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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 99.
Mittwoch, den 13. Dezember 1899
50. „uijrgang
Amtliches.
I Nr. 3217. K. A. Unter Hinweis auf meine Kreisblattbekanntmachungen vom 20. Februar 1896, 5. Januar 1897, 22. Februar und 7. Dezember 1898 ersuche ich die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden, mir bis zum 20. d. Mts. zu berichten evtl. Vacatanzeige zu erstatten — ob bei den pro 1899 gewählten Schiedsmännern in Viehseuchen-An- gelegenheiten eine Aenderung eingetreten ist.
Schlächtern, den I. Dezember 1899.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.
Die Gewerbe-Novelle.
Der Reichstag hat mit der Gcwerbenovellc in zweiter Lesung ein wichtiges Stück Sozialpolitik in der vergangenen Woche unter Dach gebracht. Wird, woran nicht zu zweifeln ist, der Entwurf auch in dritter Lesung genehmigt, so werden in Zukunft die Auswüchse der Ge- wcrbefreiheit, die sich innerhalb der Gesinde Vermicthung und Stellen-Vermittlung von Jahr zu Jahr deutlicher geltend machten, gesetzlich beseitigt und einer großen Anzahl von Angestellten erhebliche Verbesserungen ihrer sozialen Lage gesickert sein. So wird es nach Inkrafttreten des Gesetzes möglich sein, auf Antrag von zwei Dritteln der Geschäfts Inhaber den Betrieb der Friseur- und Barbier- Geschäfte an Sonn- und Festtagen noch weiter einzu- schränken. Zum Schutz der Arbeitskräfte in der Kleider- und Wäsche-Konfektion werden durch Bundesraths Beschluß Lohnzahlungsbücher oder Arbcitszcttel eingeführt werden können, in die vom Arbeitgeber die Art und der Umfang der übertragenen Arbeit, bei Akkordarbeit die Stückzahl, ferner die Bestimmung, daß auch — nach den
Bestimmungen des Handels-Gcsctzbuches — bei den Kündigungs-Bestimmungen für Werkmeister, Techniker
u. s. w. für Arbeitgeber und Arbeitnehmer die gleichen 'Erhebungen über die im letzten Jahrzehnt beobachteten Erkrankungen und Todesfälle an Krebs an gestellt werden,
Fristen gelten müssen, und daß auf Kosten der Arbeitgeber für minderjährige Arbeiter ein Lohnzahlungsbuch einzurichten ist.
Der Haupt Fortschritt liegt aber in den wichtigen Bestimmungen über eine Mindest-Ruhezeit von 10 Stunden täglich für die Gehülfen Lehrlinge und Arbeiter in offenen Verkaufsstellen. die in Orten von mehr als 20 000 Einwohnern sogar auf 11 Stunden erhöht ist, ferner in der Festlegung einer 1'/ostündigen Mittagspause für diese Angestellten und endlich in der Festlegung des Neunuhr-Ladenschlusscs. Da es sich dabei um eine generelle, keine Ausnahme zulassende Vorschrift handelt und zugleich der Straßen- und Hansirhandel in den Stunden nach dem Ladenschluß verboten wird, so ist sicher anzunehmen, daß den Geschäftsleuten aus der neuen, für sie wie für ihre Angestellten gleich segensreichen Vor christ materieller Schaden nicht erwachsen wird. Das Publiknm aber wird sich an die neue Einrichtung schnell gewöhnen.
Und alle diese Fortschritte auf dem Gebiete der fokalen Gesetzgebung setzte die Sozialdemokratie, soweit es an ihr lag, frivol aufs Spiel durch das Einbringen ihrer undurchführbaren Anträge auf die Erweiterung des Koalitionsrechts! Diese Anträge sind zwar am Freitag von allen bürgerlichen Parteien im Reichstag abgelehnt worden, wir müssen aber leider feststellen, daß diese Ablehnung nicht auf allen Seiten in der bedingungslosen Form erfolgte, die man erwarten durfte und fordern mußte. Namentlich die Erklärung des ersten Centrumsredners ließ den Schluß zu, daß diese Partei eine ernsthafte Diskussion der sozialdemokratischen Anträge nicht um ihres Inhalts wegen, sondern aus taktischen Gründen zurückwics, aus der Erwägung, die Gewerbenovelle zu Stande zu bringen. Einen sehr peinlichen Eindnick machte es auch, daß die bürgerlichen Parteien diese Gelegenheit, bei der sie geschlossen und einmütig sich hätten zeigen sollen, zu kleinlichen, den Effekt ihrer gemeinsamen Ablehnung abschwächenden Plänkeleien unter einander benutzten, ... o,
Daß die Regierung übrigens auch nach ihrem Zustandekommen auf dem Wege der Sozialre onn nicht stille zu stehen gewillt ist, das beweist die Thatsache, daß nach Abschluß der Erhebungen über die Kinderarbeit in der Hans-Industrie zu ihrer Regelung ein besonderes Gefitz ausgearbeitet wird. Ferner sind Erhebungen über dr Heimarbeit in der Tabakindustrie im Gange, und noch in diesem Winter soll eine Kaiserliche Verordnung über die Ausdehnung des ArbeiterschutzGesetzes auf Werkstätten und handwerksmäßige Betriebe erfolgen, a )
bei der Reform des Kranken-Verstcherungs-Gesetzes ist eine weitere Fürsorge für die Heimarbeiter in Aussicht gestellt.
Deutsches Reich.
Berlin. Unser Kaiser jagte am Freitag in Bücke- burg. wohin er sich am Donnerstag Abend von Potsdam aus begeben hatte. Am Sonnkibend Mittag traf der Monarch in Hannover ein und frühstückte im Kreise der Offiziere des Königs-Ulanen-Regiments. Die Rückkehr nack Potsdam erfolgte Abends 8 Uhr.
— Polnisches. Wie kürzlich aus Rawitsch in Posen gemeldet wurde, hat bei der Vereidigung der Rekruten der dortige Probst Julinski, der als Militärgeistlicher fungirl, die Forderung gestellt, daß die Fahne aus der Kirche entfernt würde. Heute schreibt die „Post": Mit Genugthuung können wir mittheilen, daß auch unsere Staatsbehörden entschlossen sind, gegen derartige polnische Ucberhebungen mit Entschiedenheit einzuschreiten. Wie wenigstens mit Bestimmtheit verlautet, ist Propst Julinski, der bisher am Gymnasium zu Rawitsch den katholischen Religionsunterricht ertheilt hat, von diesem Amte enthoben wenden. Wir zweifeln auch nicht daß ihm auch keine Gelegenheit mehr geboten wird, die Militärscclsorge in Rawitsch auszuüben.
— Die Erkrankungen und Todesfälle an Krebs haben im Laufe der letzten Jahre erheblich zugenommen. Wie die „Königsb. Allg. Ztg." vernimmt, ist die preußische Medizinalverwaltung bemüht, vor allem den Ursachen nachzuforschen, auf welchen die zunehmende Ver, breitung der Krebskrankheit beruht. Auf Veranlassung des Ministers der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten sollen durch die zuständigen Behörden und Medizinal- beamten im gerammten Staatsgebiete möglichst genaue
welche sich namentlich auch auf etwaige Fälle voü Ansteckung oder Vererbung der Krebskrankheit zu erstrecken haben, — Anfangs November 1900 wird eine größere Anzahl Dreijährigfreiwilliger bei den Scebataillionen zur Einstellung gelangen. Die Drcijührigfreiwilligen müssen gcmäs § 11, 3b der Marineordnung vom kräftigem Körperbau, mindestens 165 (Zentimeter groß und von guter Schleistung sein. Auch wird die Anforderung der Tropcndienstfähigkeit an dieselben gestellt, da sie im Frühjahr 1901 nach Kiaulschau entsandt werden. Geeignete Leute nicht unter 19 Jahren haben sich unter Einsendung des Meldescheines und sonstiger Zeugnisse sowie unter Angabe der Körpergröße möglichst bald an das Kommando des 1. Seebataillons in Kiel beziehungsweise des 2.- Seebataillons in Wilhelmshaven zu wenden. Anmeldungen ohne diese Papiere rc. bleiben unberück sichtigt. Handwerker werden bevorzugt. Den Meldeschein hat der Freiwillige bei dem Civilvorsitzenden der Ersatzkommission seines Au'enthaltes zu erbitten und hierbei folgende Papiere vorzulegen: a) eine schriftliche Einwilligung seines Vaters oder Vormundes, b) eine obrigkeitliche Bescheinigung, daß er durch Civilverhältnissc nicht gebunden ist und sich untadelhaft geführt hat, c) ein Geburtszeugniß (Auszug aus dem Standesamtsregister
seines Geburtsortes.)
— Die Militärdienstzeit für die Volksschullehrer trägt vom Jahre 1900 ab ein volles J"hr. Da jetzt vorhandenen Seminare den laufenden Bedarf Lehrkräften nicht ganz decken, so sieht demnach für
be- die an die
nächsten Jahre ein recht empfindlicher Mangel an Lehrern in Aussicht. Um diesem Mangel abzuhelren, werden jetzt nach der „Köntgsb. Hart. Ztg." im Auftrage der Regierungen Verhandlungen gepflogen zwischen den Kreis- schulinspcktoren und den in ihrem Bezirk vorhandenen nicht angestellten Lehrerinnen zwecks Uebernahme von zweiten Lehrerstellen auf dem Lande durch die Letzteren. Denselben wird ein Gehalt von etwa 700 Mark nebst Wohnung und Feuerung zugesichert. Dem Vernehmen nach haben sich nur ausnahmsweise Lehrerinnen bereit erflärt, von dem Angebot Gebrauch zu machen.
— Die Einberufung der Manschaflen im Mobil- machungsfalle. Vom 1. April k. I. gelangt ein neues Verfahren betreffend Einberufung der Ergänzungsman- schaftcn für den Mobilmachungsfall zur Einführung, welches von dem seitherigen Verfahren insofern grundsätzlich abweicht, als nunmehr die Gestellungsbefehle, welche sonst im Mobilmachungs-alle an die Einznberufen- dcn seitens der Bezirkskommandos ausgehäudigt wurden,
Wegfällen sollen und an deren Stelle sogenannte „Kriegs- beorderungen" bezw. „Paßnotizen" treten, welche bereits im Frieden an die Mannschaften des Beurlaubtenstandes auszugeben sind.
Hamburg. Bei der Hamburger Polizeibehörde sind bisher nicht weniger als 70 Ersuchen aus allen Theilen Deutschlands eingelaufen, auf junge Menschen von 13 bis 16 Jahren zu fahnden, die sich vom Elternhause nach Transvaal auf den Weg gemacht hatten. 20 von diesen Ausreißern hat die Polizei bisher ermitteln können.
Liegnitz. Mit militärischen Eyren wurde dieser Tage in Liegnitz die 73 Jahre alte Marketender-Wittwe Grauer bestattet. Sie ist 38 Jahre lang beim Königs- grenadier-Regiment (5. und 7. Komvagnie) in Manövern thätig gewesen, hat die Feldzüge von 1866 und 1870 mitgemacht, und wurde in Versailles von einem Soldaten überritten. Sie erhielt seitdem aus dem kaiserlichen Hofmarschallamt ein Geschenk. Zur Beerdigung war eine Abordnung der 7. Kompagnie kommandirt.
Mainz. Dem Domkapitular Dr. Holzammer in Mainz hatte der Großherzog von Hessen das Ritterkreuz 1. Klasse der Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen. Der also ausgezeichnete hat aber den Orden abgelehnt, weil seine 23 ruft keine Orden eines Regenten schmücken düne, der die Reformation eingeführt und eine Doppelehe eingegangen sei. Das letztere bezieht sich auf die mit Genehmigung Luthers geschlossene Verbindung Philipp des Großmüthigen mit Margaretha von der Saal, der sechs Söhne und eine Tochter ensprossen.
Kaiserslautern. Im Jahre 1866 hat ein vom Militär Entlassener sein sog. Reservebild einem hiesigen Glasermeister zum Einrahmnn übergeben. Dieser Tage hat dieser es fertig abgeliefert. Die Arbeit muß gewiß dauerhaft und gut sein, wenn man 33 Jahre dazu gebraucht Hof (Ein prompter Meister!)
Forbach. Der „Rhein- Wests. Ztg." schreibt man: Von dem in Forbach (Lothr.) garnisonirenden Train- Bataillon Nr. 16 sind in diesen Tagen 183 Pferde al» der Rotzkrankhcit verdächtig getödtet worden. Wie sich jetzt herausgestellt, ist kein einziges dieser Thiere thatsächlich mit der Rotzkrankheit behaftet gewesen. Die Pferdeleichen sind für 20 Mark pro Stück verkauft worden.
Offen bad) a. M, 7. Dez. Die ministerielle Genehmigung des Ortsstatuts über die Feuerbestattung im Krematorium zu Offenbach ist heute eingetroffen. Es steht der Benützung der FeuerbestattungSanstalt nun nichts mehr im Wege. Die Gesammtkosten der Ver- brennung einer Leiche von Frankfurt a. M. aus, deren Beförderung ohne Benützung der Eisenbahn geschieht, werden sich nunmehr auf Mk. 150 bis Mk. 160 belaufen.
Ausland.
London, 8. Dez. Eine große Quantität Munition ist in geheimnißvoller Weise aus dem Wnffendepartement in Jersey verschwunden. Man will die Thatsache mit der Abfahrt eines für ein amerikanisches gehaltenen Schiffes im Zusammenhang bringen, welches zur Reparatur anlegte und dann nach Frankreich ging, um angeblich Kartoffeln für Südafrika zu laden. — Aus Kapstadt kommt folgendes Telegramm: Gefangene Buren sagen aus, daß, wenn der Ort Kimberley entsetzt sei, viele unzufriedene Freistaatburen die Waffen niederlegen würden. Die Verluste der Buren am Modderflusse waren nach einer Depesche vom 3. ds. Mts. sehr schwer. Es befinden sich 50 verwundete Buren in einem vier Meilen entfernten Hospital. Nach einer Meldung aus Hopetown sind die Farmer aus diesen Bezirken in den letzten Wochen in das Burenlager übergegangen. — „Daily Mail" meldet, daß 10,000 Basutos des Gebietes, welches die Truppen des Lord Methuen kürzlich durch- schritten haben, jeglicher Nahrungsmittel entbehren. Es herrscht große Besorgniß in der Umgebung Lord Methuens und man befürchtet noch einen Aufsland der Basutos. — „Daily Mail" meldet aus Lorenzo Mar- quez, daß ein deutscher Dampfer mit einer Anzahl Krankenträgern und 16 dentschen Offizieren dort eingetroffen sei. Letztere begaben sich sofort zu den Buren.
London. Die Engländer haben am Sonnabend bei Stromberg wieder eine schwere Niederlage erlitten. Zwei Mann wurden getödtet, 26 Offiziere und Mannschaften wurden verwundet, 604 Offiziere und Mannschaften werden vermißt, außerdem mußte eine Kanone tehen gelassen werden. Die Engländer traten den Rückzug an nach Moltena,