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WichtemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 94.

Samstaa, den 25. November 1899.

50. Jahrgang.

«^«H^S^^^^SBKS Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiserbesuch in England hält sich in den engen, von Kaiser Wilhelm selbst vorgezeichneten Grenzen. Ueber den Empfang hat der Monarch sich höchst be­friedigt ausgesprochen, und er hatte nach den vorliegenden Berichten guten Grund dazu. Die Engländer sind hocherfreut darüber, daß der deutsche Kaiser gekommen ist.

Der Umfang des Ansichtskartenwesens, der immer noch im Wachsen begriffen ist, erhellt wieder aus der neuen Poststatistik vom Jahre 1898; Von der Zunahme sämmtlicher Postsendungen gegen das Vorjahr mit etwa 160 Btillionen Stück auf 4050 Millionen entfallen fünf Achtel nahezu 100 Millionen, auf die Postkarten, während die Zahl der Briefe nur um 19 Millionen ge stiegen ist. Daß die Vermehrung der Postkarten zum großen Theil auf die Ansichtskarten zurückgeführt werden muß, zeigt die Zahl der abgesetzten Wertzeichen. Der Verkauf der am meisten gebrauchten Marke zu zehn Pfennig ist nur um 54 Millionen gewachsen, der Verkauf von Fünfpfennigmarken dagegen um 117 Millionen.

-- Wie derFranks. Ztg." aus Hamburg mitgc- theilt wird, hat die englische Admiralität während der letzten drei Wochen zwanzig neue große Dampfer für den Krieg in Afrika gemiethet, worunter das größte Schiff dieMajestic" der White Star Linie ist, die 10,0ü0 Tonnen führt. Die Charterungen der Regierung belaufen sich bis jetzt auf 163 Damp'er und 1 Segel­schiff mit einer Tragfähigket von ca. 780,000 Tonnen.

Kiel, 20. November. Die Erwerbung der Samoa- Jnscln hat die Zuversicht auf eine ruhige und gedeihliche Entwickelung in den bethciligten Kreisen hervorgerufen. So wird aus dem Holsteinschen Städtchen Kellinghnsen gemeldet, daß der dortige Gutsbesitzer Kunst auf Fern­sicht, der eine größere Plantage air Samoa besitzt, sich dieser Tage in Begleitung eines Obergärtners, mehrerer Gärtner und Handwerker, sowie weiblichen Dienstpersonals nach Samoa eingeschifft hat. Herr Kunst will, nachdem die Inselgruppe demsch geworden ist, auf Samoa aus­gedehnte Ananastreibereien und dergleichen einrichten.

Hannover. Manche von den zu den Pf rdemärkten kommenden Zigeunern verfügen über außergewöhnliche Geldmittel, die ihnen einen extravaganten Luxus ermög­lichen. So hat im Laufe des Sommer ein Zigeuner bei einem Goldschmidt zwei Paar massiv goldene Sporen bestellt; die Räder mußten aus 20-Mark Stücken hcrgc- stellt werden. Ein Anderer aber will anscheinend den Ersteren noch überbieten oder bei einer schwarzäugigen Pusztalochter ausstechen: er trägt zwar nur silberne Sporen, aber neuerdings hat er einem Goldschmied den Auftrag gegeben an 300 eingelieferte 20-Mark-Stücke goldene Oesen zu löthen und an 40 Fünfmarkstücke silberne. Aus den Münzen sollen Ketten hergestellt werden, die dann als Camisolbesatz dienen sollen.

Aus Schlesien. Auch eine Illustration zur Dienst­botenfrage. Eine herrschaftliche Köchin in einem Land­orte Schlesiens suchte jüngst anderweite Stellung au* dem Wege des Inserats. Sie erhielt in kürzester Frist 93 Angebote, darunter 12 telegraphische, wovon das eine Telegramm 43 Worte zählte. Die Thatsache klingt einigermaßenamerikanisch", ist aber der Wirklichkeit entlehnt.

Benthen. Ein großes Grubenunglück auf der Ludwigsglückgrube" entstand Mittwoch Abend nach 6'/s Uhr durch Entzündung von Grubengasen unter Tage. Die Centralverwaltung im Borsigwerk entsandte sofort den Generaldirector Merklin, Bergwerksdirector Moll, den Obersteiger Thun und Oberaufseher Kunze zu der brennenden Grube. Dieselben fuhren ein. um die unter Tage befindlichen zwölf Bergleute zu retten, mußten jedoch während der Fahrt das Nothsignal geben und wurden wieder aufgezogen, wobei Director Atoll und Obersteiger Thun mehrere Brandwunden erlitten und nach Zabrza ins Lazareth gebracht werden mußten. Ein Obersteiger und ein Steiger der Grube, welche vor­her Retttungsversuche gemacht hatten, wurden betäubt zu Tage geordert und ebenfalls ins Lazareth gebracht. Das Schicksal der unter Tage befindlichen zwölf Berg­leute scheint durch das Feuer besiegelt. Abends gegen 10 Uhr kam das Feuer durch den aus Holz gezimmerten Schacht zu Tage, setzte das Förderhaus, den ^ölderthurm Und die umliegenden Gebäude' in Brand. Es ^vurde -as Alarmsignal gegeben, und die benachbarten Feuer- Mhren fußten bisher vergeblich, das Feuer zu löschen.

Ausland.

Wien, 20. November. DemNeuen Wiener Tage­blatt" wird aus Cetinje gemeldet, daß die finanziellen Verlegenheiten des Fürsten von Montenegro ihren Höhe­punkt erreicht haben. Die Zeit sei nicht ferne, wo Montenegro den Staatsbankcrott erklären werde.

Cherson 21. November. Eine schreckliche Katastrophe hat sich eine Meile von der Stadt ereignet. Bei der Ueberfahrt über den Duieper ist eine Fährte mit 40 Personen versunken. Nur 10 Personen konnten durch herbeigeeilte Personen gerettet werden.

London, 20. November. In Aldershot wird, wie dieDaily Mail" schreibt, ein Versuch mit einem gigantifden Damp Pflug gemacht, der zwölf Fuß tiefe Trancheen aushebt und die Erde zur Seite wirft, so daß die Infanterie so ort einrücken kann. Verschiedene Exemplare sollen nach Südafrika gehen.

London 23. November. DieDaily Mail" erfährt, daß eine sechste Division für Südafrika in Aldershot mobilisirt wird Inzwischen gehen aus Frankreich und Rußland hochgestellte Oifiziere nach Transvaal ab. Darunter der frühere Kommandant der Grodno Husaren, jetzige General Seletz, um eine höhere Kommandostelle bei den Buren zu übernehmen.

* Vom Kriegsschauplatze in Südafrika. Ueber das siegreiche Sorbin gen der Boeren auch auf dem west­lichen Kriegsschauplätze liegen endlich offiziöse Nachrichten vor. Sie haben eine Anzahl Orte an der Caplandgrenze in ihren Besitz gebracht. Wichtiger noch als diese Er- 'olge ist aber die Thatsache, daß Alles zu einer allge- nc neu Erhebung der Afrikander bereit ist, und daß die Bevölkerung der Cap-Colonie nicht länger geheim, sondern offen mit den Stammesbrüdern in Transvaal gemein- ame Sache machen wird.

Durban, 23. Okt. Alle Privatbriefe von Buren, welche hier eintrafen, geben die Gewißheit, daß die Buren in Gewaltmärschen auf Pictermaritzburg los­rücken. Eine große Abtheilung von über 10000 Mann und Artillerie unter dem Befehl des General Joubert steht bei Howick, 25 Meilen von Pictermaritzburg.

Die Nachrichten aus dem Buren-Kriege laufen immer spärlicher ein. Jetzt haben die Engländer auch noch das letzte Kabel gesperrt, was für andere Menschen als Engländer offen stand, und das spricht nicht wenig gegen die Engländer und ihr Kriegsglück. Die Städte Ladysmith und Kimberlay werden heftig von den Buren belagert. Aber die Buren mögen sich beeilen mit der Belagerung. Sonst kommen am Ende die neuen eng­lischen Verstärkungen früher an, als die Buren diese Städte einnehmen. Und das könnte ihnen doch schlecht bekommen.

Sydney. In Anbetracht des Wunsches Deutschlands, sich in den englischen Einflußsphären in Polynesien fest­zusetzen, wächst hier das Verlangen, Neu Guinea ganz britisch zu machen, durch Zugeständnisse an anderen Stellen. Der Premir von Neu-Süd-Wales, Lynne, ist von einflußreicher Seite ersucht worden, die britische Re­gierung darum anzugehen. Er erwiderte jedoch, dieses Verlangen sei zwar äußerst wünschenswerth, es sei aber wegen des Krieges inopportun, die Regierung jetzt zu drängen. Also später! Das sind recht angenehme Aus­sichten.

München. Die bayerische Regierung und das Klein­gewerbe. Auf Veranlassung der bayerischen Regierung wird in München im nächsten Jahre eine Ausstellung von Betriebsmaschinen und Gerüchen, wie sie namentlich für das Kleingewerbe gebraucht werden, stattfinden. Die Ausstellung soll die Kleingewerbetreibenden und Hand­werker mit den Vortheilen der verbesserten Arbeits­methode vertraut machen, zur Bildung von Werk- und Kreditgenossenschaften, zur Errichtung von genossenschaft­lichen Betriebswerkstätten und zur Anschaffung von Kraft- und Arbeitsmaschinen, sowie von modernen Werk zeugen überhaupt anregen. Vom Landgericht wurde der Braumeister einer der wenigen noch bestehenden kleinen Brauereien zu 150 Mk. wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz verurtheilt. Drei Gehilfen sagten nämlich unter Eid aus, daß dreimal in je einem Sud Bier zu 30 Hektoliter sich je eine mitgekochte Ratte vor- gefunben habe. Das Bier sei aber nicht wcggcschüttct, sondern ausgeschänkt worden. (Ja, wenn man Alles wüßte!)

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Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtcr», 24. November.

Ein etwa 32 Jahre alter unbekannter Mann, 1,65 bis 1,70 Meter groß, röthliche Haare, kurzge­schnittener Vollbart, röthllcher Schnurrbart, trägt Kneifer, hat Ende Oktober in verschiedenen Geschäften in Bremen Waaren gekauft und dabei außer Kurs gesetzte Dollar­noten der Vereinigten Staaten von Amerika in Zahlung gegeben. Der Schwindler, der noch im Besitze einer größeren Anzahl gleicher Noten über 20 und 5 Dollar gewesen ist, hat sich von Bremen entfernt und ist anzu- nehmen, daß er seine Schwindeleien auch in anderen Städten fortsetzen wird, weshalb vor demselben ge­warnt wird.

Cassel, 24. November. Der Provinzial-Ausschuß für die Provinz Hessen-Nassau tritt zu einer Sitzung am 6. Dczbr. d. I. hier zusammen. Der Provinzial- Landtag wird im Februar 1900 hier tagen

Cassel, 19. November. (Gegen die Ablösung der Neujahrskarten.) Der Deutsche Papier-Verein, Zweig- Verein Hessen Nassau mit dem Sitz in Cassel, hat in einer dieser Tage hier abgehaltenen Hauptversammlung beschlossen, gegenüber der neuerdings vielfach beliebten Ablösung der Neujahrskarten-Wünsche durch Geldgeschenke für die Armenpflege oder andern Wohlthätigkeitszwecke Stellung zu nehmen. In der über diesen Antrag des Vorstandes Hervorgeru enen Debatte sprachen sich sämmt­liche Redner für ein einmüthiges Vorgehen aus, indem sie darauf Hinwiesen, wie nicht nur durch die Fabrikation dieser Neujahrskarlen-Jndustrie Hunderte von Existenzen in Stadt und Land lohnende Beschäftigung fänden, sondern auch die Buchdruckercien, Papiergeschäfte und verwandten Gewcrbszwcige an der gedeihlichen Ent­wickelung dieses Zweiges der Papier-Industrie ein dringen­des Interesse hätten. Die Versammlung nahm einstimmig den Antrag des Vorstandes an, wonach ein Circular an alle Interessenten, insbesondere an die Behörden, Be­amten und Geschäftsleute ver andt werden soll, worin unter nähererBegründung auf die einschneidende Schädigung hingewiesen wird, welche Fabrikanten, Händlern, Arbeitern rc. zutzefügt wird. wenn die Gepflogenheit, die Versendung von Neujahrskarten-Wünsche durch Geldgeschenke für andere Zwecke :c. abzulösen, noch weitere Kreise ziehe. Es ergehe deshalb die Bitte an Alle, von der bisherigen Gepflogenheit Abstand zu nehmen.

Großaimcrode, 17. November. Ein alle Gemüther tief erschütternder Unglücksfall ereignete sich heute vor dem östlichen Thore der Stadt in der Mittagsstunde. Einige Frauen wollten ihren in der Graphit Schmclz- tiegelfabrik des Herrn Kleinvogel arbeitenden Männern das Mittagessen bringen und gingen auf der nach Witzen- haustn führenden Landstraße. An der etwas abschüssigen Wcgstelle vor dem Hof Niedergut fuhr hinter den Frauen ein miteinem Pferde bespannter. nnb mit Kohlen be= ladener Wagen. Der Fuhrmann, ein Bürschchen von 1617 Jahren, saß auf dem Wagen und unterließ des­halb das Bremsen. Angeblich infolge Reißens eines Geschirrtheiles kam der Wagen plötzlich ins Rollen und fuhr zur Seite. Die Frauen wichen schnell aus; doch die Frau des Tiegeldrehers Friedrich Peter kam dabei zu Fall, und die Räder des Wagens gingen der Un­glücklichen über Hals und Brust, was ihren sofortigen Tod zur Folge hatte. Die so jäh aus dem Kreise ihrer Familie herausgerissene Frau hinterläßt außer dem tief­gebeugten Gatten sechs noch unerzogene Kinder.

Wildlingen, 19. November. Die Konstituirung der neuen Aktiengesellschaft zur Uebernahme des beweglichen und unbeweglichen Vermögens der bisher in Bad Wil- dungen bestehenden alten MlneralquellemAktiengesellschaft und zur Bewirthschaftung des Bades Wildungen und der Wildunger Mineralquellen ist nunmehr erfolgt. Die Firma lautet: Aktiengesellschaft der Wilduuger Mineral- Quellen.

Vermischtes.

Daß dem verewigten Kaiser Wilhelm I. zwei Glieder des rechten Zeigefingers fehlten, diese Thatsache dürfte wenig bekannt sein. Tiefversteckt im Tannen- dickicht erhebt sich in dem Lanker Forst, unweit Bernau in der Mark, auf einem Unterbau von Feldsteinen ein schlanker Granit-Obelisk mit der Jnschrit: 1819, 16. Dezember. Dies ist der Kaiserstein, errichtet zur Erinnerung an einen Jagdunfall des alten Kaisers, der an jenem Tage als 22jähriger Prinz eben zum General