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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samjtiig, den 15. Juli 1899.
50. Jahrgang.
Hi>fMhttin<Hrt °"f die .Schlüchterner Zeitung« H werden noch fortwährend von allen ~ Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Juli. Von der Nordlandsreise des Kaisers wird aus Söhvlt gemeldet, daß der Monarch am Mittwoch mit den Herren der Umgebung eine Partie nach dem Djupvand machte, der fest zugefroren, ebenso wie die ganze Landschaft mit Schnee bedeckt war.
— Die Kaiserin ist mit den drei ältesten Prinzen Donnerslag Nachmittag 5 |5 Uhr in Berchtesgaden eingetroffen und von den bereits dort weilenden jüngeren Prinzen und der Prinzessin Victoria Luise empfangen worden.
— Prinz Heinrich von Preußen ist in Cobe (Japan) angekommen.
— Die sämmtlichen Landgerichtspräsidenten der Monarchie müssen, nach einer Meldung der „Berl. Neust. Nachr.", in diesem Jahre nach einem Erlaß des Justizministers auf Ferienurlaub verzichten, da mit Rücksicht auf die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches noch viele Verwaltungsangelegenheiten erledigt werden müssen, die den nicht recht informirten Vertretern nicht gut überlassen werden können.
Hamburg. Wie erheblich die Zahl der alljährlich durch verschollene Schiffe verloren gegangenen Mannschaften ist, ergibt eine Zusammenstellung der Scebernis- genossenschaft. Es wurden 1898 17 deutsche Schiffe als verschollen erklärt mit einer Besatzung von 218 Mann. In den zehn Jahren von 1888 bis 1887 sind 1453 Mann auf deutschen Schiffen verschollen, darunter 1163 auf Seglern.
Elbcrfeld, 10. Juli. Eine Neuerung auf dem Gebiete des Reklamewesens oder vielmehr eine Geschäftsmethode, sich in ganz kurzer Zeit einen weit ausgedehnten Kundenkreis zu verschaffen, wird in mehreren großen Städten Rheinlands und Westfalens seit einigen Wochen betrieben. Da die Art und Weise dieser Geschästsgc- barung dazu geschaffen ist, den Absatz eines bestimmten Artikels an einem Platze mehr oder weniger in einer Hand zu vereinigen, erscheint es in hohem Maße geboten, die Aufmerksamkeit unserer Geschä tSwelt auf diese eigenartigen Unternehmungen zu lenken. In Barmen bietet eine Firma Fahrräder für 8 Mk. an, in Essen liefert ein Geschäft ein Maßanzug für 4 Mk. und in Schalke werden Damen- und Herrenschuhe im Preise von 12 Mk. für 1 Mk. geliefert. Das System dieses Verkaufs ist folgendes: Der erste Käufer erhält z. B. beim Kauf eines Anzuges gegen Zahlung von 16 Mk. einen Kouponbogen, viertheilig ä 4 Mk, welchen Betrag er hinterlegt. Drei dieser Koupons ä 4 Mk. muß er weiter verkaufen, und wenn später diese drei Abnehmer sich ebenfalls je einen Bogen mit vier Coupons geholi haben, erhält der Betreffende einen Maaßanzug; unter denselben Verhältnissen haben dann auch die drei übrigen Abnehmer Anrecht auf einen Anzug. Der einzelne Abnehmer zahlt thatsächlich nur 4 Mk., aber der Lieferant liefert den Anzug nicht eher, als bis er 64 Mark in Händen hat. Welche Erfolge diese Methode hat, bewein die vom „Wupperth. Volksblatt" berichtete Thatsache, daß z. B. die vorerwähnte Barmer Firma 18 OÖO Alk. eingenommen hat, in Wirklichkeit aber erst 15 Fahrräder geliefert zu werden brauchten. Aehnlich wird es auch in den anderen Fällen wohl sein. In Schalke wurde diese Vertäu smethode am 1. Juli von einer Firma eingeführt, und gestern waren bereits 810 Koupondogen im Umlauf. Daß die Aufregung in der be- theiligten Geschä tswelt wegen einer solchen, jeden ehrlichen Wettbewerb erdrückenden Handlungsweise recht groß ist, braucht nicht näher ausgeführt zu werden; es fragt sich nur, wie dieser Unsitte zu steuern ist. Hoffentlich werden die rührigen Vereine zur Bekämpfung des Unwesens in Handel und Gewerbe auch diesem Geschäfts- gebahrcn ihre besondere Aufmerksamkeit widmen.
Am Johannistag, 24. Juni 1900, begeht die Stadt Mainz die 500jährige Geburtstagsfeier ihres großen Sohnes Johannes Gutenberg. Ein Festkomitee ruft die ganze gebildete Welt auf und ladet zur allgemeinen Theilnahme an dem Fest ein, zu dessen würdiger Durchführung die altehrwürdige Rheinstadt sich rüstet. Der Plan der Feier im Einzelnen wird noch bekannt ge= FbfJi werden; zur bleibenden Erinnerung ist als Ehren-
Ausland.
Aus Petersburg wird gemeldet, der Großfürst- Thronfolger Georg sei gestorben. Der Bruder des Zaren, Großfürst-Thronfolger Georg Alexantuowitsch Cäsarowitsch, wurde geboren am 27. April (9. Mai) 1871, erreichte somit ein Alter von nur 28 Jahren. Bekanntlich war Großfürst Georg schon seit langer Zeit schwer krank und lebte stets in Abbas Tuman in Trans- kaukasien seiner Gesundheit. An seine Stelle als Thron-
folger tritt, nachdem die Zarin abermals einem Mädchen das Leben gegeben hatte, während man in Rußland einen Thronerben erwartet hatte, Großfürst Michael Alexandrowitsch, geb. 1878.
Belgrad, 11. Juli. Die Attentatsuntersuchung nimmt große Dimensionen an, da festgestellt ist, daß die Partei Karageorgewitsch den Thäter gedungen hat, um durch eine Revolution die gewaltsame Entfernung der Dynastie Obrenowitsch durchzuführen.
Wie in Preußen, so besteht auch in Frankreich eine Canalfrage, die allerdings ein noch größeres Objekt umfaßt, als es unser etwa 680 Mill. Mk. Kosten verursachender Mittellandkanal ist. Es handelt sich in Frankreich um die Verbindung des Mittelmeeres mit dem Atlantischen Ocean durch einen Canal. Ueber diese Angelegenheit ist jüngst nicht nur im Marineausschuß verhandelt worden, sondern vor Allem bringt der neue Marineminister Lancssan auf die Verwirklichung des Projekts. Von Narbonne, den Isthmus von Languedoc durchschneidend, soll der Canal 450 km lang, 45 bezw. 63 in breit, 9 m tief und 825 Mill. Fr. kosten, mit 16 Schleusen versehen, sodaß die Fahrgeschwindigkeit nicht zu sehr beeinträchtigt wird, nach Arcacho laufen. Verdoppelung der Flottenkräfte, Umgehen von Gibraltar und größerer Schutz der 2876 km Küsten sind die Vortheile, die man sich von der Wasserstraße verspricht. Die französische Fachpresse hält den Bau des Canals für unabweisbar.
England. Von einer geradezu schimpflichen Blamage, die England soeben wieder betroffen hat, erhielt man gleichfalls in der jüngsten Londoner Unterhaussitzung Kenntniß. Ein Abgeordneter stellte in dieser Sitzung - an den Colonialminister die Anfrage, ob das Gerücht auf Wahrheit beruhe, daß die englischen Soldaten in Südafrika mit dem berüchtigten Dum-Dum-Geschoffe bewaffnet seien. Der Minister mußte zugeben, daß solche Geschosse fabricirt und nach Südafrika verschickt worden wären. Die Haager Conferenz, auf welcher England den Friedensengel zu spielen beliebte und Deutschland als den Stören'rieb an den Pranger zu stellen versuchte, hat den Gebrauch dieser mörderischen Geschosse untersagt. Gleichwohl wendet England sie an. Diese Thatsache genügt und bedarf keines weiteren Commentars.
China. Ein Chicagoer Blatt berichtet, daß ein Ingenieur Namens Lewis in Dever, Col., mitgetheilt habe, er ginge im Auftrage eines Chicagoer Syndikats nach China, um zu versuchen, von der chinesischen Regierung die Arbeit der Niederreißung der chinesischen Mauer zu erlangen. Außer einem New-Aorker Syndikat bewerben sich noch zwei englische, eine französische und drei deutsche Gesellschaften um die Konzession. Die chinesische Regierung habe die Entfernung der Mauer aus eigenem Antriebe beschlossen und nicht etwa unter russischem, deutschem ober englischem Einfluß.
denkmal für den großen Meister vor Allem die Gründung eines Gutenberg-Museums in Aussicht genommen.
Zweibrücken, 11. Juli. Wegen fünf vollendeter Betrugsvergehen sprach die Strafkammer des hiesigen Landgerichts gegen den 28jährigen Kaufmann Abraham Pargament aus Frankfurt a. M. eine Gefängniß strafe von einem Jahre aus. Er besuchte kleine Näherinnen und offerierte Taillenbänder, Schweißblätter, Hacken usw. Die gemachten Bestellungen trug er in eine Kommissionsnote ein, welche den Bemerk enthielt: „vorgelesen, genehmigt und unterschrieben". Die Bestellerinnen unterzeichneten aber im Vertrauen auf die Ehrlichkeit des Osferenten die Noten, ohne sie vorgelesen erhalten zu haben. Die eingetroffenen Sendungen betrugen das zwanzigfache und mehr der wirklichen Bestellung. Auf erhobene Reklamationen erhielten die Käuckr die bündige Antwort, soviel hätten sie laut Note gekauft, und sie würden im Nichtzahlungsfalle sofort am Landgericht Frankfurt a. M. eingeklagt.
St. Wendel. Das für nächsten Sonntag angesetzt gewesene Kreis - Kriegerverbandsfest findet nicht statt. Als Grund gibt das „Kreisblatt" an, weil das fortwährende Regcnwcttcr die Erde so durchnäßt habe, daß der Aufenthalt auf dem Fcstplatz kaum möglich erscheint, und weil vorderhand nicht mehr von dem Abhalten des Festes die Rede sein könne, da ■—• alle Sonntage bis zum Herbstanfang mit Vereinsfestlichkeiten in der Umgebung belegt sind.
Ueber eine tragische Geschichte wird aus grossen a. d. Oder berichtet: Vor Kurzem wurde hier von einem Mädchen an einer Buhne in der Oder ein in einem alten Aermel versteckter Lederbeutel mit 2900 Mk. in Goldstücken gefunden. Dieser Fund ist dem Vater des Mädchens zum Verhängniß geworden. Dieser, ein armer, ehrlicher Mann, überbrachte den Fund der Polizei, die über die räthsclhafte Niederlegung einer derart hohen Summe eine Untersuchung einleitete. Während die Ermittelungen noch schwebten, ist der Vater der Finderin von dem Angenblick an, wo das Geld in feine Hände kam, seines Lebens nicht mehr froh geworden. Von verschiedenen Seiten hat man ihn ob seiner Ehrlichkeit verlacht, ja sogar der Vorwurf blieb ihm nicht erspart, er habe die vorher 3000 Akt betragende Summe um 100 Mk. verringert Das böse Gewäsch brächte den armen Mann derart in Verzweiflung, daß er beschloß, sich das Leben zu nehmen. Man fand seine mit Steinen beschwerte Leiche im Stadtgraben. Der aus dem Leben Geschiedene war ein fleißiger, solider Mann und hatte neun unmündige Kinder.
Reichcnbach i. Schles., 11. Juli. In vergangener Nacht wurde hier an 6 Stellen Feuer angelegt. Einer der Brandsti ter wurde auf frischer That ertappt.
Ortelsburg. In einem Dorfe des Kreises Ortels- burg wurde vom Gemeindediener mit der Schelle in ortsüblicher Weise zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Lehrer ferner nicht mehr das Recht habe, die Schüler zu prügeln oder „unanständig" zu behandeln. Der Äultn.mint|tcr wird seine helle Freude über diese Art der Bekanntmachung seiner Erlasse haben. Die Schuljungen wollen eine Dankadresse an den Minister absenden.
Schnackenburg, (Elbe), 10. Juli. Einen merkwürdigen Bürgereid Haben noch im Anfänge dieses Jahrhunderts die Schnackenburger Bürger dem Bürgermeister geloben müssen, nämlich den — ihren Mitbürgern beim Stehlen und Hehlen behilflich sein. Der Eid lautete wörtlich: „Weil wir an der Grenze wohnen und uns aus dem Brandenburgischen zu ernähren suchen müssen, soll ein Nachbar dem andern nicht verhinderlich sein durch Offenbarung seines Thuns, oder so ja Einer ohne Zoll oder Accise daher ausgeholet hätte, selbes nicht zu verrathen oder zu offenbaren suchen, sondern vielmehr behilflich sein, daß es mit Vortheil ins Werk gerichtet werde, so lieb ihm seine zeitliche und ewige Wohlfahrt ist.«
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 14. Juli.
* — Der Aktuar Geb von Fulda ist vom 1. Oktober l. I. ab zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgerichte in Schwarzenfels ernannt worden; der Assistent Ackermann zu Cassel als Gerichtsschreiber an das Amtsgericht zu Neuhof; versetzt desgl. der Gerichtssekretär Neidhart zu Neuhof nach Weyhers.,
* — Verliehen wurde dem Freiherrlich von Stumm- schen Forstkassirer Kalkhof zu Ramholz der Kronen- Orden 4. Classe.
* — Die diesjährige Aufnahme-Prüfung in dem Königlichen Schullehrer-Seminar zu Schlüchtern ist auf den 13. September, an welchem Tage die mündliche Prü ung beginnt, angesetzt. Diejenigen Aspiranten, gleichviel, ob sie ihre Vorbildung in Volksschulen, Mittelschulen, Realschulen, Gymnasien, Präparanden- Anstalten oder privatim empfangen haben, welche sich dieser Prüfung unterziehen wollen, haben sich bis zum 10. August er. bei dem Königl. Seminardirektor Herrn Dr. Linker zu Schlüchtern zu melden. — Die diesjährige mündliche Entlassungs-Prüfung daselbst ist auf den 4. September und die folgenden Tage angesetzt. Die schriftliche Prücking nimmt am 28. August ihren Anfang.
* — Deutscher Bäckerverband. In Hanau findet am Mittwoch, den 19. Juli des 5. Verbandstag des Unterverbandes statt. Der P eis der Festkarte beträgt 5 Mark. Die Hanauer Bäckergenossenschaft labet zu dieser Versammlung alle Bäcker, auch die dem Verbände