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Samstag, den 22. Juli 1899.
50. Jahrgang.
N<»^pIiltNN1>A "^ bic .Schlüchterner Zeitung" merben noct) fortwährend von allen - " Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Ein Telegramm aus Drontheim vom 20. d. M. Vormittags meldet: Der Kaiser ist nach guter Fahrt im besten Wohlsein vor Drontheim eingetroffen. Es herrscht Regen, die Temperatur ist recht kühl.
— Die Kaiserin zog sich bei einem Ausflug in die Berge bei Bartholomä am Königsee eine Fußverstauchung zu. Der Unfall der Kaiserin ist leider doch von weit erheblicher Art, als man Anfangs annehmen zu dürfen glaubte. Die hohe Frau hat außer der Verstauchung eines Knöchelgelenks auch einen Wadenbeinbruch erlitten, dcsfcn Heilung ein langwieriges Krankenlager nothwendig machen wird.
— Prinz Heinrich beabsichtigte, wie der Ostasiatische Lloyd" meldet, in Begleitung von etwa acht Herren nach Söul zu gehen und von dort den Goldminen der Herren Meyer u. Co. auf der Ostseite Koreas einen Besuch abzustatten.
Barmen. Betreffs der angeregten Vereinigung von Barmen und Elberfeld hatte das hiesige Kreisblatt eine Abstimmung unter seinen Leseruveranstaltet. Nach seiner Mittheilung ist das Ergebniß folgendes: es sind eingegangen 12113 Stimmzettel. Davon lauten 10227 gegen die Vereinigung und nur 1986 dafür.
Bochum. Eine gerechte Strafe erhielt der Schuh- machermeister Kühne, der seit dem Jahre 1897 seine Frau und zwei Kinder im Alter von 7 und 4 Jahren fortgesetzt in rohester Weise mißhandelt hatte. Beide Kinder sind gestorben. Das Urtheil lautete auf sechs Jahre Gesäugniß.
Naumburg. Eine Arbeitersfrau in Naumburg gab jüngst einem Handwerksburschen, der bei ihr vorsprach, statt eines Zweiers aus Versehen ein Goldstück. Wie überrascht war nun ihr Mann, der das Geld mit für Miethe zurückgelegt hatte, als er dieser Tage aus Zeitz 5 Mk. und einen namenlosen Brief erhielt, worin der wider Willen so reich beschenkte Handwerksbursche um Entschuldigung bat, daß er den Irrthum der Frau für sich ausgenutzt habe; er habe eben damals Geld gebraucht, aber jetzt habe er Arbeit gefunden und schicke nun die erste Zahlung; bald werde er auch den Rest senden und dann seinen Namen nennen.
Aus Thüringe», 19. Juli. Der jetzt seitens der preußischen Regierung ernstlich ins Auge gefaßte Bau einer Bahnlinie Gerstungen-Vacha erhält mit Rücksicht auf die feststehende Herstellung einer Vollbahn von Satzungen über Vacha und Geisa nach Hüneld eine weit mehr als lokale Bedeutung. Zunächst wird damit das alte Projekt verwirklicht, die Hessische Nordbahn (Cassel-Gerstungen) direkt mit der Werrabahn zu verbinden, also die Bergstrecke Eisenach-Marksuhl zu umgehen. Vor genau 25 Jahren hatte die Werrabahn- Gesellschaft den Bau einer solchen Linie beschlossen, die von GerstungeN direkt nach Ettenhausen (zwischen den Stationen Marktsuhl und Salzungenf führen sollte. Jetzt wird freilich ein Umweg über Vacha gemacht, der aber gleichzeitig den Plan einer Linie Gerstungen-Hümeld zu Stande bringt, also eine Abkürzung der Linie Berlin- Thüringen-Frankfurt a. M. um etwa 12 Kilom ter, wobei gleichzeitig die für den Betrieb außerordentlich schwierige Strecke Gerstungen Bebra (mit dem Hönebacher Tunnel) umgangen und der beengte Bahnhof entlastet wird. Eine Linie Hünfeld-Schlitz behufs Schaffung einer direkten Verbindung von Sachsen-Thüringen nach dem Mittelrhein und Metz bleibt dann nur noch eine Frage der Zeit. Sollte später noch ein Anschluß von Geisa nach Tann und ein solcher von Gersfeld nach Bischchsheim gebaut werden, so wäre ein vollständiges Rhönbahnnetz hergestellt, das allen Verkehrsinteressen dient, die Ausfuhr der ungeheueren Rohprodukte dieses Gebirges ermöglicht und die Entwickelung der Industrie erleichtert.
Ueber einen Aufsehen erregenden Vorfall wird aus Limbach in Sachsen gemeldet: Nachdem bereits in der letzten Woche von der Polizei mehrere Schüler des Technikums auf Grund einer anonymen Anzeige, die sie der Urheberschaft einer Brandstiftung am 22. Juni beschuldigte, in vorläufige Haft genommen waren und $k Untersuchung die Wahrheit dieser Angabe bestätigt
muthigender, dafür haben andere belgische Exporteure um so bessere Resultate erzielt, dank vor allem dem vortrefflich eingerichteten belgischen Consulatswesen, durch welches den belgischen Kaufleuten jede nur denkbare Unterstützung zu Theil wurde. Man kann ruhig sagen, daß die belgischen Consuln so recht eigentlich im Dienste des gesummten belgischen Handelsstandes stehen, den sie auf jede Weise zu heben und zu fördern suchen und dem sie als gewissermaßen mit staatlicher Autorität ausgerüstete Handelsagenten in vielen Fällon gradezu unschätzbare Dienste leisten. Die machen auch die belgischen Kaufleute darauf aufmerksam, wo sie sich Absatzgebiete für ihre Waaren erschließen können, und auf ihre Anregung wird auch wohl die Errichtung einer Professur für die chinesische Volkssprache hierselbst zurückzuführen sein. Der belgische Unternehmungsgeist hat sich mit einem Male auf eine früher kaum für möglich gehaltene Weise bethätigt, wie dies, z. B. den Umstand beweist, daß allein in Kongo in den letzten 4 Jahren über 50 Millionen belgisches Privatkapital engagirt wurde, und wenn derselbe fortfährt, in der bisherigen Weise auch in Ostasien immer weiter vorzudringen, dann dürfte die Höchstachtunggebietende und mit äußerst billigen Löhnen arbeitende belgische Industrie sehr bald dort sowohl den Engländern wie den Deutschen eine sehr scharfe Conkurrenz bereiten.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 21. Juli.
* — Dem Amtsgericht hier ist mit Rücksicht auf den Geschäftsumfang der Herr Gerichtsassessor Hadermann von hier als Hülfsrichter vom 16. August d. I. ab überwiesen werdon.
* — Die Ernennung des Gerichtsschreibergehilfen Geh zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht zu Schwarzenfels ist zurückgenommen worden.
* — Eine Reichsgerichtsentscheidung, die von weitreichenden Folgen für alle Stadt- und Landgemeinden zu werden verspricht, ist kürzlich mit der Aufstellung des Grundwtzes erfolgt: Für Unfälle auf der Straße, welche durch den schlechten Zustand des Pflasters oder mangelhafte Beleuchtung entstehen, ist die Gemeinde haftbar.
* — Betreffs des Militärdienstes der Elementar« lehrer ist bestimmt worden, daß diejenigen Lehrer, die vor dem 25. Lebensjahr aus dem öffentlichen Schuldienste in den privaten übertreten oder gänzlich aus- scheiden, die Heranziehung zur vollen Militärdienstpflicht zu gewärtigen haben.
* — Die Plenarsitzung der Handelskammer am 17. Mai d. J. hatte zu dem Beschlusse geführt, bei der Kgl. Eisenbahiy-Direktion in Frankfurt a. M. die Verlängerung der Entladefrist für Schlüchtern au; einen vollen Tag zu beantragen. Der Vorstand konnte sich indeß nachträglich nicht des Bedenkens enthalten, daß ein solcher Antrag ohne Weiteres am Grund der in Kraft bestehenden Verfügung des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten zurückgewiesen werden würde, wonach allgemein für die Wagen, deren Aoisirung und Bereitstellung derart crwlgt, daß spätestens um 9 Uhr Vormittags die Ladefrist beginnt, und deren Absender oder Empfänger innerhalb eines Umkreises von 1 Klm von der Station wohnen, der Ablauf der Belade- oder Entladefrist auf den Schluß der Geschäftsstunden desselben Tages festgesetzt worden ist. Immerhin war anzuer. kennen, daß biefe allgemeine Verchgung wegen der ungünstig!» Lage der Station zu der Stadt besonders empfindliche Wirkungen gezeitigt hat. Diese Wirkungen werden erheblich durch ungenügende Anlagen des Schlüchterner Güterbahnhofes verschärft, derart, daß die Be- ober Entladung der bereitgestellten Wagen durch Rangiren öfter unterbrochen, die volle Ausnützung der Frist also beeinträchtigt wird. Andererseits brächte der Vorstand der Kammer auch in Erfahrung, daß die Kgl. Eisenbahn- Direktion diesem Mißstandc bereits selbst ihre Ammerk- amteit zugewandt und ein Projekt für die Erweiterung )er Geleisanlagen ausgearbeitet hat. Die Behörde ist auf Grund dessen ersucht worden, die Ausführung des Projektes thunlichst zu beschleunigen. Es läßt sich annchinen, daß damit ein wesentlicher Theil der in Folge der erwähnten ministeriellen Verfügung herbeige ührten Verkehrserschwerniß für Schlüchtern beseitigt werden wird.
— Augusta oder Auguste Victoria ? Eine interessante Aeußerung des Ober-Hofmeisters der Kaiserin Freiherrn. v. Mirbach wird aus Hamburg gemeldet. Der dortige
hatte, wurde am Dienstag die Verhaftung von fünf Technikern vorgenommen. Diese haben in geradezu frivoler Weise am Abend des 2. Juni nach einer wüsten Kneiperei eine Wette geschlossen, wonach derjenige, welcher den größten Muth bei einem Brande zeige, ein Jahr lang umsonst an allen Trinkgelagen theilnehmen solle. Zu diesem Zweck steckten sie sogleich eine große Scheune in der Nähe des Bahnhofs in Brand. Ein Arbeiter, der dort nächtigte, wurde ein Opfer der Flammen. Der Brand bedrohte den Bahnhof und wurde nur unter gewaltigen Anstrengungen gedämpft.
Frankenthal, 18 Juli. An Vergiftung, Hervorge- rufen durch den Genuß von Beeren des schwarzen Nachtschattens ist heute im benachbarten Bobcnheim das sechs Jahre alte Töchterchen des Gutsaufsehers Klemmstein auf dem Nonnenhof nach schrecklichen Schmerzen gestorben. Ein sieben Jahre altes Söhnchen Klemmsteins, das ebenfalls nach dem Genuß der giftigen Beeren schwer erkrankte, konnte von dem herbeigerufenen Arzt dem Leben erhalten werden. Es befindet sich bereits auf dem Wege der Besserung.
Gieße», 19. Juli. Die Schützen-Festhalle ist heute Nacht vollständig abgebrannt. Von anderer Seite wird der „Franks. Ztg." telegraphirt: In den abgebrannlen Gebäulichkeiten war am Sonntag die internat. Hundeausstellung gewesen. Die Halle war versichert; das Feuer ist angelegt worden.
Offenbach 17. Juli. Bei einem orkanartigen Gc- wit'tersturm wurde heute Nachmittag die Restaurationshalle am Regattaplatz umgeweht. Die neu angeschafften Rennbote des Offenbacher Rudcrvercins, ein Achter und ein Vierer, wurden vom Sturm vollständig zerschmettert. Ein Boot der Hanauer Rudergesellschaft wurde leck geschlagen. Der Schaden an Bootsmaterial beträgt 2000 Mark.
Ausland.
Stockholm, 19. Juli. In der Provinz West Got- land herrscht seit einigen Tagen eine Milzbrandepidemie, welche jetzt gefährliche und eigenthümliche Formen angenommen hat. Die Seuche ergreift nicht nur das Vieh, welches massenhaft stirbt, sondern auch Menschen, welche durch die Berührung der kranken Thiere angesteckt werden. In Falköping liegen sieben Milzbranderkrankte darnieder. Trotz der Absperrungsoorkehrungen verbreitet sich die Seuche mit großer Schnelligkeit.
Antwerpm. An der hiesigen Handelsschule ist seit einiger Zeit ein Lehrer für den Unterricht im Chinesischen angestellt, und zwar soll derselbe nicht die Sprache der herrschenden oberen Klassen, sondern die eigentliche Volkssprache seine Zuhörer lehren, damit die letzteren in die Lage versetzt würden, eventuell persönlich mit den chinesischen Kaufleuten Geschäfte abschließen zu können Der Umstand, daß dieser Unterricht völlig gratis ertheilt wird, beweist, für wie wichtig man für die Zukunft Belgiens eine Ausdehnung von dessen Handelsbeziehungen mit dem himmlitchen Reiche hält. Der belgische Export nach China ist von jeher ein nicht unerheblicher gewesen, aber seine jetzige Bedeutung batirt doch erst von der Zeit an, da speziell Deutschland durch die Subventionirung der ostasialischen Dampferlinie öffentlich sein großes Interesse an dem Handel mit China dokumentirte. Damals versuchte man hier sofort, den nach China exportirenden deutschen Fabrikanten mit aller Energie Concurrenz zu machen, und man ging hierin so weit, daß man sogar in England über die von dort nach China abgesandten deutschen Fabrikate Beobachtungen anstellen ließ, da es ja eine bekannte Sache ist, daß viele deutsche Fabrikanten den Absatz ihrer Produkte nach dem ungeheuren englischen Kolonialreiche und nach den ganzen, mehr oder weniger unter englischem Einflüsse stehenden östlichen Asien durch ihre Generalagenten in England vermitteln lassen. Ob z. B. auch von der außerordentlich starken Zahl von Flügeln und Pianinos, welche die bekannte Hofpianofortefabrik Rud. Jbach Sohn in Barmen jedes Jahr nach England sendet, ein Theil nach China und überhaupt Ostasien gcl)t, ist uns allerdings nicht bekannt, aber jedenfalls ist es sicher, daß jene Thatsache hier wohl bemerkt wurde, und daß darauf hin vor allem die belgischen Pianofortefabriken einen triftigen Anlauf nahmen, um ihre Instrumente nach China zu exportiren. Der Erfolg war zwar in diesem Falle gegenüber der unbestreitbaren Ueberlegenheit der deutschen Fabrikate bis dahin kein besonders er-