Cafsel. Am dem Reitplätze der Garde du Corps- Kaserne fand gestern Nachmittag vor dem Regiments-! kommandeur, Oberstlieutenant Graf von Blumenthal, und den Eskadrons-Chefs des Husaren Regiments Landgraf Friedrich von Hessen Homburg Nr. 14 das foge nannte Prämien-Reiten statt. Dasselbe wurde ins Leben gerufen durch Stiftung eines Kapitals, welches ein ehemaliger Offizier des Regiments, von Helmschwerdt, demselben unter der Bedingung testamentarisch vermachte, daß die Zinsen desselben alljährlich dem besten Reiter des Regiments zufallen sollen. Da aus begreiflichen Gründen die Offiziere sich an dem Wettbewerb nicht be- theiligen, fällt die Prämie in jedem Jahre demjenigen Unteroffizier oder Husaren zu, welcher sich bei dem zu dem Zwecke veranstalteten Reiten als Bester ausweist. Damit die Vertheilung eine möglichst gerechte sei, wird den an dem Wettbewerb sich Betheiligeuden für den Ritt das beste und zugleich auch das schlechteste Pferd der der Eskadron zugewiesen. Auf den beiden Thieren hat der Reiter seine Kunst zu beweisen, und je nach dem Ausfall wird ihm durch die Preisrichter — in diesem Falle der Regimentskommandeur und die Eskradronschefs — die Prämie zuerkannt. Dieselbe beträgt ca. 57 Mk. und waren in diesem Jahre Sergeant Waldvw von der 1., Vizewachtmeister Becker der 2., Unteroffizier Schiel der 3., Unteroffizier Credö der 4. und Sergeant Lotze der 5. Eskadron zu dem Reiten zugclasscn worden. Die Reiter mußten ihre Pferde in allen Gangarten durchnehmen und trug schließlich, obgleich sein störrisches Thier ihm harte Arbeit machte, Sergeant Waldow der L Schwadron den Sieg davon. Gewiß tragen derartige Vermächtnisse und Veranstaltungen ganz wesentlich mit dazu bei, den Soldaten für seinen Stand zu interessiren und ihn an das Regiment, welchem er angehört, zu fesseln.
Marburg, 25. Juli. In der „Hessischen Landesztg." lesen wir: Angehörige eines hiesigen Studentenkorps, von welchem sich eine Anzahl Mitglieder letzthin auf dem Markte durch nächtliches Bombenwerfen apszeichneten", verübten am Sonntag Nachts in den Warteräumen des Hauptbahnhofes wieder allerlei lärmenden Unfug. Aufgefordert, den Warteraum zu verlassen, kamen sie dieser Aufforderung nicht nach. Nun wurde vom nahegelegenen Festplatze des Bachfestes ein Schutzmann geholt, der natürlich (!) erst recht nicht mit den 10 bis 12 Korpsstudenten fertig werden konnte. Sie verhöhnten denselben vielmehr. „Jetzt gleich wird's Ruhe geben", meinte der Stationsvorsteher. Unmittelbar darauf tauchte nämlich in den Gängen des Bahnhofs eine Anzahl Gestalten auf: Heizer, Bahnhofsarbeiter, Werkstätten-Schloffer re. Die „besseren“ Herren mit den bunten Mützen begriffen sofort, was das zu bedeuten hätte, und verschwanden „schleunigst" von der Bildflüche. Sie wollten es offenbar auf eine „Paukerei" mit den handfesten „Plebejern" nicht ankommen lassen.
Herberge zur Heimath.
Hofgeismar, 18. Juli. Am vergangenen Freitag fand hier die Sitzung des Central-Vorstandes der Herbergen zur Heimath und Verpflegungsstationen in Hofgeismar und Carlshafen statt. In beiden Stationen wurde eine bedeutende Verminderung der Zahl der Wanderer gegen frühere Jahre festgestellt und daraus der Schluß gezogen, daß die große Mehrzahl der Wanderer doch nicht bloß zu ihrem Vergnügen auf der Landstraße sich herumtreibt, sondern meist durch die bittere Noth der Arbeitslosigkeit dazu getrieben wird. Sobald aber in der Industrie mehr Arbeitskräfte verlangt werden, sofort vermindert sich auch die Zahl der Wanderer. Gewiß befindet sich auch mancher arbeitsscheue Vagabund darunter, aber man muß sich doch hüten, jeden Wanderer für arbeitsscheu zu erklären, der nicht jede ihm gebotene Arbeitsgelegenheit ergreift. Diese Ablehnung seitens der Wanderer ist oft wohl begründet und berechtigt. Jeder Handwerksgesell sucht natürlicherweise wieder in den Beruf hinein- zukommen, den er gelernt hat, und in welchem er infolgedessen auch am Meisten verdienen kann. Das macht er sich aber unmöglich, sobald der einzige Anzug, den er auf dem Leibe trägt, durch grobe Arbeiten ruinirt ist. Sicht ein Wanderer erst heruntergekommen aus — und wie schnell kann das geschehen, wenn Einer längere Zeit in Wind und Wetter auf der Landstraße liegen muß — dann nimmt ihn so leicht kein Meister mehr an. Was Wunder, wenn da z. B. ein gelernter Schneider sich weigert, Arbeiten in der Ackerwirthschaft, im Steinbruche oder bergt, zu übernehmen, zumal er sich sagen muß, daß er bei solchen Arbeiten, weil er sie nicht gewöhnt ist, niemals etwas Rechtes leisten und verdienen wird. Es ist also zu warnen vor vorschnellem, ungerechten Urtheil über die Wanderer. Manch tüchtiger Handwerksgesell, der ohne sein Verschulden auf die Walze getrieben wird, hat darunter zu leiden und wird durch solch Vorurtheil allmälich auf das Niveau der Vagabunden heruntergedrückt. Gerade um solche tüchtigen Handwerksgesellen vor dem Versinken zu bewahren, sind die Herbergen zur Heimath und Verpflegungsstationen gegründet. Die ersteren sollen denen, welche noch im Besitze von Mitteln sind, billige und gute Unterkunft gewähren; die letzteren sollen auch den mittellosen Wanderern die Möglichkeit bieten, arbeitsuchend von Ort zu Ort zu ziehen, ohne daß sie zum Bettel zu
greifen brauchen, da sie in den Stationen gegen 3 bis 4 stündige Arbeit im Holzschuppen freie Verpflegung finden und Nachmittags wieder weiter wandern können. Wollen so die Verpflegungsstationen auf der einen Seite den Arbeitswilligen dienen, so wollen sie auch auf der anderen Seite den Arbeitsscheuen ihr Handwerk: die Bettelei und Vagabundage legen. Wo Verpflegungsstationen bestehen, braucht kein Wanderer zu betteln, da er, wenn er nur arbeiten will, auf der Station alles findet. Es ist daher nicht christliche Liebe, wenn den Wanderern immer noch in manchen Häu>ern Geldgeschenke oder auch Kleidungsstücke — denn die werden doch verkloppt — verabreicht werden, sondern geradezu Unbarmherzigkeit, da die Arbeitsscheuen dadurch in die Lage versetzt werden, unter Hinweis auf ihren durch Bettel gefüllten Beutel die Stationsarbeit hohnlachend zurückzuweisen und so immer mehr schließlich auf die abschüssige Bahn gerathen. Wer Mitleid mit den armen Handwerksburschen hat, der möge es dadurch bethätigen, daß er der Herberge z. H. seine Gaben zu- weist. Der Herbergsvater weiß besser zu unterscheiden, wem er ein Kleidungsstück oder dergl. zuwenden darf und wem nicht. Und der Unterstützung bedürfen unsere Herbergen gar sehr, wenn sie ihrer Aufgabe noch weiterhin gerecht werden sollen. Leider fehlt es an dieser Unterstützung in vielen Kreisen gänzlich. Man hat sich die Befreiung von der früher geradezu entsetzlichen Hand- werksburschcn - Plage durch die Verpflegungsstationen wohl gefallen lassen, fragt aber nicht danach, woher diese die Mittel nehmen sollen, um jene zu verpflegen. Wer daran denkt, wie mancher Pfennig früher Tag für Tag für bettelnde Handwerksburschen ausbezahlt worden ist — mindestens der zehnfache Betrag von dem, was heute in der Regel seitens der Mitglieder des Herbergsvereins jährlich bezahlt wird — der sollte doch wirklich den kleinen Betrag noch für die Herbergen übrig haben, die ihm diese Last abgenommen haben und sich bemühen, die auf der Landstraße sich. herumtreibenden Söhne unseres deutschen Volkes vor dem Untergänge zu bewahren und wieder zu brauchbaren Gliedern der bürgerlichen Ge ellscha t zn erziehen. Gilt doch auch diesen gegenüber noch das Wort unseres Herrn: „Was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan." Fr.
Vermischtes.
— Das Vorkommen der Tuberkuloseerreger in der Milch und der Butter beschäftigte die im Hygiene Institut der Berliner Universität tagende Deutsche Gc ellschait für öffentliche Gesundheitspflege. Das Referat hielt der Bakteriologe Dr. Obermüller vom kgl. Institut für Jn- fektionskrankhesten. Daß an sich lebensfähige Tuberkel- bazillen in der Milch Vorkommen, sei vollkommen erwiesen. Die Gefahr steigere sich bei der Verarbeitung der Milch zu Butter,in den Molkereien wo hier in derRegel noch mehr Produkte der verschiedensten Güter gemeinsam behandelt werden, bei der Bildung des Rahms aber der Er fahrung gemäß viele Bazillcn in den Rahm gelangen. Aufgabe der Technik wird es sein, durch Bereitstellung geeigneter Sterilisationsapparate u. dergl. die Gefahren zu beseitigen oder doch wenigstens zu mildern, die sich aus dem Vorkommen der Schwindsuchterreger in der Milch und deren Verarbeitungen vorfinden.
— Die Bienenvölker, welche bekanntlich gut überwinterten, hatten bis jetzt vorzügliche Tracht; manche Imker konnten schon vor einigen Wochen den Stöcken Honig entnehmen und denselben schleudern. Zu frühes und häufiges Schleudern ist indessen nicht rathsam, weil die einzelnen Sorten zu frühe in den Topf kommen; überdies wird der Honig, welcher im Stock eine gewisse Reife erlangt, weit schmackha ter. Wegen der Farbe des Honigs sind die Käufer nicht selten sehr mißtrauisch, zumal immer noch ein großes Quantum verfälschten Honigs feilgeboten und verkauft wird. Die beliebteste Honigfarbe ist allenthalben die strohgelbe. In Gegenden, wo die Bienen aus vielerlei Blüthen Honig saugen können und dieser zur Heuernte geschleudert wird, hat er diese beliebte gelbliche Farbe. Reiner und echter, den Waben entnommener Honig kann ferner weißgelb, hellgelb, grünlichgelb, dunkelgrün, bräunlich und dunkel sein. £>onig von Weißklee, Esparsette und Akazie ist fast wafferhell; der von Obstbäumen, Zier- und Beerensträuchern ist ebenfalls ziemlich hell. Raps und andere Oelpflanzen liefern Hellgelben. Lindenblüthen dagegen grünlichgelben Honig. Der von den Kleearten stammende Hon-g ist röthlich schimmernd; dunkel hingegen ist der Honig von Buchweizen und von der Haide.
Kennzeichen der Maul- und Klauenseuche.
1. Kennzeichen beim Rindvieh. Die Seuche tritt auf als Maulerkrankung (Maulseuche), als Klauenleiden (Klauenseuche) und als Ausschlag am Euter. In der Regel beobachtet man die Maulerkrankung in Verbindung mit dem Klauenleiden. Der Ausschlag am Euter kommt seltener vor. Bei der Maulseuche verweigern die Thiere gewöhnlich die Futtcramnahme. Während Rauhulter (Heu und Stroh) meist schlecht oder gar nicht gesessen wird, nehmen die Thiere Getränk noch auf. In der Regel fangen die Thiere beim Beginn der Maulerkrankung an, stark zu speicheln. Der Geifer läuft oft ununterbrochen in Strahlen aus dem Maule.
Die THQc schnalzen mit der Zunge und knirschen mit den Zähnen. Eine Besichtigung der Maulhöhle überzeugt sofort von der Natur der Krankheit. Im Maul, findet man zuerst Blasen und bald darauf große wund, Stellen (Geschwüre). Bei der Klauenseuche bemerkt man zuerst L-chlenkern mit den Hinterfüßen, auch wohl Stampfen mit den Vorderfüßen. Bald zeigt sich Lahmheit, und zwar meist auf den Vorderyüßen mehr, als auf den Hinterfüßen. Die Thiere liegen viel, sind schwer zum Auistehen und zum Herumdreh n zu bringen, gehen beim Vorführen steif und klamm, d. h. auf mehreren Füßen lahm und verrathen bedeutende Schmerzen, In den Klauenspaltcu zeigen sich Blasen, die bald platzen, und wunde stellen hinterlassen. Der bei der Maul- und Klauenseuche mitunter au tretende Ausschlag am Euter zeigt sich zuerst in der Form von Blasen, die besonders an den Strichen sitzen. Die Blasen platzen und es entstehen große, sehr schmerzhafte Geschwüre.
2. Kennzeichen bei Schweinen. Die Seuche tritt meist als Klauenleiden auf. In der Regel erkranken alle Füße. Die Thiere liegen viel, sind steif und verrathen beim Gehen große Schmerzen. Im Klauenspalt und über den Klauen bilden sich Bläschen, welche bald platzen und unter welchen schmerzhafte Geschwüre zu Tage treten. Viele Schweine verlieren im Anschluß ( an die Klauenseuche die Hornschuhe. Bei der seltenen Form der Klauenseuche machen sich die Blasen, bt= zichungswcisc die Geschwüre auch auf dem Rüssel bemerkbar,
3. Kennzeichen bei Scharen und Ziegen. Die Krankheit tritt in der Regel als Klauenseuche auf. An । den Klauen zeigen sich Schwellungen, Röthungen und kleine Bläschen, welche bald platzen und wunde Stellen zurücklassen. Die Thiere liegen viel, gehen lahm und zwar meist auf allen Füßen und verrathen beim Gehen große Schmerzen.
— Schlimme Aussichten für Hunde. Bekanntlich dürfen Offiziere und Militärärzte während des Manövers । nur noch rothbraune, hundelederne Handschuhe tragen. An der Annahme, daß von den rund 20 000 Offizieren unb Aerzten der deutschen Armee für die bevorstehen- I den Manöver nur je zwei Paar derartige Handschuhe . beschafft werden, würden 40000 Paar erforderlich sein; da ferner, wie von fachmännischer Seite versichert wird, j aus dem Fell eines mittleren Jagdhundes vier, höchstens fünf Paar Handschuhe hergestellt werden können, würden 8- bis 10000 Hunde ihr Leben lassen müssen, um den augenblicklichen Bedarf der jetzt vorgeschriebenen Manöver- handschuhe herstellen zu können.
— Tollwuth beim Menschen. Ein Fabrikarbeiter r Moens in Loth (Belgien) besaß einen Hund, der seit einiger Zeit alle Zeichen der Tollwuth zu zeigen begann, Moens wurde ängstlich und suchte sich des Thieres dadurch zu entledigen, daß er es während des Schlafes zu tödten versuchte. Der Hund war nicht sofort todt, er machte - noch einen Sprung nach der Hand und hinterließ auf ihr eine leichte Kratzwunde, die seine Zähne veranlaßt hatten. Moens schenkte der Wunde keinerlei Beachtung; er begab sich nach dem „Berl. Lok -Anz." am folgenden Tage zur Arbeit und zerlegte fein Frühstücksbrot mit demselben Messer, mit welchem er am Tage vorher den Hund abgeschlachtet hatte. Einige Minuten später empfand der Mann unerklärliche Schmerzen; er verließ die Arbeit und begab sich in eine nahe Kneipe, um dort ein Glas Bier zu sich zu nehmen. Während er das that, überfiel ihn plötzlich eine wahnsinnige Wuth, er stürzte heulend durch die Straßen und in sein Haus, warf sich auf seine eigenen Kinder und zerfleischte deren Gesichter mit I den Zähnen, das eine so, daß es todt blieb. Seine Frau holte inzwischen die Gendarmen herbei. Bor diesen ergriff er die Flucht auf die Felder und erst nach einer tollen Jagd konnte man sich seiner bemächtigen.
— Em genähtes Herz besitzt ein kürzlich aus einer italienischen Klinik entlassener 23jähr. Mann. Er wurde vor etwa zwei Monaten nngefallen, und erhielt zwei Dolchstiche die das Herz trafen. Trotz des schweren s Blutverlustes konnte er noch lebend in das Kranken- ! haus gebracht werden. Der dortige Arzt, Dr. Pamoni, der den interessanten Fall in der „Rivistadi Chi- rurgia" beschreibt, nahm sofort eine umfangreiche Operation vor. indem er durch mehrere tiefe Schnitte den Raum zwischen der dritten und fünften Rippe bloßlegte und so den Zustand des verwundeten Herzens beobachten konnte. Es fand sich eine Stichwunde im Herzbeutel, die bis zur Länge von sechs Zentimetern erweitert wurde, damit man den Verlauf der Verletzung feststellen konnte. In der vorderen Wand der Herzkammer befanden sich zwei Wunden, die je etwa einen Zentimeter lang waren und das Blut in Strömen aus dem Herzen treten ließen. Trotzdem dieser Befund wenig Hoffnung gab, versuchte der Arzt eine Heilung herbeizuführen, indem er die Wunden nacheinander vernähte. Das fast Unglaubliche gelang, die Nähte wurden glücklich auf dem Herzen unterge- bracht und der Patient konnte nach 49 Tagen das Hospital geheilt verlassen.
— Der Cirkus Renz ist nun eutgiltig vom Schauplatz ver chwunden. Am Dienstag fand in Brüssel die öffentliche Versteigerung des gefammten lebenden Inventars und der Requisiten statt. Hunderte in der hohen Schule und in der Freiheit dressirte, zumeist edle und werthvolle Pferde, reiche Kostüme und Livreen