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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

.M 93. Mittwoch, den 22. November 1899. 50. Jahrgang.

Amtliches.

Bekanntmachung.

In letzter Zeit sind hier und da Fälle vorgekommen, daß Schlachtschweine wegen Vorgefundener Tuberkulose vergraben werden mußten, ohne daß der Besitzer selbst wenn er versichert hatte irgend welche Entschädigung erhielt.

Der Borstand der Kreisviehversicherungs - Anstalt hat deshalb beschlossen, daß von jetzt ab alle diejenigen Besitzer, welche Schlachtschweine gegen Verlust durch Trichinen und Finnen bei der Kreisviehversicherung versichern (rothe Scheine) auch gegen Verlust durch Tuberkulose versichert sein sollen, ohne daß eine Er­höhung der seitherigen Prämie stattfindet.

Die Versicherungsscheine, rothe gegen Verlust durch Trichinen, Finneu und Tuberkulose, Prämie 1%, weiße gegen Verlust nur durch Trichinen Prämie '/s°/o, des Schlachtwerths, müssen spätestens einen Tag vor dem Schlachten bei dem betreffenden Ortsvertreter eingelöst werden.

Die Herren Ortsvertreter wollen auf den rothen Scheine hinter das WortFinnen" noch zusetzenund Tuberkulose."

Eine ortsübliche Bekanntmachung und möglichste Verbreitung dieser Bekanntmachung in bäuerlichen Kreisen und bei den Hausmetzgern ist wünschenswerth, um die Besitzer von Schlachtschweinen vor Schaden zu bewahren.

Schlüchtern, den 14. November 1899.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Nov. DieHohenzollern", mit der kaiserlichen Familie an Bord, ist heute früh 7 Uhr in Pontsmouth eingelaufen, empfangen von der Torpedo­flotte. Ueber der See und dem Hafen lag dichter Nebel, das Wetter war sehr kalt. Eine sehr zahlreiche Menge erwartete die Majestäten am Ufer und begrüßte sie leb­haft beim anLandgehen. Der Kaiser ist an Bord der Hohen­zollern" Sonntag früh 3'/g Uhr vonÄrunsbüttclkoog nach England in See gegangen. Kaiser Wilhelm 11 hat in einGoldenes Buch des deutschen Volkes an der Jahr­hundertwende", welches die Buchhandlung von Weber in Leipzig vorbereitet, die nachfolgende Eintragung ge­macht :Von Gottes Gnaden ist der König, daher ist er auch nur dem Herrn allein verantwortlich. Er darf seinen Weg und sein Wirken nur unter diesem Gesichts­punkt wählen. Diese furchtbar schwere Verantwortung, die der Könige für sein Volk trägt, giebt ihm auch ein ein Anrecht auf treue Mitwirkung seiner Unterthanen. Daher muß ein jedermann im Volk von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß er für seine Person mitverant­wortlich ist für des Vaterlandes Wohlfahrt. Wilhelm I R."

UcberMasscnerkrankungen unter den Mannschaften der Berliner Garnison, die durch Vergiftung mit stark solaninhaltigen Kartoffeln verursacht ist. wird in der Dtsch. Medizin Wchschr. berichtet. Das Solanin findet sich besonders in den Keimen, welche die Kartoffeln während des Frühjahrs im Keller treiben. Es erkrankten 56 Mann, die Salzkartoffeln gegessen hatten, in denen be­trächtliche Mengen des überaus giftigen Solanins nach- gewiesen werden konnten. Fast alle, die von den Kar­toffeln genossen hatten, litten an Fiebererscheinungen, Kopfschmerz, Schwindel. Also Vorsicht bei der Ver­wendung keimender oder nicht völlig ausgereifter Kar- tosfcln. ,

München. In der letzten Sitzung des Münchener VerwaltungSsenats machte Bürgermeister v. Borscht eine erstaunliche Mittheilung. Am vergangenen Donnerstag erschien bei Bürgermeister v. Borscht eine Dame und erzählte, daß sie bei einem Silberarbeiter einen silbernen Lorbeerkranz vorfand, denzim Jahre 1871 die Stadtge­meinde München ihrem großen Ehrenbürger Geh. Rath Dr- v. Nußbaum gewidmet hatte! Die Dame erwarb den aus dem Nachlasse des großen Gelehrten und Menschen­freundes zum Verkaufe gelangten Kranz und machte ihn dem Historischen Stadtmuseum zum Geschenk. Bei dem­selben Silberarbeiter fanden sich auch die silbernen Eck beschläge und das silberne Mittelstück einer Adresse, die die Stadtgemeinde einst dem Geheimen Rath Dr. von Nußbaum bei Verleihung des Ehrenbürgerrechts ge- widmet hatte. Bürgermeister v. Borscht fügte seiner Mittheilung bei, Rechtsrath Wölzl werde der Sache näher nachgehen, dainit die Pietät, die die Erben außer Acht ließen, von Seiten der Stadtgemeinde geübt werde.

Alzey, l3. Nov. Am Amtsgerichte der rheinhessischen Kreisstadt Alzey herrschen, wie jetzt offenkundig wird, Zustände, die kaum glaublich erscheinen. DieRH. Volksztg." schreibt darüber: Urtheile wurden gar nicht oder nur theilweise vollstreckt, da bei dem Schlendrian der Gerichtsschreiberei alles liegen blieb oder nach ge­raumer Zeit und selbst dann nicht regelrecht erledigt wurde. Das konnte nur geschehen, weil der gemüthliche Oberamtsrichter nichts sah oder sehen wollte. Daß aber auch Schlimmeres passirte, kommt jetzt, nach dem Tode des Oberamtsrichters zu Tage. Es sind z. B. Sporteln in hohen Beträgen unterschlagen worden und gefälschte Stempel in Anwendung gekommen. Vor einigen Tagen wurde der Gerichtsschreiber verhaftet, und jetzt ist auch der Hilfsgerichtsschreiber in Haft genommen worden.

Nörten, Reg.-Bez. Hildesheim. Dieter Tage wurden wir von mehreren Trupps Zigeuner heimgesucht, welche einen lebhaften Pferdehandel betrieben. Ein kleines lOjähriges Mädchen hiesiger Eltern, welches sich einem Zigeunerwagen näherte, wurde von einer Zigeunerin an- gelockt und flugs in den Wagen gezogen. Ein Nachbar des Mädchen eilte herbei und nahm der Zigeunerin das erschreckte Mädchen wieder ab.

Ausland.

Wien, 18. November. Die Vermählung der Kron­prinzessin-Wittwe Stephanie mit dem Graten Elemer Lonyay soll schon in nächster Zeit, noch in diesem Monat erfolgen. Man schließt dies daraus, daß ihre Tochter, die sechzehnjährigige Erzherzogin Elisabeth morgen, an ihrem Namenstage, durch ein kaiserliches Dekret für großjährig erklärt und die bisherige Vormundschaft des Kaisers über sie ausgehoben wird. Sie erhält einen eigenen Hofstaat und wird die Appartements ihrer Mutter in der Wiener Hofburg bewohnen. Die Kronprinzessin- Wittwe bcgiebt sich in einigen Tagen nach Ungarn, wie man glaubt, um dort die nöthigen Vorbereitungen zu ihrer Vermählung zu treffen. Vielleicht er olgt in diesen Tagen schon die Civiltrauung in Ungarn, der dann die öffentliche kirchliche Trauung folgen wird.

Komorn, 16. November. Heute wurde in der Moc- faer Folterungsaffaire nach 6tägiger Verhandlung das Urtheil gesprochen. Der Stuhlrichter Koloman Szabo wurde zu dreijährigem Kerker, der Rechnungsbeamte Gedeon Molnar zu 3'/-jährigem Kerker, der Notar- Ludwig Göbel zu einjährigem Gefängniß und der Orts­richter Ozunyi zu viermonatlichem Gefängniß verurtheilt. Sämmtliche Verurtheilt'e legten Berufung ein.

Amsterdam. Bei dem Erdbeben auf Ceram in Holländisch-Ostindien, das in der Nacht vom 29. bis zum 30. September stattfand, sind nach vorläufiger Schätzung 4000 Meirichen umgekommen und 500 ver­wundet. Mehr als 1000 Leichen sind auf Saparua gefunden worden. Der angerichtete Schaden ist ein ganz bedeutender. Das Elend spottet aller Beschreibung.

Amsterdam, 9. Nov. In hiesigen den Afrikandern nahestehenden Kreisen heißt es heule, daß Ladysmilh bereits gefallen sei. General White sei schwer verwundet und 2000 Eugländer nach schweren Verlusten als Ge­fangene den Buren in die Hände ge allen.

London, 9. Nov. Privatberichten aus Durban zu­folge versuchte General White am 1. November einen Ausfall aus Ladysmith. Er erlitt eine vernichtende Niederlage. Ueber 1000 Mann sind gefallen oder ge­fangen genommen. Fast sämmtliche höheren Offiziere sind getödtet.

London. Durch den Boerenkrieg ist die sogenannte gute englische Gesellschaft in eine bisher nie erlebte Auf­regung gebracht worden. Die vornehmen Familien Eng­lands haben. so schreibt man der Voss. Ztg., eine ganz erstaunlich große Zahl ihrer Söhne nach dem Kriegs­schauplatz abgeschickt. In Mafeking kämpft unter dem kecken Obersten Baden-Powell ein Sohn des Minister­präsidenten Salisbury. Der Kriegsminister Lord Lons- downe hat zwei Söhne in dem Armeekorps, das Sir Buller innren wird. Lord und Lady George Hamilton, der Erstere Sekretär für Indien, sollen zusammen 13 Neffen im Heere haben, das in der Kapkolonie steht oder dorthin unterwegs ist. Diese Lords gehören der Re­gierungspartei an. Aber auch die liberalen Adeligen sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Wenn gegenwärtig in Afrika int Verhältniß mehr Offiziere fallen als gemeine Soldaten, so ist das den Militär Behörden eher ange­nehm. Es ist ja viel leichter, OMm anfMMben,

M»»»n»KnMa als gemeine Soldaten anzuwerben. Man glaubte ja nicht, daß die Abschaffung der Käuflichkeit der Offiziersstellen es unbegabten jungen Leuten unmöglich gemacht hat, die militärische Laufbahn einzuschlagen. Es ist ihnen allerdings erschwert worden, seit der Eintritt in die Militärschule an die Ablegnng einer Prüfung geknüpft ist. Aber unmöglich ist's nicht; wenn ein vornehmer Dümmling in allen Prüfungen durchgefallen, tritt er als Offiziersbewerber in die Miliz ein und schlüpft durch diese Hinterthür als Leutnant der Milizen, bte alljährlich als Reserven in das stehende Heer eintreten, in ein Linienregiment, wo er der Beförderung ebenso sicher ist, wie wenn er die allerschwicrigsten Prüfungen glänzend bestanden hätte.

Oberst Schiel beschwerte sich schriftlich bei General Buller, daß er als gemeiner Gefangener behandelt wird. Er verlangt, wie General White versprochen, die Ent­lassung aus Ehrenwort. General Buller erwiederte, er bedauere Schiels Situation, könne sie aber nicht ändern.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 21. November.

* Herrn Hauptmann z. D. Hallwachs zu Fulda wurde unter Enthebung von der Stellung als Bezirks­offizier beim Landwehrbezirk Fulda und Ertheilung der Aussicht auf Anstellung im Civildienst, mit seiner Pension und der Uniform des Jnf. Regts. Nr. 130 der Abschied bewilligt.

* Der Hauptmann z. D. und Bezirksoffizier Langer beim Landw-Bezirk Molzheim, ist zum Landw.- Bezirk Fulda (Haupt-Meldeamt) versetzt worden.

" Heilighaltung des Bußtages und Todtenfestes. Nach den herrschenden Gesetzesbestimmungen dürfen am Vorabend des auf Mittwoch, 22. November, fallenden Bußtages, sonne am Todtenfeste, Sonntag. 26. Novem- uer, weder öffentliche noch private Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten veranstaltet werden. Konzerte sind nur gestattet, wenn das in Frage kommende Pro­gramm der zuständigen Polizeibehörde rechtzeitig einge­reicht ist und von dieser genehmigt wird. Am Bußtage selbst dürfen außerdem öffentliche theatralische Vor­stellungen und sonstige Lustbarkeiten nicht stattfinden.

* Für die militärpflichtigen Lehrer beginnt mit dem Januar 1900 die einjährige Dienstpflicht, sei es als Einjährig-Freiwillige, sei es auf Staatskosten. Viele Lehrer werden wegen der damit verknüpften Begünstigungen die erste Art des Dienens wählen, was freilich mit Kosten verknüpft ist. Wer nicht über eigene Geldmittel verfügt, ist dann gezwungen, ein Darlehen aufzunehmen. Damit die Lehrer dabei nicht in unrechte, vielleicht gar in Wucherhände gerathen, hat die Spar- und Darlehns- kasse für Lehrer und Lehrerinnen. zu Breslau für die Ausnahme von Darlehen zu dem genannten Zweck be­sondere Bestimmungen eingeführt, die als günstig bezeichnet werden müssen.

Elm, 17. November. Wie verlaute sind die bayrisch­preußischen Verhandlungen, die sich auf die Schaffung von Nachtschnellzügen, sowie aus die Einrichtung von direkten Schnellzügen zwischen München und Hamburg über Würzburg-Elm Fulda bezogen, jetzt gänzlich abge­brochen worden. Es haben diese zwei Fragen bereits vier Fahrplankonferenzen mit stets negativem Ergebniß beschäftigt, sodaß auf eine Lösung der Angelegenheit im Sinn der bayrischen Staatsbahnverwaltung in absehbarer Zeit nicht zu rechnen ist. Es sind hierbei lediglich fiskalische Interessen maßgebend, die Preußen durch Billigung der bayrischen Vorschläge nicht für genügend gewahrt erachtet.

Kleinlüder, 15. Nov. Herr Mühlenbesitzer Sander von hier hat gestern in der Lüder eine Fischotter von 22 Pfund Gewicht erlegt. Es ist dies seit 8 Jahren die 25. Otter, die Sander erlegt hat. Besitzer von Fischereigewäfsern seien darauf au merksam gemacht, daß bei der jetzt erfolgenden Laiche der Forellen diese Fischräuber ihr Unwesen treiben.

Hünfeld, 13. November. Herr Richard Müller- Fulda macht im hiesigen Kreisblatt folgendes bekannt: Zum Eisenbahnbau Hün eld-Vacha. Da das Zustande­kommen der Eisenbahnlinie Hünfeld-Vacha hauptsächlich davon abhängig ist, daß ein hinreichender Frachtverkehr in Aussicht gestellt werden kann und hierbei ' rübenbau hauptsächlich in Betracht kommt, 1 Förderung des Zuckerrübenbaues im Kreise 5