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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
74. Samstag, den 16. September 1899. 50. Jahrgang.
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TTn + n-nh-MrtnKiiTn r in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der U 1U I || | U |g| P wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post-
111I || | sl I I slll I IHn abonnenten, welche, bis spätestens 26. September unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß V uu^U-uy ihnen unsere Zeitung vom 1. Oktober ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den
amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Landbriesträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Oktober 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
B rlin. Der Kaiser ist aus dem Manöver in Süddeutschland nach dem neuen Palais bei Potsdam zurückgekehrt. Anhaltendes Regenwetter veranlaßte ein vorzeitiges Beenden der Truppenübungen.
— 70 Millionen Mark haben die deutschen Be- rufsgenosscnschaften im Jahre 1898 für Entschädigungen an verunglückte Arbeiter, resp, deren Hinterbliebenen bezahlt. Im Ganzen erhielten 600000 Personen Entschädigungen. Das ist ein tüchtiges Stück sozialer Arbeit — siebzig Millionen Mark in einem Jahre.
— DaS neue Karfreitagsgesetz wird in Nr. 215 des „Reichs- und Staatsanzeigers" verkündet. Der einzige Paragraph des Gesetzes lautet: „Der Karfreitag hat die Geltung eines bürgerlichen allgemeinen Feiertages. In Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung soll die bestehende herkömmliche Werktagsthällgkett (auch die gewerbliche Thätigkeit — § 105a ff. der Reichsgewerbe Ordnung —) am Karfreitage nicht verboten werden; es sei denn, daß es sich um öffentlich bemerkbare oder geräuschvolle Arbeiten in der Nähe von dem Gottesdienst gewidmeten Gebäuden handelt."
— Die Aussichten des Bergbaues in Shantung, deutsches Interessengebiet in China, schildert der von dort zurückgekehrte Bergassessor Krause als recht günstige. Die in mächtigen Lagern Vorgefundene Kohle könne in in der Qualität mit der besten englischen rivalisiren.
— Die hervorragende Bedeutung des Berliner städtischen Vieh- und Schlachthofes wird durch einige Zahlenangaben ersichtlich Der wöchentliche Umsatz beträgt, wie die „A. Fl. Z " mittheilt, rund 2,520,000 Mk. Durchschnittlich werden wöchentlich 4'>69 Rinder sowie 14,555 Schweine, 3108 Kälber, 11,054 Schafe au>ge= trieben, im Betriebsjahr 1897/98 211,195 Rinder, 856,859 Schweine, 162,612 Kälber und 574,705 Schafe.
Kiel, 13. Sept. Auf dem dem Ersten Geschwader als Aufklärungsschiff beigegebenen Kreuzer „Wacht" erfolgte durch Reißen von 26 Stehbolzen am Backbord- Vorderkessel eine Explosion. Vier Mann wurden gelobtet Die Explosion fand bei der Flottenübung im Belt, unweit Korseur, statt. Nur dem Umstände, daß der Kesselraum, in welchem sich nur die Bedienungsmann- schait befand, abgeschlossen war, ist die Verhütung eines größeren Unglücks zu danken.
München, 14. Sept. Heute Nacht wurde infolge eines Wehrbruches der Jsar der Pfeiler der Fluthbrücke bei Kilometer 65,9 zwischen Mühldorf und Rohrbach unterspült. Der Zug Nr. 977 ist an der Stelle abgestürzt. Derselbe steht ungefähr drei Meter tief im Wasser. Das Zugpersonal, mit Ausnahme des Wagenwärters Neuhäuser, welcher angab, daß sich keine Reisenden im. Zuge befanden, ist ertrunken. |
Mannheim, 12. Sept. Heute früh um 8 Uhr brach in der Rheinmühle, wo sich die Silospeicher befinden, ein Groß'euer aus, welches enormen Schaden anrichtete. Die Menge des verbrannten Getreides läßt sich noch nicht genau feststellen, sie wird von 50 000 bis 100 000 Sack Weizen ä Mk. 20 angegeben. Die Ent- stehungsursache des Brandes ist noch unbekannt.
Darmstadt, 10. Sept. Sicherem Vernehmen der „N. H. V." nach werden Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von Rußland am 20. September hier zum Besuche der Großherzoglichen Familie eintreffen. Der Aufenthalt der russischen Majestäten in unserer Residenz soll diesmal noch länger als bei früherer Gelegenheit dauern und sich bis zum Ende des Oktober hinein erstrecken.
Eisenach, 8. Sept. Der historische Tintenfleck an der Wand der Lutherstube der Wartburg ist jetzt durch Herabnehmen des Verputzes beseitigt worden. Die Maßregel wurde nothwendig, da die religuiensuchtigen Engländer sonst die ganze Wand fortgetragen hätten.^
Halle. Die Kornhausgenossenschaft in Halle a. ö. hat das Geschäftsjahr 1898/99 mit einem Fehlbetrag von 55718 W abgeschlossen. Das Geschaftsergebmß
| selbst der Tod. Er sieht ein vollkommen hoffnungsloses Leben vor sich. Der einst müßige Anarchist muß jeden Tag von 6 Uhr früh bis 6 Uhr Abends fleißig arbeiten und wird nie die Früchte seiner Arbeit genießen." Wenn diese Mittheilungen den Thatsachen völlig entsprechen, so wird man sehr bedauern müssen, daß der schweizerische Strafvollzug dem nichtswürdigen Mörder ein so bequemes Leben ermöglicht.
Wie aus Tripolis gemeldet wird, ist dort die Nachricht eingetroffen, die französische Mission Jouneau Lancy sei in der Oase von Air durch eine große Zahl Tuaregs angegriffen worden, welche nach schweren Verlusten die Mission vollständig vernichtet hätten.
Lotales und Provinzielles.
* Schluchlern, 15. Sept.
* — Ernannt: der Amtsgerichtsrath Henssen zu Hanau zum Landgerichtsrath daselbst; der Amtsrichter Gieberich in Wächtersbach zum Landrichter in Hanau; der Amtsrichter Schmidt in Melsungen zum Landrichter in Hanau.
* — Herr Pfarrer Ehringhaus zu Schlüchtern wurde mit Versetzung derHulfspfarrei Fulda und Neuhof beauftragt.
* — Herr Lehrer Hamel hier tritt am 1. Oktober eine Stellung an der städtischen Schule zu Marburg an.
* — Im „Reichsanzeiger" wird eine Königliche Verordnung vom 10. August d. I., betreffend die Verleihung des Zwangsvollstreckungsrechls an die Landeskreditkasse zr Cassel, veröffentlicht. Danach steht derselben für die Beitreibung fälliger Forderungen an Darlenhnskapitalien, Zinsen, TilgungSbeiträge und sonstigen, nach der Verfassung der Landeskreditkasse vorgesehenen Leistungen gegen Schuldner, welche Eigenthümer des beliehenen Grundstücks sind, ein Zwangsvollstreckungsrecht zu. Dieses Recht wird von der Direktion der Landeskredit- kasse als Vollstreckungbehörde ausgeübl. Soweit die Einziehung der Forderungen lokalen Verwaltungsstellen (Landesrentereien) obliegt, bilden diese die zuständige Vollstreckungsbehörde.
* — Schriftwechsel des Publikums mit der Eisenbahn. Im Publikum bestehen immer noch Zweifel über die Zuständigkeit der verschiedenen Eisenbahn-Inspektionen, was aus den vielfach falsch adressirlen Schreiben hervor- geht. Da durch die Weitergabe der Schriftstücke an die richtige Adresse nicht unwesentliche Verzögerungen in der Erledigung der betreffenden Angelegenheiten entstehen, sei nochmals auf die Zuständigkeit der hauptsächlich in Betracht kommenden Eifenbatzn-Betriebs- und Verkehrs- Jnjpektionen hingewiesen. Die Eisenbahn-BetriebS-Jn- fpekliouen sind zupändig für die Verpachtung von Lagerplätzen, Gras- und Weidennutzungen, für die Anlage von Anschlußgeleisen, Unterhaltung der Bahnanlagen, Vergebung der von ihr ausgeschriebenen Leistungen und Lieferungen; ferner: Für die Beschwerden, soweit dieselben aus Betriebs- und Telegraphendienst herrühren oder sich gegen einen, in diesen Dienstzweigen beschäftigten Beamten, wie Portiers, Schaffner, Zugführer, StationS- beamte, Telegraphisten u. s. w. richten. Die Eisenbahn- Verkehrs-Jnspeknonen sind zuständig für die Erledigung von Entschädigungsforderungen wegen Verlust,Beschädigung oder Lieferfristüberschreitung bet Beförderung von Gepäckstücken, Gütern, Leichen, Fahrzeugen und lebenden Thieren, für Anträge auf Rückerstattung von Fahrgeld auf nicht ausgenutzte Fahrkarten und Anträgen auf Rückvergütung von Wagenstandgeld; ferner: Für Beschwerden, welche aus dem Verkehrs-, Abfertigungs- und und Kassendicnste herrühren, oder sich gegen einen in diesen Dienstzweigen befchäfttgten Beamten richten.
* — Alle sachverständigen Kreise geben sich kaum noch einem Zweifel darüber hin, daß die heute schon bestehende Geldknappheit zum beginnenden Herbst in eine empfindliche Vertyeuerung des Geldes, demgemäß auch in eine Erhöhung des Zinsfußes übergehen wird. Der Reichsbank-Zinssuß für Lombard-Darlehen beträgt
ist also nicht so günstig gewesen, wie es vordem erwartet worden war.
Leipzig, 8. Sept. Die Affaire des durch Millionen- Defraudationen seines Direktors verkrachten Spar- und Vorschußvereins in Kahla hat eine sensationelle Wendung angenommen. Die Staatsanwaltschaft verfügte die Verhaftung einer großen Zahl hoch angesehener Geschäftsleute, desgleichen steht die Verhaftung des gesummten Aufsichtsrathes bevor. Drei weitere Vorstandsmitglieder sind flüchtig. Die Aufregung unter der Bevölkerung ist ungeheuer. — Unter dem Verdacht schwerer Sittlichkeits- verbrechen wurden in Flöha bei Freiberg (Sachsen) 20 Einwohner verhaftet. Die Verbrechen sollen seit Jahren an schulpflichtigen Kindern begangen sein. Die Verhaftungen erregen großes Aufsehen. Unter den Festgenommenen befinden sich mehrere sehr angesehene Persönlichkeiten.
Wolgast, 12. Sept. Der letzte Veteran aus den Freiheitskriegen, August Schmidt, ist im Alter von 104 Jahren heute Nacht gestorben.
Bon der Lüneburger Haide. Ein neues Dorf ist bei Bergen im Kreise Celle im Entstehen, während ein anderes im Verschwinden begriffen ist, weil sein Grundfläche von der Klosterkammer zu Wald gelegt wird. Im Jahre 1894 wurde ein großer Theil der Königlichen Forst Wohlde durch die gefährliche „Nonne" vernichtet, sodaß der ganze Wald (Eigenthum des Staates) abgeholzt werden mußte. Der Forstfiskus verkaufte infolgedessen den Grund und Boden unter sehr günstigen Bedingungen zu einem billigen Preise. Die ganze Fläche wurde in 17 Loose getheilt und jeder Käufer mußte sich verpflichten, den Waldboden bis zu einer festgesetzten Zeit in Ackerland umzuwandeln. Dieses ist nun geschehen und zwar mit sehr gutem Erfolge. Da sich der Boden zum Ackerbau sehr gut eignet, haben die benachbarten Grundbesitzer schon große Flächen Haide urbar gemacht. Mehrere Familien haben bereits dort angebaut und demnächst wird die Lüneburger Haide um ein blühendes Dorf reicher.
Aus Kalisch wird gemeldet: In der Synagoge zu Lcutschitz entstand durch das Herabfallen einer Lampe eine Panik, bei welcher 32 Frauen und Kinder todtge drückt wurden. Viele Personen wurden verwundet.
Eydtkuhnen. Eine Neuerung an der russisch-deutschen Grenze ist kürzlich von russischer Seite eingeführt worden. Zwischen Eydtkuhnen und Kinderweitschen, sowie zwischen Partzkehmen und den Grenzortschaften Szapten und Störten wurden nämlich Holzthürme von etwa 12 Meter Höhe errichtet, welche den Grenzposten als Ausguckthürme dienen sollen. Die Thürme haben telephonische Verbindung mit den benachbarten Grenzkordons so daß von den Posten alle Wahrnehmungen im Vorgelände sofort den Grenzwachen mitgetheilt werden können. Zur besseren Beobachtung sind die Posten mit Ferngläsern ausgerüstet worden Dieses Thurmsystem soll nach und nach an der ganzen russisch deutschen Grenze durchgeführt werden.
Ausland.
Genf. Luccheni. In der letzten Nummer des „Strand Maganzine" demcntirt der Konsul der Vereinigten Staaten in Genf, Mr. Ridgely, das Ge-ücht, daß Luccheni, der Mörder der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, in einer unterirdischen Zelle ein Leben der Qual führen muß. „Thatsache i,i," sagt er, „daß Luccheni nicht gemartert wird. Er wird vorläufig in Einzelhaft gehalten, aber nicht in einer unterirdischen Zelle. Seine Zelle ist geräumig, hell und biffer venlilirt als irgend eine Zelle in einem amerikanischen Gefängniß. Sie enthält ein gutes, reines Bett mit Strohmatratze, einen kleinen Tisch und einen Stuhl, Luccheni ist anständig gekleidet und lebt jetzt überhaupt unter besseren äußeren Bedingungen als in seinem früheren Leben. Allerdings — die Einsamkeit und Stille, zu der er verdammt ist, mag für ihn härter zu ertragen sein, als