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Major und Befehlshaber einer Garde-Jufanterie-Brigade ernannt, in dem damals einem Herrn von Wülknitz ge­hörigen Lanker Forst auf der Jagd war. Der Prinz hatte das Unglück, daß beim Laden des Gewehrs der Schuß zu früh losging und ihm zwei Finger der rechten Hand zerquetschte. Man schaffte den Verwundeten zu Wagen nach Bernau, wo ihm von dem Chirurgus Wartenburg zwei Glieder des rechten Zeigefingers ab­genommen wurden und der erste Verband angelegt wurde. Der Barbier bewahrte die abgenommenen Glieder sorg faltig auf und sandte sie im Jahre 1823 dem Prinzen Wilhelm zu, der sich durch ein Geschenk von zwei Friedrichsdor erkenntlich zeigte. Noch im Jahre 1882 beauftragte der greise Kaiser seinen Sohn, den Kron­prinzen Friedrich Wilhelm, als sich dieser zum 450= jährigen Husitenfeste nach Bernau begab, Erkundigungen über die Nachkommen des Chirurgus Wartenburg und des Postmeisters von Bernau einzuziehen, in dessen Wohnung der Verwundete Aufnahme gefunden hatte. Der Gedenkstein wird noch immer am Todestage Kaiser Wilhelm I. sinnig bekränzt.

Die Königlichen Schlösser in Berlin und Pots­dam sind reich an Geschenken des russischen Kaiser­hauses. Besonders Kaiser Nikolaus I. und Kaiser Alexander II. liebten es, ihrer verwandtschaftlichen Zu­neigung zum preußischen Königshause durch teilbare Aufmerksamkeiten Ausdruck zu geben. So steht in der Gemäldegallerie zu Sanssouci eine Rhodonit-Vase von erheblicher Größe, die Kaiser Nikolaus geschenkt hat. Der Rhodouit ist ein Mangankiesel, der im Ural ge­funden wird und fast Silberwerth besitzt. Er zeichnet sich meist durch schöne, roieurothe, der Himbeere ähnliche Farbe aus. Die erwähnte Vase ist mit dem Staub von Brillanten geschliffen und ein Meisterwerk ersten Ranges. Nicht weniger als 13 Jahre und 7 Monate ist an der Vase gearbeitet worden.

Ein Curiosum bekam am Sonnabend Abend in ihrer Sitzung die Anthropologische Gesellschaft zu sehen. Dr. Simon aus Elbing hatte zwei Photographien ein­gesandt, die ein geschwänztes Kindchen zeigten. In Spiritus sah man außerdem in natura das etwa fünf Centimeter lange Schwänzchen eines neugeborenen homo sapiens. Das Messer des Arztes hatte das Kindchen baldigst von dieser Erinnerung an den vielumstrittenen Pithakanthropos befreit.

Der Weltuntergang am 13. November in Folge des Zusammenstoßes unserer Erde mit einem Kometen ist zu Folge der Versicherungen der Astronomen über die Grundlosigkeit dieser Befürchtung vertagt, vorläufig bis zum Jahre 2300. Das Erdende zu dieser Zeit prophezeit uns der englische Chemiker und Physiker Lord Klevin. Nach seiner Hypothese werden wir nämlich nach längstens 400 Jahren nicht mehr Sauerstoff genug in der Welt haben, um zu athmen, da wir demselben alsdann Dank unserer Kohlenfeuerungen gänzlich zu Kohlensäure verbrannt haben werden.

Die Koffern und die Buren. Warum die Koffern in dem jetzigen Kriege auf Seite der Buren stehen, erhellt aus einem in Amsterdam eingegangenen Privatbrief. DieD. Wzg. i. d. Niederl." berichtet aus dem Briefe Folgendes:Die angesehensten Häupt­linge waren zur Berathung zusammengekommen und hatten das Orakel befragt. Zu diesem Zweck wurden drei Kühe, und zwar eine rothe, eine weiße und eine schwarze lebendig gehäutet. Die rothe Kuh stellte Eng­land, die weiße Transvaal und die schwarze die Kaffern- stämme vor. Nach der scheußlichen Operation ließ man die Thiere laufen; dasjenige, das zuerst fiel, verlor. Zufällig war es die rothe Kuh, der einige Minuten später die schwarze folgte; die weiße hielt- es fünf Minuten länger aus. Die Buren mußten deshalb siegen."

Die Macht der Finsterniß. Die Bewohner des Urals haben ein ganz besonderes Mittel im Gebrauch, die Rhachitis (englische Krankheit) bei Kindern zu heilen. Die Mutter in Gemeinschaft mit der Großmutter oder Gevatterin bereiten einen Teig, der breit ausgerollt wird, da hinein thut man das nackte kranke Kind und klebt den Teig vorsichtig zusammen. Der so gewonnene Kuchen mit dem lebendigen Füllsel wird auf eine Schaust! gelegt und gleich einem Brod in den warmen Backofen geschoben, und zwar dreimal, unter fort­währendem Gemurmel einer bestimmten Formel, die den bösen Geist, der in des Kindes Körper gefahren, aus- treibt. In den meisten Fällen fliegt zusammen mit ihm auch die Seele des gemarterten Kindes davon, denn nur Wenige sind im Stande, die Tortur lebend durchzu- machen. Doch trotz des geringen Erfolges der Me­thode lassen die verstockten Mütter nicht von deren An­wendung.

Einen frevelhaftenSpaß" machten drei junge Bauernmädchen in einem Dorfe des Ssolikamsker Kreises. Drei Freundinnen, von denen die jüngste erst 14 Jahre zählte, saßen allein in einer Hütte und erwarteten einen Bauernburschen. Vor seiner Ankunft hatten sie verab­redet, einen Scherz mit ihm zu machen. Sie öffneten zu diesem Zweck die Kellerluke, bedeckten die Oeffnung mit einer Bastmatte und nahmen darauf neben der Grube Platz. Als sich der Bursche bei der Begrüßung einem der Mädchen näherte, stieß ihn dieses zurück, und zwar so unglücklich, daß er in den Keller stürzte, mit Hm Kopf auf einen Stein fchlug und sofort todt liegen

blieb. Um diesen schrecklichen Vorfall zu verdecken, heizten die Mädchen den großen Ofen an, schleppten den Leichnam aus dem Keller und warfen ihn in die lodern­den Flammen. Vorübergehenden fiel der sonderbar ge­färbte, dem Schornstein entströmende Rauch auf. Sie versuchten sich Einlaß zu verschaffen, doch gelang es ihnen erst nach Einschlägen der Thür, in das Innere der Hütte zu dringen. Hier bot sich ihnen ein schauderhafter Anblick dar. Inmitten des glühenden Ofens brannte ein menschlicher Körper lichterloh; nicht weit davon saßen die drei Mädchen vor Entsetzen wie geistesabwesend und außer Stande, auf die an sie gerichteten Fragen eine Antwort zu geben.

Ein galizizischer Mädchenhändler Bahr wurde am Freitag in Budapest verhaftet. Derselbe scheint den Mädchenhandel in überaus großem Maßstabe betrieben zu haben. Der Mädchenhändler wurde verhaftet, als er mit einem Transport von 25 Mädchen nach Kon- stantinopel abreisen wollte. Bahr exportirte jährlich mehrere hundert Mädchen nach Konstantinopel, wo sie in Galata öffentlich für Betrüge von 400 bis 1500 Mk., je nach Schönheit, vcrauctionirt wurden. Die Mädchen werden als Kassirerinnen oder Stubenmädchen mit großem Gehalt engagirt jenseits der Grenze erfahren sie dann die Wahrheit. Bahr hatte zahlreiche männliche und weibliche Agenten und ein vollständig eingerichtetes Bureau. Die Firma an der Thür lautete: Bahr, Exporteur für den Orient.

Die Ziege verwerthet das Futter besser als die Kuh. Eine mittelschwere Ziege braucht nämlich per Tag 1 */a bis 2 Kilo Heu oder Heuwerth, eine Mittelschwere Kuh aber 12 bis 15 Kilo; somit könnte man mit dem Futter einer Kuh sieben bis acht Ziegen ernähren, welche bei richtiger Pflege und Fütterung täglich durch- schnitttich 16 Liter Milch liestrn und zwar acht bis neun Monate lang. Um das nämliche Quantum Milch von ca 4000 Litern zu liefern, müßte eine Kuh täglich durchschnittlich 14 Liter geben und zwar fast zehn Monate lang, was doch selten der Fall ist. Zudem machen acht Ziegen ein viel kleineres Kapital ans.

Vom Thüringer Walde wird folgendes Geschicht- chen erzählt: Man muß sich zu helfen wissen !" dachte ein kleiner Schlaumeier in einem diesseitigen Jndustrieortc. Derselbe war von seinem Arbeitgeber mit Hundefuhrwerk abgeschickt, um Porzellanpuppenköpfe zu holen. Am Gnsthofe machte der Bursche Halt. Da erschien auf der Bildfläche ein Gensdarm.Wem gehört das Hunde- fuhrwerk?"Das steht an dem Wagen!" war die Antwort.Gut! Weiß Dein Meister nicht, daß man für einen Hund nicht mehr als 1 Zentner aufladen darf?" O ja! Als wir fort fuhren, sagte mein Meister zum Hund, er (der Hund) solle nicht mehr als 1 Zentner ziehen, das Ucbrige müsse ich ziehen!" Ob dieser Antwort mußten alle Umstehenden und auch der Gensdarm lachen.

Sein letzter Schuß. Kürzlich ging der greife Förster Amberg von Mafsenhausen in Waldeck in Be­gleitung seiner Tochter in den Wald, um einen Hasen zu schießen. Bald darauf kam ein solcher in die Schuß linie. Herr Amberg legte an, der Schuß krachte, der Hase machte seinen letzten Satz, und der Schütze sank, von einem Schlaganfall getroffen, todt ins Moos.

Erst das Geld dann die Hochzeit! Ueber eine vereitelte Hochzeit wird in Börsenkreisen viel gesprochen. Ein Berliner Börsenmakler W. verlobte seine Tochter mit einem Rabbiner aus Kolin in Böhmen. Am Mitt­woch sollte die Hochzeit sein. Alles war darauf schon vorbereitet, der Bräutigam und seine Mutter waren in Begleitung seines Bruders nach Berlin gekommen. Dieser Bruder sollte die geschäftliche Seite der Angelegenheit regeln und kam zu diesem Zweck denn auch eine halbe Stunde vor der Zeit, auf die die standesamtliche Traunung angesetzt war, zu dem Börsenmakler, um die Mitgitt von 35 000 Mark, die die Braut erhalten sollte, in Empfang zu nehmen, oder wenigstens die Auszahlung zu sichern. Der Makler weigerte sich jedoch, das Geld baar auszuzahlen, wollte es vielmehr bei der Reichsbank hinterlegen und seinem Schwiegersöhne eirstweilen nur den Genuß der Zinsen zugestchen. Darauf ließen sich jedoch der Bräutigam und sein Vertreter nicht ein nnd die Hochzeit ging in die Brüche. 150 Gäste, die geladen waren, wurden in aller Eile noch telegraphisch und tele­phonisch abbestellt. Für das Hochzeitsmahl jedoch, das in einem Restaurant bestellt und zum Theil schon vor- bereitet war, mußte der Schwiegervater die Kosten be= zahlen. In heftiger Feindschaft trennte man sich, und der Rabbiner dampfte ohne Frau mit seinen Angehörigen nach Böhmen wieder ab. Seine Gemeinde, die mit Spannung die Frau Rabbiner erwartet hatte, war sehr enttäuscht.

DasFrank-urter Würstchen". Eiligst schlüpfte Herr N. in die Kleider. Er wollte heute mit der Bahn nach D. fahren und hatte sich verschlafen. Da galt es flink zu sein! Drum mahnte er auch seine Gattin, während er rasch in die Stiefel fuhr:Käthche, mach wer derweil mei Frichstück fertig, damit ich hernach nit aufgehalte bin. Ich habe nit mehr viel Zeit iwwerig I" Ewe stell' ich das Wasser auf, ich sied' der schnell e Frankfurter Würstche, des sonnst de noch esse," entgegnete die sorgende Hausfrau und stellte den Tiegel mit Wasser auf den Gasherd.In zehn Minuten is es fertig." Ungeduldig fuhr sich Herr N. durchs Haar:Zehn

Minute? So lang hab' ich ja kaum noch Zeit! Du hätt'st aach des Würstche schon gestern Abend koche könne!" Mittlerweile begann das Wasser tm Kessel zu summen, der Hausherr aber fertig gestiefelt und gespornt, schritt unruhig in der Kücke auf und ab.Sind die zehn Minute noch nit erum ?" knurrte er mißmuthig.Erst fünf!" war die AntwortHm, hm, jetzt muß ich gleich fort ich kann des Würstche gar net mehr hier esse!" No, ich Wickels Dir ein! Gelt, wart' nur noch die paar Augenblickcher," tröstete die Gattin. Nach einer kleinen Weile aber ergriff Herr N. Hut und Stock. Jetzt awwer muß ich gehn!" sagte er verstimmt.Be­ruhig' Dich, Du leibhaftig Ungeduld, die zehn Minute sind erum, sie ist gar!" entgegnete seine Frau und deckie den rauchenden und brozelnden Tiegel auf. Doch gleich darauf stieß sie einen Schreckensruf aus:Ach Gott, Philipp, jetzt haw' ich bei der Hatz vergesse des Würstche in de Siegel zu thun!"Un ich krieg' mein Zug nimmer," sagte Herr N. und stellte refignirt Hut und Stock in die Ecke,ewe schlägt's siewe! Unsere Uhr ist noch obendrein nachgegange."

- Der passendste Titel. Ein reich gewordener Schustermeister begiebt sich zu einem Orden und Titel verschaffenden Herrn und bittet denselben um seine Ver­mittelung in dieser Beziehung, da seine Gemahlin ihn so gern als einen Rath sähe -Ich möchte", fährt er fort,am liebsten einen Titel, der noch einigermaßen for mir paßt; uff Jeld kommt es mir nich an. Wie denken Sie nun über so'n Titel ?Hm, hm," macht der Vermittler,da wäre für Sie wohl der Knierieminalrath am geeignetsten."

Strenge Logik. In der Gegend von Schönberg liegt das wegen Unsicherheit seiner Wege allgemein be­kannte Kühlrader Moor. In seiner Nähe, so erzählt die von Heinrich Sohnrey herausgegebeneKleine Dorf­zeitung", weidete dieser Tage ein biederer Schäfer, der vor einem des Weges kommenden Handelsmann gefragt wird, ob das Moor wohl zu passiren sei.Kaenen Sei latinsch un sranzösch?", fragt der Schäfer lakonisch. Jawohl; natürlich!" entgegnete darauf verwundert der weitgereiste Händler.Na, denn man tau ; denn kaenen Sei ruhig ucwer das Mur (Moor) führen." Der Händler führt etwas verblüfft weiter, liegt aber bald an einer unsicheren Stelle mit Pferd und Wagen im Dreck. Als er Radau schlägt und dem herbeigekommenen Schäfer die Leviten lesen will, sagt biejer höchlichst aufgebracht: Nu, hürn S'mal, Sei un latinsch un sranzösch! Uns' Schaulmeister hett mi feggt, wer latinsch und sranzösch künn, fern dorch de ganze Welt, und Sei kaenen nich mal aewer bet Kühlrader Mnr kamen!"

Verdächtiges Lob. Schauspieler (zum Schuster, der ihm ein paar neue Schuhe gemacht hat) :Die Schuhe sind ja mit einer bewunderungswürdigen Meister- jcha;t gearbeitet, diese Akkuratesse der Technik, diese plastische Symmetrie . ."Ums Himmelswillen, hören Sie auf mit ihrem Lob, sonst finden Sie sie noch unbezahlbar."

Aus der Schule. Der kleine Hans besucht zum erstenmale den Religionsunterricht. Beim Nachhause- foatmen fragt ihn die Mutter:Nun, Hansel, wie ist es Dir gegangen, hat Dich der Herr Katechet auch ge­fragt, wer die ersten Menschen waren?"Nein, das hat er schon gewußt," antwortete treuherzig das Häuschen.

Auch ein Arrangement. Vater: . . Ich habe ja gar nichts gegen Deine Verbindung mit dem Assessor . . nur müßte er sich erst mit seinen Gläubigern arran- giren!" Tochter:Ist bereits geschehen, er hat sie alle an Dich gewiesen!"

Jäher Wechsel. A:Hülfsschreiber sind Sie, besitzen gar kein Vermögen und wünschen meine Tochter Sidonie, die eine Mitgift von 30 UUO Mk. bekommt zur Frau! Lieber Freund, Sie sind ein Glücksmensch, der den richtigen Augenblick zu treffen weiß!" Freier: Ach, Sie machen mich überglücklich durch diese be­ruhigenden Worte!" A:Ja, den richtigen Augen­blick, wo mein Diener nicht anwefend ist, um Sie in meinem Aufträge hinauszuwerfen!"

Malice.Neulich hat sich der Rentier Meierlein auf der Treppe zum Wildpretladen den Fuß verstaucht." Also ein Jagdunsall."

Ein Knicker.Aber, Herr Müller, warum fahren Sie als reicher Mann 4, Klasse ?" Müller:Sehr ein­fach, weil es keine fünfte giebt."

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