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SchlüchtemerMung

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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittloech, den 30. August 1899

50. Jahrgang:

Rps^pl!nna«»^ °"f dieSchlüchterner Zeitung" Verben nod) fortwährend von allen --------. . - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

J.-Nr. 5066. Mit Rücksicht auf den unter dem Rindvieh in Schlüchtern constatirten Ausbruch der Maul- und Klauenseuche und die in Folge dessen angeordnete Gemark'mgssperre wird zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche hiermit die Abhaltung

1. des auf den 5. September d. I. in Schlüchtern angesetzten Viehmarkts und

2. der in Schlüchtern für den 13. September d. I. in Aussicht genommenen Ausstellung und Prämi- rung von Rindern untersagt.

Zuwiderhandlungen werden nach Maßgabe des Reichs- viehseuchengesetzes resp. Reichsstrafgesetzbuches bestraft.

Schlüchtern, den 25. August 1899.

Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz.

Deutsches Reich.

Berlin. Zum Besuche« des Kaiserpaares ist der Prinz Leobold von Bayern eingetroffen, der auch der großen Herbstparade der Garden am ersten September in Berlin beiwohnt. Der Kaiserin ist von ärztlicher Seite nahegelegt, zur Schonung den Kaisermanövern fern zu bleiben. Das Befinden der Kaiserin giebt er­freulicherweise zu keinerlei irgendwie gearteten Bedenken Anlaß. Der Wechsel im Posten des Chef des großen Generalstabes .der Armee soll nunmehr zuverlässig mit Abschluß der großen Manöver erfolgen.

Die Richter, welche in Folge der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches auf Grund des Gesetzes vom 13. Juli er in den einstweiligen Ruhestand treten, sind nunmehr bekannt. Es sind im Ganzen 14 Senats­präsidenten, 5 Kammergerichtsräthe, 21 Oberlandesge- richtsrüthe, 20 Landgerichtspräsidenten, 20 Landgerichts- direktoren, 54 Landgerichtsräthe und 128 Amtsgerichts­räthe. Im Ganzen sind es also 261 Richter.

Der neugegründeteVerein für deutsche Wan-

und Hehlergesellschaft ist die hiesige Kriminalpolizei auf der Spur, es sind bereits über 20 Personen verhallet. Der Sachverhalt ist der: Goldarbeiter haben in den Geschäften ihrer Arbeitgeber sich verarbeites Gold unge­eignet und solches an zweite Personen zum Verkauf weiter gegeben. Nach einer hiesigen Meldung soll sich die Summe des unterschlagenen Goldes bereits auf über 50 000 Mark belaufen.

Auf der Landstraße zwischen Ottweiler und Nieder linxweiler ist der Straßenmeister Rinhel auf entsetzliche Art verunglückt. Er wollte kurz vor der von Ottweiler kommenden Dampfstraßenwalze die Straße überschreiten, dabei wurde sein linker Fuß von der Walze erfaßt, Rinhel kam zu Fall, und die Walze ging über seinen Körper hinweg, diesen mit Ausnahme des rechten Beines zu Brei zermalmend. Der Maschinenführer hatte den Gang der Walze nicht mehr aufhalten können.

Wesel. Nachstehende zeitgemäße, für Lebensmüde empfehlenswerthe Annonce ist im hiesigenGeneral-An­zeiger" lesen:Sargmagazin-Ausvcrkauf! Vor- räthige Särge zum halben Preis. A. Tenbusch, Feld­straße!"

Mainz, 27. Aug. Eine angeblich ohne Arme und Beine auf der Messe gezeigte sogen. Mißgeburt bctam am Samstag, als die Polizei in der Bude erschien, plötzlich Flügel. Die beklageuswcrtheMißgeburt" ent­puppte sich als die vierzehnjährige Barbara Schneider von Hechtsheim, welche ihren Eltern durchgebrannt war. Mit Hilfe der Polizei bekam sie plötzlich wieder die ver-

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China. In Anwesenheit des Kaisers und der Kaiser: Wittwe von China hat neulich in der Pekinger Kaifl stadt die Eröffnung der elektrischen Bahn stattgefuud! welche alle kaiserlichen Gebäude verbindet. Der Kais drückte den Erbauern dieser Bahn, da gegen dieselbe i Götter nichts mehr einzuwenden Hütten, sei vollste Zufriedenheit aus. Die chinesischen Priester b haupten nämlich, daß der qualmende Rauch der Lokomoti den Göttern höchst unangehm in die Nase steige und 1 erzürne. Die elektrische Bahn hingegen, die keinen Rau entwickelt, erklären die Priester, sei auch den Götter angenehm.

New Iork. Die Zunahme der Frauenarbeit in d Bereinigten Staaten illustriren folgende auf die höher Berufe bezüglichen Ziffern aus den Zählungen v: 1870 und 1890.

mißten Arme und Beine, worauf sie ihre Eltern Empfang nahmen. Der Schwindelpatron, welcher Schneider zurMißgeburt" gestempelt hatte, wird Strafe gezogen werden.

in die in

Man zählte nämlich:

Schauspielerinnen...... Malerinnen und Bildhauerinnen . Pastorinnen.......

Zahnärztinnen....... Aerztinnen und Wundürztinnen . Weibliche Baumeister .... Schriftstellerinnen...... Berufsjournali binnen . . . . Rechtsvertreterinnen.....

Technikerinnen.......

Apothekerinnen...... Theaterdirektricen...... Buchhalterinnen......

damals 632 412

67

34

527

1

109

35

9 414 100

0

Hilfs- und Maschmenschreiberinnen 8,016

Stenographinnen . .

Musikerinnen . . .

7

5,753

jetzt 3,885 16,00C 1,525

311

6,885 5C

3,161 47^ 4711 201

6,712

443 43,071 92,824 50,633 47,309

derungspolitik" hat bekanntlich den Vorschlag gemacht, dem Mangel an landwirthschaftlichen Arbeitern in den östlichen Provinzen durch Heranziehung italienischer Ar­beitskräfte zu steuern. Ob in irgend welchen Theilen Süd- und Westdeutschlands Italiener als landwirth- schaftliche Arbeiter vorübergehend oder längere Zeit be- schästigt worden sind, beziehungsweise noch werden, ist unbekannt. Dahingegen haben in den letzten Jahren Großgrundbesitzer im Posenschen und zwar in der Kon- schiner und Wreschener Gegend wiederholt auf eigene > Faust versucht, italienische Arbeiter heranzuziehen. Die Versuche mißlangen aber jedesmal. In einigen Fällen hätten betreffs Anwerbung von Italienern Vermittler Versprechungen gegeben, die diese Agenten nicht halten konnten. In anderen Fällen zeigten die Italiener wenig Lust nach dem Osten der preußischen Monarchie und zogen es vor, bei Straßen-, Eisenbahnen- und sonstigen Bauten Beschäftigung anzunehmen, die ihnen lohnender erschien. Großgrundbesitzer im Posenschen behaupten nun, daß sie im nächsten Jahre bestimmt italienische Arbeiter einstellen werden. Wenn ja auch der italienische Arbeiter außerordentlich bedürfnißlos und ausdauernd in seiner Beschäftigung ist, so darf nicht vergessen wer- den, daß er beispielsweise in der Schweiz und Frank- reich täglich vier bis sechs Franken, vereinzelt noch mehr 5 verdienen kann. Auch in Argentinien sind die Löhne :

Ausland.

Frankreich. In Militärkreisen giebt man sich alle Mühe, nunmehr die Vorgänge im Sudan so darzustellen, daß Voulet und Chnnoine zuerst von den Eingeborenen ermordet worden seien, daß die Eingeborenen ihre Uniform angezogen hätten und gegen die Expedition Klobb vor­gegangen seien. Besonders der Bruder Chanoines, ein anderer Sohn des ehemaligen Kriegsministers, verbreitet diese Darstellung. Die Drohbriefe Volets an Klobb seien wohl gefälscht. (? Dreyfus ?)

Saint-Ettenne, 28. Aug. 16 Arbeiter sind mit einem Förderkorb, an welchem das Seil riß, abgestürzt. Alle sind todt.

Rom, 27. August. Einer Blättermeldung zufolge soll eine hiesige Botschaft, wie es heißt deutsche, Be­weise von der Verletzung des diplomatischen und brief­lichen Geh.imnisscs in Frankreich besitzen. Nach den ausührlichen Einzelheiten der betreffenden Meldung soll u. A. der Sekretär einer hiesigen Botschaft dieser Tage einen Brief anS Paris mit Verspätung und den unzwei­deutigsten Zeichen gewaltsamer Eröffnung erhalten haben.

Madrid, 26. August. Nach einer Meldung des spanischen Kon uls in Lissabon sind in der Umgebung Oportos zwei Pestfülle vorgekommen, der eine in Zam- buja, der andere in Atalaya. Beide Ortschaften liegen an der Bahn von Oporto nach Lissabon.

Oporto, 27. August. Die Pest schreitet langsam fort. Der Handel liegt vollständig darnieder, die Ar­beiter sind brodlos. Die Flußseite der Stadt bewachen Kriegsschiffe. Der Gouverneur reichte seine Entlassung ein. Es wird ein Aufstand der Bevölkerung befürchtet. Im Gefängniß ist ein Pestfall festgcstcllt worden, der

für die eingewanderten italiemichen Arbeiter hoch. Daß die italienischen Arbeirer im Osten der preußischen Mo­narchie auch nur annähernd so hohe Löhne wie in der Schweiz oder Frankreich erhalten werden, daran ist gar nicht zu denken. Dazu kommt die theure und weite Reise aus dem Landwege. Denn der italienische Arbeiter gelangt, wenn natürlich auch nicht schneller, so doch aber viel bequemer und auch billiger von Genua nach Buenos-Ayres als beispielsweise von Genua nach Kö­nigsberg ist Ostpreußen. Schließlich ist es noch die Frage, ob die Mehrzahl der italienischen Arbeiter das für sie entschieden rauhe und harte Klima Ost- und Westpreußens vertragen würde. Immerhin würden Versuche mit der Uebersiedelung italienischer Arbeiter nach dem Nordosten der preußischen Monarchie nicht von

Kranke wurde ins Hospital gebracht und isolirt. Das Gemngniß wurde desinficirt. Seit dem Auftreten der Pest sind 51 Personen daran erkrankt, 18 gestorben, gestern ist kein neuer Fall vorgekommen. Ein zum sanitären Militärkordon kommandirter spanischer Soldat an der spanisch - portugiesischen Grenze bei Caldelas wurde durch einen Schuß getödtet, der vom portugiesischen Gebiete aus abgegeben wurde. Untersuchung ist eingeleitet.

Bukarest, 24. August. Infolge amtlicher Mittheilung vom Auftreten der Pest in Astrachan ist die Ab perrung der rumänisch-russischen Grenze durch einen Militärkordon ungeordnet worden.

Konstantinopel, 27. August. Auf die Nachricht aus Odessa, daß in Stobelowska, Distrikt Astrachan, 40 Personen an der Pest erkrankt und 20 gestorben seien, hat der hiesige Sanitätsrath strenge ärztliche Uebcrwachung

16,121 273,951

1 Danach hat sich in den beiden Jahrzehnten 187 bis 1890 die Betheiligung der Frauen an der höhere^ Berufstätigkeit versiebzehnfacht. Hinzugekommen sin der Post-, Telephon- nnd Telegraphendienst, das Fm! der Geschäftsreisenden und der weiblichen Detektives die oft schon eine recht bedeutende Rolle spielen. Seh zahlreich ist auch die in obiger Zusammenstellung nich enthaltene Kategorie der Lehrerinnen und Kinder gärtnerinnen.

Durch den Cyklon sind auf Puerto Nico nach eine; jetzt aufgestellten ziemlich vollständigen Liste 4200 Seuti getödtet und 1000 mehr oder minder schwer verletzt worden. Der Verlust an Gütern ist nicht abgeschätzt! Er soll sich auf mehrere Millionen belaufen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 29. August.

* Auf Grund des Gesetzes vom 13. Juli d. I treten im Oberlandesgerichtsbezirk Cassel in den einst welligen Ruhestand: Der Senats-Präsident Dr. Rump: in Cassel; der Oberlandesgerichtsrath Büstorsi in Cassel der Landgerichts-Präsident Geh. Ober-Justizrath Dr Schultheis in Marburg; der Landgerichts-Direktor Geh Justizrath Müller in Cassel; die Landgerichtsräthe Vog in Cassel, Geißler, Weiß und Thomas in Hanau Gleim in Marburg; . die Amtsgerichtsräthe Sanner ii Hanau, Dorn in Fritzlar, Poppelbaum in Marburoj und Schcffer in Eschwege.

* Neue Frachtbrief-Formulare. Mit dem am 1. Januar 1900 bevorstehenden Inkrafttreten einer neuen Eisenbahn-Verkehrs Ordnustg wird gleichzeitig ein neues Formular für interne deutsche Frachtbriefe eingeführt^ werden. Eine Uebergangszeit, während welcher auch: nach dem 1. Januar 1900 die bisherigen Frachtbriefe verwendet werden können, wird voraussichtlich noch be4l

der Hand zu weisen sein.

Pforzheim, 23. Aug. Einer weitverzweigten Siebs.

für Provenienzen aus dem Gebiete des Asow und dem ;= I asiatischen Küstengebiete des Schwarzen Meeres angeordnet.

ftimmt werden.

* Einundeinhalb Jahrhundert waren gestern am 28. August verflossen, seit Deutschlands größter Dichter ! Johann Wolfgang v. Goethe in Frankfurt a. M. baS' Licht der Welt erblickte. Goethe war der größte Dichter; der letzten Jahrhunderte überhaupt, er war der univer- ; salste Genius seiner Art in Deutschland, dem sich nur unser Lieblingsdichter Friedrich von Schiller würdig: an die Seite stellen konnte. Goethes Geistesflug ist wahrhaft phänomenal gewesen, er war Dichter, Natur­forscher, Kunstkenner, Aestthetiker, Biograph, Kritiker,! und Uebersetzer" und der bedeutendste Beherrscher der Litteratur, dessen Lebensarbeit noch heute tief nachwirkt in dem Geistesleben des deutschen Volkes, ja der ganzen gebildeten Welt.