SchlWernerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 90.
Samstag, den 11. November 1899.
50. Jahrgang.
l^ftdhtt1rtM1auf ^ .Schlüchterner Zeitung" SPl^lLUimytlhverben nod) fortwährend von allen . ■ --!-^- 1 'Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Heer «nd Flotte.
Die nicht englische Presse beschäftigt sich eingehend mit Kombinationen darüber, warum englesche Kreuzer und Geschwader in Las Palmas, Kapstadt, Gibraltar und andern Orten stvtionirt werden. Die Muthmaßung, daß eine Belästigung der Truppen-Transporte durch Transvaal'sche Freibeuter zu befürchten ist, kann ohne weiteres von der Hand gewiesen werden. Etwas wahrscheinlicher klingt schon die Nachricht, daß man in Südafrika Schiffe zusammenziehen wolle, um ev. ein starkes Landungskorps gegen die Buren verwendungsbereit zu haben. Auch die Lesart, daß gleichzeitig mit den unumgänglich nothwendigen Truppen - Transporten eine maritime Uebung vorgenommen werden soll, bei der Erfahrungen über den Schutz solcher Transporte nnd des gesammten Seehandels gewonnen werden können, hat viel Wahrscheinliches.
Am meisten zutreffend aber dürfe die Annahme sein, daß es England darauf ankommt zu beweisen, wie stark und mächtig es noch zur See ist, obwohl es mit seinen Armeen in Südafrika engagirt ist. Es will zeigen, daß es über die beiden gewappneten Arme verfügt, Armee und Marine, die heute in der Weltpolitik nicht zu entbehren sind und die allein dazu helfen können, die heimathliche Politik überall und gegen Jeden kraftvoll zu vertreten. Während die Armee den Kampf gegen die Buren führt — mit Recht oder Unrecht sei dahingestellt — stellt die Flotte den warnend aufgehobenen Finger für die andern Nationen dar: „Mischt Euch nicht in meine Angelegenheiten!"
Deutschland sollte sich daran ein Beispiel nehmen und mit raschen Entschluß daran gehen, sich in einer großen Flotte das Instrument zu schaffen mit dem es neben seiner Armee seine unlösbar in das Getriebe der weiten Welt verpflochtenen politischen und wirthschaft- lichen Interessen zu jeder Zeit zu wahren im Stande ist.
Deutschland ist zur See unverhältnißmäßig schwach, und es bedeutet nur eine kluge Staatskunst seiner leitenden Männer, wenn sie ein annäherndes Gleichgewicht zwischen der Land- und Seemacht ^erstellen wollen “
Die selbstverständliche Opposition der Demokraten und Sozialdemokraten wird die Verwirklichung des Planes nicht verhindern können, da diese in der Richtung der natürlichen Entwicklung des Deutschen Reiches liegt. Die „Times" schreiben: „Es ist nur billig, daß Deutschland sich eine Flotte schaffen will, die seinem Handel und seinen kolonialen Interessen entspricht.
Bezeichnend ist, daß ähnlich wie in England, sogar in Frankreich die Berechtigung und die Nothwendigkeit einer Verstärkung der deutschen Kriegsflotte anerkannt wird. Das angesehene „Journal des Debats" beispielsweise schreibt: Im Januar 1887 belief sich die Gesammt- Einfuhr des Reiches auf 2945 Millionen Mark und die Gcsammt Ausfuhr auf 3190 Millionen; 1897 waren diese Ziffern auf 4680 bezw. 3634 Millionen Mark gestiegen. Die deutsche Handelsflotte nahm einen ähnlichen Aufschnitts • ihr Gesammt-Tonnengehalt stieg von 1,284 Millionen^m Jahre 18*7 auf 1,55 Millionen im Jahre 1897, und die in diesen Zahlen einbegriffenen Dampfer vermehrten ihren Tonnengehalt von 453 000 auf 969 OUO Tonnen. Freilich ist auch die Kriegsflotte nicht stehen geblieben. Von 1888 bis 1898 stieg der Ge- sammt- Tonnengehalt der deutschen Kriegsmarine von 189 000 auf 326 000. Um aber mit Erfolg Weltpolitik zu betreiben, wird eine weit mächtigere Flottenöthig."
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Novbr. Der Kaiser wird heute Nachmittag um 3 Uhr 10 Min. seine Reise nach dem Jagd- schlotz Leßlingen von der Station Wildpark aus antreten. Der Kaiser hat dem Staatssekretär Grafen von Bülow das Großkreuz des Rothen Adlersordens verliehen und ihm die Jnsignicn vor dem gestrigen Diner persönlich überreicht.
— Zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien ist unter Vorbehalt der Zustimmung der Vereinigten Staaten ein Abkommen getroffen worden, wonach die Kamoainseln, ausgenommen Tutuila, dem deutschen
für Postschaffner, Briefträger, Telegraphenleitnngsanf- scher u. s. w. bei den Verkehrs-Anstalten bei- einem Gehaltssätze von
900 Mk. in theuren Orten 100 Mk.
1000 „ „ „ „ 70 „
HOO „ „ „ „ 50 „
1180 „ „ „ „ 20 „
900 Mk. in ganz besonders theuren Orten 150 Mk. 1000 „ ....... „ 120 „
HOO „ „ „ ...... 70 „
11^0 „ „ „ „ „ „ 20 „
für Postschaffner bei der Ober-Postdirektionen bei einem Gehaltssätze von
1000 Mk. in theuren Orten 100 Mk.
HOO „ „ „ „ 70 „
1000 Mk. in ganz besonders theuren Orten 150 Mk. HOO „ „ „ „ „ „ 100 „
— Die Verwaltung der preußischen Staatsbahnen hat vor einigen Tagen 580 Lokomotiven, die bis zum 31. Dezember 1900 zu liefern sind, den kartellirten deutschen Lokomotivfabriken in Au trag gegeben. Der Gesammtwert dieses Auftrages beträgt rund 32 Millionen Mark. Ebenso ist verfügt worden, daß die preußischen Staatsbahnen noch im November die Ausschreibung von 8000 Güterwaggons veranlassen.
— Mit dem Inkrafttreten des „Bürgerlichen Gesetzbuches" werden einzelne Personen, die nicht Rechtsanwälte sind als Prozeßagenten bei den Amtsge - geritten zugelassen. Die Erlaubniß wird vom Landgerichts-Präsidenten ertheilt. Diesen Agenten ist das mündliche Verhandeln vor Gericht gestattet. Die neue Einrichtung schließt eine Schädigung des Anwaltsberufs in sich. Der Prozeßagent kann beiden Parteien dienen, Kosten erheben, wie er will, ohne befürchten zu müssen, deshalb von der Anwaltskammer oder dem Ehrengericht zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Hamburg. Nach Deulsch-Südwestafrika. Soeben haben wiederum 17 junge Mädchen unter Führung einer älteren Frau die Reise nach Dentsch-Sädwestafrika angetreten. Die Frau geht mit ihren 5 Töchtern und 4 Söhnen zu ihrem in Südwestafrika wohnhaften ältesten Sohne. Unter den jungen Mädchen befinden sich zwei verlobte Bräute und die anderen erhalten Aufnahme bei deutschen, im Schutzgebiete ansässigen Familien.
Mainz, 6. Nov. Unter den hiesigen Dachdeckern ist eine Lohnbewegung eingetreten, die durch nothwendige Reparaturen zweier Kirchthürme hervorgeru en wurde. Die bei diesen Arbeiten beschäftigten Gesellen verlangen einen Lohnzuschlag, der ihnen auch in der Höhe von 1,50 Mk. pro Tag bewilligte wurde. Von dem Verbände der Gesellen erhielten die Meister nun ein Schriben, daß die Arbeiten auf den Thürmen so ort eingestellt würden, wenn die Gesellen nicht einen Stundenlohn von 80 Pfg. erhielten. Diese Forderung übersteigt um 25 Pfg pro Stunde die Löhne, welche die Stadt für diese Arbeiten vergütet,
Reiche zufallen. England verzichtet aufs jedes Anrecht auf die Samoa-Juseln. Deutschland verzichtet auf alle Ansprüche an den Tonga-Inseln und Savage Inseln und tritt die Salomonsinseln, Choiseut und Jsabel nebst ihrer insularen Umgebung an England ab. Das Hauptresultat des Vertrages ist der Anfall der beiden Hauptinseln Samoas Upolu und Savai an Deutschland zu freiem Eigenthum. Es wird also Kolonie, nicht blos Schutzgebiet werden. Daß wir nicht ganz Samoa be kommen haben, darf uns die Freude an dem Errungenen nicht verderben.
— Theuerungszulagen für Postunterbeamte. Den Unterbeamten, die in theuren Orten angestellt sind, sollen bekanntlich Theuerungszulagen zu Theil werden. Von der Reichspostverwaltung sind hierüber, wie die D.Verkchr- ztg." er ährt, folgende Bestimmungen getroffen worden:
Die Theuerungszulage wird jährlich betragen: für Landbriefträger bei einem Gehaltssätze von
700 Mk. in theuren Orten 150 Mk. • 75 „ „ „ „ 125 „
250 ....... 100 „
925 „ „ „ „ 75 „
1000 ....... 50 „
700
Mk.
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besonders
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Ausland.
London, 7. Nov. Heute sollte in Kapstadt die erste Verstärkung fällig sein, doch dürsten sie, da sie mit Stürmen zu sümpfen hatten, schwerlich heute schon ein» treffen. Die Admiralität fordert auf, sich nicht zu beunruhigen, wenn die Schiffe nicht pünktlich zur vorgesehenen Ankunftszeit eintreffen sollten. Wenn aber sebst 10,000 Mann wie erwartet, am Ende der Woche in Kapstadt seinso llten, so können siedoch nichts vornehmen, so lange nicht Transportein-richtungen geschaffen und hinreichende Ariillerie und Kavallerie angekommen sind. Die Pferde werden mindestenseine Woche brauchen, eheste dienstfähig erscheinen. Es liegen ernste Meldungen aus Kimberley vom 1. November vor Ein Dynamitmagazin ist dort an diesem Tagein die Luft geflogen. Das Feuer brannte noch zur Zeit, als die Meldung abging, und man befürchtet Nachts eine weitere Explosion von 1200 Kisten Dynamit. — Die 2000 Mann des Oranje-Freistaates, die auf dem Wege von Burghersdorp in die Kapkolonie einfallen, haben nördlich der Stadt Halt gemacht, um von Rouxville und Bloemfontein Verstärkungen zu erwarten. Sobald diese eingetroffen sind, werden die Buren 5000 Mann stark auf das von den Engländern geräumte Stormberg rücken. Es scheint eine falsche Spekulation zu sein, wenn die Kapregierung glaubt, daß die Buren, die von England abfallen wollen, sich durch die Proklamirung des Belagerungszustandes davon abhalten lassen werden, und man fürchtet denn auch nach wie vor einen Burcnauf- stand im Norden der Kapkolonie. — Abermals ein Truppentransportschiff gescheitert. Globe meldet, der Dampfer Auionia, der mit 1316 Mann am 11. November in Kapstadt fällig ist, sei an der Küste von Mayo (Capverdische Inseln) gescheitert. Globe gibt die Nachricht ohne weitere Einzelheiten. Das Schiff war am 23. Oktober von Southampton abgegangen und hatte an Bord den Stab der 3 Brigade, ein Bataillon der leichten Highland- Jnfanterie, eine Abtheilung Artillerie und die Beamten der Intendantur.
Lokales und Provinzielles.
* Schtüchter», 10. November.
* — Nächsten Montag findet basier der sog. Kalte Markt statt.
' — Wichtig für Inhaber von Werthpapieren. Das Bankgeschäft von Spanjer Herford u. Hahn in Braun- schweigwird zu Anfang des kommenden Jahres wiederum eine Zusammenstellung seiner Verzeichnisse kraftlos erklärter, augebolener, gesperrter und abhanden gekommener Wertpapiere Herausgeven. Für alle, die mit Werth- papieren viel zu thun haben, ist ein solches Werk unentbehrlich. Die Anschaffung eines derartigen Werkes dürfte mit Einführung der neuen Gesetze vom 1, Januar 1900 um so nothwendiger werden, als der Bankier einerseits unbedingt dafür haftet, daß ein von ihm verkauftes Papier nicht abhanden gekommen resp. aufgeboten ist, und er andererseits nicht Eigenthümer eines gekauften Effekts wird, wenn er ohne große Mühe hätte erfahren können, daß es in Verlust gerathen war. Der | Geschädigte kann also dessen unentgeltliche Herausgabe ! verlangen. Dazu kommt, daß die unbeanstandete Einlösung der Zinskoupons von Seiten der Emissionsstclleii keine Gewähr bietet, daß die Obligation nicht kraftlos erklärt ist, da zu viel gezahlte Zinsen am Kapital gekürzt werden.
* — Wechselformulare. Durch die Presse ging in den letzten Tagen die Mittheilung, daß die Wechselformulare mit Vordruck 189 . vom Jahre 19C0 ab nicht mehr verwendbar seien, weil dies eine nach dem Wechselgesetz ungillige Veränderung des Wechseltextes wäre. Daraufhin theilt die Reichsbank jedoch mit, daß diese Durchstreichung wie die Aenderung allen gedruckten Textes in Wechselformularen und damit die Benutzung der alten Wechselformulare auch über das Ende 1899 hinaus gestattet ist. Der entgegengesetzte Bescheid könne nur von einer untergeordneten und ununterrichteten Instanz ertheilt worden sein.
* — In Folge Einberufung der Rekruten kommen nunmehr viele Eltern und sonstige Angehörige in die Lage, zum ersten Mal Briefe und Packete an das Militär zu senden.' Es erscheint daher angebracht, an die Portovergünstigungen zu erinnern, die das Militär genießt. Es sind dies folgende: Ein Brief an einen Soldaten bis zum Feldwebel bezw Wachtmeister aufwärts ist bei einem Gewicht bis zu 60 Gramm portofrei, wenn man