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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 48.
Samstag, den 17. Juni 1899.
50. Jahrgang.
Mr ■ IMerMniig amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten
in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Post- abonnenten, welche bis spätestens 26. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Juli 1899 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser, der Tags zuvor eine Kron- rathssitzung abhielt und Abends beim Staatssekretär Grafen Posadowsky speiste, wohnte am Mittwoch Vormittag einem Versuchsschießen in Kummersdorf bei. Nachmittags betheiligte sich der Kaiser an dem Adler- schießen der O fiziere des 1. Garderegiments z. F. in Potsdam.
— Eine allgemeine Aussperrung der Berliner Maurer- ist am Dienstag Mittag in einer Versammlung von Bauarbeitgebern aus Berlin und den Vororten beschlossen worden. Die Aussperrung soll Mittwoch erfolgen. Bc- kannilich hat am 2. Juni eine von 3000 centralorgani- sirten Gesellen besuchte Maurerversammlung beschlossen, auf den Bauten, wo Aussicht auf Erfolg vorhanden ist, eine Lohnerhöhung von 60 auf 65 Pfg. pro Stunde zu fordern. Der Beschluß wurde begründet mit der günstigen Baukonjunktur; gegenwärtig seien in Berlin und Umgegend nicht weniger als 761 Bauten im Gange, auf denen 7538 Maurer arbeiteten; Arbeitslose gäbe es augenblicklich überhaupt nicht. Bekanntlich ist dem Streikbeschluß nur auf einem Theil der Bauten ent- * sprochen worden. Eine von 3000 lokalorganisierten Maurern besuchte Versammlung lehnte fast einstimmig die Betheiligung am Streik ab. Der Arbeitgeberbund für das Maurer- und Zimmergewerbe beschloß am Donnerstag fast einstimmig, eine Generalaussperrung sämmtlicher Berliner Maurer zu proklamieren, falls nicht am Montag auf sämmtlichen Bauten die Arbeit seitens der Gesellen voll wieder ausgenommen wird. Am Montag hat eine Versammlung von 2000 Maurergesellen bei Keller beschlossen, an der Forderung von 65 Pfg. Stundenlohn festzuhalten. Auf Grund dieses Beschlusses hat am Dienstag Mittag im Architektenhause eine von 300 Arbeitgebern besuchte Versammlung mit allen gegen 4 Stimmen beschlossen, am Mittwoch auf sämmtlichen Bauten in Berlin und Umgegend die Maurer von der Aibcit auszuschließen. In dieser Versammlung erklärte der Vorsitzende Döpler, die Arbeitgeber seien seit Jahren bestrebt gewesen, die Löhne zu erhöhen, von 50 auf 55, dann sogar auf 60 Pfennig pro Stunde, in der Er Wartung, daß auch die Arbeitsleistung der Gesellen sich steigern würde. Dies sei jedoch nicht geschehen, im Gegentheil sei die Arbeitsleistung unter dem Drucke der Organisation derselben erheblich zurückgegangen. Der Lohn sei innerhalb 5 — 6 Jahren um 20--25 Prozent gestiegen. Die Arbeitsleistung der Gesellen sei aber um ein Drittel zurückgegangen.
Hamburg. Wenn man diejenigen Steuerzahler, die / über 50 000 M. Einkommensteuer deklariren, als Millionäre betrachten kann, dann hätte Hamburg im Jahre 1897, nach der letzten Steuerliste, 841 Millionäre gehabt, die 101 Mill. Mk. Einkommen de- k klanrten und 5,564,600 Mk. Steuer entrichteten. Von dem Gesammtbetrage sind das allein 41,34 %. Vor zehn Jahren betrug die Zahl der Millionäre 6U2 mit einem Steuerertrage von 2,295,000 Mk. oder 31,40 Prozent des Gesammtertrages.
Eleve, 6. Jnni. Ausweiche wüste Weise hier und da die Trunksucht gefördert wird, zeigt, so schreibt der „Celv VolkSfrd.", folgende Notiz, die unlängst eine Mündener Zeitung brächte: „Das Bierabonnement, welches ein hiesiger Wirth am vorigen Sylvesterabend einführie, hat einen ungeahnten Beifall gefunden: Cirka die Hälfte der Stammgäste sind Bierabonnenten geworden. Um nun aber auch der anderen Hälfte eine besondere Vergünstigung zu verschaffen, hat der Wirth eine Bier- Prämie geschaffen. Diese Prämie, bestehend in 500 Mk. und einem Diplom, wird am Sylvesterabend 1899 dem besten Biertrinker ausgehändigt. Je nach Wunsch des betreffenden Empfängers wird sein Name verschwiegen oder mit rühmenden Worten der Oesientlichkeit preis- gegeben werden. Die Methode, nach welcher festgestellt »Verben soll, wer das Diplom empfängt, wird heute
Abend bekannt gegeben werden." Also eine Prämie von 500 Mk. für den, der das Jahr hindurch am meisten — getrunken hat!
Aus dem Ruhrbezirk. Ueber die Kosten der größten Bahnhöfe im Ruhrkohlenbezirk hat der Minister der öffentlichen Arbeiten in der Knalkommission nähere Mittheilungen gemacht. Danach hat der Bau der wichtigsten Bahnhöfe in den letzten zehn Jahren rund 74 500 000 M. verschlungen. Die Anlage des Kanal- bahnhofes Fintropp allem hat über vier Millionen gekostet, die des Riefenbahnhofes Osterfeld bis jetzt 4 '/2 Millionen. Die Kosten der übrigen Sammelbahnhöfe zu Wanne, Ruhrort, Duisburg, Essen, Speldorf, Dortmund, Bochum, Hagen, Holzwickede, Hamm und noch mehrere andere halten sich in ähnlicher Höhe. Zu den Baukosten kommen die Betriebs- und Unterhaltungskosten. Auch die Personalkosten sind auf den großen Bahnhöfen sehr bedeutend. Das eigentliche Stationspersonal, also ausschließlich des Bahnbewachungs- und Barmittel Haltungs-Personals, des LokMotiv- und Zugpersonals und des Werkstätten-Personals — besteht auf den Stationen Bochum (Süd), Dortmund (3 Bahnhöfe), Duisburg, Essen (2 Bahnhöfe), Gelsenkirchen, Hamm, Oberhausen, Ruhrort, Wanne aus rund 2000 Beamten und 1500 Stationsarbeitern, zusammen 3500 Personen, welche an Besoldung jähilich über 5 Mill. Mk. beziehen. Auf Station Dortmund (drei Bahnhöfe) allein wurden rund 1 100000 Mk. Besoldungen des Stationspersonals ausbezahlt.
Mannheim, 13. Juni. Gestern Abend fand in der Herberge zum Ritter St. Georg in der Unterstadt eine blutige Schlägerei zwischen einer Anzahl norddeutscher Zimmerleute statt. Die Streitenden, welche von einem starken Aufgebot von Schutzleuten verhastet wurden widersetzten sich auf dem Wege zur Polizeiwache. Es bildete sich ein Auflauf, wobei Tausende von Menschen auf dem Marktplatze und den angrenzenden Straßen sich ansammelten. Erst nach zweistündiger Thätigkeit gelang es der Polizei und der berittenen Gendarmerie, die Ruhe wieder herzustellen. 47 Verhaftungen wurden vorgenommen.
Offenbach, 13. Juni. Ein tödtlicher Unfall ereignete sich am Sanstag Nachmittag um 3 Uhr in den Spicharz'schen Lederwerken. Dort arbeitete der 19jährige Arbeiter Dörr aus Bürge! — allein — in der Fell- wascherci an den in den Boden eingelassenen, nur etwa 15 Zentimeter cmporragcnden Laugenfässern. Dabei muß er wohl das Gleichgewicht verloren haben und und Kopfüber in eines dieser Fässer gefallen sein, denn als später Arbeiter in den Raum traten, um die gewaschenen Felle abzuholen, sahen sie die mit Holzschuhen bekleideten Füße des Verunglückten aus einem Fasse hervorragen. Sie zogen den Bedauernswerthen, der natürlich erstickt war heraus. Die Leiche wurde nach dem Offenbacher Friedhof verbracht.
Ausland.
Manila. Auf den Philippinen ist eine überraschende und, wie es scheint, für die Amerikaner äußerst verderbliche Wendung durch eine schwere Niederlage des Generals Lawton eingetreten. General Lawton wurde bei Antipolo geschlagen und räumte in überstürzten Eilmärschen die Stellungen nördlich der große» Lagune, Tram, Brücken, Eisenbahnmaterial, Telegraphenlinien dem Feinde überlassend und kaum die Artillerie rcticnd, deren Munitionszüge verbrannt wurden. Die Tagalen durchbrachen überall die Massen der amerikanischen Aufstellung. Alle Verbindungen außer der durch Kanonenböte sind abgebrochen. Heute tra cn sün hundert Verwundete hier ein. Die Hitze ist furchtbar, das Land ringsum überschwemmt.
China. Chinesische Zeitungsmeldungen besagen, daß die Bevölkerung Shantungs geschworen habe, die deutsche Zolonie Kiautschou auszuhungcrn, Den auf deutschen
Antrag mit der Versicherung, ihn nie wieder anzustellen, abgesetzten Gouverneur von Shantung soll die chine- si-che Regierung nach Pecking berufen haben, wo ihn eine ertragreiche Stelle erwarte. Wenn der letzte Theil der vorstehenden Meldung vielleicht auch richtig ist, der erste Kiautschou betreffende ist es sicher nicht; die Aushungerung dieser Zolonie wäre den Langzöpfen ganz unmöglich.
Die Pest wüthet auf Formosa in schrecklicher Weise, namentlich in der Hauptstadt Tainau. Täglich sterben 50 bis 100 Chinesen. Alle Bemühungen der Japaner, die Seuche zu unterdrücken, sind bisher fruchtlos gewesen.
Südamerika. In den argentinischen Cordilleren spukte es einmal wieder. Mitte April zerstörten Erdbeben verschiedene Ortschaften in den Provinzen La Nioja und Jujuy, und die Vulkane in der Nähe von Aacuiba traten in Thätigkeit. Die Vulkankette der Anden ist bekanntlich in einem großen Theile ganz junger Bildung und steigt stellenweise noch gegenwärtig; b.i sind derartige Katastrophen nicht zu verwundern.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 16. Juni.
* - Schwurgericht. Am Montag wurde in nichtöffentlicher Sitzung gegen den Bauern Lutz von Zünters- bach verhandelt. Die Geschworenen befahlen alle vier Schuldfragen, von welchen sich je 2 auf § 177R.-Str.-G.-B. und Betrug bezogen. Hinsichtlich des ersten Falles wurden dem Beklagten mildernde Unistände versagt und er dieserhalb zu einem Jahre Zuchthaus verurtheilt. Wegen der weiteren 3 Fälle erhielt er 8 Monate 1 Woche Zuchthaus, sodaß die reduzirte Gesammtstrafe 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus beträgt; außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt.
* — Aus der Strafkammer-Sitzung vom 12. Juni. Die Handelsfrau Rüttger von Steinau, welche noch kurz vor dem Zusammenbruch ihres Geschäfles bei einer Firma Waaren im Werthe von rund 90 Mk. bestellte, wird des Betruges für schuldig erachtet und erhält zu der ihr im Februar er. vom Schwurgericht wegen wissentlich falscher Anschuldigung und wissentlichen Meineids auferlegten Strafe von 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus, 1 Monat Zusatzstrafe.
— Erben gesucht. Der Regierungspräsident in Schleswig erläßt folgende Bekanntmachung: „Am 31. August 1898 ist ein gewisser Henry Nissen auf der Barken- tine „C. C. Funk" an der Küste von Tasmania ,im tottUen Meere untergegangen. Sein Nachlaß besteht aus Versicherungspotleen im Betrage von 3900 Pfund Sterling (circa 19,500 Mark). Als seine nächsten Verwandten und Erben soll er fünf Schwestern hinterlassen haben. Diese Schwestern werden hiervon mit der Aufforderung in Kenntniß gesetzt, ihre Ansprüche auf den Nachlaß bei mir oder dem Kreislandratye ihres Wohnortes baldmöglichst geltend zu machen."
Salmünster, 13. Juni. Eine der wichtigsten Tagesfragen unserer Stadt ist gegenwärtig die Wasserleitungsfrage. Bei Anlegung der Leitung wurde durch das Bürgermeisteramt bekannt, gemacht, daß die Stadt förmliche Einführung aus ihre Kosten übernehmen und ein geringes Wassergeld erheben würde, worauf sich fast jämmtliche Einwohner anschloffen. Viel Schwierigkeiten Ichcint unserem Magistrat und den Stadtverordneten die Vertheilung des Wassergeldes gemacht zu haben, denn fast in jeder Sitzung stand die Wasserleitung auf der Tagesordnung. Im Januar ds. Js. war eine außerordentliche Sitzung von 3 Magistratsmitgliedern, 3 Stadtverordneten und 3 von den Hausbesitzern eigens gewählien Vertretern zur endgiltigen Fep;etzung des Wassergeldes beisammen. Auch die von dieser Kommission gefaßten Beschlüsse wurden wieder verworfen. Mit der jetzigen Vertheilung der Beiträge ist man vielfach uuzu-