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Schüchterner Zeitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mit ^Kreisblatt" vierteljährlich 1 Pik. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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RB^^ßtNNs»1^ die .Schlüchterner Zeitung" SyHll'UWliyvIltoerben not^ fortwährend von allen ''^ «Postanstalten und Landbriejträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

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Die Kundgebungen des Kaisers.

An dem denkwürdigen ersten Tage des neuen Jahr­hunderts hat der Kaiser an die im Zeughause versam­melten Offiziere der Berliner Garnison eine Ansprache gehalten und an demselben Tage imArmee-Verord­nungsblatt" einen AufrufAn mein Heer" erlassen: Hier wie dort schildert der Kaiser in markigen, von vaterländischer Begeisterung getragenen Worten und durchdrungen von der hohen Mission, die er an der Spitze seines deutschen Volkes zu erfüllen hat, die Ent­wicklung des deutschen Volkes in dem abgelaufenen Säkuläsim. Da diese Entwicklung sich eng an diejenige des preußischen Heeres anknüpft, lag es in der Natur der Sache begründet, daß sich der Kaiser in erster Linie an sein Heer wandte. Er richtete seine Worte aber an seinVolk in Waffen" und sprach sie zu der gesummten waffenfähigen Ration.

Ernst wies der Kaiser auf jene traurigen Tage hin, da die glorreiche Armee Friedrich des Großen in der FriedenSzeit, die der Regierung des großen Preußen- königs folgte, auf ihren Lorbeeren eingeschlafen war, da die Mannschaften im Gamaschendienst verknöcherten, das Offiziercorps in Wohlleben und Selbstüberhebung verkam. Auf jene Zeit der Erschlaffung folgten dann Sie furchtbaren Schicksalsschläge des unglücklichen Krieges und die sieben langen Jahre der schweren napoleonischen Knechtschaft. Weiter schilderte der Kaiser die Wieder­geburt Preußens, die Bildung des Volksheeres durch die allgemeine Dienstpflicht, die Befreiung aus der Knecht- schüft der Fremdherrschaft und den weitem Ausbau des Heeres unter Wilhelm L, jene lange, schwere, hingebende Arbeit, die, leider von einem großen Theile des Volkes unverstanden, die gewaltigen Erfolge des Jahres 1870,-71 erst ermöglichte und dem deutschen Volke die langersehnte Einigung brächte.

Dann aber wandte der Kaiser, wie es sich an bei Jahrhundertwende gebührt, den Blick in die Zukunft und auf die Aufgaben, die sie dem deutschen Volke stellen wird, auf jede Aufgaben, die unweigerlich erfüllt werden müssen, wenn das deutsche Reich auch in Zukunft achtungSgebielend Mnd den Weltfrieden wahrend an der Spitze der Nationen marschiren will.

Wie sein Großvater für das Landheer gesorgt, so versicherte der Kaiser, für seine Marine sorgen und un- deirrt in gleicher Weise ihre Reorganisation fort- und durchführen zu wollen.Mit beiden vereint," so schloß der Kaiser seine Ansprache im Zeughause,hoffe Ich in der Lage zu sein, mit festem Vertrauen auf Gottes Führung den Spruch Friedrich Wilhelm I. wahr zu machen :Wenn ma» in der Welt etwas will rezidiren, will es die Feder nicht machen, wenn sie nicht von der tvree des Schwertes soutenirel wird."

Kaiser Wilhelm hat es für seine Herrscherpflicht gegenüber der Zukunft des von ihm regierten Volkes anerkannt, dasjenige für die Marine zu schaffen, was fein Großvater für das Landheer durchzusetzen für ab­solut nothwendig hielt. Möge das deutsche Volk, durch die Erfahrungen von 1866 und 1870/71 belehrt, ihm freudig auf diesem Wege folgen und ihm, was an ihm liegt, die Durchführung seines großen, für die Zukunft Deutschlands nothwendigen Planes erleichtern.

Deutsches Reich.

Berlin. Allen deutschen Truppen theilensind auf Beschluß der Bundesfürsten Fahnenbänder mit Spangen verliehen und dieselben am Neujahrstagr in feierlicher Weise an den Feldzeichen befestigt. In den betreffenden Ordres des Kaisers, des Prinz-Regenten Luitpold von Bayern der Könige von Sachsen und Württemberg wird dir Ver­leihung als Zeichen der Anerkennung für die großen Thaten von 1870(71 begründet und auf das EinigungS- werk der deutschen Stämme Hingewicsen. Zum Schluß wird die Erwartung ausgesprochen, daß diese Äuszeichnug Anlaß zur Erneuerung des Gelübtes sein werde, es immer den Vätern an Heldenmuth und Treue gleichzu- thuen. In den Garnisonstädten fand die militärische Feier überall die lebhafteste Theilnahme des Publikums. Die aus Befehl des Kaisers aus Anlaß der Jahrhundert- wepde den Truppentheilen verliehenen Fahnenbänder be­

stehen aus einem schwarzen mit Silber durchwirkten Seidengewebe mit 2 silbernen Quasten. Ueber den Quasten befindet sich je ein goldenes Schild. Das eine zeigt auf der Vorderseite die preuß. KönigskroneW. II.", das andere die deutsche Kaiserkrone. Die Rückseiten der Schilder werden durch die Gravirung1. Januar 1900" geziert.

Einen überall peinlichen Eindruck hat die Kunde von der durch ein englisches Kriegsschiff vollzogenen Be­schlagnahme des nach der portugiesischen Delagoabay in Ostafrika bestimmten deutschen PostdampfersBundes­rath" gemacht. Wenn in Folge der sofort erhobenen Reklamationen der deutschen Reichsregierung auch wohl das Schiff schon wieder frei gegeben sein dürfte, wenn diese Zeilen in die Hände unserer Leser gelangen, so zeigt der Fall doch, was die Engländer sich heraus­nehmen. Der englische Kapitän ist doch kein Schul- knabe, sondern weiß von dem Besuch des deutschen Kaisers in England, kennt die freundschaftliche Haltung der deutschen Reichsregierung gegenüber seinem Vater­lande, und da ist es kaum verständlich, wie er sofort zu einem so brüsken Verfahren schreiten konnte. Die Delagoa-Bay ist bekanntlich der nächste Hafen für Trans­vaal, und so wird britischerkeits behauptet, der deutsche Dampfer habe nicht nur eine Anzahl ehemaliger dentscher Militärs, welche in den Dienst der Buren treten wollten, sondern auch Kriegskontrebande an Bord gehabt. Die Landung der Passagiere zu hindern, hatten die Eng­länder überhaupt kein Recht. Die Ladung hätten sie höchstens beanstanden können, wenn darunter Eigenthum der Buren-Regierung war. So etwas nimmt aber kein Kapitän mit, weil er weiß, was er dabei riskirt. Im Nebrigen gehört die Delagoa-Bay nicht zum Gebiet der kriegführenden Parteien und ist nicht gesperrt. Und wenn man daran denkt, wie die Engländer 1870(71 durch Waffenlieferung an Frankreich die Neutralität verletzten, oder sich der Alabama-Angelegenheit während des großen amerikanischen Bürgerkriegs erinnert? Es ist schwer, da nicht das Rechte gerade heraus zu sagen. Zum Schutze der deutschen Interessen in der Delagoa-Bay geht unser KreuzerCondor" dorthin. Peinlich wirkt die Sache vor Allem, weil sie so kurz der Kaiserreise nach England folgt.

Panzerzüge in Deutschland. Hinsichtlich der fast täglich in den Zeitungen genannten Panzereisenbahn-( züge ist mitzutheilen, daß auch für die deutsche Militär-' verwaltung ein solcher Zug aus Grusonschen leichten Panzerplatten hergestellt worden ist, und wird dieser Panzerzug zur Zeit auf der Militäreisenbahnstrecke Berlin- Kunersdorf probirt. Soldaten aus der Eisenbahnbrigade, auch solche aus der königlich sächsischen und württem- bergischen Kompagnie, dienen als Besatzung des Zuges und zur Bedienung des Maschinengewehres. Der Waggon, in dem sich die mit Gewehren bewaffneten BedeckungS Mannschaften von der Eisenbahnbrigade befinden, sieht äußerlich auS wie eine alte Festungsmauer mit ihren Schießscharten. Der Waggon ist nach oben offen, und die Panzerplatten werden durch eiserne Querträger zu- iammengehalten. Das Maschinengewehr steht auf einem trehbaren Gestell, wie man sie auf unseren Kriegsschiffen sieht und kann nach drei Seiten hin feuern. Es ist mit seiner BedienungsmannschaK vor der Lokomotive in einem besonderen gepanzerten Waggon untergebracht.

Der Ausschuß der Jnvaliditäts- und Altersver­sicherungsanstalt Hessen-Nassau beschloß in seiner letzten Sitzung nach Erledigung von Wahlangelegenheiten und Nenehmigung des Haushaltsplanes für 1900 die Ein- ührung einer weiteren 6. Gehaltsstufe für die Unter- >eamten (Pedelle) der Versicherungsanstalt (1600 Mk.) und setzte die Titel der Subalterbeamten wie folgt fest: Obersekretäre, Landessekretäre und Sekretäre. Außer- )em wurde ein Regulativ über Reise- und Umzugskosten >er Beamten der Versicherungsanstalt eingeführt. Der Vorstand der gemeinsamen Ortskrankenkasse zu Wies raden, hatte bei dem Vorstand der Versicherungsanstalt )cssen-Nassau den Antrag gestellt, eine eigene Lungen­heilstätte zu errichten. In Berücksichtigung des Umstandes *od), daß der Vesicherungsanstalt demnächst in vier Heilstätten insgesammt 324 Betten zur Behandlung lungenkranker Versicherten zur Verfügung stehen, hatte der Gesammtvorstand der Versicherungsanstalt geglaubt, daß auch bei einer ganz erheblichen Erweiterung der Krankenfürsorge den Bedürfnissen der Versicherungsan- anstalt hinsichtlich der Behandlung lungenkranker Per­

Samstag, den 6. Januar 1900.

51. Jahrgang.

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sonen in Heilstätten hierdurch für absehbare Zeit Genüge geleistet ist. Der Antrag der Krankenkasse wurde daher abgelehnt. Der Ausschuß der Versicherungsanstalt er­klärte die Eingabe durch Beschluß des Vorstandes für erledigt.

Ausland.

London. Die Westminster Gazette veröffentlicht einen amtlichen Bericht, welchen General Buller an das Kriegsamt sandte, der aber bisher unbeachtet geblieben ist. Buller fordert in demselben das Aufgeben des nördlichen Theiles von Natal, 20,000 Mann zur Unter­stützung der Jugela-Linie und 100,000 Mann zum Vormarsch gegen Blömsontein durch die Kap-Kolonie. Die ganze Schuld an den Niederlagen fällt hiernach auf das Kriegsamt zurück.

Ueber das Ende des Khalifen heißt es in dem ausführlichen Berichte eines höheren englischen Offiziers über das Gerecht bei Gedid:Wingate und sein Stab ritten auf den Schauplatz des Kampfes, um zu sehen, ob sie die Leiche des Khalifen indentifiziren und die Nachricht von seinem Tode bestätigt finden könnten. Im Mittelpunkt der Stelle, an der offenbar der Hauptangriff auf unsere rechte Flanke stattgefunden hatte, sahen wir eine große Anzahl von Leichen auf engem Raume über­einander gethürmt liegen, hinter denselben lagen die Leichen ihrer Pferde, der Kalif selbst lag todt auf seinem Firma (Schaffell), das typische Ende des arabischen Scheikhs, der zu stolz ist, sich zu ergeben. Zu seiner Rechten lag der Emir Aly und Hila todt, zu seiner Linken Achmed Fchdil, fein großer Feldherr, während um ihn herum alle seine Emire lagen, die treu bei ihm geblieben waren und mit ihm den Tod erleiden wollten, wenn er selbst ihn wählte. Seine schwarzen Mulamarin die Leibwache lagen einige 40 Meter vor dem todten Khalifen alle kalt und starr in Reihen, das Gesicht nach dem Feinde zugekehrt, dem Herrn gehorsam bis in den Tod. Es war ein wahrhaft erschütternder und rühren­der Anblick, und wie große Schurken sie auch bei Lebzeiten gewesen sein mögen, ihr Ende war erhaben."

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchrerv, 5. Januar.

* Endgiltig an gestellt wurde Lehrer Schäfer zu Uttrichshanscn Einstweilig angestellt wurden Schul- amtsbewerbcr Blum aus Marjos an die Schule zu Kirchbracht, Börner zu Niederrodenbach an die Schule zu Ulmbach. Lehrer Heimüller zu Ulmbach wurde an die Schule zu Uffhausen, Kreis Fulda versetzt.

* Morgen, Samstag, wird eine Commission hier eintreffen, um das Gelände an der Eisenbahn zwecks Anlage einer Cementfabrik in Augenschein zu nehmen.

* Ueber die Abkürzung der Jahreszahlen liegt eine allgemeine Verfügung des JustizministerS vor, wo­nach, seit im Geschäftsverkehr der Justizbehörden eine Abkürzung gebräuchlich ist, die Jahreszahl 1900 durch die Ziffer 00 dargestellt werden soll. In gleicher Weise sollen für die folgenden Jahre die Abkürzungen 01, 02, 03 u. s. w. angewendet werden.

* Eine Bekanntmachung betr. die Baareinlösung der für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung einge- führtcn Doppelmarken wird im Reichsanzeiger veröffent­licht Danach können verkaufte, aber bis zum 31. Dez. 1899 nicht verwendete und daher in Folge des Inkraft­tretens der Novelle zum Jnvaliditätsgesetz ungiltig ge­wordene Doppelmarken bei den Postanstalten mit Baar­erstattung des Werthes eingelöst werden. Ausgeschlossen ist jedoch nicht, daß der die Doppelmarken Zurückliefernde an Stelle des Geldbetrages die Verabreichung einer ent­sprechenden Anzahl von giltigen Beitragsmarken fordern kann.

* (Aus der Strafkammer-Sitzung vom 4. Jan.) Der Schneider Heinrich Schmidt von Frankfurt a. M. war im Frühjahr verflossenen Jahres in Schlüchtern bedienstet gewesen, während welcher Zeit er am 26. Mai sein Fahrrad im Werthe von 80 -90 Mark an bt. Weber Johannes Orth verkaufte. Am nächsten Morgen) als Orth sich sein Stahlroß betrachten wollte, war es mit dem leichten Schneiderlein davongeradelt. Des Diebstahls angeschuldigt, gibt Schmidt' an, bei dem Verkauf des Rades sich den Vorbehalt ausgemacht zu haben, daß das Rad erst nach seiner Rückkunft von Frankfurt, wohin er eine Reise zu unternehmen habe, in den Besitz des Käufers übergehen sollte. Ein solcher