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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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N 53t Mittwoch, den 5. Juli 1899. 50. Jahrgang.
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- — —------Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsche Thronanwärter.
Zu einer Zeit, da die Frage: Wer wird dereinst das Herzogthum Sachsen-Coburg-Gothn regieren? so eifrig erörtert wird ist es von Interesse, daß mehrere deutsche Staaten sich in der Lage befinden, zu fragen: Wer ist der Erbe? In Anhalt zum Beispiel, dessen Herzog im Alter von 68 Jahren steht, sind noch der Thronfolger Erbprinz Friedrich und seine Brüder, die Prinzen Ednard und Aribert, vorhanden, aber die Ehen des Thronfolgers, sowie des Prinzen Aribert sind kinderlos, die verwittwete Erbprinzeß Leopold und Prinz Eduard haben je nur eine Tochter. Brüder hat der regierende Herrscher nicht besessen, und der älteste Bruder seines Vaters war morganatisch mit dem Fräulein von Erdmannsdorf vermählt (die Söhne führen den gräflichen Namen V. Neina und sind außerdem Beide kinderlos geblieben), während der jüngste Sohn, Prinz Friedrich, nur Töchter besaß. Baden befindet sich in ähnlichem Falle Der Erbgroßherzog ist kinderlos, Prinz Carl morganatisch verheirathet; so ist Prinz Max der Einzige, auf dem die Hoffnung des Landes ruht. In Hessen wurde bereits bei der schweren Erkrankung des jungen Großherzogs die Frage laut; denn hier ist überhaupt kein direkter Erbe vorhanden, da der Großherzog keinen Sohn besitzt, sein Bruder als Kind durch einen Sturz aus dem Fenster verunglückte, und beide Brüder des Großherzogs morganatisch verheirathet sind. Der Sohn des Prinzen Heinrich aus seiner ersten Ehe mit Fräulein v. Pölnitz führt den Namen Graf zu Nidda, die Söhne aus zweiter Ehe den freiherrlichen Namen von Dornberg Prinz Wilhelm führte Fräulein Josephine Beuder heim, sein Sohn trägt den Namen von Lichtenberg und ist ebensowenig successionsfähig Die Vettern des verstorbenen Großherzogs, aus der Ehe des Prinzen Alexander mit Gräfin Hauke, heißen Prinzen von Battenberg. Wenn nun zwar auch der eine die Fürstenkrone Bulgariens trug, und die drei anderen Brüder Prinzessinnen aus regierenden Häusern heiratheten, sie können schließlich nicht als Erben von Reffen in Betracht kommen, so beliebt Prinz Ludwig, der durch seine Vermählung mit Prinzeß Viktoria von Hessen Schwager des Großherzogs, sowie des russischen Kaisers wurde, auch in Hessen ist. — Von der älteren landgräflichen Linie Hessen kommt der ehemals kurfürstliche Ast nicht in Frage, da die Söhne des Kuriürstcn Friedrich Wilhelm aus seiner Ehe mit der geschiedenen Frau Leh- münn. geb. Falkenstein, stammen. Es würde wohl die erste Antwartschaft der blinde Landgraf Alexander, Enkel des Prinzen Carl von Preußen. Haben, und schließlich, da er unvermählt, sein Bruder, Prinz Friedrich Carl, der Schwager des deutschen Kaisers. In Schwarz- burg-Sondershausen ist der Fürst kinderlos und sein einziger Bruder unvermählt. weitere männliche Mit glieder sind nicht vorhanden. In Rudolstadt ist der Fürst ebenfalls kinderlos, und da er weder Brüder noch Vettern besitzt, ist der Sohn des Fürsten Günther aus der morganatischen Ehe mit Gräfin Reina. der bis jetzt den Namen Prinz Leutenberg führte, zum Thromolger bestimmt; er besitzt aber nur zwei Töchter. In Württemberg kommt die fünfte Linie, die einzige katholische, auf den Thron, da der König ohne Brüder und Söhne, die Nachkommen der zweiten Linie nicht successionsstihig sind und nun den Namen Teck führen, aus der dritten Linie lebt nur noch der 66jährige un-' vermählte Herzog Nikolaus; die Söhne der vierten Linie führen, aus morganatischer Ehe stammend, den herzoglichen Namen Urach, — so muß der katholische Herzog Albrecht als Thronfolger des evangelischen Reiches Württemberg betrachtet werden.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin tragen Montag früh um 7 ’/2 Uhr in Eckernförde ein. Es herrschte heftiges Regenwetter. Das Kaiserpaar wurde am Steg des Marien Louisenbades in Borby von dem Landrath, dem Bürgermeister. Koporationen und Vereinen sowie von zahlreichem Publikum begrüßt. Unter brausenden Hurrahrufen fuhren Kaiser und Kaiserin zu Wagen zu dem Manöver nach Missunde. Unter heftigem Regen
begann dort der Uebergang über die Schlei. Die Vor wärtsbewegung der Truppen ist durch die an'gewcichten Wege sehr erschwert. Infolgedessen wurde das Manöacr bei Missunde wegen strömenden Regens vorzeitig abgebrochen. Der Kaiser kehrte nach Eckernförde zurück
— Prinz Heinrich von Preußen traf am Donnerstag an Bord des Flaggschiffes „Deutschland" in Dokohama ein und setzte alsbald die Reise nach Tokio fort, um dem Kaiser einen Besuch abzustatten Zur Begrüßung des Prinzen war ein japanisches Geschwader im Hafen von Iokohama anwesend Prinz Heinrich nahm, vom Prinzen Kamin empfangen, in dem kaiserlichen Palais Wohnung. Das Kaiserpaar gab zu Ehren des hohen Gastes ein Mahl.
— Neue Ehejubiläumsmedaille. Der Kaiser hat für Ehepaare, welche ihre diamantene Hochzeit begehen und anläßlich ihrer goldenen Hochzeit bereits die Ehe- jubiläumsmedaille erhalten haben, eine besondere Auszeichnung unter dem Namen „Ehejnbiläumsmcdaille mit der Zahl 60" gestiftet. Dieselbe besteht in einer die Ehejnbiläumsmcdaille umgebenden Tafel, auf welcher die Zahl „60", Myrthenzweige und Eheringe auf die Bedeutung der kaiserlichen Stiftung Hinweisen. Die Verleihung mit der Zahl 60 soll nach denselben Grundsätzen erfolgen, wie sie bei Verleihung der einfachen Medaille in Anwendung kommen.
Aus Mecklenburg. Prinzessinensteuer? Mancher unbefangene Leser wird fragen: Was ist das? und bei noch größerer Unbefangenheit wohl gar meinen, es sei eine Steuer, die von Prinzessinnen aufgebracht wird. O nein, fo unbefangen muß er nicht sein, dergleichen giebt es nicht. Prinzessinensteuer ist eine Abgabe, die die Prinzessinnen bekommen. In Mecklenburg besorgt durch solche Extra-Prinzessinnensteuer das Volk die Mitgift einer sich verheirathenden Prinzessin. An diese hübsche Einrichtung werden wir gemahnt, weil soeben die Kunde durch die Blätter läuft, daß sämmtliche Orts- schützen des Oboritenlandcs für Prinzessin Jutta, die den griechisch orthodoxen Danilo von Montenegro heirathen will, zur Aussteuer zu sammeln haben. Es gibt auch einen Preiskourant tür diese Landcskollcktc, der veröffentlicht worden ist, als im vorigen Jahre die Herzogin Alexandrine sich nach Dänemarck verheirathen wollte. Da waren vom Lande im Ganzen 70 000 Mark zu zahlen, und zwar wurden erhoben in der Residenzstadt Neu- strclitz von jedem Hausbesitzer zwei Mark, in den Domänen von jedem Freischützen zwölf Mark, von jedem Halbhüfener drei Mark, von jedem Viertclhüfener 1,50 M., von jedem Achtelhü ener 75 Pf. In den ritterschaftlichen Gütern entrichtet eine jede durch die erbvergleichsmäßige Vermessung und Bonitirung heransgebrachte rittcrschaft- liche Hufe 5,50 Mk. Die steuerpflichtige ritterschaftliche Pfarrhufe entrichtet 2,75 Mk. In den Städten des Herzogthums sind zu erlegen: von einem vollen Hause 2 Mk., von einem halben Hause 1 Mk., von einem viertel Hanse 50 Pf., von einem achtel Hanse 25 Ps. So läpperten sich damals die 70 000 Mark zusammen, und dieses Mal dürften die Anssteucnummen nicht geringer geworden sein, weil auch noch für die Schwester von Jutta gesammelt wird, die einen Pariser Grafen ehelichte.
Kiel. Die Vermuthung, daß der Kaiser-Wilhelm- Kanal ein Laichplatz für Heringe geworden, hat sich bei der heurigen Frühjahrs-Versuchsfischerei glänzend bestätigt. Unter Schestedt wurden nicht nur Herings eier in unermeßlicher Zahl gefunden, sondern die Heringe selbst beim Laichgeschäst beobachtet. Der Hauptlaichplatz der Heringe liegt am nördlichen Ufer des Kanals.
Hcrne, 30. Juni. Der Streik der Kohlengruben- arbeiter ist zu Ende. Auf sämmtlichen Zechen, welche sich im Ausstande befanden, war heute ein großer Theil der Arbeiter angefahren. Die Fehlenden dürsten jedenfalls im Laufe des Tages noch anfahren. In der Stadt herrscht Ruhe; neue Ausschreitungen sind nicht vorgekommen. Von den an den Kämpfen mit der Gendarmerie betheiligten Personen sind 5 Mann ge storben, 10—12 sind schwer, eine große Anzahl leicht verwundet. Viele der letzteren verhalten sich ganz still, um nicht noch nachträglich als Thcilnchmcr vor Gericht gestellt zu werden. Die Todten und Verletzten sind fast ausnahmslos Burschen von 17—20 Jahren und meistens Polen. — Au dem Ausstand sind hauptsächlich polnische Oberschlesier betheiligt, die in den Zechen des dortigen Reviers annähernd die Hälfte der Arbeiter bilden. Die
deutschen Bergarbeiter weisen jede Solidarität mit den Tumultuanten zurück und die sozialdemokratische Partei hat sich beeifert und beeilt, den Herner Aufruhr von ihren Rockschößen abzuschüttteln. Namentlich sind auch polnische Frauen bei der Revolte betheiligt, die ihren männlichen Stammesgenossen leidenschaftlich zureden.
Düsseldorf. Eine ältere Wittwe ist das Opfer eines raffinirten Schwindels geworden. Eine sog. „Karten- schlägerin" hatte der Frau prophezeit, daß diese Geld auf der Sparkasse besitze, welches demnächst gestohlen werde. Es sei darum besser, den Betrag sofort zu erheben und ihr (der Wahrsagerin) in Verwahr zu geben. Die Wittwe war thöricht genug, diesen Worten Glauben zu schenken, sie befolgte den Rath, lieferte der Schwindlerin das Geld aus und beklagt heute den Verlust ihrer gesammten Ersparnisse in Höhe von 400 Mk. So etwas sollte man kaum für möglich halten!
Vom Harz Von einem großen Sterben der Bienen in den Biencubestünden der Quedlinburgs Gegend lesen wir in den Blättern. Dieses Absterbcn soll besonders in den warmen Tagen sehr stark geworden sein und ganze Völker vernichtet haben. Bei näherer Untersuchung habe sich dann herausgestellt, daß die Bienen durch einen Pilz, der am dem in Mengen eingetragenen Blüthen- staube wuchert, umgebracht wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Verbreitung des Pilzes dadurch der Boden geebnet, daß der Blüthenstaub der Obstbaum- blüthen durch die damals herrschende nasse Witterung zu feucht geworden ist. Der todbringende Pilz hat eine grünliche Farbe; seine Wirkung ist so furchtbar, daß ganze Bienenbestände rettungslos verloren sind.
Bossen. Eine Gesellschaft diebischer Schulknaben . wutue vor einigen Tagen in Zossen entdeckt. Die ; ziemlich zahlreiche vollständig organisirte Bande hat eine Reihe raffinirtester, Diebstähle ausgeführt. So stahlen die Burschen einem Kaufmann aus der Ladenkasse 36 Mk. einem Gastwirth in dem nahen Dorfe Dabendorf, wo sie cingekchrt waren, goldene Trauringe u. s. w. Die Entdeckung wurde dadurch herbeigeführt, daß einer der Knaben in einem Geschäft einen Gegenstand verlangte, von dem er wußte, daß er erst aus einem Hinteren Zimmer herbeigeholt werden mußte; der Dieb wurde nun, während er in der Zwischenzeit die Ladenkasse zu berauben versuchte, bei der That ertappt. Einer der jugendlichen Verbrecher hat schon zehn Einzelthaten gestanden. Durchweg sind sie Kinder gut situirter, braver Eltern, die auch, soweit es in ihren Kräften stand, in der Erziehung nichts vernachlässigten. Die Erregung in der kleinen Stadt ist groß; die Theilnahme für die Eltern, die unter den Thaten ihrer Kinder am meisten zu leiden haben, ist allgemein.
Mainz, 27. Juni. In der gestrigen Sitzung des Schulvorstandes erregte die Mittheilung des Oberbürgermeisters Dr. Gaßner, daß Herr Kreisarzt Dr. Balser in einem Schreiben an die Bürgermeisterei mitgetheilt habe, in den hiesigen Volsschulen werde zu viel geprügelt, großes Aufsehen. Herr Stadtverordneter Schäfer erinnerte daran, daß er bereits vor einem Jahre auf diese Zustände aufmerksam gemacht habe, daß seine Mittheilungen aber bestritten worden seien. Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner versprach eine strenge Untersuchung. In der Sitzung wurde u. a. die Mittheilung gemacht, daß der Sohn eines Stadtverordneten von einem Lehrer 10 Hiebe hintereinander in das Gesicht erhalten hätte. — Soldatenwitz. Bekanntlich hat jedes Regiment seinen Spitznamen, der sich meist aus der Farbe der Aufschläge und Achselklappen ergeben hat. So heißen die Soldaten des hessischen Regiments nach den gelben Aufschlägen und Achselklappen „Kanarienvögel" und werden beim Passiren anderer Truppentheile von diesen angezwitschert. Das war auch wieder der Fall, als das 117. und 118. Regiment letzter Tage auf dem Griesheimer Sand bei Darmstadt zu Schießübungen zusammengezogen waren. Den Umstand nun, -iaß jüngst ein 117er Nachts beim Postenstchen auf einem Außenwerk von Mainz eine verirrte Kuh mit 5 Schüssen tödtete, als sie aus Anrufen keine Antwort gab, nahmen die 118er zum Anlaß, den 117ern Muh, Muh!" zu- zurufen. Auch bezeichnen sie die 117er, welche den Namenszug der Großherzogin V. M. (Viktoria Melitta) auf den Achselklappen tragen, mit „Vieh Mörder"!
Aus Süddeutschland, 25. Juni. Die Paradetage während der diesjährigen Kaiser-manöver sind nach der