortwährend von allen -Postanstalten und Landbrieiträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reichs

Berlin. Der Kaiser hatte Dienstag Morgen eine Besprechung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Grafen von Bülow, in Sachen der beschlagnahmten deutschen Schiffe. Bon 10 Uhr ab hörte der Kaiser die Borträge des Chefs des Civilkabinets Dr. v. Lucanus, des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes Tirpitz und des Chefs des Marinekabinets Freiherrn v. Senden- Bibran.

Die Ankunft des Prinzen Heinrich in Kiel ist nun endgiltig auf den 10. Februar er. festgesetzt.

Zur Beschlagnahme deutscher Schiffe. Ein drittes deutsches Schiff ist von den Engländern gekapert worden. Es ist der Reichspostdampser ..General", der in Aden angehalten und zur Durchsuchung seiner Ladung von britischen Truppen besetzt worden ist. Wie die Eng­länder zu derartigen Uebergisfrn gegen deutsche Schiffe auch in arabischen Meerbusen kommen, ist noch weniger erklärlich als ihre Neigung, sich in der Delagoabai als die über jedes Gesetz erhabenen Herrn aufzuspielen. Die Abrechnung wird nicht ausbleiben. Zu der neuesten Beschlagnahme, die des ReichspostdampfersGeneral" bemerkt diePost", daß die deutsche Regierung auch in diesem Falle sofort in London Protest eingelegt hat. Ehe weitere Schritte erfolgen könnnen, müsse jedoch der Thatbestand, namentlich die Frage, ob sich wirklich Contrebande an Bord des aufgebrachten Schiffes befand, aufgeklärt werden. Immerhin scheine jetzt schon festzu- stehen, daß die englischen Capitäne nicht nach eigenen Gutdünken in dem einen oder anderen Falle sich zur Aufbringung fremder Fahrzeuge entschlossen haben, sondern daß sie bestimmten Weisungen folgen die auch für die Folge maßgebend bleiben dürften, falls nicht durch Ver­handlungen von Cabinet zu Cabinet eine Aenderung herbeigeführt wird. In Deutschland muß natürlich die Schlag aus Schlag folgende Aufbringung deutscher Schiffe durch britische Knegsfahrzeuge um so peinlicher berühren, als die Reichsregierung während des bisherigen Ver­laufs des Krieges zwar eine strenge Neutralität bcob. achtet, aber doch lrotzdem England gegenüber eine sehr wohlwollende Haltung eingenommen hat, die keineswegs in allen Volkskreisen Beifall findet. DieDeutsche Tageszeitung." sagt: Das deutsche Volk erwartet, daß seine auswärtige Vertretung in diesem Falle mit aller Energie vorgeht, und knüpft an denselben recht bedauer­liche, aber nach Lage der Dinge sehr berechtigte Rück­blicke auf die Kafferreise nach England, die nicht einmal eine so offensichtliche Feindseligkeit des Jnselrcichs gegen uns verhindern konnte. Es steht noch ein vierter Fall von Beschlagnahme eines deutschen Dampfers bevor. Der englische Generalkonsul in Neapel hat den Kapitän des ReichspostdampfersHerzog", aus welchem sich die Missionen des russischen und holländischenRothen Kreuzes" nach der Delagoabai umschiffen, davon ver­ständigt, daß diesen Missionen die Ausschiffung in der Delagoabai verwehrt werden würde.

Jeder, der ein tapferes Dremschlagen befürwortet, schreibt der Berliner Korre;pondcnt derMagdeb. Zig.", weiß nicht, daß Deutschland in einem Konflikte mit England völlig allein stehen würde, und daß in Frank­reich Astes nur auf den Augenblick wartet, wo ein Streit zwischen diesen beiden Mächten ernstere Seiten annimmt. . .4.

Aus Nen-Guinea berichtet bteRh. Wests. Ztg. nach einem Privalbriese vom 13. November folgende Einzelheiten über eine Blutthat: Das der Firma E. ForsaMh u. Cie. gehörige SchiffNukumana" ging vor circa vier Wochen nach den Admiralitätsinseln, um dort mit den Eingeborenen zu handeln. Die Besatzung bestand aus Kapitän, Steuermann und circa schwarzen Ma trosen. Der Kapitän saß an jenem Tage an Deck bei einer Wage, um die von den Eingeborenen gebrachte Copra abzuwiegen, während der Steuermann in der Kajüte beschäftigt war. Plötzlich wurde der Kapuan von hinten durch Beilhiebe niedergeschlagen, ebenso kurz daraus der an Deck kommende Steuermann, dann wurde die ganze Besatzung niedergemetzelt, bis aus drei Jungen, die sich versteckt hatten, und dann das ganze Schiff ausge- plünbert . , , Nachdem nun an Land seitens der Ein-

Mittwoch, den 10. Januar 1900.

51. Jahrgang.

des Unfalles stimmen in ihren Aussagen darin überein, daß beim Zusammenprallen der Züge ein Krach erfolgte, als wenn ein Pulverthnrm explodirt wäre. Man sah eine Wolke von Dampf, und gleich darauf schlugen die Flammen aus dem Trümmerhaufen. Die ersten, die an der Unfallstelle Hilfe leisteten, waren die Beamten und Arbeiter der Jutespinnerei. Unter thatkräftiger Führung verhinderte die Feuerwehr der Spinnerei durch Löschen ein weiteres Umsichgreifen des Brandes; einer der Ar­beiter war auf die Maschine geklettert und hatte durch Oeffnen der Ventile ein Platzen des Dampfkessels und dadurch noch größeres Unglück verhütet. Die Geistes­gegenwart und der Muth dieses Mannes verdienen be­sondere Anerkennung. Die Wagen standen bereits in Flammen, als die Passagiere des D-Zuges entsetzt aus ihren Abtheilen stürzten. Die Postwagen und der Pack­wagen hatten die Wucht des Stoßes abgefangen, und es wäre wahrscheinlich bei der erheblich verminderten Schnelligkeit, mit der der D-Zug in den Güterzug hin­einfuhr, wohl überhaupt nicht zu einer Katastrophe ge­kommen, wenn nicht der verhängnißvolle Cisternenwagen seinen brennenden Inhalt über Maschine und Postwagen ergossen hatte.

Gera. Die Frage der Jahrhundertwende hat im Fürstenthum Reuß jüngerer Linie eine besondere Lösung gefunden. Dort hat man seine besonderen Gründe, das 20. Jahrhundert erst mit dem 1. Januar 1901 anzu- fangen, wie auch der Beginn des 18. und 19. Jahr­hunderts am 1. Januar 1701 und 1801 gefeiert worden ist. Nach demGeraer Tagbl." regelt nämlich das reußische Fürstenhaus die Nummerbezeichnung seiner Prinzen nach dem Jahrhundert in der Weise, daß ein am 31. Dez. 1900 geborener Prinz die Jahrhundert­reihe als letzter beschließen, während ein am 1. Januar 1901 geborener Prinz den Namen Heinrich I. im neuen Jahrhundert zu rühren hätte. In diesem Jahrhundert sind erst 47 Prinzen Heinrich Reuß geboren worden, während das vorige Jahrhundert es auf 74 Prinzen dieses Namens gebracht hatte. Die nächste Jahreswende kann also abermals zu einer Feier des Eintritts des 20. Jahrhunderts Anlaß bieten.

Ausland.

Paris, 6. Januar. DerMatin" berichtet, das englische Kriegsamt habe mit der Direktion der Werke von Creusot Unterhandlungen behufs Uebernahme der von Creusot für Rumänien und Serbien fertiggestellten Schnellfeuergeschütze gepflogen. Creusot habe aber die Ueberlassung derselben rundweg abgelchnt, obwohl Eng­land sich erbot, die Zustimmung Rumäniens und Ser­biens auf diplomatischem Wege zu erwirken.

Brüssel, 4. Januar. Nach hier eingetroffenen authen­tischen Nachrichten stellt sich der sogenannte Sieg des Generals French als eine regelrechte Niederlage heraus. General French besetzte keine einzige Buren-Stellung, mußte sich vielmehr mit einem Verlust von 140 Mann zurückziehen.

London, 3: Januar. Die Forderungen des Publi­kums, daß England sich der Delagoabai bemächtige, werden immer dringender, doch ist der Ton bezüglich der aufgebrachten deutschen Schiffe nicht aggressiv gegen Deuüchland. Vermuthlich erinnert man sich der Kriegs- kontredande, die England 1870 an Frankreich gegen Deutschland lieferte.

London, 6. Jan. An der Schiffsbörse versicherte man gestern, bte Regierung habe Informationen erhalten, die den Befehl rechtfertigen, wonach die Geschwader- Kommandanten auf gewisse Schiffe zu fahnden haben, bereit Namen ihnen angegeben sind. Die britischen Konsuln in Hamburg, Antwerpen, Havre und Marseille sollen sich auf derartige Anzeigen verlegen.Stan­dard meldet aus Durban vom 4. d. Mts.: Die Ein­geborenen an Bord desBundesrat" wurden an Land gelassen, aber alle Europäer als Gefangene zurückgehalten, auch die Deutschen. Sie werden von englischen Ma­trosen bewacht. In Brüssel traf die Meldung von einem großen Siege der Buren bei Mafcking ein. Die Kolonne des Obersten Baden-Powell sei fast völlig aufgerieben. Die Buren besetzten alle Höhen, welche Mafcking beherrschen. Der Fall Mafekings dürfte noch heute eriolgen. Wenn nicht alle Anzeigen trügen, haben die Engländer auch bei Colesberg von den Buren gehörig eins ausgcwischt erhalten. Das Schweigen des Kriegsamtes besagt allein schon genug. Ueber

geborenen die nöthigen Festlichkeiten zur Feier des Tages gemacht waren, bei welcher Gelegenheit die Opfer ver­zehrt wurden, st ns Vernichten respektive Verbrennen des circa 80 100 ^ons großen Segelschiffes vor sich gehen. Dies wurde den Piraten jedoch vereitelt, da zwei Tage nach der That das derselben Firma gehörige Motor, schiffNugarea" an den betreffenden Ort kam, um Landvermessungen vorzunehmen. Das Schiff nebst den drei Jungen wurde gerettet. Wir hoffen, daß die von Sidney zurückkehrendeMöve" mit den Kannibalen gründlich aufräumt.

Essen a. d. Ruhr, 6. Januar. DieRheinisch- Westfälische Zeitung" veröffentlicht ein Londoner Tele­gramm, nach welchem die durch die deutschen Zeitungen gegangene Nachricht über Lieferungen von Kriegsmaterial der Firma Krupp an England von absolut unzweifel­hafter dem Kriegsamt sehr nahestehender Seite als jeglicher Begründung entbehrend bezeichnet wird. Der Gesammt« bedarf an Geschützen und Munition für Südafrika werde von privaten und staatlichen Fabriken in England gedeckt. Die englische Regierung habe überhaupt seit Jahrzehnten der Firma Krupp keinerlei Bestellung in Auftrag ge­geben.

Bochum, 2. Januar. Auf der letzten Sohle des Flötzcs Dickcbank der Zeche Vereinigte Constantin der Große bei Bochum fand ein großer Brand statt. 30 Bergleute wurden betäubt und verletzt aus der Grube befördert, jedoch wieder ins Bewußtsein zurückberufen, darunter der Gruben-Jnspcktor Kracht. 10 Bergleute (nach einem anderen Bericht 2) werden noch vermißt.

Mainz. In drei Jahrhunderten gelebt. In Boden- heim bei Mainz lebt die Wittwe Cordini, die jetzt in ihr 103. Lebensjahr getreten ist. Sie ist geboren 1797, kann sich also des seltenen Vorzugs rühmen, in drei Jahrhunderten gelebt zu haben. Die Frau ist noch verhältnißmäßig rüstig; sie wird nur dann ungehalten, wenn Fremde kommen, die sie ausfragen wollen.

Bischwciler. Ueber das Eisenbahnunglück bei Bisch- weiler liegt folgende zusammenfaffende Schilderung vor: Der letzte Wagen des Güterzugs war ein sogenannter Cisternenwagen, gefüllt mit Spiritus. Als bte Lokomo­tive des D-Zuges in ihn hineinfuhr, bäumte er sich auf, die Cisterne siel auf die Lokomotive und blieb dort liegen. Hinter dem Tender der Maschine war der Postwagen und der Packwagen eingeschaltet; bei dem Zusammen­stöße ward der Packwagen aus dem Geleise geworden und zertrümmert. Der im Packwagen reisende Packmeister halber wurde dabei verletzt, doch nicht töbtlid); er konnte mit dem nächsten Zuge wieder nach Frankfurt a. M. zurückreisen. Das furchtbarste Schicksal erfuhren die Insassin des Postwagens. Der mit Spiritus gefüllte Kessel platzte, als er auf die Maschine fiel, der Spiritus fing sofort Feuer, und die brennende Masse ergoß sich auf Lokomotive und Postwagen, der in wenigen Minuten verbrannt war sammt seinem Inhalte und den Insassen: Postpraktikant Behnecke, Postassistent Merkel und Post­bote Wenger. Die drei Unglücklichen haben einen schnellen Tod gefunden; ihre Leichen, bis zur Unkennt­lichkeit verkohlt, wurden einstweilen im Stationsgebäude untergebracht. Als entsetzliche Einzelheit wurde dem Abgesandten derStraßb. Post" erzählt, daß die Schlüssel, das Messer und bte Metalltheile des Geldbeutels, die einer der Unglücklichen bei sich trug, glühend wurden und tief in das Fleisch des Schenkels sich entbrannten. Von einer Leiche wurde bei den Aufräumnngsarbeiten eine verkohlte Hand etwa hundert Meter von der Un­glücksstätte entfernt aufgefunden. Lokomotivführer und Heizer, auf die sich gleichfalls der brennende Spiritus ergoß, konnte noch lebend aus der Maschine heraus­gezogen werden, doch erlitten sie so furchtbare Brand­wunden, daß auch sie fiarben. In seinen wahnsinnigen Schmerzen konnte der Heizer noch eine Strecke weit laufen, bis er zusammenbrach. Die beiden Unglücklichen, die ihre erste Hülfe von einem Beamten der Jutespinnerei erhielten, der sich hervorragend an dem Rettungs- und Löschwesen bctheiligte, sind der Lokomotiv'ührcr Baum- garten und der Heizer Josef Lechner. Die tödtlich Ver­letzten, welche nach dem Anlegen eines ersten Verbandes in' der Jutespinnerei ins Spital gebracht wurden, wo sie jetzt nach Aussage des behandelnden Arztes Dr. Faullimmel hoffnungslos darniederliegen, waren trotz der furchtbaren Brandwunden, die den ganzen Körper bedecken, bei Bewußtsein und konnten bald nach dem Eintritt der Katastrophe vernommen werden. Die Zeugen