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MWernerMullg

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

J& 52. Samstag, den 1. Juli 1899. 50. Jahrgang.

Ü£i>!Mlltttn6Mt1 auf ^e »Schlüchterner Zeitung" I gyvJl&UUi&ytll werben nod) fortwährend von allen

Postanstalten und Landbriesträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. In Eckernförde werden große Borbereitungen für den Empfang des Kaisers getroffen, der sich von dort mit einem imposanten Gefolge durch Schwansen zu den Pionierübungen bei Missunde begiebt. Der Kaiser verläßt vor Eckernförde dieHohenzollern" und fährt mit einer stattlichen Kavalkade nach Missunde. Dort steigt der Monarch zu Pferde, um den Haupt- und Schlußübuugen der vier Pionierbataillone, der Jnfanterie- und Kavallerietruppen beizuwohnen. Die Schlei bleibt am Montag von Vormittags 9 Uhr bis Nachmittags 3 Uhr für den Schiffsverkehr gesperrt. Abends kehrt der Kaiser nach Eckernförde zurück und schifft sich an Bord derHohenzollern" ein, die sofort nach Norwegen in See sticht. Der Kaiser hat sämmtlichen Mannscha ten seiner Jacht je zwei bequeme Sportanzüge und ein Paar Sportschuhe für die Nordlandsreise geschenkt. Die Rückkehr derHohenzollern" ist auf die erste August­woche festgesetzt.

Am Sonnabend ist eine großartige, erhebende Studentenfeier am Sarge des Fürsten Bismarck abge­halten worden. Sie begann vor dem Portal der Grad­kapelle mit dem Gesang des Bismarckliedes:Horch, Sturmesflügel rauschen " dann folgte eine Ansprache des cand. jur. Paul Bredereck, woran, jede einzelne Abord­nung die Kapelle betrat, um ihren Kranz am Sarge des entschlafenen Fürsten niederzulegen. Zugleich sprach der Kranzträger ein passendes Merkwort. Auch ein Siebenbürger Sachse brächte einen Kranz und einen Gruß von seinen Landsleuten. Fürst Herbert Bismarck dankte in einer längeren Ansprache der Studentenichaft für die seinem Vater bewiesene Anhänglichkeit. Mit dem GesängeDeutschland, Deutschland über Alles" schloß die Feier.

Eine Revolte der Chinesen in Kiautschau. Nach einer Meldung derCentral News" aus Schanghai hätte in Kiautschau eine Revolte stattgesunden, Unge­fähr tausend Chinesen, welche mit allerhand Waffen versehen waren, griffen die deutsche Bahn so he'tig an, daß die deutschen Beamten das Bahnho sgebäude ver­lassen mußten. Ein Detachement deutscher Infanterie begab sich an Ort und Stelle, und da der Mob sich nicht zerstreuen wollte, feuerte das Detrchement und tödtete neun Chinesen. Die so ortige Wiederherstellung

der Ordnung ist zu erwarten. 1

* Ueber das Manöverfuhrwesen werden jetz. neue Bestimmungen auf Grund der beim letzten Kaiser Manöver gemachten Erfahrungen bekannt gegeben. Es soll in Zukunft streng darauf gehalten werden, daß die durch das Naturalleistungsgefetz bestimmte Zahl der mitzu- führenden Fahrzeuge und die vorgeschriebene Gewichts­grenze nicht überschritten wird. Für die aus Ueber« schreitungen der Gewichtsgrenzen etwa entstehenden Schäden, werden die betreffenden Kommandostellen ersatz­pflichtig gemacht. Verboten ist ferner das Mitführen von Privatzelten, sowie von Gepäck, das das vorge­schriebene Maß überschreitet. Neben dem Koffer, dessen Form und Größe mit den vorschriftsmäßigen Abmessungen bis auf geringe Abweichungen übereinstimmen muß. dürfen die Offiziere nur noch einen leichten Mantelsack mitnehmen; Feldwebel und Wachtmeister dür en auf den Fahrzeugen keine größeren Gewichte fortschaffen lassen, als es für den Krieg vorgeschrieben ist, während für Einjährige auf den Wagen überhaupt nichts mitgetuhrt werden darf. Unstatthaft ist das Mitfüh en von Feld­betten, Schlafsäcken, Tischen, Stühlen und dergleichen der Bequemlichkeit dienenden Geräthen, sowie von größeren Dorräthen an Getränken, deren Maß auf das Aeußerste zu beschränken ist. Auch das Fahren der überschießenden Mannschaften, wie Burschen und Musiker, auf den Manöverfahrzeugen ist streng verboten ; dieselben haben geschlossen hinter den Wagen zu marschiren. Schließlich werden und dieser Ordre wird durch Sperrdruck im AlmeevcrordnungSblatt besonderer Nachdruck verließen die höheren Führer ausdrücklich verpflichtet, das Fuhr­wesen genau und häufig zu überwachen und dw Vor­schriften mit voller Strenge durchzu ühren. Die in besonderen Ausnahme allen von den Generalkommandos gestalteten Erleichterungen sind dem Kaiser zu melden.

Bochum, 27. Juni Wie derBochumer Anzeiger"I niffen und Leistungen: 1 sehr gut, 2 gut, 3 genügend,

meldet, hat die Ausstandsbewegung in Herne zugenommen. Auf der Zeche Shamrock haben dem genannten Blatt zufolge 187, auf Zeche v. d. Heydt 161, Julia 71, Friedrich der Große 190 Mann die Arbeit niedergelegt.

4 mangelhaft, 5 ungenügend. Diese Prädikade werden

Auf letzterer Zeche haben eine Anzahl Bergleute Marken genommen, sind aber nicht eingefahren, sodaß die Zahl der Nichteingefahrenen sich noch erhöht hat. An den Zechenemgängen drängt sich das Publikum. Dasselbe wird von der Polizei und Gensdarmeric zum Ausein- andergehen gezwungen. Bei den gestrigen Abendkra- wallen wurden 14 Personen zum Theil schwer verletzt, ein Mann wurde getödtet. Die Nacht verlief ruhig. DemBochumer Anzeiger" zufolge wird ein Bataillon Infanterie und zwei Schwadronen Kavallerie nach Herne zu legen beabsichtigt. Heute Morgen fuhren von 707 Bergleuten nur 260 ein. Auf der Zechevon der Heydt" fuhren von 500 Bergleuten nur 74 ein, auf der ZecheJulia" fuhren von 300 nur 160 ein. Es wurden bis jetzt etwa 36 Verhaftungen vorgenommen. Auf der ZecheMont Cenis" sind 50 Mann nicht eingefahren. In Herne wurde ein Wagen, in welchem Zechendirektoren saßen, mit Steinen beworben. Bei einem gestern unternommenen Versuch, zwei verhaftete Genossen zu befreien, kam es zu einem Revolverschießen zwischen Bergleuten und Gendarmen.

Aus Rheinhessen, 27. Juni. Unmittelbar vor der Station Monzernheim blieb dieser Tage ein Zug auf freiem Felde stehen. Die Ursache war ein Mann, der, mit seiner Frau ringend, mitten im Geleise stand. Der Lokomotivführer vermuthete einen Selbstmörder und gab Gegendampf. Als der Zug hielt, ging der Mann mit lächelnder Miene seines Weges, wurde jedoch von dem Zugpersonal iestgehaltcn. Die Vernehmung ergab, daß er in der Trunkenheit mit Zechgenossen gewettet hatte, einen Zug auf freiem Felde zum Stehen zu bringen.

Auslaud

Rußland. Die Hoffnung des Czarenpaares, einen männlichen Erben zu erhalten, der einstmals den Thron besteigen wird, hat sich abermals nicht erfüllt. Statt eines Sohnes ist dem russischen Kai erpaar wieder eine Tochter geboren worden.

Nizza, 26. Juni. Der italienische General Giletta wurde zu fünf Jahren Gefängniß, 5000 Francs Geld stra e und die Ko'en des Verfahrens verurtheilt. Der General wu dc vor Kurzem in hiesiger Umgegend dabei betroffen, wie er Photographische Aufnahmen strategisch wichtiger Punkte machte. Seine Verurtheilung erfolgte am Grund des französischen Spionagegesetzes.

London, 27. Juni. In Chatam ist heute der Befehl eingetroffen, daß bis 11. Juli die Flotte zu mobilisiren sei. Man glaubt, der Befehl hänge mit den bevor­stehenden sächlichen Flottenmanövern zusammen. An der Mobilisirung nehmen 10 Schlachtschiffe und 32 Kreuzer theil.

schon bei den bevorstehenden Zeugnissen zur Anwendung kommen.

* Die diesjährige Abgeordnetenversammtung des Hessischen Kriegerverbandes findet am 2. Juli, Vor­mittags 11 Uhr, beim Kameraden Rudolph in Obersuhl, Kreis Rotenburg, statt. Tagesordnung: Empfang der Abgeordneten, Eröffnung der Sitzung, Aufstellung der Präsenzliste, Bericht des Verbands-Schriftführers, Kassen­bericht, Kassenreviston, Verlesung der Verhandlungen der 20. Abgeordneten-Versammlung, Vorstandswahl, Antrag von Schlüchtern: Kreisvorstände betr., Wahl eines Bundesvorstands-Mitgliedes und eines Delegierten zum Bundes-Abgcordnetcntag, Lotterie, Sterbe- und Unterstützungskasse, Parole, Jahrbuch, Kyffhäuser-Vild, Decharche-Erteilung für den Kassierer, Bestimmung des Ortes für -die nächstjährige Abgcordnetcn-Versammlung. - Bom hiesigen Kriegerverein wird eine Abordnung an der Versammlung teilnehmen.

S. Nach § 51 des Gesetzes über das Grund­buchwesen in dem Bezirk des Appellationsgerichts zu Cassel, vom 28. Mai 1885 sind persönliche unvererbliche (also mit dem Tode wegiallende) Berechtigungen, (d. h. aus der Zeit vor dem 1. Juli 1874 herrührende), welche in einem älteren gerichtlichen Buche eingetragen oder aus einem solchen Buche in das Grundbuch über­tragen sind, auf Antrag des Eigenthümers, ohne daß es eines Nachweises des Todes das Berechtigten bedarf, zu löschen. wenn der Eigenthümer durch ein Zeugniß des Ortsvorstandes des letzten bekannten Wohnsitzes des Berechtigten oder durch eidesstattliche Versicherung von Zeugen sowie zugleich durch eigene eidesstattliche Ver­sicherung glaubhaft macht, daß der Berechtigte dem Leben und dem Aufenthalte nach seit 5 Jahren unbekannt ist. Die Erleichterung, welche die bezeichneten Vor- fdymften für die Löschung erwähnter Berechtigungen gewähren, wird mit dem Zeitpunkt, in welchem das Grundbuch im Sinne des § 82 der Reichsgrundbuch- ordnung und des Artikels 186 des Einlührungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch als angelegt anzusehen ist, wegfallen, da nach der Reichsgrundbuchordnung zur Löschung der Nachweis des Todes des Berechtigten oder der Nachweis der Todeserklärung erforderlich ist. Der Nachweis des Todes ist oft mit großen Schwierigkeiten ein Aufgebot behufs Todeserklärung aber mit unverhältnißmäßig hohen Kosten verknüpft. Die Gerichte sind bereits höheren Orts angewiesen, auf die Beseitigung der erloschenen unvererblichen Berechtigungen vor Inkrafttreten des neuen Rechts mit Hülfe der erwähnten, jetzt noch

Lokales und Provinzielles.

* Schlichtern, 30. Juni.

* Pensionirt wurde der Förster Griesar zu Häuserdick in der Oberförsterei Salmünster, vom 1. Oktober d I. ab.

* Eine «Sonnenfinsternis die nicht im Kalender steht, wird Ende Juni oder Anfang Juli sich ereignen. Ein großer Dunkel-Mond wird alsdann vor der Sonne vorübergehen, wahrscheinlich am 1. oder 2 Juli. Ganz genau läßt sich die Zeit noch nicht angeben, weil die

geltenden Vorschriften hinzuwirken. Im Jnterresse derjenigen, welche Belastungen genannter Art auf ihrem Grundvermögen haben, wird es nun liegen, baldigst die Beseitigung solcher Rechte in die Wege zu leiten.

Eschwege, 26. Juni. Eine recht unsinnige Wette haben zwei Eisenbahnarbeiter in Burghöfen dieser Tage mit einigen Kameraden gemacht. Die Beiden halten es übernommen, je einen Maikäfer zu verschlucken und haben auch die Wette gewonnen, denn jeder von ihnen ließ vor den Augen der Gegner einen lebenden Mai­käfer in seinen Magen spazieren. Hoffentlich haben sich die'er dort recht gesittet benommen, denn eine Krabbelei" in jenen Regionen würde zweifelsohne zu einer erheblichen Herabsetzung der Sicgesfreude und zu alsbaldiger Exmission geführt haben.

Hedcmünden, 17. Juni. Nicht allein in der hiesigen Jagd sind Schlingen gelegt, sondern auch in der benach-

harten fiskalischen Waldung des Gutsbezirks Cattenbühl

Bahn dieses Mondes noch nicht genau besannt ist; harten fiskalischen Waldung des Gutsbezirks Cattenbühl es ist daher möglich, daß er die Sonn: passirt, wenn in der Nähe von Oberode hat man jetzt Schlingen

bei uns Nacht ist. Sollten Wolken die Sonne bedecken, so würde Dunkelheit das Ereigniß anzeigen. Wenn der Mond mitten vor der Sonne vorbeigeht, so dauert die Finsterniß 6 Stunden. Ein solcher Vorgang ist öfters in Deutschland beobachtet z. B. nach dem Bericht der Chroniken von Nieder-Sachsen in den Jahren 1228 und 1252. In St. Louis, Nord-Amerika, war es am 5. Febr. 1887 bei einem solchen Vorübergang um Mittag so dunkel wie die Nacht.

* Das Königliche Provinzial-Schulcollegium zu Cassel hat für die regelmäßigen Schulzensuren ausschließ­lich folgende Prädikate vorgeschrieben: 1) Für die Be­urtheilung des Betragens: 1 gut, 2 befriedigend, 3 nicht ohne Tadel, 4 tadelnswerth; 2) für die Beur- urtheilung von Fleiß, Aufmerksamkeit, sowie von Kennt-

entdeckt und war bereits tn einer solchen ein Reh ge­fangen. Leider ist es trotz der sorgfältig angestellten Nachforschungen und Bewachung nicht gelungen, den oder die Thäter zu entdecken. Mit Entrüstung muß man sich von derartiger Ruchlosigkeit abwenden, wenn man bedenkt, was solch armes Thier zu erleiden hat, bis es verendet, abgesehen von dem Jammer und Elend der armen Jungthiere, die ohne die Fürsorge der Mutter ebenfalls elendig zu Grunde gehen.

Die 38. Hauptverfammlu g des Hessischen Diakonissenhauses.

Am 20. Juni 1899, Nachmittags 4 Uhr, fand die diesjährige Generalversammlung des Hessischen Diakonissen- Hauses statt. Dieselbe war diesmal besonders zahlreich