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Erscheint 3)littwoch und Samstag. — Preis mit „KreiSblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
49/ Mittwoch, den 2L Juni 1899. 50. Jahrgang.
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in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abouncAen, welche bis spätestens 26. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von lu Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonncments-Bestellungen anzunehmen.
Zu rcd)t zahlreichen Bestellungen aus das mit 1. Juli 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Amtliches.
Auf Mittwich den 28. Juni 1899, Vormittags 11 Uhr, habe ich im Saale des Gasthauses „zum Stern" in Schlächtern einen Kreistag auberaumt.
Schlüchtern, den 10. Juni 1899.
Der Königliche Landrath: Roth.
Zur Erwerbung der Karolinen.
Die Deutsch-spanischen Vereinbarungen über den Kauf der bisher spanischen Karolinen- und Marianncn- Juseln durch das Deutsche Reich haben folgenden Wortlaut :
1) Spanien wird an Deutschland die Karolinen- Inseln mit den Palaus und den Mariannen, Guam ausgenommen, gegen eine auf 25 Millionen Pesetats festgesetzte Geldentschädigung abtreten.
2. Deutschland wird dem spanischen Handel und den spanischen lanbKrthschaftlichen Unternehmungen auf den Karolinen, den Palaus und den Mariannen die gleiche Behandlung und die gleichen Erleichterungen gewähren, welche es dem deutschen Handel dort gewähren wird, und wird auf bat genannten Inseln den spanischen religiösen Ordensgcscllfchaften die gleichen Rechte und bic gleichen Freiheiten gewähren, wie den deutschen religiösen OrdenSgesellschaflen.
3. Spanien wird ein Kohlendepot für die Kriegs- und Handesmarine in den Kärolinenärchipel, ein gleiches in dem Palaus- und ein drittes in dein Marianncn- archipel errichteten und auch in Kriegszeiten behalten können.
Der neue deutsche Kolonialbesitz in der Südsee erstreckt sich in westöstlicher Richtung über rund 40 Längengrade, während seine Ausdehnung von Norden nach Süden einschließlich der spanischen Erwerbungen nunmehr 30 Breitengrade betrügt Die Mariannen sind den japanischen Bonin-Jnseln nahe, Deutschland wird daher im Norden Nachbar von Japan, im Wegen Nachbar der Vereinigten Staaten, welche bekanntlich die Philippinen unter ihre Herrschaft zu bringen im Begriff sind. Im Süden nähert sich das Gebiet der Karolinen- Juseln in seinem weptichcn Theile dem unter holländischer Herrschaft stehenden Westtheile der Insel Neu-Guinea, während es weiter östlich unmittelbar an den bisherigen deutschen Besitz, den Blsmarck-Archipel und die Marschall- Jttfeln, sich anschließt. Im Südosten bildet die Gruppe der Samoa-Jnseln eine Etappe auf dem durchgehenden Dampferverkehr zwischen San Francisco, Honolulu und Sidney in AusstraUen. Die australische Oa- und Norbküste steht in regelmäßiger Damp fchifffahrlsoer- bindung mit Hmlcrindwn und zwar einerseits mir dem die Straße von Malacca pasfircndcn Verkehr (Smga- porn), andererseits weiter nördlich mit dem britischen Hongkong an der chinesischen Küste. Die deutschen Schutzgebiete von Neu-Guinea, dem Bismarck-Archipel und It.u-Pommern stehen in regelmäßiger Dampsjchiff- sahrlsverbindung mit dem Singapore passirenden Scc- schifffahrlsverkehr, woselbfi Anfchluß an die deutschen Rcichspopdamp.crlinien nach Ostasien vorhanden ist. Die Karolinen-Jnseln besitzen eine von Ponape über Guam und Ululhi nach Manila und Hongkong führende Dampfschifsiahrtslin«. Die deutschen ReichSpostdampfer, welche vom Biemerhaven nach Quasten über Singapore und Hongkong führen, gewähren also Anfchluß an diesen Dampfervcrtcyr nach den Karolinen. Die Rcichspost- dampferlinie geht weiter einerseits nach Shanghai, andererseits nach Japan, deren Haupthäfen von ihr belaufen werden.
Von Shanhai aus geht ebenfalls eine regelmäßige PostchMfahrisverbindung nach Klautschou und von dort nach Tlenlsin, deren Schiffe von einer Flensburger Rhederei gestellt werden. Die direkte Entfernung von Klautschou nach Friedrich Wilhelms-Hafen auf Neu- Guinea beträgt 3310 Seemeilen, von dort nach Apia Nöuu Seemeucn, von Apia nach Manila 4430, von i
Deutsches Reich.
Berlin. Aus Helgoland wird gemeldet: Die Jacht „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist soeben hier eingetroffen und ankert neben dem „Mars", da bie er das Ziel für die voraussichtlich morgen Abend von Dover hier eintreffenden Jachten ist. — Zum Sommeraufent- Halt der kaiserlichen Familie in Berchtesgaden. Nach den bisherigen Dispositionen treffen zunächst die jüngeren kaiserlichen Kinder, die Prinzen August Wilhelm. Oskar und Joachim und Prinzessin Victoria Luise am Mittwoch, 21. b. M., in Berchtesgaden ein. Die Kaiserin folgt mit den drei älteren Söhnen, dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm und den Prinzen Eitel Fr tz und Adalbert, erst Ende dieses Monats oder Anfangs Juli nach.
— Wie beut „Rosenheimer Anzeiger" mitgetheilt wird, ist an den Stadtmagistrat in Reichenhall die Mittheilung gelangt, das am 20. Juni die deutsche Kaiserin mit Hof-Sonderzug eintreffen wird. Der deutsche Kaiser wird seine Gemahlin nach Berchtesgaden begleiten. Aus Anlaß der Anwesenheit des deutschen Kaisers werden am 20. Juni in Reichenhall auch der Kaiser von Oesterreich und der Prinzregent von Bayern eintreffen.
— Die diesjährigen Kaisermanöver bei dem 13. (württembcrgjschcn) und 14. sbadischen) Armeekorps werden, rote jetzt feststeht, vom 11. bis 15. September stattfinden. Es wird sich hierbei in der Hauptsache um einen Vormarsch des 14. Armeekorps von Karlsruhe, des 13. von Stuttgart her, beide gegeneinander, handeln. Am wichtigsten für bie Entwickelung wird das Gelände zwischen Pforzheim und Weil sein. Nachdem für das Unterkommen des kaiserlichen Hauptquartiers und der Manöverleitung in Pforzheim sich keine Gelegenheit geboten hat, werden beide in Karlsruhe Standquartier nehmen.
— Der Kultusminister hat seinen bekannten Erlaß wegen Verhütung von Ueberschreitungen des Züchtigungsrechts in den Schulen den Provinzicchchulkollegien mit folgendem Anschreiben übersandt: „Abschrift erhält das königliche Promnzialschulkollcgium mit dem Veranlassen die Seminardirektoren seines Bezirkts zu beauftragen in entsprechender Weise die Seminaristen im pädagogischen Unterrichte und in der Thätigkeit in der Ucbun^sschnle zu richtiger Handhabung der Schulzucht eingehend onzu- leiten und insbesondere auch von vornherein anzuweisen, grundsätzlich die Anwendung von Züchtigungen zu vci- meiben und gute Zucht durch ang messenc unterrichtliche und erziehliche Einwirkung zu erzielen. Es muß zugleich dabei vorausgesetzt werden, daß hierin die Lehrer des Seminars und besonders die Ordinarien der Ucbnngs schule den Seminaristen zum guten Borbilde dienen. Sollten einzelne Lehrer, namentlich aber Ordinarien der Schule, dagegen fehlen und durch Neigung zum Züchtigen den Seminaristen eine für ihre weitere amtliche Thätigkeit schädliches Beispiel geben, so ist ernstlich dagegen
Manila nach Hongkong 40& Seemeilen, von Manila nach Guam nur den Mariannen 1300 Seemeilen. Kabelverbindungen existiren im Südsee Gebiete fast gar nicht. Von der chinesischen Küste reicht ein Kabel östlich bis Manilla. Die Bereinigten Staaten beabsichtigen von San FranciSko aus über Honolulu auf den Hawai- Juseln und Guam ein Kabel nach Manila zu legen. Im südlichen Theil cxistirt nur ein Kabel von der Ostküste Australiens nach Noumea auf der französischen Besitzung von Neu-Kalcdonieu. Von dort nach Apia sind 1300 Seemeilen, sodaß Nachrichten von der Süd- see stets längere Zeit gebrauchen, um, zu Schiff ab gesendet, die Endstation eines Kabels zu erreichen.
Die Besitzungen der verschiedenen Staaten im Großen Ocean erhalten dadurch einen politischen bczw. strategischen Werth, daß sie es ermöglichen, für die in jenem Gebieten stationierten Geschwader Kohleustationen und Docks anzulegen.
cinzwchreiten, erforderlichenfalls solchen Lehrern die Thätigkeit in der Uebungsschule zu entziehen; insbesondere ist eventuell das Ordinariat der Schule einem anderen Lehrer zu übertragen."
— Für die in Windhoek und Gibcon (Deutsch-Süd- westafrika) zu errichtenden Schulen werden zwei Lehrer gesucht. Die Anzunehmeuden haben sich zu einer zunächst ZyZührigcn Dienstzeit im Schutzgebiet zu verpflichten. Sie erhalten, nach der „N. A. Z.", freie Ausreise und Heimreise nach beendetem Dienstverhältniß, ferner angemessene Ausrüstungsgelder, freie Wohnung uud eine jährliche Remuneration von 5000 Mark für Windhoek und von 4000 Mark für Gibcon. Auch wird den Lehrern gestattet, Privatunterricht gegen Entgelt zu ertheilen und bie Kinder der in der Nähe der beiden Orte wohnhaften Farmer zu sich in Pension zu nehmen. Bei längerem Verbleib im Kolonialdicnst wird nach Ablauf der ersten Dien iperiode ein etwa viermonatlicher Heimathsnrlaub ausschließlich der Reisezeit unter Belastung der Remuneration bewilligt. Bewerber müssen die für die endgiltige Anstellung erforderlichen Prüfungen bestanden haben, einige Jahre selbst staubig thätig gewesen, möglichst zwischen 24 und 30 Jahren alt und der holländischen Sprache mächtig sein. Der für Wind- Hock bestimmte muß außerdem be älsigt sein, die Knaben so weit zu fördern, daß sie in die Tertia eines Gymnasiums oder Realgymnasiums au genommen werden könnten. Erwünscht ist, daß die Bewerber verheiratet sind, damit sie in der Lage sind, auf Wunsch Kinder in Pension zu nehmen. Gesuche sind an die Kolon alabtheilung des Auswärtigen Amts in Berlin, Wilhelmstraße 76 zu richten. Beizn ügen sind ein Lebenslauf und sämmtliche Zeugnisse in Urschrift und Abschrift.
— Die Massenauswanderung italienischer Arbeiter aus ihrem Vaterland, die alle Jahre im Frühling bis in den Monat Mai hinein stattzufinden pflegt, hat diesmal ganz besonders große Dimensionen angenommen. Die „Soz. Praxis" meldet nach Schweizer Zeitungen, daß die Golthardbahn in den drei ersten Monaten des laufenden Jahres ungefähr 48 000 Mann gegen 42 000 Mann im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres nach Norden befördert habe, und eine Nachricht aus Bellinzona besagt, daß allein in der Nacht vom ö. zum 6. April 5000 italienische Arbeiter in fünf Extrazügen die Schweizer Grenze passirt haben. Diese großen Zahlen sind aber immer noch weit entfernt, ein richtiges Bild von dem enormen Zudrang italienischer Arbeitskraft nach der Schweiz und durch die Schweiz nach dem Norden zn geben, da sie sich nur auf den einen, wenn auch hauptsächlichsten Alpenübergang beziehen. Die Einwanderung von Arbeitern zu Fuß über die verschiedenen Graubündener Pässe, den großen St. Bernhard und den Simplon, liefert ein nicht zu unterschätzendes Kontingent, welches die oben genannten Zahlen beträchtlich erhöht.
Stettin, 16. Juni. Bei dem benachbarten Orte Zuellchow in der Odermündung |ant der Vergnügungs- dampfer „Blücher" nachdem er vom Dampfer „Poelitz" angerannt worden war. Fünfzehn Personen sind ertrunken.
Königsberg. 6000 Mark in einer Würfelbude verspielt hatte ein 65jähriger Rentier in Königsberg i. P. Die beiden Würfelbudeubesitzer wurden daraufhin wegen gewerbsmäßigen Glücksspieles unter Anklage gestellt und zu je 4 Monaten Gefängniß verurtheilt.
Aus Schlesien. Für unsere Haus rauen. Ein Gewebe, zart und duftig wie Battist und aus Kiefernholz hergestellt, zeigte, wie ein obcrschlesischcs Blatt meldet, gelegentlich des Ausflugs der Theilnehmer irn der Jahresversammlung des ober chlesischen Städtetages nach Schloß Steudeck Graf geneset von Donnersmarck seinen Gästen Es ist dies ein nach patentirtem Verfahren hergestellter Stoff aus Celluloid, welcher bestimmt scheine, in die Blanufattur- und Schnittwaarenbranche ein«