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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

54. Samstag, den 8. Juli 1899. 50. Jahrgang.

UffMhWifiiH °"^ dieSchlüchterner Zeitung" 5?V,*vUUI»y6H merben nod) fortwährend von allen - - - Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser auf der Nordlandsreise. Aus Bergen wird telegraphisch gemeldet: Der Kaiser nahm heute Vormittag Vorträge entgegen und besichtigte dann das französische SchulschiffJphigönie". Das Frühstück nahm der Kaiser beim deutschen Konsul ein.

Der Bundesrath hat neue Grundsätze wegen Be­setzung der Subaltern- und Unterbeamtenstellen bei den Kommunalbehörden mit Militäranwärtern ausgestellt. Danach sind die Subaltern- und Unterbeamtenstellen bei den Kommunen und Kommunalverbänden mit Aus­nahme derjenigen, die weniger als 3000 Einwohner haben ferner bei den Jnvaliditäts- und Altersver- sicherungs-Anstalten, sowie bei ständischen oder solchen Instituten, die ganz oder zum Theil aus Mitteln des Reiches, des Staates oder der Gemeinden unterhalten werden ausschließlich, des Forstdienstes vorzugs­weise mit Militäranwärtern zu besetzen. Ausschließlich mit Militäranwärtern sind zu besetzen, sofern die Be­soldung der Stellen einschließlich der Nebenbezüge mindestens 600 Mark beträgt: 1. die Stellen im Kanz­leidienst, einschließlich der Lohnschreiber, 2. sämmtliche Stellen, deren Obliegenheiten im wesentlichen in mechanischen Dienstleistungen bestehen und keine technischen Kenntnisse erfordern. Mindestens zur Hälfte mit Militäranwärteen sind zu besetzen die Stellen im Bureau- (Journal-, Registratur-, Expeditions-, Calculatur-, Kassen- dienst u. dergl), jedoch mit Ausnahme 1. derjenigen Stellen, für die eine besondere wissenschaftliche oder technische Vorbildung erfordert wird, 2. der Stellen der­jenigen Kassenvorsteher, welche eigene Rechnung zu legen haben, sowie derjenigen Beamten, welchen die selbstständige Kontrole des Kassen- und Rechnungswesens obliegt, 3. der Stellen der Bureauvorsteher bei den Jnvaliditüts- und Altersversicherungs-Anstalten und bei der Verwaltung von Städten mit mehr als 40000 Einwohnern, 4. die Stellen der Subalternbeamten, welche bet Behörden, denen nach landesgesetzlicher Vorschrift Verrichtungen des Vormundschaftsgerichts, des Nachlaßgerichts od.r des Grundbuchamts obliegen, in diesen Dienstzweigen als Bureaubeamte beschäftigt werden, oder welche nach landes gesetzlicher Vorschrift als kommunale Hilfsbeamte staat licher Grundbuchämter bestellt sind.

* Die Amtstitel der nicht angestclltcn Nntcrbe- amten der Reichspostverwaltung sind durch eine Ver­fügung des Staatssekretärs neu bestimmt worden. Dem nach haben die ständigen Posthilfsboten fortan die Be­zeichnungPostboten", die nicht ständigen Po ihilfsboten die BezeichnungPosthilfsboten" zu führen. In den Post-Zustellungsurkunden können künftig die zunellcndcn Unterbeamten der Namensunterschrist ihren Amtstitel beifügen.

Herne, 4. Juli. In der Richtung Herne-Reckling- hausen wurde auf allen Straßen der Fahrradverkehr ver­boten, nachdem nachgewiesen worden ist, daß die pol­nischen Ausständischen einen Staffettendienst mit Rad­fahrern eingerichtet haben. Die polnischen Führer schürten den Ausstand von Baukau aus; als dort Militär er­schien, wurde die Ausbreitung des Ausstandes vorn Herner in das Recklinghauser Revier durch Fahrrad ein- geleitet und der Streik gefordert Gestern Nachmittag haben eingehende Berathungen der Behörden stattgefunden, zu denen die Regierungspräsidenten aus Arnsberg und Münster, der Oberstaatsanwalt aus Hamm, der Land­rath aus Bochum und der Bürgermeister erschienen waren. Es wurden besondere Maßregeln für Freitag und Samstag beschlossen, da an diesen Tagen Löhnung ist.

Kaiserslautern, 4 Juli. Wie der Pfälz Presse aus St. Jngbert gemeldet wird, ist dort der Bürger, Meister Heinrich am Sonntag unerwartet gestorben, an­geblich an Herzlähmung. Es stellt sich nunmehr heraus, daß Vergiftung durch den Genuß von Wurst die Todes­ursache gewesen ist. Frau und Sohn des Bürger­meisters sind schwer erkrankt, jedoch außer Lebensgefahr. Im ganzen sind 15 Familien mit über 50 Köpfen a.s in Folge von Wurstvergiftung erkrankt, polizeilich gemeldet worden,

Lokales und Provinzielles.

* Schlichtern, 7. Juli.

* Dem Lehrer a. D. Schreiber zu Bellings wurde der Adler ^.m Kgl. Hausorden von Hohenzollern verliehen.

* Versetzt wurde Gerichts'ccretär Czossek in Schwarzenfels an das Amtsgericht in Somra, der Lehrer Schäfer von Hinkelhof nach Hanan, der Lehrer Ullrich von Langenschwarz nach Bellings.

* Nachdem sich der Juni mit unbeständiger, regnerischer Witterung verabschiedet hat, hat sein Nach­folger Juli mit wahrhaft trostlosem Wetter begonnen. Seit Samstag Nachmittag regnet es fast ununterbrochen in Strömen. Viele in unserer Provinz und Nachbar- gebiet auf Sonntag angesetzten Festlichkeiten sind total verregnet. Eine Menge Heu ist dem Verderben ausgc jetzt, falls der Himmel nicht bald seine Schleußen schließt.

Ausland.

Rußland. In der finnländischen Frage hat der Zar an den Generalgouverneur von Finnland einen Er­laß gerichtet, der aus Petersburg übermittelt wird. Die Hoffnungen der Finnländer, der Zar werde sich vielleicht doch noch erweichen lassen, sind trügerisch gewesen. Es bleibt dabei, daß mit der finnländischen Selbstständigkeit aufgeräumt werden soll. Der Zar hat es auch ab­gelehnt, eine Abordnung zu empfangen, die eine die finnische Frage betreffende Adresse überreichen wollte. Die Adresse war von ca. 1000 Gelehrten und Künstlern aus Frankreich, England, Oesterreich, Deutschland, Italien, Belgien, Schweiz, Dünemark, Schweden-Norwegen unter­zeichnet. Ein Unglück hat sich im Kohlenbergwerk Kriny- Rog bei Odessa (Rußland) zugetragen. Bei Sprengung eines Kohlenschachtes ist durch Unvorsichtigkeit eines Bergmannes eine Dynamitpatrone zu früh explodirt. 44 Bergleute sind todt, über 20 schwer ver­wundet.

England. In Winsford fuhr ein Güterzug über den Prellbock eines Seitengeleises hinaus und entgleiste. Darauf stieß stieß ein Eilgüterzug mit den Trümmern des ersten Zuges zusammen, wodurch eine Brücke zuM theilweisen Einsturz gebracht wurde. Schließlich fuhr ein Vergnügungszug in die beiden anderen Züge hinein Viele Personen wurden verwundet und etwa 50 Wagen zerstört.

Amerika. Die Ernüchterung der amerikanischen Volksmassen durch die lange Dauer und den unerfreulichen Gang des Krieges auf den Philippinen macht rasche Fortschritte: die Stimmen mehren sich mit jedem Tage, die verlangen, man möge den Philippinern Selbstver­waltung unter amerikanischem Protektorat bewilligen^ Vorerst stehen dem noch Rücksichten desmilitärischen Prestiges" int Wege, allein mit der Zeit und mit dem Anschwellen der Opfer an Gut und Blut dürfte die Er­kenntniß durchdringen, daß eine demokratische Republik leichten Herzens auf die Sorte vongloire verzichten könne, die in einem Untcrdrücknngs-Kampfc wie dem gegen die Philippiner zu holen ist. Halten die Tagalen in ihrem Freiheitskampfe noch ein paar Monate aus, dann können sie auf einen allgemeinen Stimmungs- Umfchwnug in den Vereinigten Staaten wider den Imperialismus rechnen, der ihnen zu einer ehrenvollen und vortheilhaften Auseinandersetzung mit den Ameri­kanern verhelfen dürfte.

N-W-Iork, 2. Juli. Aus Dawson City wird vom 19. Juni berichtet: Infolge von wunderbarem Gold­reichthum in Kap Nome fand ein eiliger Massenauszug dorthin statt. Ein Goldgräber soll in einer Woche für 6u00 Dollar Gold gegraben haben in Stücken von 30 bis 143 Unzen. Verschiedene Stücke davon wurden gezeigt Als diese Nachricht sich bestätigte, wurde Dawson City wild vor Erregung. Jeder schwimmbare Gegett- stand wurde erfaßt. Volksmengen strömten zum Snake River hinaus. An einem Tage zogen 2000 Menschen ab. Alle Lüden der Stadt waren leer. Die Theater mußten schließen. Das erste Schiff, welches nach den neuen Goldfeldern abging, der Dampfer.Sovercign", verlangte l 000 Dollar für einen einzigen Paffagierschein was in manchen Fällen bereitwillig bezahlt wurde.

New-Aork, 5. Juli. Durch Hochflutheu in Texas wurden 400 Menschen gelobtet. Ganze Ortschaften wurden weggeschwemmt.

Der anhaltend starke Regen hat auch der Weizen- ernte ganz bedeutenden Schaden zugefügt, da der Weizen gerade in der besten Blüthe stand. In einzelnen Feldern glaubt man nur einen Bruchtheil retten zu können. Mit Verkäufen wird in Folge dessen anf den Frucht­märkten sehr zurück gehalten.

* Zur Vorsicht für Eltern und Diejenigen, denen Kinder anoertraut sind, mahnt der folgende aus Leipzig mitgetheilte Fall: Der Familie F. in Markranstädt wurde vor einigen Wochen ein Zwillingspärchen bescheert. Da nun die Leute als Liebhaber von Katzen sich eine solche im Hause hielten, so ordnete die Hebamme an, daß das Thier sofort aus dem Schlafraume entfernt werden sollte; dies ist jedoch leider nicht geschehen. Als dieser Tage die Mutter durch eigenthümliche Töne aus dem Schlase geweckt wurde und sofort nach ihren Kleinen sah, bot sich ihr ein entsetzlicher Anblick dar. In dem Kinderkorbe saß die Katze und hatte bereits das eine Kind erdrückt, während sie dem anderen das linke Hünd­chen und die Nase vollständig abgenagt und auch noch ein Stück uns dem Aermchen herausgebissen hatte. Das bedauernswerthe Geschöpf starb bald darauf an diesen Verletzungen.

Vom Bogelsberg, Die Heuernte, welche recht im Gange war, ist durch das eingetretene Regcnwettcr in's Stocken gerathen. Es giebt mehr Heu, als man An­fangs befürchtete. Die Preise für Heugras sind be­deutend niedriger als wie im Vorjahre. Unter den Schweinen in Ober-Moos, Salz, Fleschenbach und Freiensteinau ist die Rothlaufseuche ausgetreten. Herr Thierarzt Marggraff von Nieder-Moos hat Impfungen angewendet, sogar auch an schon erkrankten Thieren, iMche alle vom besten Erfolge waren. Die Schweine- besitzcr von Nieder-Moos haben ihre Thiere auch zum Impfen angemeldet. Ein Schreiner in Breungeshain fuhr mit seinem Istjährigen Lehrling in den Wald, um Holz abzufahren. Im Walde angekommen, ging der Schreiner auf die Suche nach dem Holze und ließ den Jungen bei dem Wagen und den vier Kühen zurück. Als er den Platz gefunden, wo sein Holz saß, und nun nichtsahnend zu seinem Gefährt zurückkehrte, fand er seinen Lehrling überfahren und tobt unter dem Wagen. Der Schrecken des Schreiners und der Jammer der Eltern des Verunglückten, als jener statt mit Holz mit der Leiche des jungen Menschen heimkehrte, läßt sich begreifen.

Hanan, 3. Juli. Da die Maul- und Klauenseuche in hiesiger Gegend fast ganz erloschen ist, steht mit Sicherheit die Aufhebung des Viehmarkt-Verbotes zu erwarten, so daß aller Voraussicht nach der für den 12. Juli angesetzte Viehmarkt zur Abhaltung kommt.

Aus dem Ohmthale, 5. Juli. Die heftigen und anhaltenden Regengüsse der letzten Tage haben die Ge­wässer der Ohm, Klein und Wohra derartig zum Steigen gebracht, daß dieselben aus ihren Ufern getreten sind und fast das ganze Thal in einen See verwandelt haben. Die trüben, noch anhaltend steigenden Fluthen führen nun das zum großen Theile noch auf den Wiesen liegende Heugras mit sich fort und ist der Fluß überall mit kleinen, grünen, gleich Eisschollen schwimmenden Inseln bedeckt. Das in Kegeln gesetzte Heu sieht gleich großen Ameisenhaufen aus der Hochfluth hervor; das ganze Thal bietet ein trauriges Bild. Die mit so großen Hoffnungen begonnene Heuernte ist durch das Unwetter, mit Ausnahme des wenigen früh eingebrachten Heues, vollständig vernichtet.

Kassel, 3. Juli. Der Landesausschuß des Bezirks- verbandes für den Regierungsbezirk Kassel hat in seiner Sitzung vom 20. Juni b. I., mit Genehmigung des Herrn Oberpräsidcntcn vom gleichen Tage, die Ausgabe einer neuen Serie von Schuldverschreibungen der Landes­creditkasse in Stücken von 2000 Mk., 1000 Mk., 500 Mk, 300 Mk. und 200 Mk. beschlossen. Dieselben lauten auf den Inhaber, können aber auf Verlangen auf den Namen umgeschrieben werden, sie werden mit 3% pCt. jährlich verzinst. Die Zinsen jeden 1. März und I. September gezahlt. Seitens der Inhaber sind die Schuldverschreibungen überhaupt nicht, seitens der Landescreditkasse aber erst vom 1. September 1907 ab kündbar.

Kassel, 5. Juli. Das Kaiserpaar mit den Prinzen, der Prinzessin und dem ganzen Hofstaat trifft am 8, August in den Nachmittagsstunden zu dem dies-