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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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MittvoL, den 9. August 1899.
50. Jahrgang.
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iWf>lhtttrtM1 nuf bie -Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - ~ Postanstalten und Landbriellrägern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
Die Abhaltung des Viehmarktes in der Stadt Fulda am 10. d. M. ist unter nachstehenden Be- diugungen genehmigt worden:
fs 1. Ani Tage vor dem Markte werden alle Gastställe und Einstellnugen in der Stadt Fulda tierärztlich beaufsichtigt werden.
2. Mit dem Auftrieb darf nicht vor 6 Uhr be- gonueu werden. Der Zugang ist mit durch die Schloststraste zu nehmen. Die übrigen Straßen sind abgesperrt.
3. Die Musterung des Viehes vor dem Eingänge und das Handeln außerhalb des Marktplatzes sowie innerhalb der Stadt Fulda ist am Markttage verboten.
4. Das Ausbringen von Vieh aus den Markt ist nur dann gestattet, wenn den an dem Marktzugang ausgestellten Polizeibeamten eine von der Ortspolizei- behördc ausgestellte Bescheinigung vorgezeigt wird, daß die anfzntreibenden Thiere, welche nach Geschlecht, Farbe, Abzeichen und Alter genau aufzuführen sind, seit mindestens 14 Tagen an dem Orte des Ausstellers stehen, daß der Ort zur Zeit seit min bestens 4 Wochen seuchenfrei ist und keinem Sperrgebiete im Sinne des § 59 a der Bundesraths-Jnstruktion vom 27. Juni 1895 angehört. Diese Bescheinigung hat eine fünftägige Gültigkeit und ist schon am Tage vor dem Markte in den Gastställen, auf der Straße und an der Bahn auf Verlangen dem Kreisthierarzte und den Polizeibeamten vorzuzeigen.
5. Mehr als drei Thiere dürfen zugleich den Markt- Eingang nicht passiren. Wer mehr als 3 Stück Vieh zusammengekoppelt heranführt, wird bestraft.
6. Die Thiere, welche auf einem Ursprungsschein aufgeführt sind, müssen in unmittelbarer Aufeinanderfolge auf den Markt geführt werden. Die Scheine werden am Eingänge abgenommen.
7, Während der ganzen Dauer des Marktes untersteht das aufgetriebene Vieh der Kontrolle des Königlichen Kreisthierarztes.
Jede Uebertretung der vorstehenden Aufsichtsbe- stimmungen wird mit Geldstrafe nicht unter 10 Mk bestraft, so ern nicht nach den bestehenden Gesetzen höhere Strafen verwirkt sind.
Die otägige Quarantäne der mit der Bahn aus verseuchten Gegenden ankommenden Thiere ist aufgehoben.
Fulda, den 4. August 1899.
Der Königliche Landrath: Steffens.
Deutschestes
Berlin. Die Ankunft des Kaiserpaares in Arolsen zur Theilnahme an der Enthüllungsfeier des Landesdenkmals für Kaiser Wilhelm I. findet am 14. d M. Mittags gegen 12'/2 Uhr statt. In Dortmund steht die Frage des Kaiserbesuches immer noch im Vordergrund des öffentlichen Interesses, eine bestimmte Antwort auf das an den Kaiser gerichtete Telegramm ist bis zur Stunde noch nicht eingetroffen, obschon man mit ziemlicher Sicherheit darauf rechnete, der Termin des Kaiserbesuchs werde sofort nach Eintreffen des Monarchen auf Wilhelmshöhe bekannt gegeben werden.
— Das Gerücht, der preußische Kriegsminister Goßler beabsichtige demnächst von seinem Posten zurückzutreten, wird jetzt auch in den Münchn. N. N." als zutreffend bezeichnet mit dem Hinzufügen, daß zum Nachfolger des Herrn von Goßler der bisherige Generalinspektor des Militärerziehungs- und Bildungswesens, General v. Funk in Aussicht genommen sei. Der Wechsel werde unmittelbar nach Beendigung der diesjährigen Herbstmanöver erfolgen.
— Der Eisenbahnminister hat angeordnet, daß wegen Bewerberlisten für Eisenbahn-Snpernumerare nur noch Bewerber mit der Reise für die Oberprima einer höheren Lehranstalt ausgenommen werden sollen.
— Das Reichspostamt erläßt unter dem 3. Angust folgende Verfügung betr. das Verfahren beim Vorkommen von beschädigten silbernen Zwanzigpfennigstücken: „Es ist wahrgenommen worden, daß silberne Zwanzigpfennig- stücke, die nur in geringem Maße beschädigt oder verbogen waren, von den Verkehrsanstalten nach Zerschnei
den dem Einzahler zurückgegeben oder überhaupt zurückgewiesen worden sind. Dieses Verfahren ist unzulässig. Derartige Stücke sind, sofern die Beschädigung in Folge gewöhnlicher Abnutzung entstanden ist, was bei den technischen Mängeln dieser Münzgattung häufig der Fall sein wird, zum vollen Werthe anzunehmen. Nur wenn es sich zweifellos um eine gewaltsame Beschädigung handelt, wenn z. B. die Münze durchlöchert oder durchschnitten ist, oder wenn erhebliche Münztheile fehlen, sind die Stücke nach norgängiger Unbrauchbarmachung an den Einzahler zurückzugeben."
Kiel, 4. Aug Die Wohnungsnoth in Kiel, Gaarden und Ellerbeck zeitig sehr bedauerliche Erscheinungen. In den städtischen Baracken Kiels wohnen gegenwärtig 20 Familien mit 90 Kindern. In einer massiven und in der hölzernen „Cholerabaracke" Hausen zwei, drei, in einem Falle sogar vier Familien in einem Raume. Infolge des äußerst beschränkten Raumes ist kein besonderer Schlafraum für jede Familie vorhanden. Die Lagerstätten sind nicht getrennt; es fehlt ein Zimmer zum An- und Auskleiden. Sämmtliche Familien haben in der steinernen Baracke eine gemeinsame Küche. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung ist ein Schutzmann in den Baracken ständig stationirt. Es ist anzunehmen, daß die traurigen Mängel und Uebelstände schleunigst beseitigt werden. Die Ueberfüllung der Räume ist unerwartet schnell eingetreten.
Dortmund, 2. Allg. Eine eigenthümliche, die Wirksamkeit des Rheinisch Westfälischen Kohlensyndikates bezeichnende Thatsache dürfte sich demnächst auf dem Dortmund Ems-Kanal vollziehen. Das Kohlensyndikat giebt zur Zeit für den Bezirk des Dortmund Ems Kanals fast gar keine Kohlen ab. Die hieraus resul- tireuden Mißstände haben einer Vereinigung namhafter Industrieller Veianlassung gegeben, mit englischen Kohlenzechen in Verbindung zu treten, und es sind bereits Verträge auf Lieferung größerer Quantitäten per-1 fest geworden. Man wird also erleben, daß demnächst englische Kohlen auf dem Dortmund-Ems-Kanal nach dem westfälischen Jndunriebezirk verpachtet werden.
Köln. Eine ruchlose That vollführten junge Burschen in dem an der Bröhlthalbahn belegenen Orte Krautscheid. Sie überfielen einen Rivalen, ermordeten ihn und schleppten den Leichnam auf das Bahngeleise, woselbst er von einem heran ehrenden Zuge zerstückelt wurde. Ein Mädchen war Zeuge dieses Verbrechens, einer der Verbrecher verlor seine Kopfbedeckung, die zum Verräther des Verbrechens wurde
Trier Die Frau eines Schiffers aus Trier hat in verschiedenen anonymen Briefen ein junges Mädchen von hier bei ihrem Bräutigam zu verdächtigen gesucht. Die Strafkammer verurtheilte die anonyme Briefschrei- berin zu sechs Monaten Gefängniß Recht so!
Aus Thüringen, 3. Aug. Die Ernteaussichten sind in ganz Thüringen sehr gut, besonders der Roggen verspricht einen Körnerertrag, wie er seit Jahren nicht da n ar. Gerste, Weizen und Hafer haben sich nach den ergiebigen Niederschlägen recht gut entwickelt und versprechen eine reiche Ernte, auch die Kartoffelernte wird voraussichtlich reichlich ausfallen.
Jena, 4. Aug. An der hiesigen Universität sollen auch im nächsten Winter wissenschaftliche Vorlesungen für Volksschullehrer aus Thüringen und den angrenzenden Preußischen Gebietstheilen von Dozenten abgehalten werden. Die Vorlesungen werden am 4. November beginnen und an 14 Samstagen in den Monaten November bis Februar stattfinden.
Neustadt a. S., 3. Aug. Die Anwesenheit einer Regierungskommission hat zu dem Ergebniß geführt, daß 1 die Frage einer Viehmarktverlegung an den Bartolomäus- ' Markttagen, die so viel Beunruhigung unter den Ge- । werbetrcibenden Hervorgcrufen, endgiltig gelöst und der , Markt nach wie vor auf dem Viehmarktplatze, der eine nicht unerhebliche Vergrößerung erfahren hat, abgehalten werden kann.
In Cannstatt (Württemberg) hatten zwei Arbeiter einen „Span" miteinander und beschlossen, ihre Sache : in der Weise auszutragen, „wie das unter Ehrenmännern 1 üblich ist". Zu diesem Zweck erschi-nen sie auf dem 1 Cannstadter Weisen unter Zuziehung von Zeugen — 1 so meldet wenigstens ein Stuttgarter Blatt — und | fochten ihre Fehde aus. Als Waffen dienten ihnen l Schlagringe, womit sie so kräftig auseinander losdroschen, ( daß einer der Duellanten erheblich verletzt wurde. In- l
- zwischen hatte aber auch die Polizei sich eingemengt und . dem Kampfe ein Ende bereitet.
' Ausland
' London, 5. Aug. Nach einem bei „Lloyds Agency" 1 eingegangenen Telegramm aus Manila haben die 1 Filipinos iii^San Fernando (Luzon) den amerikanischen 1 Damp er „Saturnus" genommen und verbrannt.
Oesterreich-Ungarn. Zehn Jahre Zonentarif sind ' verflossen, seitdem der ungarische Minister Baroß den 1 Versuch wagte, den Zonentarif für den Eisenbahnverkehr in Ungarn einzuführen Heute kann man, wie die „Franks. Ztg." schreibt, sagen, daß der Versuch glänzend gelungen ist und daß diese That das Verkehrswesen Ungarns mächtig gefördert hat. Der Verkehr habe sich in ungeahnter Welle gehoben; während im Jahre 1888 auf den ungarischen Bahnen rund 5 Millionen Personen befördert wurden, waren es 1896 über 33 Millionen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 8. August.
Wir machen unsere hiesigen Leser darauf aufmerksam, daß die Staats-Einkommen- und Ergänzungs- steuer, welche am 2. d. M. zu zahlen war, bis spätestens den 16. d. M. bezahlt sein muß, widrigensalls Zwangsbeitreibung erfolgt, sowie daß heute die erste Rate der Kreisumlage für das Etatsjahr 1899/1900 fällig ist.
* — Das am Sonntag auf dem Acisbrunnen statt- gehabte Weitzclsche Stiftungsfest war, begünstigt vom schönsten Sommerwetter, ganz ungewöhnlich stark besucht von Einheimischen wie auch von zahlreichen Auswärtigen, und verlief sehr schön. Von den nachträglich unter den jungen Burschen hin und wieder auf dem Nachhausewege stattgefundeucn Keilereien sei nur erwähnt, daß ein Bursche aus Vollmerz einen Messerstich in die Brust banontrug, der jedoch nicht gefährlich ist.
* — Ein Einwohner von Kressenbach, der mit । Pfarrer und Lehrer ständig sich herum stritt, wurde am Sonntag Vormittag vom Herrn Pfarrer ermähnt, Frieden zu halten. Nach der Unterredung ging der Mann in seine Wohnung zurück und — hing sich auf.
* — Der Anfang der diesjährigen Jagd auf Rebhühner, Haselwild und Wachteln ist vom Bezirksausschüsse auf den 28 August; auf Dachse, Hasen, Auer-, Birk- und Fasanenhennen auf den 15. September festgesetzt worden.
. — In den Nächten vom 8. bis 12. August werden voraussichtlich große Sternschnuppenfälle beobachtet werden können. Diese Sternschnuppenschwärme gehen hauptsächlich von der Himmelsgegend aus, wo das Sternbild Perseus steht und werden deshalb die „Perseiden" genannt.
* Die Erntezeit bringt Arbeit in Hülle und Fülle und diese wieder bedingt eine gesteigerte Nahrungsaufnahme. Umsomehr soll darauf gesehen werden, dem Magen bekömmliche und zugleich wohlschmeckende Nah- nmg zuzuführen. Dies geschieht zweckmäßig dadurch, daß man den zn genießenden Suppen und Speisen einige Tropfen Maggi zusetzt, welches dieselben nicht nur schmackhaft macht, sondern deren Verdauung wohlthuend befördert.
*— Zum Aehrenlesen auf fremden Grundstücken bedarf es, wie bei der jetzigen Ernte hevorgehoben zu werden verdient, der Erlaubniß des betreffenden Feldbesitzers, widrigenfalls das Nachlesen als strafbarer Eigennutz angesehen und nach § 368 ad 8 des Rcichs- strafgesetzbuches mit Geldstrafe bis 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft wird.
* — Das Reichsgericht hat über die Auslegung des Gesetzes zum Schutze der persönlichen Freiheit folgende wichtige Entscheidung gefällt: Wegen Wicderstandes gegen die Staatsgewalt war jemand vom Landgericht zu 30 Mark Strafe verurtheilt worden. Der Angeklagte soll ein Gefährt durch überschnelles Fahren geschädigt, auch eine Frau überfahren haben. Die Gefährdete veranlaßte einen Schutzmann zum Einschreiten. Der Beamte gebot dem Angeklagten Halt und kletterte von hinten auf seinen Wagen. Mit Hilfe eines anderen Schutzmanns wurde der Angeklagte schließlich auf die Stadtwache gebracht. Das Landgericht nahm an, daß der Schutzmann sich in berechtigter Amtsausübung befand, als der Angeklagte ihm Widerstand leistete. Es heißt im Urtheil, der Schutzknann sei nicht verpflichtet gewesen, die Sache sofort zu untersuchen, er habe verlangen können, daß dies auf der Wache geschehe. —