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Erscheint WUttwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
68, Samstag, den 26. August 1899. 50. Jahrgang.
N «»stellt 11 a t»11 auf bie »Schlüchterner Zeitung« IlluUHyv II werben nocl) fortwährend von alten —.....—~ ■ ■ Postanstalten und Landbriestrügern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
" Deutsches Reich.
Berlin, 23. Aug. Im neuen Palais fand am Mittwoch ein Kronrath statt. Um 9 Uhr morgens hatten sich sämmtliche Minister zum Kaiser begeben, um 10 Uhr begann der Kronrath, um 1 Uhr kehrten die Herrn wieder nach Berlin zurück. Was in dem Kronrath beschlossen wurde, darüber ist zur Stunde auch nicht das geringste authentisch bekannt geworden.
— Der .Hamburgische Korrespondent'' schreibt: Wenn immer wieder verlangt wird, die deutsche Regierung möge Dokumente veröffentlichen, welche die Unschuld von Dreyfus beweisen sollen, so ist darauf zu erwiedern, daß Dokumente dieser Art schon aus dem Grunde nicht verhanden sind, weil Deutschland eben mit Dreyfus nie und nirgends etwas zu thun gehabt hat.
— Kiautschou ist zur landwirthschaftlichen Besiedelung nicht geeignet. Das ergiebt sich aus einer Erklärung des Gouverneurs, in der es in Beantwortung wiederholter Anfragen heißt: Abgesehen davon, daß das Gebiet zu klein ist, um auf die Dauer der Landwirthschaft Raum zu gewähren, darf auch mit Recht die Möglichkeit einer Concurrenz mit den genügsamen, fleißigen, an das Klima gewöhnten und mit den Bodenverhältnissen erfahrenen Chinesen schon aus dem Grunde bezweifelt werden, weil der Preis, zu dem Regierungsland abgegeben werden muß, ein verhältnißmäßig zu hoher sein würde. Für die Viehzucht insbesondere bietet sich durch den Mangel an Graswuchs nur geringste Aussicht. Wiesen sind nicht vorhanden.
Dortmund, 15. August. Ueber einen Urkundendieb- stahl, der in vergangener Woche im alten Rathhause verübt worden, berichtet die . Dortm. Ztg." folgendes: Im alten Rathau'e war in einem abgesonderten Raume eine Anzahl der ältesten Urkunden der Stadt ausgestellt, damit es dem Kaiser möglich werde, einen Einblick zu nehmen in die von früheren deutschen Kaisern der ehemaligen freien Reichsstadt verliehenen, Privilegien. Diese Urkunden wurden besonders gut verwahrt, da einzelne als geradezu unersetzlich gelten. Als am Sonnabend die Urkunden in das städtische Archiv zurückgeliefert wurden, bemerkte der Archivar, Professor Dr. Rübel, sofort, daß eine Urkunde Ludwigs IV. aus dem Jahre 1332, in welcher der Stadt verschiedene Privilegien bestätigt und neu gewährt wurden, fehlte. Die Urkunde ist der Stadt erst aus dem Archive in Münster übermittelt worden, doch erleidet die Wissenschaft durch deren Abhandenkommen keinen direkten Verlust, denn sie ist sowohl in Frensberg: „Dortmunder Statuten", als auch in Professor Dr. Rübel: „Dortmunder Urkunden buch" abgedruckt, außerdem ist eine gleichlautende Copie vorhanden, des ferneren eine photographische Nachbildung. Es muß sich ein Unberufener eingeschlichen haben nachdem der Kaiser das Rathhaus verlassen hatte, oder aber es ist ein Nachschlüssel benutzt worden zur Oeff- nung der Thür des Raumes, in dem die Urkunden sich befanden. Nur Jemand, der den hohen Werth eines solchen Pergaments kannte, dürfte die Urkunde bei Seite geschafft haben in der Hoffnung, vielleicht im Auslande einen hohen Betrag zu erhalten. Die städtische Behörde hat alle Hebel in Bewegung gefetzt, um die Urkunde wiederzuerlangen, auch ist die Hilfe des auswärtigen Amtes in Anspruch genommen, was besondern Werth hat, falls der Dieb versucht, die Urkunde im Auslande zum Verkauf anzubieten.
Hannover. Eine eigenartige Strafe erhielten dieser Tage zwei Knaben, welche auf einem, dem Publikum sonst nicht zugänglichen milnürfiskalischen Platze ihre Drachen hatten steigen lassen und dabei abgefaßt worden waren. Nachdem die Beiden zunächst eine Tracht Prügel erhalten hatten, wurden sie nach der Kaserne gebracht und mußten dort, wie sie einem Augenzeugen, der den ganzen Vorgang beobachtet hatte, bei ihrer Rückkehr zögernd gestanden, 20 Paar Stiefeln putzen I
Braunschweig, 14. August. Eine empfindliche Strafe verhängte heute die hiesige Landgerichtsstraskammer gegen einen Schreiber anonymer Briefe. Der Zimmerpolier Herm. Beck von hier hatte in einem anonymen Briefe einen Kaufmann bei der Polizei denunziert, daß er Sonntag Nachmittags Waaren verkauft habe. Der An
geklagte wurde trotz seines Lengnens für überführt erachtet und wegen falscher Anschuldigung zu sechs Monaten Gefängniß und einem Jahr Ehrverlust verurtheilt.
Bom Harz. Unterirdische Schiffe. Das gesummte Erz der Oberharzer Gruben wurde bislang durch große eiserne Schiffe auf einem fast 1000 Fuß unter der Erde befindlichen Kanal nach der Aufbereitung geschafft und hier durch den Ottiliäschacht gehoben. 42 Schiffe führen unterirdisch täglich ca. 250 Kubikmeter Erz an ihren Bestimmungsort. Unter den Bergleuten befinden sich als besondere Kategorie die Schiffer. An einem über den Kanal gespannten dicken eisernen Seile ziehen sie die Schiffe weiter. Als Kuriosum ist zu erwähnen, daß die Schiffer, trotzdem sie fast tausend Fuß unter der Erde sich befinden, doch wissen, wann ein Gewitter auf dem Oberharze sich entladet. Selbstverständlich können sie weder den Blitz sehen noch den Donner hören. Da aber die zur Erde kommenden Blitze bis zum Grundwasser vordringen und dies wiederum mit der schiffbaren Wasserstrecke in Verbindung steht, so können die Schiffer an dem über den Kanal gespannten Seile die elektrischen Schlüge verspüren. Die Schiffahrt wird nun bald ganz aufhören. Es soll der Ottiliäschacht von 400 auf 700 Meter vertieft werden und dann eine unterirdische elektrische Bahn angelegt werden.
Apolda. Um die Nachtigallen vor Verfolgung und Fang zu schützen, hat die Gemeindchörde in Apolda eine Nachtigallensteuer von 13 Mk. jährlich eingeführt. Sobald Jemand eine Nachtigall kamt oder auf andere Weise erhält, hat er dies binnen 24 Stunden anzuzeigen, sonst ver ällt er in eine Strafe von 36 Mk. Diese Schutzmaßregel fei anderen Gemeinwesen zur Nachahmung bestens empfohlen.
Bresiam Einstellung der Kohlenlieferung der fiskalischen Gruben an Private. Die fiskalischen Steinkohlengruben in Oberschlesien haben den vor wenigen Jahren erst eingeführten direkten Verkauf ihres Produktes auch an Private gegenwärtig eingestellt, da die Bestellungen seitens der Industrie so groß sind, daß die Gruben kaum in der Lage sind, diesen Forderungen gerecht zu werden. Dazu kommt noch, sowohl in Oberschlesien wie in Westfalen, ein empfindlicher Arbeiter- mangel, der es den Gruben sehr erschwert, ihre Verträge mit den großen und staubigen Abnehmern einzuhalten. Ehe diese gemachten Verträge aber nicht erfüllt sind, können die Gruben nicht daran denken, die auf Lieferung kleinerer Kohlenmengen gerichteten Wünsche von neuen Kunden zu befriedigen.
~ Ausland.
Frankreich Die Lage gilt als bedenklich, wenn die Gefahren der Situation auch nicht übertrieben werden dürfen. Nationalisten und Antisemiten drohen offen
1 mit dem Au stand. Der Kapitalisten beginnt sich Be- soraniß zu bemächtigen; auf den Banken werden vielfach Depots erhoben und nach Brüssel transferirt. Am Sonntag kam es in Paris wiederholt zu Ruhestörungen und Zusammenstößen zwischen Polizei und Gruppen von Sozialisten und Anarchisten, welche Kundgebungen verunstalten wollten. 380 Verwundete wurden gezählt, wovon 361 in Krankenhäuser gebracht wurden. Die Zahl der verwundeten Polizisten beträgt 59, die der Verhafteten 150, von denen 80 wieder freigelassen wurden. Die Unruhen sind jedenfalls ein bedenkliches Symptom für die Lage der Republik. — Großes Aufsehen erregt die aus dem Sudan gemeldete Ermordung zweier französischer Offiziere durch Kameraden. Die Hauptleute Coulet und Chanoine hatten sich auf ihrer Expedition die scheußlichsten Grausamkeiten gegen Eingeborene zuSchulden kommen lassen. Das Ergebniß der gegen sie eingeleiteten Untersuchung des französischen Kolonialamts war der Beschluß ihrer Absetzung. Oberstlieutenant Klopp hatte den Befehl erhalten, das Kommando über die Mission zu übernehmen und die bloßgestellten Offiziere nach Murte (?) zu führen. Klopp nnd der Lieutenant Meumer waren von einer Abtheilung eingeborener Soldaten begleitet, als sie auf die Miistou stießen. Klopp theilte der Expedition seinen Auftrag mit, woran Coulet erwiderte, wenn Oberstleutnant Klopp darauf beharre, seinen Befehl äuszuführen. könne er sich als todten Mann betrachten. Als Klopp und Meunier mit ihrer Begleit-Mannschaft sich der Expedition trotzdem näherten, ließ Hauptmann Coulet seine Leute feuern. Die Folge war der Tod der beiden Offiziere und mehrerer '
- Eingeborenen. Das unglaubliche Ereigniß läßt die i Disziplin in der französischen Armee in geradezu entsetzlichem Verfall erscheinen.
e Rußland. Im Südollen Rußlands, im Gonverne- e ment Samara ist die sibirische Pest ausgebrochen. Auf r telegraphische Requisition hin wurden mehrere Regimenter t Infanterie dorthin entsandt und die Stadt Zaryzin ab- c gesperrt. Die Regierung beabsichtigt in Folge dessen, i die Wolgaschiff ahrt cinzuschrünken, worunter allerdings i der Verkehr, namentlich der große Jahrmarkt zu Nishnij- i Nowgorod sehr zu leiden hätte. Den russischen Zeitungen i soll strenges Stillschweigen auferlegt worden sein.
, Die Pest in Oporto. Am Dienstag sind vier neue : Pestfälle vorgekommen Die Jsolirung von Oporto ■ durch einen Militärkordon ist beschlossen worden. Die l Mittheilung von Pestfällen in Lissabon wird vom amer. . Consul widerrufen.
New Dork. Ueber Versuche mit einen Unterseeboot i wird aus New-Uork berichtet: Dieser Tage wurden in • der Picknick-Bai eine Reihe von Versuchen mit dem t unterseeischen Boot „Holland" unternommen. Das i Boot tauchte, während es eine Geschwindigkeit von 7 l/z । Seemeilen in der Stunde hatte, unter und verschwand • in weniger als 5 Sekunden. Es legte eine Meile unter See zurück und konnte ein künstliches Torpedoboot aktions- unfähig machen, ohne daß an der Oberfläche des Wassers eine Störung bemerkbar gewesen wäre.
Zur neuen Christenverfolgung tn Südschantung wird der „K. V.-Z." von wohlunterrichteter Seite geschrieben: „Wenn aus China gemeldet wurde, die halbe Mission sei zerstört, so heißt das nicht, die Hälfte der Missionsstation Zining (im Telegraphenkatalog Chining) sei zerstört, sondern die Hälfte der christlichen Gemeinden des apostolischen Vikariats Südschantungs." Durch diese zuveMisige Deutung der ersten kurzen Depesche wird die. Angelegenheit um so betrübender. Ein großer Theil der überaus opferwilligen und segensreichen Thätigkeit der Steyler Missionsgesellschaft ist also vernichtet.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächter«, 25. August.
* — Nach einer Mittheilung des Direktors der Hessischen Brandversicheruugsanstalt in Cassel empfiehlt es sich, zur Vermeidung von Weitläufigkeiten und zur Erzielung einer raschen Geschäftserledigung, bei allen Eingaben an die Hessische Brandversicherungsanstalt die Hausnummer des Gebäudes, um das es sich handelt, anzugeben. In Orten, wo die Straßen Namen führen, würde auch der Straßenname anzugeben sein.
* — Am 27. August wird in unseren Kirchen eine Kollekte für das Hessische Diakonissenhaus eingesammelt. Das Diakonissenhaus, welches Tauenden von Noth- leidenden und Hilfsbedürftigen dient und sein Arbeitsfeld immer weiter ausdehnen muß, weil die vorhandene Noth es hierzu zwingt, bedarf dringend der Unterstützung. Noch lastet eine Schuld von mehr als 310000 Mark auf der Anstalt.
* — Wie allgemein bekannt, ist tu der letzten Zeit abermals eine Gcldvertheucrung eingetreten, die zu einer ! Erhöhung des Lombard-Zinsfußes auf 6‘/.2 pCt. bei der Reichsbank geführt hat. Und wie die Dinge zu stehen scheinen, ist nicht recht anzunehmen, daß so bald wieder eine Verbilligung des Geldpreises eintritt, es ist vielmehr zum beginnenden Herbst, wenn für die Weih- nachts und Wintersaison neue Arbeitsmittel gebraucht werden, mit einer weiteren, wenn auch hoffentlich nicht hohen Preis-Emporschncllung zu rechnen. Der kolossale Geldbedarf, den Staaten, Gemeinden und Unternehmungen aller A t gehabt haben, macht sich eben mit Naturnothwendigkeit bei dein Preise des Geldes geltend. Wenn wir ferner daran denken, wie alles Metall theurer geworden ist, für Kohlen Preisaufschläge zu erwarten sind, so sehen wir darin wohl einen außerordentlich regen Aufschwung und mögen uns des regen Arbeitslebens freuen, welches von Millionen den Fluch oer Noth fernhält und ihnen eine behagliche Existenz gewährt, aber wir wollen auch daran denken, wie in weiten Kreisen des Nährstandes unter dem harten Drucke der kapitalkräftigen oder rücksichtslosen Konkurrenz Tausende ärger dran sind wie Arbeiter. Es sind die mittleren und kleineren Gewerbetreibenden, die mehr als je auf Baarzahluug angewiesen sind, um Rohfabrikate zu nicht zu hohen Preisen einkanfen zu können, die darum auch keinen mp