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nach Constantine abgereist, um den Verlauf der Seuche zu studieren. — Von wohlunterrichteter Seite wird be­stätigt, daß die Pest vor drei Wochen in Philippeville, jedoch in sehr milder Form aufgetreten ist. Die Krank» heit hat sich bisher nicht ausgebreitet, sondern blieb auf einige Fälle beschränkt. Die Regierung traf mit vollem Erfolge umfassende Vorsichtsmaßregeln, insbesondere ließ sie in großem Maße Schutzimpfungen vornehmen. Ob die Pest aus Indien oder Oporto eingeschleppt worden ist, hat noch nicht festgestcllt werden können.

Transvaal. Es läßt sich nicht verkennen, daß die Lage der Engländer in Südafrika ungünstig ist. Die Nachrichten gehen immer spärlicher ein, obgleich die dortigen Vorgänge anscheinend gerade jetzt reichlich Ge­legenheit zu interessanter Berichterstattung geben müßten Die Buren haben die englischen Truppen in Ladysmith vollständig eingeschlossen und sind im Besitz der Bahn nach Durban. Auch im Süden haben die Buren einen bemerkenswerthen Erfolg aufzuweisen, indem sie die Eng­länder aus Colenso vertrieben. Sehr bedenklich für die Engländer ist, daß die holländischen Elemente in Süd' afrika zum großen Theil auf die Seite der Buren treten. Es gährt nicht nur in Natal, sondern auch im Kaplande.

— Munitionsvorrath der Buren. Gegenüber den englischen Ausstreuungen, daß die Buren auf die Dauer unterliegen müßten wegen Patronenmangels, ist die „Tgl. Rundschau" in die Lage versetzt, Folgendes mit- zutheilen. Da die Transvaalregierung infolge der Aktion Chamberlains die Unvermeidlichkeit des Krieges erkannte, ließ sie sich von sachverständiger Seite den auch auf die längste Kriegsdaucr erforderliche Patronenbedars berechnen. Dabei wurde der deutsch-französische Krieg zu Grunde gelegt und festgestellt, daß die deutsche Armee in diesem Kriege 18 Millionen Patronen gebraucht habe. Um ganz sicher zu gehen hat sich, dieser Berechnung folgend, die Burenregierung das Doppelte, also 36 Millionen Patronen bestellt und verschafft. Rechnet man da­zu das sparsame Schießen der Buren, so ist die englische Hoffnung aus Patronenmangel offenbar aussichtslos.

Lokales und Provinzielles.

* Schtüchter«, 14. November.

* — Herr Steuersecretär Bayer dahier ist nach Hofgeismar versetzt worden.

Neuhof, 10. Nov. Auf einer Jagd wurde hier in der Nähe ein Vogel erlegt, der in unseren Gegenden bis jetzt noch nicht vorgekommen ist und dessen Gattung nicht festgestellt werden konnte. Der Vogel hat die Größe eines Raben, sein Gefieder ist prachtvoll schwarz mit grün, sein Schnabel ist lang und spitz, an jedem Ständer hat er drei Klauen. •

Herchenhain, 10. Nov. Eine schöne Einnahmequelle erwuchs diesen Sommer den ärmeren Bewohnern unseres Dorfes, indem Herr Bürgermeister Seb. Weidner nahe, zu. 3000 Mark für den Einkauf von Himbeeren veraus­gabte, wodurch mancher Familie an 200 Mark auf leichte Art verdient worden sind. Auch kauft dasselbe Geschäft jetzt Schlehen das Pfund zu fünf Pfennig.

Hünseld, 8. November. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern in dem zum Kreise Hünseld gehörigen Dörfchen Mengers zugetragen. Zwei Brüder, Namens Adam und Anton Gümpel, Maurer, waren von der Arbeit zu Hause geblieben, um einen ihnen gehörigen Brunnen tiefer zu graben. Hierbei sind sie nun ver­unglückt, auf welche Weise dies geschehen, konnte man noch nicht in Erfahrung bringen. Vermuthlich hat das Erdreich in dem Brunnen nachgegeben und hat die beiden Brüder, die sich in dem Brunnenschacht befanden, verschüttet. Anton Gümpel war so ort todt, während sein Bruder so schwer verletzt wurde, daß er in das Landkrankenhaus nach Fulda gebracht werden mußte.

Rotenburg, 9. Nov. Unter den Deutschen, die unter dem Kommando des Oberst Schiel für die. be­drängten Buren-Republiken kämpfen, befindet sich auch ein geborener Rotenburger, der jüngste Sohn Louis des hiesigen Stiftkämmerers Herrn Klippert. Zur Zeit der Abfindung der letzten, vorige Woche hier eingelaufenen Nachrichten befand sich der Genannte noch beim Wacht- kommando in Johannesburg.

Kassel, 8. Nov. In welchem Umfange das Rind­vieh in unserem Regierungs-Bezirke von der Maul- und Klauenseuche hcimgcsucht ist, ergiebt sich aus folgender amtlichen Zusammenstellung. Es sind gegenwärtig fol­gende Ortschaften verseucht: Landkreis Kassel: Großen- ritte. Kreis Eschwege: Herleshausen, Wanfried. Kreis Fritzlar: Dorheim, Lohne, Fritzlar, Zennern, Gleichen, Niedenstein, Zimmersrode, Wichdorf, Gilsa, Großenenglis, Gudensberg, Bischhausen, Kleinenglis, Dorla, Waltcrs- brück, Zwesten, Geismar, Obermöllrich, Wabern, Metze, Haddamar. Kreis Fulda: Hosenfeld, Maberzell, Buchen- rod, Hainzell, Rückers, Johannesberg, Gersrod, Neuen­berg, Eiters, Steens, Besges, Rothcmann. Kreis Gcln- Hausen: Höchst, Röhrig, Lichenroth, Niedergründau. Kreis Gersfeld: Thalau, Gersfeld, Wüstensachscn. Kreis Hanau: Marköbel, Großkrotzenburg, Eichen, Bergen. Kreis Hoigeismar: Papiermühle (Hofgeismary Mcim- pressen, Westuffeln. Kreis Homberg: Welferode, Borken, Nassenerfurth, Gilserhof, Trockenerfurth, Homberg, Gom- beth. Kreis Hünfeld: Oberufhausen, Unterufhausen, Schlotzau, Gotthards, Schwarzbach. Kreis Kirchhain: Wohra, Stausebach, Neustadt. Kreis Marburg: Gold­

mühle (Hachborn), Ebsdorf, Leidenhofen, Wittelsberg, I Heskem, Erbenhausen. Kreis Melsungen: Niedervor- schütz. Kreis Rinteln: Heßlingen, Fischbeck, Großen-; wieden, Kohlenstedt, Hohenrode, Ahe, Rambeck, Hcßcn- dorf, Oldendorf, Fühlen, Kleinwieden. Kreis Schlüchtern: Schlüchtern, Hintersteinau, Reinhards, Elm, Bellings. Kreis Schmalkalden: Mittelschmalkalden. Kreis Wolf­hagen: Jstha, Mcrxhauscn, Altendorf, Elbcrbcrg. Sand, Heimarshaufen, Elben. Kreis Ziegenhain: Loshausen, Steina, Allendorf a. L., Rommershausen, Ascherode, Michelsberg, Dittershausen, Rörshain, Zclla, Röllshausen, Leimsfeld, Ransboch, Wasenberg, Salmshausen.

Von der Werra, 7. Nov. Im Werrathale, insbe­sondere in der Umgegend von Allendorf sind gegenwärtig die Aufkäufer mit dem Ankaufen des Tabaks von den Anbauern für die auswärtigen Fabrikanten beschäftigt. Es werden 26—27 Mark pro Centner geboten, ein Preis, der den vorjährigen um 4 - 5 Mark übersteigt, ein Umstand, der hoffentlich dazu beitragen wird, daß die Landwirthe im Werrathale wider mehr als seither sich dem Tabakbau zuwenden. Denn, im laufenden Jahre ist bei Weitem nicht so viel angebaut als in früheren. Die Qualität ist dieses Jahr durchweg sehr gut.

Kirchhain, 8. Nov. Wie vorsichtig man im Um­gänge mit Thieren, welche an Seuchen erkrankt sind, sein muß, zeigt folgendes Voikommniß. In dem nahe gelegenen Reddchansen brach vor einiger Zeit unter dem Rindviehbestand des Gutspächters Henkel die Maul- und Klauenseuche aus. Der Schweizer des Hofes hatte an der Hand eine kleine Wunde und fütterte, ohne die Hand zu verbinden, die erkrankten Thiere. Hierbei muß etwas von dem Seuchengitt in die Wunde ge­kommen sein, denn nach einigen Tagen bildete sich an der Hand und am dem Arm eine starke Geschwulst, welche ihn zwang, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch bald darauf zeigten sich im Gesichte Eiterbeulen in ganz bedenklicher Weise, daß der Patient nach Marburg in die chirurgische Klinik überführt werden mußte, wo Blutvergiftung fcstgestellt wurde. Auch die Frau des Schweizers ist unter denselben Erscheinungen erkrankt. Dieser Fall zeigt also, daß die Krankheit vom Vieh auf den Menschen wohl übertragbar ist.

Limburg, 9. Nov. In einer Streitsache des hiesigen Magistrats gegen Herrn Gafiwirih M. hat nunmehr das Oberverwaltungsgericht das enbgiltige Urtheil ge­sprochen. Der Gastwirth M. hatte zur Feier des Ge-; burtstages des deutschen Kaisers ein Festessen mit Musik । veranstaltet und dazu durch Annonce eingeladen. Der Magistrat erblidte in dieser Festlichkeit eine Lustbarkeit und veranlagte den erwähnten Gastwirth nach vorherigem Einspruch zu 10 Mk. Lustbarkeitssteuer, da es sich um eine Lustbarkeit handle, welche den Konzerten zuzurcchnen sei. Gegen diese Veranlagung beschritt M. den Klage­weg im Verwaltungsstrcitveriahren und bestritt, daß es sich hier um eine Lustbarkeit handle. Der Bezirksaus­schuß zu Wiesbaden wies die Klage ohne weiteres ab. M. beantragte darauf mündliche Verhandlung und bat um Freisprechung von der geforderten Steuer, da es sich hier nicht um ein Konzert, sondern um eine patriotische Feier handle. Der Bezirksausschuß wies die Klage des Gastwirths M. wieder ab. Diese Entscheidung griff M durch Revision beim Obervcrwaltungsgcricht an und behauptete, der Bezirksausschuß zu Wiesbaden gehe fehl, wenn er hier eine steuerpflichtige Lustbarkeit annehme. Das Oberverwaltungsgericht unter dem Vorsitz des Präsidenten von Roon hob auch die Entscheidung des Bezirksausschusses als unzutreffend auf und stellte den betreffenden Gastwirth von der veranlagten Lustbarkeits- steuer gänzlich frei.

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Eine Erzählung aus den Bergen von L. v. Portali. (Fortsetzung.)

Als sie am andern Morgen oben in dem Pavillon erschien, trat er ihr entgegen; stumm und bleich vor unterdrückter Erregung legte sie die kleine zitternde Hand in die seinige, die er ihr zum erstenmale bot. Auch er war ungewöhnlich ernst, nahm schweigend das Bild und verglich es mit der Landschaft vor ihnen.

„Das ist wundervoll gemalt," sagte er dann, „so treu, so lebensvoll und doch ein wenig idealisirt, wie es echte Künstler thun sollen; Fräulein Fatkland, das Bild möchte ich gern besitzen, wenn Sie nicht schon ander­weitig darüber verfügt haben."

„O nein, nicht dies," sagte sie bestürzt und erglühend, „dies kann ich nicht fortgeben, dies eine malte ich für mich."

Er ahnte es längst, wie es in ihr aussah, jetzt wußte er, daß sie sich von dem Bilde nicht trennen wollte, weil sie ihr Herz, ihre ganze Seele hineingemalt, weil es verwoben war mit dem Zauber ihres Beisammenseins hier oben.

„So lassen Sie das Bild mit der Malerin zusammen mein sein," sagte er mit vor Leidenschaft bebender Stimme. „Noemi, ich liebe Sie, meine ganze Seele gehört Ihnen, ich kann ohne Sie nicht mehr leben!"

Sie wich vor ihm zurück, sie mußte sich an dem Fenstersims halten, um nicht nmznsinken; es kam ihr zu unerwartet.

„Haben Sie keine Antwort für mich?" fragte er tobtenbleid); „erschreckt sie der Gedanke, mein Weib zu sein und mir in meine Heimath zu folgen?'

„Wir kennen uns so wenig," sagte sie verwirrt, „ich bin so fremd Ihrer Lebensspähre." Sie konnte es nicht glauben, daß dies Glück ernst sein sollte.

„Noemi, Sie lieben mich nicht, wenn Sie solche Be- denklichkeiten haben," sagte er zürnend; „und doch fühle ich, daß Sie mich lieben, wenn ich Sie, daß Sie elend würden, wenn wir uns lassen sollten. Kennen wir uns nicht besser wie Tausende, die den ersten, unwiderruflichen Schritt fürs Leben thun, können Sie mir nicht ver­trauen ?"

Er hatte sie leise an sich gezogen, da schlang sie beide Arme um seinen Hals und weinte die seligsten Thränen ihres Lebens; sie konnte es nur nicht fassen, daß Gott dieses große, übergroße Glück für sie be­stimmt hatte.

„Sieh, Geliebte," sagte er dann, „ich hätte vielleicht noch ein wenig gezögert, das Wort auszusprechen, welches Dir übereilt erscheint; aber Glück und Schmerz liegen oft nahe beisammen im Leben. Heute Morgen erhielt ich die Nachricht von der tödlichen Erkrankung meines alten Vaters; in zwei Stunden muß ich abreisen, aber ich wollte es nicht, ohne mir^mein Glück zu sichern."

Sie blickte traurig zu ihm auf. „Und Dein Vater, wird er es billigen?" fragte sie zaghaft, „ich bin ein einfach erzogenes Mädchen, wird er für feinen Sohn nicht eine Gattin aus seinen Kreisen wünschen?"

„Mein armer Vater wird es vielleicht nicht mehr erfahren, welch' glückliche Wahl sein Sohn getroffen, doch würde er auch roioer Erwarten hergesteUt — er liebt mich und wird Dem nicht entgegen treten, was ich selbst für mein Glück erkenne. Ucbrigens bin ich längst ganz unabhängig und folgte nur meinem Herzen. So­bald sich dort etwas zu entscheiden hat, zum Guten oder Schlimmen, komme ich und hole Dich heim, als mein geliebtes holdes Weib; so lange müssen wir uns ge­dulden."

„Ich warte hier oben auf Dich." sagte sie mit trübem Lächeln, „hier wirst Du mich wiederfinden."

„Wohl, Geliebte, hier suche ich Dich zuerst. Erzähle mir nun etwas von Dir, ich weiß so gar wenig, von Deinem bisherigen Leben, von Deinen Eltern."

„O," unterbrach sie ihn neckend, „wenn ich so prosaisch von meinem Herkommen und Vorleben erzähle, dann ist der poetische Nimbus für Dich dahin."

„Noemi," rief er, sie stürmisch an sich ziehend „strafe mich nicht mit meinem eigenen Wort; erzähle, alles hat Werth und Interesse für mich, was zu Dir in Beziehung steht, und Deine Macht ist jetzt fest be­gründet. Du bist und bleibst eine poetische Blume, die wirklich blaue Blume, die ich hier fand."

Und sie erzählte in kurzen, einfachen Worten, daß ihr Vater ein deutscher Maler gewesen, der zur Vollen­dung seiner Studien nach Italien gekommen und dort ihre Mutter, die junge schöne Tochter seiner Hanswirthin, kennen gelernt. Die Lieoe war bald von beiden Seiten gleich mächtig und so folgte sie ihm später als sein Weib nach München, wo er als Professor einen in der Künstlerwelt hochgeachteten Namen erwarb. Ein Sohn, der ihnen geboren wurde, starb nach zwei Jahren und mit jenem Zeitpnnkt an begann eine tiefe Schwermuth, ein unüberwindliches Heimweh sich der jungen Frau zu bemächtigen. Ihr Gatte wurde ihr durch seinen Beruf zu sehr entzogen, sie fühlte sich einsam in dem rauhen Lande, dessen Sprache sie nicht verstand, in dessen Sitten und Gebräuche sie sich nicht hineinleben konnte. Einen kurzen Moment schien es besser zu werden, als die kleine Noemi geboren war und die Gedanken und Sorgen der Mutter in Anspruch nahm. Aber der Husten, die Mattigkeit und die verzehrende Sehnsucht nach der ge­liebten Heimath kehrten bald in erhöhtem Grade zurück, und so entschloß sich der Professor Falkland, besonders auf Zureden des Arztes, Gattin und Kind zu der alten Mutter nach Italien zu geleiten, hoffend, daß die heimath­liche Umgebung und das warme Klima einen heilsamen Einfluß haben werde. Er selbst mußte in seinen Berufs- kreis nach München zurückkehren. Es schien besser zu werden, als die Kranke sich in der Heimath bei den Ihrigen wußte; doch nur für kurze Zeit; wenige Monate später war die kleine Noemi mutterlos.

Sie blieb bis zum zehnten Jahre bei der Großmutter, da starb auch diese, und der Vater holte sie heim, unter seinen Schutz. Eine alte Verwandte, die er ins Haus genommen, sorgte für die körperliche Pflege, im übrigen aber erzog der Vater sie selbst, und trennte sich fast nie von dem Kinde, welches der geliebten, so früh dahinge- gangenen Gattin immer ähnlicher wurde. Er hatte sie immer um sich, selbst in seinem Atelier, wo er sonst nie­mand duldete. Da lernte Noemi spielend zuerst mit Bleistift und Farben umgehen, und als der Vater ent­schiedenes Talent bei ihr entdeckte, leitete er selbst einen systematischen Unterricht, der für sie eine Quelle unend­licher Freude wurde.

Im Sommer machten sie Erholungs- und Studien­reisen und lernten Länder und Menschen kennen, und da hatten sie sich dann vor einigen Jahren in Thun niedergelassen. Auf einer Reise nach München bald darauf war er plötzlich gestorben und Noemi stand nun Mz allein. Wohl hatte sie einige liebe befreundete