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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 60.

Samstag, den 29. Juli 1899.

50. Jahrgang.

Rp^^!inmat»n "^ bic "Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ! Postanstalten und Landbriejtrügern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Auf der Heimreise ist Kaiser Wilhelm an Bord derHohenzollern" am Mittwoch vor Olden ein­getroffen.

Der fünfte Sohn des Kaiserpaares, Prinz Oskar, feierte am Donnerstag seinen 11. Geburtstag.

Eine imArmeeverordnungsblatt" veröffentlichte Kabinetsordre, gegeben Molde am 16. Juli, bestimmt, daß bei der Verwendung von Radfahrern für alle dienstliche Zwecke in den Manövern von jetzt ab nur noch die etatsmäßigen Dienstfahrräder benutzt werden sollen. Das Mitbringen eigener Fahrräder und die dafür bisher gezahlte Vergütung von 20 Mark als Abnutzungskosten dürften daher in Zukunft ausgeschlossen sein.

Marienbnrg i. Westpr., 26. Juli. Heute früh brach hier ein Brand aus, der rasch einen großen Um- fang nahm. Von Danzig und Elbing sind die Feuer­wehren zu Hilfe geeilt. Das Postgebände und das Hochmeisterschloß sind nicht unmittelbar bedroht. Der Thurm des Rathhauses ist vollständig abgebrannt. Der Dachstuhl desselben steht in Flammen. Die Akten des Rathhauses sind gerettet. Zwei Apotheken sind abge­brannt, darunter die Rathsapotheke. Im Ganzen sind bis jetzt fünfzig Häuser eingeäschert. Der Brand ist mit Mühe gelöscht worden, der Schaden beziffert sich auf 56 Millionen Mark.

Elbing. Von einem seiner Lehrlinge erschossen wurde der Schlossermeister Julius Hall in Elbing. Der Thäter, ein 19jähriger Bursche Namens Fritz Neuber, hatte kurz vorher in einer Gastwirthschaft Bier und Schnaps ge­trunken und dann zu Hause mit anderen Lehrlingen Streit angefangcn. Auf den entstandenen Lärm eilte Meister Hall herbei. Er hatte kaum zwei Schritte in die Werkstatt gethan, da stürzte Neuber mit den Worten: Ich will meine Blouse haben" an ihm vorüber und feuerte den bereit gehaltenen Revolver gegen Herrn Hall ab. Der Schuß ging in den Unterleib. Herr- Hall sank sofort zusammen, er starb nach wenigen Minuten. Der Mörder ging nach dem Elbingfluß und erschoß sich dort.

Eine Revolte brach im Landarmenhause zu Schrimm aus. Die Anstaltsbeamten, welche die Tumultuanten. etwa fünfzig Männer, beruhigen wollten, wurden mit Messern und Knüppeln angegriffen und mußten weichen. Auch Gendarmen und die Polizei, die geholt waren, wurden angegriffen und mußten blank ziehen. Mehrere Exzedenten sind schwer, andere leicht verletzt. Der Auf­wiegler, ein Sträfling, ist entkommen.

Rudolstadt, 25. Juli Die hiesigen Schmiedemeister haben sich auf einen Preistarif geeinigt und verpflichten sich gegen eine Konventionalstrafe, denselben ollen ihren Kunden gegenüber aufrecht zu erhalten. Ebenso ist das Rechnungswesen geregelt, indem bestimmt wird, daß alle Vierteljahre Rechnung ertheilt und nach Ausstellung der Rechnung nicht länger als drei Monate Ziel gewährt wird.

Mainz, 25. Juli. Wie demMainzer Anzeiger" in bestimmter Form gemeldet wird, ist die Anwesenheit des Kaisers in Mainz am 7. August zu erwarten. Voraussichtlich wird der Kaiser von Rußland den deutschen Kaiser begleiten und an der Truppenschau auf dem großen Sand theilnehmen. Die Truppenschau wird umso interessanter werden, weil die zu der Zeit hier zusammen­gezogene 25. Kavallerie-Brigade daran betheiligt sein wird.

Ueber eine wahnsinnige That wird aus Saarbrücken geschrieben: Zwei junge Bergleute erstiegen gestern Nach mittag bei Kamphausen den hohen Bahndamm und sprangen auf den nächsten dort vorbeifahrenden Personen- zug. Einer hatte den Wagen verichlt und fiel leblos auf den Schienenweg, der andere blieb auf dem Verdeck eines Wagens liegen, er hatte sich lebensgefährliche Ver­letzungen zugegezogen.

Ausland.

Oesterreich Ungarn. Bei der Getreide-Transport- Enquete, welche Dienstag in Budapest stattfand, erklärte der Direktionspräsident der Staatsbahnen, daß bereits die umfassendsten Vorbereitungen für den bevorstehenden Getreidetransport getroffen seien. Die anwesenden Kauf­leute konstatirten, daß dies um so nothwendiger sei, da

Heuer von allen Cerealien eine so reiche Ernte wie sie seit Jahren nicht gewesen ist, erwartet werden könne.

In New-Iork ist ein Gesetzentwurf in Vorbereitung, nach dem die Delikte von Kindern unter 12 Jahren von einem Gerichtshof, der ausschließlich aus verheirateten Frauen besteht, abgeurteilt werden sollen. Das Prinzip, daß Mütter die einzigen kompetenten Beurteilter kind­licher Fehltritte sind, würde hier zum erstenmale staat­liche Beglaubigung erhalten.

Veröffentlichung gelangen. In Jnnungskreisen wird die Publikation der Verordnung sehnlichst erwartet, da gleich­zeitig der Schutz des Meistertitels in Kraft tritt. Während gegenwärtig sich noch Jeder nach Belieben Meister eines Handwerks nennen und schreiben kann, darf dann nur Derjenige den Meistertitel in Verbindung mit einem be­stimmten Handwerk (Maurermeister. Bäckermeister usw.) weiterführen, der entweder eine Meisterprüfung bestanden hat oder sonst in dem betreffenden Gewerbe die Befugniß zur Anleitung von Lehrlingen, entsprechend den Be­stimmungen des Handwerksgefetzes vom 26. Juli 1897, besitzt. Wer nach Erlaß der Verordnung unbefugt den Meistertitel führt, ver üllt in eine Geldstrafe bis 150 Mk. ober Haft bis zu 4o Tagen.

* Die Einziehung der silbernen 20-Pfennigstücke wird jetzt beschleunigt. Nachdem die Postverwaltung schon längere Zeit angewiesen war, diese Münzen nicht mehr zu verausgaben, ist jetzt auch für die Kassen der Eisenbahn-Behörden eine entsprechende Verfügung er­gangen.

* Die Volksschullehrer werden in diesem Sommer zum letzten Male zu den Ersatzreserve-Ucbungen heran- gezogen. Es beruhte dies auf § 51 des Reichsmilitär- gesetzes vom 2. Mai 1874. In Abänderung der Be- stimmungen ist durch eine Verfügung des Kaisers die zehnwöchige Einübungsdauer allgemein aus einen vollen Jahrescursus ausgedehnt und zugleich bestimmt worden, daß diese Vorschrift mit dem Jahre 1900 allgemein in Geltung treten sollte. Im Großen und Ganzen wird es dabei bleiben, daß die wenigsten Lehrer die Schnüre tragen werden, da die Kassen nicht allzuviel helfen werden. Der Vortheil, den der Lehrerstand durch diese heißangestrebte Reform erlangt hat, ist also nur ein sehr problematischer.

* Ueber die diesjährigen Obsternte-Aussichten in der Provinz Hessin Nassau berichtet derPrakt. Rath­geber im Obst- und Gartenbau", dem 22 Berichte aus unserer Provinz zugegangen sind, wie folgt: Aepfel, Birnen und Aprikosen Mittel bis gering, Zwetschen, Pflaumen und Pfirsiche gering, Kirschen und Haselnüsse mittelmäßig, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren gut.

Rückers b. Flieden, 24. Juli. Unser Pfarrdorf ist auf dem Wege, Großstadt zu werden, einen Schritt weiter gekommen; es hat nämlich eine eigene Ansichts­karte erhalten. Die Karte zeigt in künstlerischer Aus­führung in rothem und grünem Farbendrucke neben der Gesammtansicht des Dorfes ein Bild unserer neuen Marienkirche, sowie Sangs Gasthof zum Engel.

Fulda, 26. Juli. Die Bischöfliche Behörde hat die Herren Pfarrer von Bimbach, Haimbach, Maberzell, Großenlüder, Kämmerzell und Blankenau angewiesen, ihre Gemeinden von den Zusammenkünften in dem Walde von Unterbimbach wegen einer angeblichen wunderbaren Erscheinung zurückzuhalten.

Nieder-Moos. Heute war es für uns ein sehr kritischer Tag. Gegen Nachmittag zogen heftige Gewitter mit starkem Regen über unsere Gegend. Gegen 3 Uhr schlug der Blitz in Rcichlos in das Haus des Gastwirths und Kaufmann Kaspar Hoffmann ein, welches mit allem Inhalt niedergebrannt ist. Kaum war dies Gewitter vor­über so zog ein abermaliges neues Wetter herauf. Der Blitz schlug in Gunzenyu in eine große mit Heu gefüllte Scheuer, welche gleichfalls niebergebrannt ist.

Orb, 24. Juli. Ein hiesiger Geschäftsmann wurde von einer Ratte in den Fuß gebissen, welcher sofort an- schwoll. Der alsbald zu Rathe gezogene Arzt konsta- tirte, daß Blutvergi tung eingetreten sei. Hoffentlich ge­lingt es der ärztlichen Behandlung, weitere nachtheilige Folgen abzuwenden. Ein älterer Schulknabe pflückte gemeinschaftlich mit seiner Mutter Himbeeren im Walde und dabei auch einige. Auf einmal merkte er einen stechenden Schmerz im Munde und bet Mund schwoll an. Der alsbald herbeigerufene Arzt stellte Vergiftung fest. Eine Mahnung, daß man die Beeren erst ab­wischen soll, ehe man sie genießt.

Gaffel, 26. Juli. Das Schloß Wilhelmshöhe wird für den Besuch der kaiserlichen Herrschaften hergerichtet. Es ist jedoch noch nicht gewiß, ob die Kaiserin ober vorläufig nur die Prinzen hierher kommen werden, da Ihre Majestät möglicherweise zum Kurgebrauch nach Wiesbaden reist. Das Gepäck der Prinzen ist gestern auf dem Bahnhof Wilhelmshöhe angekommen. Der Marstall trifft am Samstag hier ein.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 28. Juli.

* Am 22. Juli cr. verunglückte der Hülfsbremser Heinrich Koch von Hütten auf der Strecke Schlüchtern- Steinau. Derselbe erlitt Quetschungen an beiden Beinen. Es mußte ihm, nachdem er ins hiesige Kreiskrankenhaus gebracht worden, der vordere Theil des rechten Fußes abgenommen werden.

* Daß es auch noch billige Häuser giebt, zeigt folgender Fall. Am 25. d. Mts. wurde auf dem hiesigen Amtsgericht das den Erben des Schuhmachers Philipp Lotz zu Wallroth gehörige Anwesen, bestehend in Wohn­haus mit Hofraum, Scheune und Hausgarten, zwangs­weise versteigert. Letzt- und Meistbietender blieb Handels­mann Abraham Rothschild von Schlüchtern mit einem Gebot von 32 Mk., in Wortenzwei und dreißig Mark!". Rothschild ist somit auch Hauseigenthümer in Wallroth,

* Zum Besten der epileptischen Kranken aus bet Provinz Hessen, von denen in der Anstalt Bethel bei Bielefeld 584 Aufnahme gefunden haben, wird eine Hauskollekte stattfinden. Wohl kaum ein anderes Wohl­thätigkeitswerk kann so dringend den Gebern aus Herz gelegt werden, wie die Unterstützung dieses Werkes edelster Menschenliebe, bei dem es sich um die Fürsorge für die Aermsten und Bedauernswerthesten handelt. Möchte der Einsammler der Kollekte viele sieundliche Geber finden.

* Die Kohlenpreise werden in diesem Winter beispiellos hohe sein. Die Notirungen für Den kommen­den Herbst lassen Preiserhöhungen auch im Detailverkehr erwarten. Da auch die Cokspreise gefliegen sind, so wird die Ofenheizung in diesem Jahre mehr Geld kosten, als bisher, und wenn gar ein strenger Winter kommen sollte, ein gewaltiges Loch in den Geldbeutel reißen. Wem der nöthige Raum zur Verfügung, thut gut, die Kohlen möglichst jetzt schon einzukaufen, schon im Sep­tember dürften sie theurer sein. Wer billige Winter- heizung haben will, kaufe Kohlen, so lange es heiß ist.

* Der Herr Justizminister hat die Gerichte an­gewiesen, die Grundbesitzer auf eine mit dem 1. Januar 1900 in Wegfall kommende Erleichterung bei Beseitigung solcher Grundbuch - Einträge, die persönliche unver- erbliche Rechte betreffen, hinzuweisen. Es handelt sich hier um solche Belastungen, die vor dem 1. Juli 1874 eingetragen sind und mit dem Tode der Berechtigten erlöschen (z. B. Einsitzrechte, Auszugsberechtigungen, Nutzungsrechte ec.). Nach dem 1. Januar 1900 muß, um die Löschung herbeizuführen, unter allen Umständen der Tod des Berechtigten nachgewiesen werden. Nun ist es ja klar, daß das manchmal gar nicht möglich ist, wie z. B. bei verschollenen Ausgewanderten. Wenn aber die Belastung verschwinden soll (z. B. im Fall eines Verkaufs, Bestellung einer Hypothek rc.), dann muß ein theures Aufgebotsverfahren durchgeführt werden. Jetzt noch ist die Sache einfacher. Wie von geschätzter Seite mitgetheilt wird, hat man nur nöthig: 1. sich sich von: Bürgermeister des letzten bekannten Wohnorts des Berechtigten bescheinigen zu lassen (unter Siegel!): daß der . ^ . . seit 5 Jahren bem Leben und Aufent­halt nach unbekannt ist", 2. diese Bescheinigung dem Grundbuchrichter zu überreichen und dabei 3. eine eides­stattliche Versicherung abzugeben,daß ihm (dem Besitzer) über Leben und Aufenthalt des .... seit 5 Jahren nichts bekannt geworden ist." Dann wird der Eintrag gelöscht ohne große Kosten. Wir rathen deshalb allen Grundbesitzern dringend an, sich durch Nachfrage beim Grundbuchamt davon zu überzeugen, ob etwa ein Ein­trag der gedachten Art noch besteht und wenn dies bet Fall, unter allen Umständen sofort, jedenfalls vor Ab­lauf dieses Jahres, den Eintrag auf die oben geschilderten Weise wegzuschaffen.

* Die kaiserliche Verordnung betreffend die Er­richtung von Handwerkskammern soll, wie aus zuver­lässiger Quelle verlautet, bereits in nächster Zeit zur