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"Alstt M At. 34.

Die Heekeirvsse.

Von Philipp Bupbaum.

(Fortsetzung.)

„Feuer! . . . Feuer! . . ." ertönte eine Stimme aus dem nahen Walde. Es war der Köhler, den das heftige Schießen aus dem Schlafe geweckt hatte und der, vor seine Hütte tretend, den hellen Schein Dom Park hause her gewahrte und zwei Männer davon eilen sah — „Feuer! . . . Feuer!" erscholl es auch von oben. Bechtold erblickte das brennende Haus und stürzte hinzu. In einem Augenblicke stand das ganze Holzwerk in Flammen. Es mußte schon die Bretterdecke durchge- brannt sein, denn bereits drang der Lichtschein durch die Fenster.

„Herr Gott, die Vroni und der Germann! Sie verbrennen!" rief der Köhler dem Jagdgehilfen zu, den er in dem Feuerscheine wieder erkannte.

„Nur die Vroni ist darin," brächte dieser heiser hervor und warf hastig Büchse und Rucksack bei Seite. Dann kletterte er behende über das Thor, stemmte sich gegen die Thüre, drückte diese mit Aufbietung aller seiner Kräfte ein und verschwand in dem brennenden Hause.

Pfeifer und Germann erschienen athemlos und hoben mit Helfrich rasch das Parkthor aus. „Mein Gott, mein Gott! Das arme Kind, das mir anvertraut ist, muß ja elend verbrennen!" rief der Parkknecht, die Hände ringend, und wollte in's Haus stürzen. Da erschien Bechtold mit einem in Decken und Kleider gehüllten Gegenstände Er hatte Vroni gerettet; diese bettete er in einiger Entfernung von der Brandstätte auf den Boden. Germann warf sich über das wie leblos da- liegende Mädchen und rief es mit den schmeichelnden Namen. — In fliegender Hast retteten die Männer durch die Fenster, was sich schnell erfassen ließ. Krachend stürzten die brennenden Sparren in das Jnne!c und schärten so die Gluth. Bald schwankte auch das Fach­werk ; das ganze Haus sank prasselnd in sich zusammen. Hoch in die Luft wirbelten die Funken und die Feuer­zungen leckten zu den überhängenden Bäumen hinauf.

Vroni, die dem Erstickungstode nahe war, holte an der frischen Luft tief Athem und schlug die Augen auf. Die gelbe Lohe beleuchtete ihr bleiches, von dem wirren, schwarzen Haar umrahmtes Gesicht.

„Was ist denn geschehen!" fragte sie verwundert die Umstehenden.

„Unser Haus ist angesteckt worden, und Dich hat der Herr Jagdgehilfe Echter vom Reichenberg gerettet," theilte ihr Germann mit.

„Beinah' wäre der Jäger mitverbrannt!" setzte Helfrich hinzu.

„So hat er doch die Heckenrose von gestern Abend vergessen," murmelte Vroni vor sich hin, aber doch laut genug, um für Bechtold verständlich zu sein.

„Die Heckenrose, die Du auf den Tanzboden ge­worfen hast, die freilich ist vergessen; aber ich habe hier eine andere Rose gefunden, herrlicher als die gestrige, und die werde ich nicht vergessen," sagte Bechtold mit weicher Stimme und strich dem Mädchen zärtlich über das üppige Haar. Mit dankbarem Blicke schaute Vroni

zu dem Jäger auf, der Germann und Pfeifer Weisung gab, das angegriffene Mädchen möglichst schnell nach Rehbach zu bringen. —

Die geringe Habe, welche man dem verheerenden Elemente entrissen hatte, bewachte Helfrich. Für Bechtold gab es hier nichts mehr zu thun; er wandte sich wieder der Höhe zu. Die Sonne erschien in purpurrothem Lichte über der Erde; das ganze Thal erglühte in über­irdischer Pracht. Auf einer Freiung traf Bechtold die Jäger in eitriger Berathung versammelt. Sie hatten wohl den Feuerschein im Thale bemerkt, glaubten aber, er rühre von einem geborstenen brennenden Kohlenmeiler her. Und da wäre ihre Hilfe doch zu spät gekommen. Inmitten der Jägergruppe stand Aurich mit seinem Wagen, aus den man den schwer verwundeten Finken­peter gelegt hatte. Frischenbach und der Schäferjörg hatten sich ergeben und waren an den Wagen gefesselt worden. Wullenweber lag in Folge des starken Blut­verlustes mit fahlem Gesicht und klaffender Wunde be­sinnungslos am Boden. Nur Schenkel und Raimar waren entflohen; sie mußten es gewesen sein, die das Parkhaus in Brand gesteckt hatten.

Bechtold neigte sich zu dem zweifellos von ihm an­geschossenen Wullenweber nieder und untersuchte seine Wunden. Die Kugel war dem Wilddieb durch die beiden Oberschenkel gegangen und hatte eine Schlagader verletzt. Nur schwach noch rann das hellrothe Blut in das thau- frische Gras. Sofort hatte der Jagdgehilfe erkannt, daß sich der Schwerverletzte verbluten müsse, wenn nicht alsbald ein geeigneter Verband angelegt werde. Er hatte Mitleid mit dem seiner Jagdleidenschaft erlegenen Manne und unterband ihm, so gut es ging, die gefährliche Schuß­wunde.

Der Forstmeister, welcher in Rehbach und Nächster Umgebung die dem Grafen zngestandene Polizeigewalt auszuüben hatte, ordnete die Verbringung der Wilderer in das Michclstädter Gefängniß an. Der noch nicht transportfähige Wullenweber aber sollte nach wiederer­langtem Bewußtsein auf einem Schrägen nach Rehbach verbracht werden. Bechtold und vier kräftige Männer unterzogen sich dieser Aufgabe; die Anderen fuhren über Mossau nach Michelstadt davon.

Es dauerte lange, bis das Leben des Alten wieder- kehrte. Er verlangte nach Wasser, das Bechtold in seinem Lederbechcr herbeiholte.

„Wie ist's ... mit meinen . . . Kameraden?" fragte er abgesetzt.

Man theilte ihm den Ausgang mit und ermähnte ihn, sich ruhig zu verhalten.

„Das wird mein Letztes sein!" meinte er dann und beklagte es, daß ihm die Kugel nicht durch's Herz ge­gangen sei; der Schütze hätte etwas höher halten müssen. Ein echter Waidmann müsse seines Schusses gewiß sein.

„Den Schuß habe ich gethan," sagte Bechtold. „Und wenn es meine Absicht gewesen wäre, Euch zu erschießen, so Hütte meine Kugel schon die rechte Stelle gefunden. ■— Aber einen Menschen erschießt man nicht wie einen Hirsch." —