beschäftigter Arbeiter mit der einen Hand in die Maschine, welche die Drahtstifte ihm durch den Arm trieb und so den Arm festhielt. Da die anderen Arbeiter mit der Handhabung der neuen Maschine nicht vertraut waren, so konnte es ihnen erst auf Grund der von dem Verletzten unter den größten Schmerzen gegebenen Anweisungen gelingen, mit aller Vorsicht die Maschine zu öffnen und den Mann zu befreien, der in Folge der ausgestandenen Schmerzen sofort in Ohnmacht fiel.
Cassel, 9. Aug. Die drei ältesten kaiserlichen Prinzen sind heute früh nach Ploen abgereist.
Reichensachsen, 7. August. In einer hiesigen Gastwirthschaft kehrte dieser Tage ein schneidiger Radfahrer ein, der sich die Vorgesetzte Bratwurst und das kühle Bier ganz vortrefflich munden ließ. Nach genossenem Mahle zündete er sich eine Cigarre an und ließ wohlgefällig die blauen Ringel in die Luft tanzen. „Nun, Herr Wirth, kennen Sie mich noch?" fragte er diesen; der Wirth guckte den Gast von allen Seiten an und schüttelte sein Haupt. „Nun, so will ich es Ihnen sagen, setzen Sie sich zu mir und trinken Sie mit mir eine Flasche Wein!" Bereitwilligst ging der Wirth darauf ein und so erzählte nun der Radier: „Es sind jetzt sechs Jahre her, ich war in Frankfurt in Stellung gewesen und wanderte nun mit dem Bündel auf dem Rücken durch das schöne Hessenland. Das Geld wurde immer dünuer und war zuletzt alle. Ich wanderte abends hier ein, war hungrig und durstig, blieb über Nacht und brannte am andern Tage mit der Zeche durch. Heute will ich Ihnen aber den Schaden doppelt und dreifach ersetzen, denn ich habe jetzt in K. eine gute Stelle. Prosit, Herr Wirth! Bringen sie noch eine Flasche Wein." Bei dem Trinken und Plaudern vergeht die Zeit und der Wirth erinnert sich, daß er nach dem Stalle muß. Als er wieder zurückkam, waren Roß und Reiter verschwunden und der noble Gast wieder — durchgegangen! Tableau!
Borken, 5. August. In dem nahegelegenen Dorfe Betzigerode ereignete sich folgender beklagenswerthm Fall. Die junge Frau des dortigen Einwohners Hommel war im Begriff, eine Sense auf das Feld zu tragen. Unter Wegs glitt sie aus und kam dabei so unglücklich zu Fall, daß ihr die Sense oberhalb des Kniees in's Bein drang. Aerztliche Hilfe wurde sofort in Anspruch genommen, allein eine bedenkliche Entzündung der Wunde machte eine schleunige Ucbersührnng in's Landkrankenhaus zu Cassel nothwendig. Die Amputation des Beines steht zu befürchten. Dieser Fall lehrt wieder einmal, daß man beim Hantieren mit der Sense niemals vorsichtig genug sein kann.
Homburg v. d. H., 5. August. Der 18jährige Brauer Winterstein, der sich auf Wanderschaft van hiernach Höchst befand, wurde von drei Handwerksburschen, welche an der Oberurseler Chaussee im Graben lagen und Schnaps tranken, au'gefordert, sich zu ihnen zu gesellen. Als er dies that, überfielen sie ihn, beraubten ihn und versetzten ihm mit seinem eigenen Messer mehrere Stiche in den Kopf und Rücken, die jedoch nicht lebensgefährlich sind. Der eine der verfolgten Thäter soll angeblich Georg Monius heißen.
Höchst, 5. August. Am hiesigen Königlichen Gymnasium hat eine Dame, Fräulein Schieman aus Jnster- burg, das Abiturientenexamen bestanden. Sie erhielt das Zeugniß der Reife und wird Medizin studiren.
Vermischtes
— Herr Ockonomierath Dr. Lüll veröffentlicht im „Praktischen Wegweiser", Würzburg, folgendes über das Thema „Keine Schweinekrankheit mehr": „Wenn ein Schwein alles Fressen verschmäht und rothbraune Flecken hinter den Ohren bekommt, so hat es die Bräune oder wie sie auch genannt wird, den Rothlauf. Man hole sich deshalb so bald als möglich aus der Apotheke ys Liter Salmiakgeist (Ammoniak), gieße zwei Eßlöffel voll von demselben zn 1'/, Liter Wasser und schütte dieses Gemisch in den zuvor gut gereinigten Trog. Wenn nöthig, treibe man das Schwein an den Trog; sowie
es die Arznei riecht, wird es dieselbe begierig saufen. Nach Verlauf von einer Stunde setze man dasselbe Gemisch dem Schweine wieder vor und wiederhole dies so lange, als das Schwein die Arznei säuft; verschmäht es dieselbe, so ist eS wieder gesund, was in der Regel am zweiten Tage der Fall ist. Im Nothfalle kann man auch statt des Salmiakgeistes vergohrene Mistjauche, in der ebenfalls Ammoniak enthalten ist, dem Schweine vorsetzen. Ist die Bräune geheilt, so muß unbedingt, um der Knochenkrankheit vorzubeugen, unter das Futter des Schweines täglich eine Hand voll gelöschter Kalk gemischt werden. Sollte wider Erwarten das Schwein den Salmiakgeist nicht freiwillig saufen, so muß er in reinem Zustande, d. h. ohne Wasserzusatz, täglich mehrere mal hinter den Ohren, unter dein Bauch und zwischen den Hinterschenkeln eingerieben werden. Daß auch hiernach eine mehrtägige Kalkfütterung notwendig ist, versteht sich von selbst. - Wer meine Rathschläge befolgt, wird kein Schwein mehr durch die Bräune verlieren."
* — Vorboten des Wetters. Es giebt zahlreiche Vorboten guten und schlechten Wetters, die besonders das Landvolk zu kennen pflegt, welche auch gewöhnlich zutreffen, die aber doch wenig bekannt sind. So weiß zum Beispiel jeder Landmann: Wenn die Sonne heiter untergeht, geht sie heiter auf, wenn der Mond weiß leuchtet, wenn die Milchstraße Abends recht deutlich zu sehen ist, wenn die Eulen Nachts schreien, die Feldmäuse am Abend lustig umherlaufen, wenn die Wolken Morgens oder Abends von Ost nach West ziehen, die Kerzen ruhig brennen, der Rauch des Schornsteins zum Himmel steigt, die Btücken nach Sonnenuntergang noch lustig tanzen — dann kommt Sonnenschein. Wind verkünden uns der roth aufgehende Mond und die rothe Sonne, wenn Sounengewebe hcrumflicgen, die Sterne schießen. Liegt der Froschlaich im Wasser, so giebt es einen trockenen, liegt er am Ufer einen feuchten Sommer. Die Spinne aber ist die trefflichste Wetterprophetin, besser und sicherer als das Barometer, und sagt das so viele Tage voraus, was Letzteres nur so viele Stun den voraussagt. Spinnt sie recht lange Fäden, so darf man auf zehn bis vierzehn Tage schön Wetter rechnen, spinnt sie schwach und wenig, auf veränderliche Witterung, spinnt sie gar nicht, versteckt sie sich und zeigt uns den Rücken, jo kommt sicher Wind und Regen.
— Der gebratene Papagei. Ein amüsantes Ge- schichtchen macht gegenwärtig in Moabit die Runde. Ein in der Stendalerstraße wohnender Beamter hatte seiner Frau schon sein langer Zeit einen Papagei als Geschenk in Ansicht gestellt. Dieser Tage nun erstand der Gatte ein Prachtexemplar dieser exotischen Vögel für 60 Mk. Dem Vogelhändler hatte er den Auftrag gegeben, den Papagei in den Vormittagsstunden abzuliefern. Nun bekam aber der Beamte den Besuch einer ländlicher Nichte, die in ihrem Heimatsdorfe wohl Kartoffel- graben, Heuen, Spargelstechen rc.. nicht aber einen Papagei kennen gelernt hatte. Als Herr V. um 3 Uhr nach Hause kam, fand er sein Weibchen in Thränen aufgelöst vor. Das Räthsel war bald gelöst. Frau V. war zur Markthalle gegangen, und während ■ ihrer Abwesenheit war der Papagei der ländlichen Nichte prä- sentirt worden. Diese fragte den Ueberbringer, ob das Federvieh auch für's Mittagessen sei. Die Antwort „na, selbstredend" nahm sie für baare Münze, und da sie ihrem Tantchen eine Arbeit abnehmen wollte, drehte sie dem Krummschnabel den Hals um, rupfte das herrliche Gefieder aus, nahm die Eingeweide heraus und legte den 60-Mark-Vogel in die mit Butter belegte Bratpfanne. Die Dorfschöne mußte noch Abends zu ihren Kühen heimkehren.
— Eine gewaltige Erbschaft hat die öffentliche Bibliothek in New York aus der Hinterlassenschaft des verstorbenen Samuel Tilden gemacht. Nach Feststellung des Nachlasses hat sich die nach dem letzten Willen des Verstorbenen auf das genannte Institut entfallende Summe zu rund 11'/, Millionen Mark hcrausgcsteUt. Die „Publik Library" in New-York, die von den Familien
Astor, Lenuo und Tilden begründet worden ist, war bisher schon das reichste derartige Institut der ganzen Welt.
— Deutsche Monatsnamen. Nachdem schon eine Reihe nationaler Vereine, die ostmärkischen Verbände, ebenso Zeitschriften wie der „Kynast" und andere die alten deutschen Monatsnamen wieder eingesührt haben, gehen neuerdings auch die im Kyffhäuserverband vereinigten Studenten daran, sich diese alten germanischen Namen zu eigen zu machen. Als giltige Monatsnamen sollen eingeführt werden: Härtung, Hornung, Lenz- mond, Ostermond, Mai, Brachmond, Heuert, Ernting, Scheiding, Gilbhart, Nebelung, Julmond. Härtung bezeichnet den Monat harter Eisschollen. Hornung gestattet eine verschiedene Deutung; vielleicht war die Zeit gemeint, wo das Rothwild sich hörnt, oder aber es besteht ein Zusammenhang mit dem in diesem Monat von den alten Deutschen dargebrachten Trinkovfer (aus Hörnern). Scheiding bezieht sich nur die Scheide des Sommers und Herbstes. Gilbhart ist der Monat des sich gelb färbenden Laubes, Nebelung ist eine mund- artige Nebenform und meint den Gast aus Nebelheim. Die übrigen bedür-en einer näheren Erklärung nicht.
— Selbst ist der Mann. Pantoffelheld: „Ich soll ihnen Gruß von meiner lieben Frau bestellen — sie läßt sich erkundigen, ob ich nicht gestern meinen Schirm hier gelassen habe?"
Cassel, 9. August. Der Markt verlief in ruhiger Haltung und bewegte sich der Verkehr in bescheidenen Grenzen, bei zum Theil eiwas niedrigeren Preisen. Es wurden bezahlt für: Alter Weizen Mk. (50-152, , Neuer Roggen Mk. 140 -142, - , Alter Hafer Mk. 143 145, Mais Mk. 1(9, Sesamkuchen Mk. 116, Erdnußkuchen Mk. 150, Texasmehl Mk. 125, deutsches Baumwollsaatmehl M. 130, Weizenkleie Mk. —, Reismehl M.100 alles per 1000 Kilo frei Cassel, Cassel-Hafen oder Parität.
Durchschnittspreise des Obstes vom 7. August 1899,
(Die Preise verstehen sich bei sofortiger Lieferung.)
Heidelbeeren 9 Mk. der Centner, Himbeeren der Centner 25 Mk, Johannisbeeren 14,50 Mk. der Centner, Stachelbeeren 11 Mk., Pfirsiche 50,50 Mk. der Centner, Reineclauden 27 Mk., Frühbirnen der Centner 18 Mk., Frühäpfel der Centner 17 Mk., Frühzwetschen 28 Mk.
Frankfurt a. M., den 7. August 1899.
Centralstelle für Obstverwerthung.
— Spezialkarte der Provinz Hessen Nassau und des Fürstenthums Waldeck-Pyrmont. Verlag von Max Brunnemann-Kassel. Die nach amtlichen Quellen im Maßstabe 1 : 333'/, 1000 (3 mm = 1 km) bearbeitete Karte hilft einem für Handel und Verkehr längst fühlbar gewordenen Mangel einer guten handlichen, dabei preiswürdigen Karte der Provinz und der angrenzenden Gebietstheile ab. Der Verleger hatte sich der Unterstützung staatlicher, bezw. ständischer Beamten und Be- hö.den bei seiner Arbeit zu erfreuen. Diese Unter« stützung tritt in der ganzen Sorgfalt hervor, die auf Einfügung der neuen Wege und Bahnlinien, zumal aber der bereits vollendeten sowie auch der noch in der Ausführung begriffenen und selbst erst geplanten verwendet ist. Jede Einzelheit tritt klar hervor, und namentlich trägt es zur Uebersicht- lichkeit bei, daß die Landes- und Kreisgrenzen sich in Folge ihrer genauen farbigen Bezeichnung schon auf den ersten Blick scharf von einander abheben. Auch die Verschiedenheit der Straßen ist durch die Art der Ein- zeichnung erkennbar. Wem an der Gewinnung eines schnellen Ueberblicks über die Berkchrsverhültnisse der Provinz gelegen ist, dem kann die Brunnenmannsche Karte bestens empfohlen werden.
Kirchlicher Anzeiger für Schlächter».
Sonntag, den 13. August 1899.
Morgcngottesdicnst: Herr Pfarrer Ehringhaus. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrr Hattendorff.
Wocheudienst: Herr Pfarrer E h r i n g h a us.
Katholischer Gottesdienst.
Vormittags 9'/2 Uhr: Franziskaner-Pater.
Bekanntmachung.
Termin zur Eröffnung des Testaments des Rechnungsraths Franz Karl Joseph Dieterich aus Cassel, ist auf den 16. Angnst 1899, Vormittags 10 Uhr bestimmt.
Salmünster, den 4. August 1899.
Königliches Amtsgericht.
Bekanntmachung.
Die Wählerliste für die im November d. J. stattfindenden Ergänzungswahlen für die Stadtverordneten - Versammlung liegt vom 15. bis 30. Angnst er. wäyrend der Dienststunden auf dem Bürgermeisteramt zur Einsichtnahme für die Bürger ans. Etwaige Einsprüche gegen die Richtigkeit dieser Liste sind bis zum 30. August er., Abends 6 Uhr bei dem Magistrat einzureichen.
Schlächtern, den H. August 1899.
Der Magistrat.
Jagdverpachtung.
Montag, den 21. Angnst,
Mittags 12'/a Uhr soll in der Karl Roll'schen Wirthschaft dahier die Romsthaler Ge- meinde-Feld'Jagd auf 6 oder 12 Jahre verpachtet werden.
Romsthal, den 9. August 1899.
Der Bürgermeister: Jöckel.
Maschinenöl Ä“&
Bei mehr billigsten Engrospreis.
Carbolineum "L^L.
Bei mehr billigsten Engrospreis.
Bernstein- i Kilo Büchse
Fussbodenlack ««"«.
Futzhodenöl, Leinöl, Firniß, Oelfarben, Lacke billigst bei Ferd. Fenner.