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Erscheint Mittwoch und

51. Jahrgang

«KNOTE

is mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile ober der/n Raum 10 Pfg.

ISfrfttlhttlAttl^ die .Schlüchterner Zeitung" Ut llmerbeii noch fortwährend von allen -1 ---^Postanstalten und Landbriesträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 13. b. MtS., durch welche die beiden Häuser des Land­tages der Monarchie auf den 9. Januar k. Js. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Er­öffnungssitzung in dem Büreau des Herrenhauses hier Leipzigerstraße Nr. 75 und in dem Büreau des HauseS der Abgeordneten hier Prinz Albrechtstraße Nr. 56 am 8. Januar k. Js. in den Stunden von 9 Uhr früh bis 8 Uhr Abends und am 9. Januar k. Js. in den Morgenstunden von 8 Uhr früh ab offen liegen wird.

In diesen Büreau's werden auch die Legitimations- farten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen in Bezug auf dieselbe gemacht werden.

Berlin, den 15. Dezember 1899.

Der Minister des Innern: Frhr. von Rheinbaben.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des KreiseS mache ich besonders auf die in den Beilagen zu Nr. 52 des vorjährigen Amtsblatts für den Regierungs­bezirk Caffel veröffentlichten:

1.

2.

3.

Bekanntmachung des ReichsversicherungSamtes vom 27. Oktober 1899 betreffend die für die Inva­lidenversicherung zu verwendenden Beitragsmarken; Bekanntmachung des Reichsversicherungsamtes vom 27. Oktober 1899 betreffend die Giltigkeitsdauer der bisherigen Doppelmarken;

Anweisung des Herrn Reffortministers vom 17. No­vember 1899 betreffend das Verfahren bei der Ausstellung und dem Umtausch, sowie bei der Er­neuerung (Ersetzung und der Berichtigung von Quittungskarten (§§ 131 ffL, 158, 160 des neuen JnvalideuversicherungsgcsetzcS vom 19. Juli v. I.), und

Bekanntmachung des Herrn Reichkanzlers vom 9. November 1899 betreffend die Entwerthung und Vernichtung der Marken der Invalidenversicherung

4.

mit dem Ersuchen aufmerksam, sich mit diesen Bestim­mungen, die zugleich mit dem Jnvalidcnversicherungsgc- setze am 1. Januar 1900 in Krast getreten sind, ein­gehend vertraut zu machen und für thunlichste Ver breitung des Inhalts derselben, soweit derselbe für Arbeit geber unversicherte vonJntereffe ist, Sorge tragen zuwollen.

Hierbei mache ich noch besonders darauf aufmerksam,

1. daß die bisherigen einfachen Beitragsmarken noch weiter verwendbar bleiben, daß dagegen die bis-

2.

herigen s. g. Doppelmarken zum Zweck der Selbst- versicheruug mit dem 31. Dezember v. I. ihre Giltigkeit verloren haben und vom 1. Januar d. I ab nicht mehr verwendet werden dürfen. Un- giltig gewordene Beitragsmarken können bei den zum Markenverkauf bestimmten Stellen gegen gib tige Marken umgetauscht werden.

3.

daß bei der freiwilligen Versicherung und Weiter- versicherung auch die für die Versicherungspflicht vorgeschriebenen Marken zu verwenden sind, und

daß Quittungskarten alten Musters nach dem 1. Januar 1900 nicht mehr verwendet (ausgestellt) daß jedoch die im Umlauf befindlichen noch und zwar auch für die Selbstversicherung und deren Fortsetzung innerhalb zweier Jahre nach dem Tage ihrer Ausstellung zur Beitragsentrichtung verwendet werden dürfen.

Nach Mittheilung der Versicherungsanstalt, die vom 1. Januar d. I. ab fortan die BezeichnungLandes- verficherungsanftalt Hessen-Nassau zu Caffel" führt, find die Formulare zur Entgegennahme der Anträge auf Ge­währung der Alters- und der Invalidenrente mit Rücksicht auf die durch das Jnvalidenversicherungsgesetz herbeigeführten mehrfachen Aenderungenn einer durch­gehenden Umarbeitung unterzogen gworden. Vom 1.Januar d. I. ab sind ausschließlich diese umgearbeiteten Formulare zu verwenden, die etwa vorhandenen alten Formulare dagegen zu cassiren.

Diese Formulare, sowie diejenigen zu den Quittungen -her den Empfang der Alters- und der Invalidenrenten

Mittwoch, den 3. Januar 1900

zu dem ärztlichen Gutachten und zu den Erstattungs- antrügen nach den §§ 4244 des Jnvalidenversicherungs- gesetzes werden bei mir vorräthig gehalten und auf Antrag abgegeben. Die Formulare können auch da, wo ein gesteigerter Bedarf hervortritt, was insbesondere bei den Quittungskartenformularen voraussichtlich der Fall sein wird, parthienweise von hieraus abgegeben werden. Die Rcntenynpfänger sind darauf aufmerksam zu machen, daß die Formulare zu den Quittungen künftig bei den Ortsbehörden vorräthig gehalten und abgegeben werden.

Schlüchtern, den 2. Januar 1900.

Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz.

Auf der Tchwelle des neuen Jahrhunderts.

Mit besonderem Feierklange begrüßten wir diesmal den Neujahrstag, da der Jahresanfang zugleich den An­fang eines neuen Jahrhunderts brächte. Vor unserem geistigen Auge ziehen wohl noch einmal die gewaltigen Ereignisse des vorigen Jahrhunderts vorüber mit dem, was sie insonderheit unserem deutschen Volk und unsrer evangelischen Kirche gebracht haben. Licht und Schatten sind wunderbar »ertheilt; jubelnder Dank und sorgen­volle Gedanken auf das innigste mit einander verschlungen. Daß der alte Gott noch lebt, haben wir erfahren: der Heilige, aber auch der Barmherzige. So soll seine segnende Gnade unsre Zuflucht und unsre Zuversicht sein und bleiben für unser theures Vaterland und für die Aufgaben und Kämpfe auf dem Gebiet des kirchlichen Lebens. Ein klares Auge thut noth, die gewieseneu Pflichten zu erkennen, ein fröhliches He^ an ihre Er­füllung zu gehen, und ein starker Glaube, am endlichen Siege der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe nicht zu verzagen. Bleibe ein Jeder sich bewußt, daß er selbst an seinem Theile, in seinem Kreise, nach seinem Können ein Stein sein soll zum Aufbau der großen, gemeinsamen, heligen Sache deS Vaterlandes und darüber hinaus des Reiches Gottes auf Erden, und der Herr der Zeit be­wahre uns davor, daß ein kleines Geschlecht sich seiner Väter, seiner Geschichte, seiner Bestimmung unwerth zeige.

Deutschland Wiedergeburt" ist die Signatur des ersten Jahrzehntes im vergangeneu Säkulum gewesen: sie geschah durch Blut und Thränen. Wiedergeburt thut auch gegenwärtig noth: Gott walts, daß sie ge­schehen könne durch die geistigen, sittlichen Mächte des Evangeliums, das uns zuruft:Liebet Wahrheit und Frieden!"

Die Völker der gebildeten Welt werden jetzt auf die volitischen Begebenheiten des vergangenen 19. Jahr­hunderts zurückblicken, um zu prüfen, ob sie vor- oder zurückgegangen sind und wie weit sich ihre weltgeschichtliche Sendung er üöt hat. Denn nicht allen gleich hat der Lenker der Welten den Völkern die Geschicke in diesem Jahrhundert zugetheilt!

Frankreich, das am Beginn des Jahrhunderts Europa den Fuß auf den Nacken setzen wollte, und dem es in der That eine Zeit lang gelungen schien, die Er­füllung seines Traumes von der Weltherrschaft näher zu kommen, sehen wir am Ende des Jahrhunderts von feiner Höhe herabgestiegen. Die Grundsätze dergroßen" Revolution haben Frankreich im Laufe dieses Jahr­hunderts dreimal von der Revolution in die Arme des Cäsarismus und von dem Cäsarismus in die Revolution gestürzt und es liegt keineswegs außer dem Bereiche der Wahrscheinlichkeit, daß, wenn im Jahre 1900 der Vor Hang hinter der Pariser Weltausstellung gefallen ist, er sich alsbald wieder erheben wird, um der Welt aufs neue das Schauspiel eines Bürgerkriegs und eines Cäsaren zu bieten.

England, das sich im Laufe des Jahrhunderts zum vollen Industriestaat umgewandelt, hat die Zer- würfniffe der Festland-Staaten auch in dieser Zeit weid­lich ausgenutzt, um sich von den Ländern des Erdballs soviel einzuverleiben, als seinem Länderhunger nur immer erwünscht war. Aber das Jahrhundert sollte nicht zu Ende gehen, ohne daß dieser Riesenleib in seiner Ver­dauung gestört wurde. Das kleine Burenvolk hat sich erhoben, um das ihm drohende Joch britischer Herrschaft von seinem Nacken abzuwenden, und Niemand kann wissen, ob nicht die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts dazu bestimmt sind, den Rückgang der driti,chen Welt­herrschaft einzuleiten.

Das russische Reich hat sich, trotzdem es im Innern jetzt fast now ebenso wie am An ang des Jahrhunderts mit großen Schwierigkeiten zu sümpfen hat, in Asien '

immer weiter ausgebreitet und hat hier mächtige Fort­schritte zur Verwirklichung des Testaments Peters deS Großen gemacht. In Europa ist es Rußland aber nicht gelungen, seinen Wunsch, die Erbschaft des Sultans an» zutreten, erfüllt zu sehen.

Die Türkei ist, trotzdem sie im Laus^ des Jahr­hunderts in Europa viele Gebiete hat i'

noch immer widerstandsfähig genug, behaupten zu können.

Oesterreich-Ungarn wird nicht die letzten hundert Jahre zurückblicken. Jahrhunderts in großer Blüthe und

abtre, > müssen.

um ihr Dasein

mit Freude auf Am Anfang des die Vormacht in

Deutschland, ist es in Folge der Zwistigkeiten der ver­schiedenen Nationalitäten mehr und mehr zurückgegangen.

Italien ist nach schweren Kämpfen ein Einheits­staat geworden, der in dem Bündniß mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn eine mächtige Stütze hat.

Einen starken Strich hat das Jahrhundert kurz vor seinem Scheiden noch unter die Geschichte Spaniens gemacht. Das Reich Karls V., in dem die Sonne nicht unterging, das Land, dem die Welt die Entdeckung des neuen Kontinents verdankt und das ehedem mit seinen Kolonien den Erdball umfaßte, ist in dielen Jahren von einem Lande desselben Kontinents, den es der Welt cr- schlossen, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, aus der Reihe der Kolonialstoaten gestrichen worden und, nur noch ein Schatten seiner früheren Größe, fast ohne Widerstreben in die letzte Reihe von Europas Völkern getreten.

In Asien ist das- Kulturland China gezwungen worden, sein Abschließungs-System gegenüber dem euro­päischen Einflüsse aufzugeben.

Wie wunderbar und wechselreich sich aber die Ge­schicke jener Völker im Laufe des Jahrhunderts gestaltet haben, so kann doch keines in Bezug auf drastische und tragische Wandlungen mit unserem deutschen Volke ver­glichen werden. Es ist dasselbe Jahrhundert, das für Deutschland die Tage von Jena und Äuerstädt und die Tage von Gravclotte und Sedan hat, dasselbe Jahr­hundert, das die Tage des Rheinbundes gesehen, in denen deutiche Fürsten auf deutschem Boden sich zu französischen Vasallen erniedrigten, und den Tag von Versailles umfaßt, wo sich deutsche Fürsten auf fran­zösischen Boden zuiammenschloffen. Es ist dasselbe Jahrhundert, das Deutschland mitten in der Revolution erblickt hat, in der es sich, seine Geschichte verleugnend, von seinen angestammten Fürsten loszurcißen strebte, und das gesammte Deutschland weinend der Bahre des greisen Heldenkaisers Wilhelm und der des größten Deutschen, Otto von Bismarck, hat folgen sehen. Es ist dasselbe Jahrhundert, in dem unter den Händen eines Hannibal Fischer die deutsche Flotte versteigert und in dem von Kaiser Wilhelm II. das Wort gesprochen wurde, daß Deutschlands Zukunft auf dem Wasser liegt.

Wem fiele angesichts solcher schier an das Wunder­bare grenzenden Schickungen das Wort nicht ein, mit dem der Neuerrichter des Reiches Kaiser Wilhelm der Große, die Nachricht von dem Siege bei Sedan be­gleitete : Welch eine Wendung durch GotteS Fügung! Ja wahrlich, sichtlich hat Gott mit seiner schützenden Hand über unserm deutschem Volke in diesem Jahr­hundert gewaltet. Ohnmächtig und zerrissen im Innern

und verachtet im Auslande fand der Beginn des Jahr­hunderts die deutsche Natron vor. Jetzt sind wir ein Volk in Waffen geworden, das wohlgetertet im Innern, in glänzenden wrrlhschaslUchen und sozialen Verhältnissen, ein Hort des Friedens, von der ganzen Welt Ächtung und Ansehen heischt. Deutschland rsi wieder mit seiner ihm gebührenden weltgeschichtlichen Sendung unter die Völker getreten, und diese Thatsache ist das Ereigniß, das dem 19. Jahrhundert sein Gepräge aufgedrückt.

Aus den allen Feudal- und Patriarchalstaaten, in denen zum Theil die Leibeigenschall noch herrschte, und der Volkswille fast keine Theilnahme an den Regierungs- geschäften, der Gesetzgebung und der Rechtsprechung )atte, find verfassungsmäßige Staaten geworden, die sür Fürsten und Völker, Regierung und Staatsbürger Rechte und Pflichten festgesetzt haben. Reichstag und Landtag, Geschworenen- und Schöffengerichte, Gewerbefreiheit und Freizügigkeit, Ärdeiterschutz und Arbeiterkoalitionsrecht

Kennzeichnen in hohem Maße die Fortschritte, die wir eit hundert Jahren gemacht. Und nutzt minder glänzend ind die wirtyschaftlichen Fortschritte infolge der Erfin- dungen der Dampfmaschinen, der Eisenbahnen, der Dcmpf«