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SchlWemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

73, Mittwoch, den 13. September 1899. 50. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser trifft am Donnerstag wieder im Hubertusstock in der Schorfhaide ein, um einige Tage in der Ruhe des Waldes dem edlen Waidwerk zu huldigen.

Der deutsche Kronprinz steht nun jetzt auch ä la suite des württembergischen Infanterie-Regimentes Nr. 120; er kann somit preußische, russische, österreichische und die Uniform der drei deutschen Königreiche entlegen. Einem Kaisermanöver hat er trotzdem noch nicht beige« wohnt, denn im preußischen Königshnuse tritt ein Prinz, von Paraden in Berlin abgesehen, erst mit der Majo- rcnnilät in den Kreis der fürstlichen Suiten ein. Vom nächsten Jahre ab wird man wohl häufig den Kaiser und seinen Erben bei solchen Anlässen bemerken, denn am 6. Mai 1900 wird das deutsche Reich und Preußen wieder einen majorennen Kronprinzen besitzen.

Die Besitzungen des Reichskanzlers in Posen und Baden sind durch Feuersbrünste heimgesucht worden. Zunächst zündete ein Blitz auf dem Gute Grabow eine breitennige Scheune an und äscherte sie mit sämmtlichen Erntevorräthen in kurzer Zeit vollständig ein. Sodann entstand auf dem Ockonomiegut des Fürsten zu Nieder- stetten in Baden Feuer, welches das ganze Gut fast vollständig vernichtete. Der Schaden belauft sich auf annähernd ICO 000 Mark.

Die Nachrichten über ein planmäßiges Vorgehen der Regierung gegen den Bund der Landwirthe, so schreibt die Deutsche Tagesztg., scheinen sich zu bestätigen. Auf

die Frage, weshalb solche Maßregeln gegen den Bund , c------,,------- ---------,-....._.....,....----------

geplant werden, kann die Antwort nur lauten, weil besagt, daß der Magistrat zu den Mittel der Selbsthülfe seine Mitglieder gegen den Mittelland Canal stimmten. | gegriffen habe, das, wie jede Art von Gewaltmaßregeln.

Stuttgart. An den diesjährigen Kaiscrmanövern gesetzlich ausdrücklich untersagt fu.

sind bethciligt rund 56,000 Gewehre, 12.000 Reiter, 408 Geschütze, und zwar an Infanterie: 12 Bataillone niedrigen Etats (6012 Mann). 39 Bataillone mittleren Etats (22,347 Mann), 36 Bataillone hohen Etats heute vom Kriegsgericht mit 5 gegen 2 Stimmen zu zehn Jahren Gefängniß unter Gewährung mildernder

Umstände abermals verurtheilt. (Also eine wiederholte

(23,004 Mann), 4 Jägerbataillone (2712 Mann), in Summa 54,075 Mann. Hinzu kommen noch 4 Pionier­bataillone mit 2000 Mann, so daß die Gcsnmmtzahl 56,075 Mann beträgt. Die Verpflegungsstärke wird selbstredend viel höher und läßt sich wegen der vielen Commandirungen von außerhalb auch nicht annähernd fest stellen. Das diesjährige Manövergebiet in Baden und Württemberg umfaßt einen Raum von etwa 40 Kilom. im Geviert. Die eigentlichen Manöver nahmen am Montag ihren Anfang.

Mainz. Eine Weimälscherei im Großen kam am Freitag in der Berufungsinstanz vor der Strafkammer zur Verhandlung. Der Weinhändler Krämer aus St. Johann, ein gelernter Küfer, verkaufte im Dezember vorigen Jahres an den Weinhändler Janson in Krcnz- nach 70 Stück analysenfestenWein" zu 240 Mark für das Stück. Der Säufer bemerkte aber nach Bezug von 35 Stück, daß der Wein die Analysen nicht mehr hielt, und machte Krämer Vorstellungen. Der versprach durch Einguß von Naturwein den verkauftenWein" wiederanalysenfest" zu machen. Inzwischen war aber die Staatsanwaltschaft auf die Massenfabrikation Krämers aufmerksam gemacht worden. Die Untersuchungen^ er­gaben, daß Krämer die 70 StückWein" aus l2'/a Ltück Wein und 11 Stück Trestern hcrgcstellt hatte. Zur Streckung" dieser Brühe hatte er Zucker, Rosinen und hauptsächlich Wasser verwandt, das er direkt von der Wasserleitung in die Fässer laufen ließ. Um dem Wein die nöthige Säure zn geben, setzte er eine Weinsteinsäure zu. Das Schöffengericht Wöllstein verurtheilte ihn am 30. Mai zu 1000 Mark G Ibftrafe, wogegen er Beru­fung einlegte. Das Ergebniß war Abweisung der Be­rufung ; zugleich wurde durch neues Erkenntniß die Beschlagnahme der noch in seinen Kellern lagernden Weine" ausgesprochen.

Würzburg. 8. September. Den reichen Seifensieder Gabler, der Monate lang den Mctzgcrgchilfen g>oße Quantitäten gestohlenen Fettes abkaufte, verurtheilte die Strafkammer in zweitägiger Verhandlung wegen Hehlerei zu einem Jahre Zuchthaus und ordnete seine sofortige Verhüttung an.

Aus der Pfalz. Wohl dem, der Freude an seinen Kindern erlebt. Der Sohn eines Handwerkers in Neu­stadt a. H. wurde durch den Fleiß und Schweiß seines Vaters zuetwas Besserem" erzogen, damit er später nicht so zu arbeiten brauche, wie sein Vater! Gegen­wärtig spielt der Herr Sohn nun in Ludwigshafen eine

gewisseRolle". Jüngst kam er mit seinen Kollegen auf§ Turnfest. Montags Vormittags waren die jungen Herrn in einer Weinstube beim Frühschoppen, als auch der Vater im Arbeitskittel dahin kam, einen halben Schoppen be­stellte und sein Frühstück aus der Tasche zog, um das­selbe zu verzehren. Der Herr Sohn ließ nun den Vater in den Hof rufen und schnauzte ihn an, wie er sich unterstehen könne, in seine Gesellschaft zu kommen und ihn zu blamieren. Er soll seinem Vater sogar eine Ohrfeige gegeben haben. Betrübten Herzens ließ der Vater sein Frühstück im Stich und entfernte sich, damit sein Herr Sohn ja nicht blamirt werde.

Heiligenstadt, 4. Sept. Die Absperrungs-Affaire durch den Magistrat bezw. den Bürgermeister, die erolgt war, weil der betreffende Besitzer für einen kleinen Streifen Grund 2,50 Mark pro Quadratmeter verlangte, die Stadt aber nur 1,50 Mk. dafür bezahlen wollte, beschäftigte am Sonnabend den Civilrichter des königl. Amtsgerichts. Der eingesperrte Photograph Struthmann hat die Stadtgemeinde Heiligenstadt, vertreten durch den Bürgermeister Petri, wegen Besitzstörung verklagt und verlangt von der Stadt die Entfernung der Latten und Stacheldraht Verschlüge, sowie eine Entschädigung von 10 Mark für den Werktag und 30 Mark für den Sonntag. Die Stadt wird verurtheilt, die angebrachten zwei Querstackets zu entfernen und jede gewaltsame Ver­hinderung des Klägers an der Benutzung des Weges zu unterlassen. Die Stadt hat ferner dem Klüger allen durch die Wegsperrung bisher erwachsenen unb noch

erwachsenden Schaden zu ersetzen. DieUrtheilsbegründuug

Ausland.

Rennes, 9. September. Hauptmann Dreyfus wurde

Verurtheilung trotz der zweimaligen feierlichen Erklärung der Kaiserlich Deutschen Regierung, mit Dreyfus niemals etwas zu thun gehabt zu haben. Drey-us wird natür«

lich Kassationsantrag stellen und dann giebt es einen ( ho^srestaurants den Vertrieb von Ansichtskarten untersagt, dritten Dreyfusprozeß, und wer weiß, was dann ge-^Sie berufen sich bei diesem Verbot auf den Wortlaut

schieht. Frankreich wird in die Heilloseste Verwirrung gestürzt und schwere Katastrophen stehen ihm bevor. ; Die Militärpartei wird nicht ruhen, bis Dreyfus und seine Anhänger abgetan sind. Die Dinge in Frankreich sind jetzt derartig faul, daß man schlimme Ereignisse erwarten darf. Man vergegenwärtige sich neben den erschreckenden Vorgängen in Rennes die unerhörte Ko­mödie in der Rue Chabrol in Paris, wo ein rabiater Anti'emit seit Wochen der Staatsgewalt trotzt, dort die entsetzliche Tragödie der Gewalt und hier lächerliche Komödie der Ohnmacht! Im Sudan morden die fran­zösischen Offiziere ihre Vorgesetzten, und in , Algier- morden französische Bürger am Hellen Tage ihre jüdischen Mitbürger. Die Vorgänge bim Bazarbrande in Paris wo die Männer die Rettung suchenden Frauen von den Ausgängen zurückstießen in den brennenden Bazar, sind nicht vergessen, noch weniger der Panamaskandal; die die Frauen zurückstoßenden Feiglinge dergoldenen Jugend vervollkommnen das Bild des modernen Frank reich, und die brutalen, pflichtvergessenen Matrosen der Bourgogne", welche die untergehenden Passagiere mit dem Messer von den Booten zurückstießen, um sich elbst in Sicherheit zu bringen, sind ein häßlicher Fleck in dem Gesammtbilde der Verkommenheit, welche Frankreich ruinirt).

Paris, 10. Sept. Zu der Erklärung der deutschen Regierung in Sachen Dreyfus, wonach sowohl der Botschafter Fürst Münster, wie der Staatssekretär Graf Bülow wiederholt bezeugt haben, daß Deutschland mit Dreyfus nie etwas zu thun hatte, schreibt der Pariser Fiagro": Wenn Republikaner ihren Haß, ihr Miß­trauen gegen monarchinische Einrichtungen so weit treiben, daß sieein königliches Wort in Zwei cl ziehen, so ist das unsinnig, aber möglich, bei den konservativen Monarchisten und Militaristen jedoch wäre es leiden­schaftlicher Wahnsinn."

Amsterdam, 8. Sept. Nach Berichten aus Pretoria glaubt man daselbst, daß die Feindseligkeiten Anfangs Oktober beginnen werden. Die Buren hoffen, 60,000 Be­waffnete ins Feld stellen zu können.

W

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 12. Sept.

* Im Laufe der vergangenen Woche wurde unter Leitung des Provinzial-Schulrathes Otto und des Re- gierungs-Schulrathes Sternkopf die Abgangsprüfung am hiesigen Seminar abgehalten, an der sich 30 Schüler des Hauptkursus und 23 Schüler der Nebenkursus be- theiligten. In der schriftlichen Prü'ung wurden von den Zöglingen des Hauptkursus folgende Themata be­arbeitet : 1. Religion: die Apostelversammlung (Apostel­geschichte 15). 2. Deutsch: die Dichter des Hainbundes und ihre Bedeutung in der Litteratur. 3. Geschichte: die Entwickelung des preußischen Heerwesens im 18. Jahr­hundert. 4. Rechnen: eine geometrische, eine algebraische und eine Aufgabe aus den bürgerlichen Rechnungsarten.

5. Geographie: der Schwarzwald. 6. Naturgeschichte: Sinne und Organe der Raubvögel im Dienste der Er­nährung. 7. Harmonisirung des Chorals: Jesus meine Zuversicht. Die Zöglinge des Nebenkursus hatten folgende Themata zu bearbeiten: 1. Religion: Was lehrt Apostel Paulns über die Auferstehung der Todten (1. Korinther 15 2) Deutsch: die Verhandlungen auf dem Rütli inWilh. Tell." 3. Geschichte: Scharn- Horst. 4. Geographie: Deutschlands Marschen. 5. Na­turgeschichte: die chemischen Vorgänge im Pflanzenkörper.

6. Rechnen: 1 algebraische, 1 geometrische und eine Aufgabe aus den bürgerlichen Rechnungsarten. 7. Theorie der Musik: Aussetzung des Chorales: Valet will ich Dir geben. Die mündliche Prüfung erstreckte sich auf alle Fächer des Seminarunterrichts. Außerdem mußte ein jeder Abiturient eine Lehrprobe vor Schülern der Stadtschule halten. Die Zöglinge des Hauptkursus bestanden sämmtlich die Prüfung. Von den Zöglingen des Nebenkursus wurden zwei für nicht bestanden erklärt.

* Aus dem Betriebe der Lokalbahn Jossa- Brückenau ist ein kommunalabgabepflichtiges Remeitt- kommen für das Jahr 1898,99 nicht erzielt worden.

* Die Ansichtspostkarten sollen von den Bahn- Hotsrestaurationen und damit auch von den kleineren Bahnstationen, welche keine eigene Bahnhofsbuchhandlung besitzen, verschwinden. Die Eisenbahnverwaltungen in den einzelnen Bundesstaaten haben den Pächtern der Bahn­

Ho^srestanrants den Vertrieb von Ansichtskarten untersagt.

d s Vertrages, der den Restaurateuren nur den Handel mit zum gastwirthschaftlichen Betriebe gehörenden Gegen­ständen gestattet; auch Postkarten-Automaten sollen vom Verbot betroffen werden.

* Eine Jubiläums-Medaille mit der Zahl 60 hat der Kaiser für diejenigen Ehepaare gestiftet, welche die diamantene Hochzeit begehen und anläßlich der goldenen Hochzeit bereits die Ehejubiläums - Medaille erhalten haben. Die neue Auszeichnung besteht in einer die Medaille umgebenden Tafel, auf welcher die Zahl 60, Ehringe und Myrthenzweige zu sehen sind.

* Im deutschen Hülfsverein zu Paris macht sich schon jetzt die Anziehungskraft der im Jahre 1900 statt« findenden Weltausstellung in sehr empfindlicher Weise bemerkbar. In der Hoffnung, bei den Arbeiten für die­selbe Beschäftigung aber irgend eine Einstellung zu er« halwn, kommen jetzt schon aus allen Theilen Deutsch­lands besonders jüngere Leute in großer Zahl nach Paris, fast sämmtlich ohne Mittel und der französischen Sprache nicht mächtig. Sie sehen sich in ihren Er­wartungen sehr schnell getäuscht, da der Andrang von Arbeitsuchenden sehr groß ist und Einheimische den Fremden vorgezog n werden. Völlig mittellos geworden, wenden sie sich schon nach wenigen Tagen an den Hülfsverein und bitten um Hcimbcförderung, welche der Verein aber nur in den allerfeltenften Fällen zu gewähren im Stande ist. Mit kleinen Geldunterstützungen, wie sie der Verein eben nur geben kann, ist den Leuten wenig geholten. Dieser Zustand wird sich mit dem Herannahen der Welt­ausstellung immer mehr verschärfen, und der Hülfsver­ein wird besonders im Ausstellungsjahr selbst in einer Weise in Anspruch genommen werden wie nie zuvor. Es kann deshalb vor unüberlegtem Zuzug nach Paris nicht genug gewarnt werden.

* (Aus der Strafkammersitzung vom 7. Sept.) Der Gastwirth G. Denhardt in Schlächtern befand sich am 9. Mai in seinem Lokal und bediente die beiden Gäste, die an dem Vormittag sich in der Wirthschaft befanden. Die Gäste waren ein Reisender, der noch vor dem in Kürze abgehenden Zag bedient sein wollte,