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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Alk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
tM 64, Samstag, den 12. August 1899. 50. Jahrgang.
lEUlMhtttnMI mtf d'e .Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ^ - — Postanstalten und Landbxiesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich-
Berlin. Am Freitag Mittag trifft der Kaiser bei Krupp auf Billa Hügel bei Essen ein. Tags darauf wird er in Remscheid erwartet.
— Die feierliche Eröffnung des Dortmund-Ems- Kanals findet, wie nunmehr feststeht, in Anwesenheit Kaiser Wilhelms am Freitag, 11. Angust, Vormittags 9 Uhr und zwar im Beisein der Minister v. Miguel uud Thielen statt.
— Die Volkszahl Deutsch-Ostafrikas. Bei Durchführung der Hüttensteuer in Deutsch-Ostafrika wurde bis jetzt die Bevölkerungsziffer der Bezirke Tanga, Pangani, Saadani, Bagamoyo, Dar es-Salaam, Kilwa, Lindi, Mikindani, Kilasfa, Nyapua, Kilimatiude, Tabora, Muanza, Bukola und Langenburg ermittelt und auf zusammen 2,080,308 Seelen festgestellt. Die Volkszahl der ganzen Kolonie dürfte nach den bei dieser Ermittelung genommenen Anhaltspunkten auf 7 bis 8 Millionen angenommen werden.
— Die allgemeine Schulpflicht endet nach einer Kammergerichtsentscheidung in Preußen nur in den Provinzen Ost- und Westpreußen mit dem vollendeten 14. Lebensjahre, in allen übrigen Provinzen nach dem „Allg. Landrecht" erst dann, wenn sich die Kinder nach dem Befunde des Schulinspektors die erforderlichen Kenntnisse erworben haben.
Von der Ruhr, 7. August. Infolge des anhaltend trockenen Wetters ist der Wasserstand der Ruhr ein äußerst niedriger, an verschiedenen Stellen nimmt das Wasser nur noch in einer schmalen Rinne im Flußbett seinen Lauf. Die an der Ruhr belegenen Wasserwerke sind dadurch zum Theil in eine schwierige Lage gekommen, sie arbeiten mit größter Sparsamkeit. Infolge dessen macht sich in einigen Gebieten, die das Wasser von der Ruhr beziehen, ein außerordentlicher Wassermangel bemerkbar, der, wenn die Dürre noch längere Zeit anhalten sollte, zur Kalamität werden könnte. Verschiedene Behörden sehen sich daher veranlaßt, den Konsumenten äußerste Sparsamkeit in dem Verbrauche des Wassers zu empfehlen. In Lethmate untersagte der Gemeindevorsteher sogar jeden Wasserverbrauch mit Ausnahme desjenigen, der für Haushaltungszwecke bestimmt ist. Der Wassermangel weist wieder auf den hohen Werth der Thalsperren hin. die man im Ruhrgebiet anzulegen beabsichtigt. Wären diese bereits vorhanden so wäre man gegen jeden Wassermangel gesichert.
Bochum. Die Arbeiten zum Zwecke einer Unterführung am Bahnhof Bochum-Süd sind dieser Tage vergeben worden. Die Arbeiten waren zu 40 000 Mk. veranschlagt. Unter den Offerten lautete eine jage und schreibe auf 8000 Mmk. Dabei sind allein 40 OOü Kubikmeter Erbmassen zu bewegen. Einem Unternehmer aus Essen ist auf 13 000 Mark der Zusckilag ertheilt worden. Seide wird er dabei wohl auch nicht spinnen.
Osterode a. H., 4. Aug. Eine bedeutende Wasserstau-Anlage wird im Sösethal, oberhalb der Stadt ge- glant. Die Söse, ein bis zur Mündung in die Ruhme wechselnd starkes Harzgewässer, treibt in ihrem kurzen Lauf doch etwa 60 gewerbliche bezw. industrielle Werke größeren und kleineren Umfangs. Durch die Aufforstungen und Moordurchstechungen im Oberharz ist der Wasserstand des Flüßchens immer unregelmäßiger geworden, was zu großen Kalamitäten führt. — Einen Ausgleich herbeizuführen. will man eine Thalsperre errichten, durch welche rund 2 Millionen Kubikmeter Wasser aufgespeichert werden können. Die Kosten sind bei ungemem günstigem Terrain auf nur eine Million Mark höchstens berechnet. Natürlich würden die ausgehenden Wasserkräfte auch zur Herstellung einer elektrischen Energie verwerthet werden. Die Finanzirung rc. wird in die Wege zu leiten gesucht.
Halle a. S., 9. Aug. In zahlreichen Familien ist der Fleckentyphus ausgebrochen.
Gießen, 7. Aug. Ein großer kriegsmäßiger Distanzritt, wie er in der geplanten Ausdehnung in der deutschen Armee in Friedenszeiten noch niemals vorgenommen wurde, wird in 14 Tagen von Gießen aus seinen Anfang nehmen und durch ein ganzes Kavallerie- Regiment zur Ausführung gebracht werden. In Aus
sicht genommen ist hierfür das Königsnlanenregiment (Nr. 13) in Hannover. Dasselbe begiebt sich in fünf Extrazügen, die jedoch nicht hinter einander folgen und die Kleinigkeit von 60 000 Mk. kosten, nach Gießen. Nachdem es hier zusammengezogen, erfolgt der Ritt zunächst über Butzbach, Nauheim, Friedberg, Vilbel. In der Nähe Frankfurts wird dann die erste größere Station gemacht. Von hier aus wird der Marsch über Darmstadt bis nach Straßburg fortgesetzt zur Theilnahme an den Kaisermanövern.
Vom Odenwald. Die Heidelbeerernte ist nun als beendet zn betrachten. Da es zur Blüthezeit sogar Eis gefroren hat, setzten die zwar sehr wiederstandsfähigen Sträucher nicht so massenhaft an, so daß es quantitativ nur eine halbe Ernte gab. Die Preise jedoch waren dieses Jahr wieder gegen früher sehr hoch. Es kamen wieder ohne Zweifel weit über 100 000 Mk. durch die besagte Ernte in unsere Gegend, was um so höher an- zuschlagen ist, als diese Summen von den ärmeren Leuten, ja meistens von Kindern verdient werden.
Wörth, 6. August. Am 6. August, dem ruhmreichen Jahrestag der Schlacht bei Wörth, ist auf dem hörigen Schlachtfeld das Denkmal für die Gefallenen des 32. Infanterie-Regiments, welchem gar viele Söhne des Hessenlandes angehörten, feierlichst eingeweiht worden. Das Denkmal besteht aus einer Anzahl von zu einem Felsen vereinigten Granitblöcken, welcher das Deutsche Reich darstellen soll, und über ihm steht kampfbereit mit ausgebreiteten Schwingen der ans Bronce gegossene Reichsaar. Auf den einzelnen Granitblöcken sind mit goldenen Lettern die Ehrentage des Regiments cingc- meißelt und auf dem größten derselben prangt die goldene Inschrift: „Den gefallenen Helden des 2. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 32 im Kriege 1870—71." Die Einweihung des Denkmals nahm unter der Theilnahme von 600 Veteranen des Regiments sowie vieler hoher Militärs einen erhebenden Verlauf und wird den Theilnehmern noch lange im Gedächtniß bleiben.
Ausland.
Rußland. Vom verstorbenen Cäsarewitsch Eine überraschende Mittheilung macht der Petersburger Berichterstatter der „Frkf. Ztg.": Der verstorbene Thronfolger von Rußland war verheirathet. Er war sogar glücklicher Familienvater. Das ist in Rußland in weiten Kreisen ein öffentliches Geheimniß, von dem indessen nicht viel gesprochen wird. Die Presse muß diesen Umstand natürlich mit Stillschweigen übergchen. Während dem Zaren bis jetzt drei Töchter geboren wurden, war sein Bruder Georg Vater von drei Söhnen. Eine Ironie des Schicksals! Der Thronfolger lernte, bald nachdem er seines Leidens wegen sich nach Abas- Tuman zurückziehen mußte, dort eine kaukasische Fürstentochter kennen, die wie man erzählt, Telegraphistin war. Kaiser Alexander III. soll gegen die morganatische Ehe seines Sohnes nichts einzuwenden gehabt, sondern geäußert haben: ..Einem Sterbenden darf man keinen Wunsch abschlagen." Die Gattin des Thronfolgers stammt, wie es heißt, aus dem Geschlecht der letzten Könige von Grüften. Ob Kaiser Nikolaus seinen Neffen nun einen Fürstentitel verleihen und ob er oder die Kaiserin-Mutter jetzt für die Wittwe des Cäsarewitsch sorgen wird, ist unbekannt.
New Dort, 6. Aug. Der Landungschlipp an der Mount-Desertinsel (Maine) stürzte ein. 200 Personen, welche die Ankunft des nordatlandischeu Geschwaders erwarteten, fielen ins Wasser, zwanzig Personen ertranken.
Aus Bridgeport (Connecticut), 7. August, wird gemeldet : Ein Eisenbahnzug fiel von der Bockbrücke in der Nähe von Stratford in einer Höhe von 60 Fuß herab. Von 47 Reisenden sollen 36 getödtet sein.
Durch einen Orkan wurden in Florida fünf Städte völlig zerstört, andere überschwemmt und von der Außenwelt abgeschnitten. Ein Passagierdampfer ist mit Mann und Maus untergegangen, Bahuzüge wurden vom Geleise geweht. Die Anzahl der Todten und Verletzten läßt sich noch nicht schätzen, ist aber voraussichtlich sehr beträchtlich. Nach einer weiteren Depesche aus Pensacola (Florida) ist durch den Orkan in der Nacht zum Mittwoch der größere Theil der Stadt Carabelc zerstört worden. Auch an anderen Orten Floridas wurde beträchtlicher Schaden augerichtet. Nach einer Depesche aus Jack- sonville sind 13 Schiffe während eines Cyklons bei Cara- belle theils zertrümmert, theils an das Land geworfen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchlern, 11. August.
* — Nach einer Zusammenstellung der Landwirthschaftskammer für den Regierungsbezirk Kassel sind den Gemeinden in demselben durch den Verkauf des im Jahre 1898 geernteten Obstes folgende Einnahmen zu- geflossen: Cassel 8762.60 M., Eschwege 6303,29, Frankenberg 3266,27, Fritzlar 4133, Fulda 651,35, Gelnhausen 666,71, Gersfeld 398,80, Hanau 2370,31, Hersfeld 938,16, Hofgeismar 21,469, Homberg 3482,35, Hünfeld 350,15, Kirchhain 6639,35, Marburg 3777,36, Melsungen 3123,91, Rinteln 4398,85, Rotenburg 2753,35, Schlächtern 2237, Schmalkalden 1301,48, Witzenhausen 12060,70, Wolfhagen 8065,57 und Zie- genhain 3818,87; in Summa 105 966,43 Mark.
— Dem 11. Armeekorps (Kassel wird am 1. Okt. d. I. das neuzuformirende Pionir-Bataillon Nr. 21 zugetheilt, sodaß das Pionier-Bataillon Nr. 11 (Kastel) im Verbände des 18. Armeekorps verbleibt.
Neuhof bei Fulda, 8. August. In dem benachbarten Walde bei Dorfborn, Forstort Kahlberg, hat sich ein unbekannter junger Mann, der in einer Chaise von von Fulda hierher gefahren war, erschossen. — In der hiesigen Apotheke wurde vor einigen Tagen ein frecher Einbruchs-Diebstahl zu nächtlicher Zeit ausgeführt.
Fulda, 8. August. Gestern Namittag gegen 5 Uhr zog ein Gewitter über unsere Stadt, wie wir es lange nicht erlebt hatten. Der Himmel verfinsterte sich dermaßen, daß man das Licht anzünden mußte. Dumpf und unheilverkündend rollte der Donner, und als die gewitterschwangeren Wolken über unsere Stadt zogen, entfesselte sich das Element und Blitz und Schlag war eins, einWolkenbruch, so kann man die herniederströmenden Wassermassen ruhig bezeichnen, folgte dem anderen, sodaß bald der ganze untere Staettheil in seinen Straßen einem großen See glich. Und dabei tobte ein Hagelsturm von solcher Heftigkeit, daß Dächer zum Theil abgedeckt, Schornsteine umgestürzt, Bäume umgerissen und unberechenbarer Schaden allerwärts angerichtet wurde. Ganz besonders groß sind die Verheerungen, welche durch das Eindringen ,dcs Wassers in die Häuser der Canalstraße hervorgerufen wurden. Abgesehen davon, daß fast jeder Keller mit Wasser bis oben angefüllt ist, hat auch das in die Hausflure und Wohnräume cinge- drungene Wasser vielen Schaden verursacht. Aber nicht allein die Stadt an sich, auch das Weichbild derselben wurden hart mitgenommen. Unsere städtische Badeanstalt ' am Rosenbade (ein stattliches Werk im Werthe von ca. 20,000 Mark) wurde derart zugerichtet, daß wohl in diesem Jahre von ihrer Benutzung gänzlich Abstand genommen werden muß, die Alleen an der Kohlhäuser Straße, nach dem Pröbel, an. dem Domplatze u. s. w. sie alle wurde schrecklich zugerichtet: Bäume entwurzelt, Acstc abgerissen, sodaß sie ein trauriges Bild der Verwüstung bieten. Nimmt man alles in Betracht, so waren die gestrigen Gewitter derart Unheil bringende, daß man sich ihrer auf lange, lange hinaus nur mit Schrecken erinnern wird.
Fulda, 9. Angust. Wie sehr das vorgestrige Hagelwetter in der Umgegend unserer Stadt gehaust, ersieht man daraus, daß aus den Orten Maberzcll, Rodges, Besges, Oberrode, Mittelrode, Niederrode, Sickels, Haimbach, Kohlhaus, Zell, Bronzell, Adolfseck, Künzell, Bachrein, und Neuenberg bis jetzt schon allein bei der Kölnischen HagclvcrsicherungSgesellschaft 85 Hagelschäden augemeldet worden sind. Die Gemarkungen von Maberzell, Neuenberg, Sickels und Kohlhaus sind besonders schwer betroffen.
Neudorf, (Spesfart). Auf der Jagd erschoß ein 17 jähriger Gymnasiast ans Aschaffenburg eine Frau von 40 Jahren, Mutter mehrerer Kinder, die beim Kornmähen war. Es ist unbegreiflich, wie man solche Knaben auf die Jagd gehen lassen kann.
Kassel, 9. Aug. Die kgl. Regierung läßt gegenwärtig durch die Landrathsämter Erhebungen anstellen über die Zunahme der evangelischen Schulkinder und der evangelischen Lehrerstellen in den letzten 5 Jahren. Der Grund zu diesen Erhebungen ist darin zu suchen, daß geprüft werden soll, ob ein neues evangelisches Lehrerseminar im diesseitigen Bezirke sich als nothwendig erweist. Bekanntlich war auch hiervon bei den letzten Etatsberathungen im Abgeordnetenhaus die Rede.
Cassel, 5, August. In einer hiesigen Fabrik gerieth ein an einer zum Schuhbesohlen dienenden Maschine