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WüchtemerMmg

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

«M 97. Mittwoch, den 6. Dezember 1899. 50. Jahrgang.

Amtliches.

Aufruf!

Der in Süd-Afrika entbrannte Krieg ruft die allge­meine Theilnahme in weiten Kreisen Deutschlands hervor Das unterzeichnete Central-Comits hat in Erfüllung der den Vereinen vom Rothen Kreuz neutraler Staaten ob­liegenden Verpflichtung die Hülfe der deutschen Vereins­organisation sowohl dem Central-Comits der Englischen Gesellschaft vom Rothen Kreuz als auch durch Ver­mittlung des Auswärtigen Amts der Transvaal-Regierung angeboten.

Während das Englische Central Comits, dem aller­dings reiche Hülfsmittel zur Verfügung stehen, mit verbindlichem Dank eine Unterstützung als für den Augenblick nicht erforderlich abgelehnt hat, ist seitens der Transvaal-Regierung durch Vermittlung des Kaiserlich Deutschen Consuls jede Unterstützung an Personal und Material als sehr dankenswert!) und als ebenfalls für den Oranje-Freistaat dringend erwünscht bezeichnet werden.

Das unterzeichnete Central-Comite hat, ungeachtet der hohen daraus erwachsenden, Kosten, nicht gesäumt, eine sorgfältig zusammengesetzte Sanitäts-Abordnung aus drei Aerzten, ausgebildeten weiblichen und männlichen Pflegepersonal sowie aus werthvollem Material bestehend, mit dem ersten fälligen Dampfer der Deutschen Ost Afrika-Linie sofort nach Lourenzo Marques abzusenden.

Aber sowohl die Tragweite der entstandenen Kriegs noth, als auch die voraussichtlich an unsere Abordnung zn stellenden Anforderungen lassen es erforderlich er­scheinen, schon mit dem nächsten von Hamburg abgehenden Dampfer derselben Linie weitere Hülfe von Personal und Material in ähnlicher Zusammensetzung nachzusenden. Diese neue Abordnung wird im Auftrage des Central- Comitös vom Hamburger Landes-Verein vom Rochen Kreuz zusammengestellt und ausgerüstet werden, während ein großer Theil des Materials wiederum dem Depot des Deutschen Central-Comites entnommen wird.

Der Umfang dieser Leistungen macht es nunmehr zur Pflicht, alle Landesvereine vom Rothen Kreuz in Deutschland anfzufordern, Sammlungen für die Unter­stützung und Fortführung unserer Thätigkeit im Trans vaal krieg zu eröffnen und deren Ergebniß an unsere Schatzmeisterstelle, die Königliche Seehandlung in Berlin W, Jägerstraße 21, abzuführen. Wir sprechen hierbei die Hoffnung aus, daß die opferwilligen Kreise in Deutschland geneigt sein werden, dem Vorgehen den Deutschen Colonial-Gesellschast folgend, ihre Spenden der Deutschen Vereins-Organisation vom Rothen Kreuz anzuvertrauen. Unermüdlich bestrebt, alle die Wunden des Krieges lindernden und heilenden Einrichtungen schon im Frieden zu fördern und vorzubereiten, ist die­selbe seit dem Kriegsjahre 1870/71 stets in den außer­halb Deutschland geführten Kriegen helfend eingetreten, und im gegenwärtigen Augenblick vielleicht allein berech­tigt und in der Lage, der allgemeine Verlangen der Hülfeleistung in die That zu verwandeln.

Das Central Comite der DeutschenVereine v. Rothen Kreuz.

Der Vorsitzende: gez. B. von dem Knesebeck. Vice-Ober-Zwemonienmeister und Königl. Kammerherr. An die Vorstände der Deutschen Landes-Vereine vom Rothen Kreuz.

Vorstehenden an alle Deutschen Landes-Vereinen vom Rothen Kreuz gerichteten Aufruf des deutschen Central-Comitcs bringe ich mit der Bitte um Gewährung von Spenden aus allen Kreisen hiermit zur öffentlichen Kenntniß. Der Schatzmeister vom hiesigen Zweigverein vom Rothen Kreuz, D. L. Stern in Schlüchtern ist bereit, die für diesen Zweck bestimmten Gaben, über welche in der Presse Rechnung gelegt werden wird, zu jeder Zeit entgegenzunehmen.

Schlüchtern, den 25. November 1899.

Der Vorsitzende des Zweigvereins von Rothen Kreuz, gez. Roth.

Geheim er- Regierungsrath.

Deutsches Reich

Berlin. Der Kaiser fährt Donnerstag den 7. d. Mts. nach Bückeburg zur Jagd auf Hirsche. Samstag verläßt S. Maj. Bückeburg und fährt nach Hannover. Am 15. und 16. d Mts. findet große Hofjagd in der Göhrdc statt. , , _. .

Lüneburg, 26. November. Vor einigen Tagen wurde |m Dorfe Engeln eine hannoversche Bauernhochzeit M-

Ausland.

Aegypt n. Oberst Wingate hatte mit ägyptischen Truppen die Derwische unter Ahmed Fedil, die 2500 Mann stark waren, bei Abnadil angegriffen und Zer­

gehalten, die alles übertraf, was man bei großen Land­hochzeiten an Pomp zu sehen gewohnt ist. Der Sohn des Halbmeiers Wachendorf aus Vilsen hatte eine reiche Bauerntochter aus Engeln geheirathet. Alle selbstständigen Haushaltungen von Engeln und den umliegenden Ge- mcinden und Flecken, etwa 350 an der Zahl, waren eingeladen worden. Man hatte sich zur Bewirthung einer kolossalen Hochzeitsmenge vorbereitet; es waren 3 Kühe, 8 große fette Schweine, 6 große Kälber ge­schlachtet worden, außerdem kamen 100 Hasen, 250 Hühner und Fasanen auf die Hochzeitstafel. 600 Flaschen Wein und verschiedene ganze Fässer Bier bildeten die Getränke, und die vielen Kuchen waren gebacken worden, ohne daß man sie gezählt halte. Der Kasse wurde in zwei großen, tiefen Kesseln gekocht, wieviel ist gar nicht anzugeben. An dem eigentlichen Hochzeitsschmaus am ersten Tage Mittags nahmen 800 Personen Theil, es zogen aber im Laufe der ersten Nachmittagsstunde immer mehr Gäste heran, so daß weit über 1000 Per­sonen gespeist wurden. Am zweiten Tage verringerte sich die Zahl derselben auf 400 Personen. Es war ein Leben in Engeln, als ob eine Völkerwanderung ange­brochen wäre, die Chausseen waren von Fuhrwerken und Menschen ununterbrochen belebt. Zwei Kapellen spielten zum Tanz auf.

Aurich, 2 Dezember. Das hiesige Schwurgericht ver- urtheilte 3 Arbeiter zu 3 bis 15 Jahren Zuchthaus, die in Wilhelmshafen durch Sittlichkeitsverbrechen im Park großes Unheil anrichteten. Seit mehreren Jahren wurden im Stadtpark von Wilhelmshafen Frauen an­gegriffen und die Männer, die sie begleiteten, mißhandelt. Die meisten Nothzuchtsälle, verübt an angesehenen Damen, sind nicht angezeigt. Es sind bisher 15 Nothzuchtfälle, 23 Körperverletzungen und 4 Raubanfälle zur Kenntniß der Behörden gelangt. 60 Zeugen waren geladen. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt.

Hadersleben. Auf eine sonderbare Weise ums Leben gekommen ist der zehnjährige Sohn des Landmanns Jensen in Bilstrup bei Hadersleben. Der Junge erhielt von seinem Vater den Auftrag, vom Felde einen ge- tüdertcn Schasbock nach Hause zu bringen. Das anfangs dem Jungen willig nachfolgende Thier blieb auf halbem Wege plötzlich stehen und war auch durch Schläge nicht mehr von der Stelle zu bringen. Um den halsstarrigen Bock zum Weitergehen zu zwingen, setzte sich der Junge mit aufgewickeltem Stricke, an dessen Ende sich ein spitzer eiserner Pfahl befand, auf i den Rücken des Thieres. Der Bock machte mit seinem 1 Reiter ein paar Sprünge vorwärts, dabei fiel der Knabe zur Erde und stieß sich im Fallen den eisernen Pfahl ins Herz.

Mit einer prinzipiell wichtigen Haftpflichtsache hatte sich das Oberlandesgericht zu Breslau zu befassen. Vor einiger Zeit wurde der 50 Jahre alte, bis dahin völlig gesunde Rittergutspächter Hagenau aus Ober- Leisersdorf von dem herabfallenden Leitungsdraht der elektrischen Straßenbahn zu Liegnitz getroffen, als er in einiger Entfernung von den Schienen stand. Der Un­fall hatte schwere Lähmungserscheinungen und partielle Blindheit und Taubheit zur Folge Die Lähmungen des rechten Armes und später auch des Beines gingen all­mählich zurück, die Erblindung und Taubheit auf der rechten Seite blieben bestehen. Nach fast zwei Monaten war er im Stande, mühsam am Stocke im Zimmer umherzngchen. Dieser Zustand hat sich bis jetzt erhalten. Es war kein Zweifel, daß der elektrische Strom alle jene schwere Störungen im Nervensystem hervorgerufen hatte. Der Beschädigte, der die Pachtung des Ritter­gutes hatte aufgeben müssen, strengte nun gegen die Elektricitäts-Gesellschaft die Entschädigungsklage an. Das Landgericht zu Liegnitz verurtheilte auch die Gesellschaft zur Schadloshaltung; die Höhe des Schadens blieb späterer Feststellung Vorbehalten. Auf die Be­rufung der Beklagten hat nun auch das Oberlandcs- gericht zu Breslau das Urtheil des Vorderrichters be­stätigt. Auf Grund dieses Erkenntnisses beansprucht jetzt der Kläger eine jährliche Rente von 10 000 Mk. oder eine einmalige Kapitalabsindung von 200 000 Mk.

sprengt. 400 Derwische, darunter der Khalif (Nach­folger des Madhi). Der Tod des Khalifen bedeutet für die EngKnder einen kolossalen Erfolg. So lange der Khalif lebte, konnte auf einen dauernden Frieden im Sudan nicht gerechnet werden. Außer dem Khalifen selbst sind viele Emire gefallen. Nur Osman Digma ist entkommen. Die Verluste der egyptischen Truppen sind gering. Es wurden viele Gefangene gemacht. Der Khalif Abdulla war als Führer der Mhadisten der Nachfolger des am 28. Juni 1885 an den Blattern gestorbenen Mahdi Mohammed Achmed. Der Mahdi hatte schon zu seinen Lebzeiten Abdulla zum Khalifen eingesetzt. Vierzehn Jahre lang haben die Engländer fast ununterbrochen mit dem Nachfolger des Mhadi im Kampfe gelegen. Erst 1891 begann der Stern des Mahdi zu sinken. 1897 gewann General Kitchener Berber und besetzte das von den Italienern geräumte Kassala, eroberte Omdurman und Chartum und versetzte damit der Macht des Khalifen einen schweren Schlag, von dem er sich jedoch wider Erwarten nochmals erholte. Erst der Tod hat diesen Gegner der Engländer unschäd­lich gemacht. Offiziere der Sudanarmee erzählen, daß der Khalif, als er sah, daß es unmöglich sei, zu ent­kommen, seine Emire aufgefordert habe, bei ihm zu bleiben und mit ihm zu sterben. Er habe sodann ein Schaffell auf dem Boden ausgebreitet und sich, seine Emire zur Rechten und Linken, darauf niedergesetzt. Die Schüsse trafen seinen Kopf, sein Herz, den einen Arm und seine Beine. Seine Emire und seine Leibgarde starben an seiner Seite. Die Truppen Oberst Wingatcs stürmten über den Khalifen hinweg, und Oberst Wingate kehrte erst zurück, um die Leiche zu suchen, als er die Meldung von dem Tode des Khalifen erhalten hatte.

Vom Kriegsschauplätze in Südafrika. Amtliche Berichte sind vom westlichen Kriegsschauplatz nicht weiter eingegangen ; von dem entscheidenden Siege des Generals Methuen am Modderflusse ist es also schneller still ge­worden als man hätte erwarten sollen. Wäre es dem General gelungen, seine ganze Streitmacht auf das rechte Ufer des Flusses hinüberzuführen und seinen Vormarsch auf Kimberley fortzusetzen, dann lägen längst ausführliche amtliche Nachrichten darüber vor. Da der Modderfluß gegenwärtig stark angeschwollen ist, so ist es dem General vor der Hand wahrscheinlich überhaupt nicht möglich, das Gros seiner Mannschaften über den Fluß zu setzen. Da überdies die Buren durch daS über den Moddernfluß geführte Gefecht nicht allzu schwer gelitten haben können, geschweige denn zerstreut worden sind, so liegt für diejenige Mannschaften, die unter dem General Carew über den Fluß gegangen waren, die Gefahr vor, von den Buren gefangen ge­nommen zu werden. Daß die Fortsetzung der Opera­tionen des Generals Methuen kein«! Erfolg gebracht Hüben, kann man aus der Schweigsamkeit des amtlichen Telegraphen mit positiver Sicherheit entnehmen; fraglich bleibt es nur, ob der englische Siegesjubel nicht stark verfrüht war und ob die Buren den Spieß nicht viel­leicht umgewendet und den Engländern eine gehörige Schlappe bereitet haben. Da der telegraphische Nach­richtendienst vom westlichen Kriegsschauplatz, wie die drei letzten Siegestelegramme des Generals Methuen beweisen, vorzüglich funktionirt, so wird man der Un­gewißheit schnell enthoben werden; geschieht das nicht, so wird die Annahme zur Gewißheit, daß der Sieges­lauf der Engländer am Modderfluß ein rasches Ende gefunden hat. Aehnlich wie mit seinen Berichten steht es auch mit denen des Generals Buller vom östlichen Kriegsschauplatze. Von dort wird gemeldet, der Burengeneral Joubert habe sich auf Colenso zurück­gezogen und ein von ihm nach Weenen, einem zwischen Estcourt und Colenso, jedoch einige Meilen östlich ge­legenen Orte, gesendetes Bataillon sei von den Eng­ländern angegriffen und nach schweren Verlusten zurück- gedrängt worden. Diese Angaben stehen in direktem Widerspruch mit der Wahrheit. Thatsache ist nämlich, daß es dem General Hildyard nicht gelungen ist, die Boeren von Estcourt zu vertreiben; dagegen hat es sich bei dem Versuche schwere Verluste zugezogen, er verlor 14 Todte, 16 Verwundete, der Major Hobbs fiel in die §änbe der Buren. Was endlich die Situation bei Ladysmith betrifft, so sind die englischen Meldungen: Alles wohl! doch gar zu optimistisch, denn es steht fest, daß der Fall der Stadt unmittelbar bevorsteht. Die Buren haben die Stadt dichter umzingelt, bombardire»