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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt- vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 7. Juni 1899.
50. Jahrgang.
Up^pi!nNNt»H °"f die .Schlüchterner Zeitung» roerben noct) fortwährend von allen
- —7 Postanstalten und Landbriestrügern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat nach der Kieler Schisssfeier zunächst seiner neuen westpreußischen Besitzung Cadinen einen Besuch abgestattet, während die Kaiserin mit dem Kronprinzen von Kiel aus direkt nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurückgekehrt ist. In Cadinen besichtigte der Kaiser im Laufe des Freitag eingehend die vorhandenen Baulichkeiten und Wirthschaftsbetriebe, worauf er Nachmittags */25 Uhr Cadinen wieder verließ und in Eichwald bei Elbing den daselbst seiner harrenden Sonderzug bestieg, mit dem sich der Monarch weiter nach Marienburg bcgab. Dort besichtigte er die Restaurationsarbeiten im Hochschlosse, worauf die Fahrt nach Prockelwitz fortgesetzt wurde.
— Während der Kaisermanöver wird, wie verlautet, der Kaiser sein Hauptquartier in Straßburg nehmen An diesen Manövern nehmen drei Armeekorps Theil, das 13. (Württembergische), 14. (badische) und 15. (elsässische), auch soll ihnen eine große AnzaU fremder Offiziere beiwohnen. Der Kaiser wird im Kaiserpalaste wohnen. Der Aufenthalt wird voraussichtlich 14 Tage dauern und wohl am 4. September seinen Anfang nehmen.
— Der preußische Kultusminister hat an die Regierungen eine Verfügung gerichtet, in der es u. a. heißt: „Die Befugniß der Lehrer, erforderlichenfalls auch körperliche Strafen anzuwenden, soll nicht bestritten werden. Aber es wird aufs neue nachdrücklich einzu- schärfen sein, daß Züchtigungen nur im äußersten Falle, wenn andere Disziplinarmittel nicht gefruchtet haben oder bei besonders schweren Vergehungen, erfolgen dürfen und daß sie auch dann selbstverständlich niemals irgendwie in Mißhandlungen ausarten oder der Gesundheit der Kinder auch nur auf entfernte Art schädlich werden dürfen, sondern stets in maßvoller Weise auszuführen sind. Es ist weiter aufs neue ernstlich daran zu mahnen, daß, wenn auch ein dünnes Stückchen oder eine Rute beim Züchtigen benutzt werden dürfen, die Verwendung anderer Werkzeuge, wie z. B. eines Lineals oder eines Zeigcstockes, ferner das Schlagen mit Büchern, das Schlagen mit der Hand ins Gesicht oder an den Kopf, das Stoßen aus Brust und Rücken oder andere Körpertheile, das Zausen an den Haaren oder Ohren, das gewaltsame Zerren und Schütteln der Kinder und ähnliches die Lehrer straffällig macht und daß ebenso die unbegründete, leichtfertige oder gar gewohnheitsmäßige Ausübung von Züchtigungen, so die Anwendung körperlicher Strafen bei schwachen Leistungen, geringer Begabung oder nicht erheblichen Vergehungen der Kinder unbedingt zu ahnden ist. Um Verfehlungen bei Züchtigungen thunlichst zu verhüten, sind in Schulen, welche unter einem Rektor oder Hauptlehrer stehen, körperliche Strafen nur unter Zustimmung des betr. Leiters der Schule anzuwenden; in den anderen Schulen ist die Zustimmung des Schulinspektors einzuholen; wo dies durch die örtlichen Verhältnisse erschwert oder verhindert wird, ist alsbald nach Anwendung der Strafe über Grund und Art der Züchtigung dem Schulinspektor Anzeige zu erstatten. Junge noch provisorisch beschäftigte Lehrer sind gemäß der hierüber erlassenen Anordnung thunlichst nicht als alleinstehende Lehrer einzustellen; jedenfalls ist ihnen die selbständige Anwendung körperlicher Züchtigungen nicht zu gestatten."
- Bis jetzt sind in Deutschland 7824 Rentengüter gegründet worden. Der Taxwerth betrug 60 Millionen Mark oder 767 Mark lür den Hektor. Von den Gütern sind 4390 in evangelischer, 3420 in katholischer, 7 in israelitischer Hand. !Der Rationalität nach waren von den Besitzern 4976 Deutsche, 2470 Polen.
Koburg, 1. Juni. Die „Koburger Zeitung" schreibt: Aller Wahrscheinlichkeit nach entspricht die Nachricht von dem Verzicht des Herzogs von Connaught für sich und seinen Sohn den Thatsachen, doch ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß der Herzog von ^onnaught sich doch noch entschlossen hat, den Wünschen Sr. Königl. Hoheit des Herzogs Alfred, betreffs der deutschen Erziehung des Prinzen Arthur, zu entsprechen und so die Lösung der Thronfolge-Frage herbeizusühren,"
Ausland.
London, 3. Juni. Die „Times,, meldet aus Se- bastopol, Rußland hat unter der Bezeichnung als Emigranten in dem letzten Jahre etwa 30 000 militärisch disziplinirte Kosaken nach Port Arthur geschickt.
— Zwischen England und Portugal ist ein Bünd- niß geschlossen worden, das die Portugiesen verpflichtet, England im Kriegsfalle — gemeint ist der Krieg gegen die Buren — 20000 Mann Hilfstruppen zu stellen. Ueber die Haltung der deutschen Diplomatie diesem Vertrage gegenüber, der aufs tiefste in die südafrikanischen Verhältnisse eingreift, verlautet noch kein Sterbenswörtchen.
Madrid, 2. Juni. Die Abtretung der Karolinen, Palaos und Marianen an Deutschland. Der Haupt- mntt der soeben verlesenen spanischen Thronrede ist die Abtretung der Karolinen, der Palaoinseln und des größten Theiles der Marianen an den deutschen Kaiser, da es Spanien nicht konvcnire, in jenen Gegenden 10 reduziere Reste eines allen Kolonialreiches aufrechtzuerhalten. Das betreffende Gesetz wird sofort den Cortes unterbreitet Deutschland zahlt für die von Spanien abgetretenen Inselgruppen fünfundzwanzig Millionen Pesetas (183/4 Millionen Mark) räumt Meistbegünstigung im Handelsverkehr ein, sichert Achtung vor den spanischen religiösen Gebräuchen zu und gewährt das Recht, eventuell Kabel und Kohlenstationen anzulcgen.
Nord-Amerika. Die Verzweifelung der Amerikaner über die erfolglosen Operation auf den Philippinen wird mit jedem Tage größer. General Lawton meldete, sogar ein Heer von mindestens 100000 Mann sei erforderlich, um dre Inseln wirklich in amerikanischen Besitz zu bringen. Woher solche Streitkräjte nehmen, wenn man sie nicht hat? Die Amerikaner werden, wie ein Washingtoner Ministerrath nunmehr beschlossen hat, die Feindseligkeiten während der Regenzeit gänzlich einstellen. Es ist noch nicht lange her, da meldeten amerikanische Telegramme, daß auch während der Regen- periode der Kampf gegen die Filippinos mit unver- mindeter Energie fortgesetzt werden würde. Die Lage der Amerikaner muß sich also noch weiter verschlechtert haben. Wenn es ihre Ehre erlaubte, verzichteten sie gewiß gegen Rückerstattung ihrer schönen 80 Millionen gern auf den Besitz der Philippinen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 6. Juni.
* — Nach Mittheilung der Königlichen Eisenbahn- Direktion zu Frankfurt a. M. vom 27. v. Mts. ist Aerzten, Threrärzten und Hebammen von jetzt ab bei Ausübung ihres Berufs u a. auch auf den Strecken Hanau—Bebra. Gießen-Fulda nach Ausweis die Benutzung von Güterzügen gegen Lösung von Personenzug-Fahr-
z.
Hagen. In der „Hagener Zeitung" findet sich folgende Annonce: „Ein junges Mädchen, welches Lust hat, die Rind- und Schweinemetzgerei zu erlernen, findet angenehme Stellung bei Aug. Sommerlatt, Hagen, Bahnhof." In der Frauenfrage marschirt jetzt Hagen offenbar an der Spitze der Civilisation. Wenn das Abstechen der Schweine und das Niederschlagen der Ochsen erst unter die weiblichen Handarbeiten ausgenommen worden ist, muß die Frauenfrage nach allen Richtungen hin als gelöst betrachtet werden.
Aurich, 1. Juni. Eine furchtbare Zigeunerschlacht wurde in unmittelbarer Nähe hiesiger Stadt zwischen zwei dort zusammengetroffenen größeren Banden geliefert. Messer, Säbel, Dolch, Gewehr und Revolver spielten hierbei eine gefährliche Rolle. Wie berichtet wird, waren die Parteien schon seit Jahren gegenseitig verfeindet, und bei dem nunmehr erfolgten Zusammenstoß wurde die alte Fehde zum Austrag gebracht. Männer, Frauen, Jünglinge und Greise betheiligten sich mit Messern und Dolchen an dem Kampfe. Später griff man zu den Schußwaffen. Drei Schwerverletzte, eine Frau — dieselbe ist mittlerweile verstorben — und zwei Männer mußten sofort ins Krankenhaus geschafft werden. Eine andere Person erhielt einen Schuß durch die Lunge; einem Manne wurde ein Auge ausgeschossen, einem anderen der linke Arm zerschmetterl. Außerdem haben zahlreiche Personen noch Streifschüsie und Stichwunden aufzuweisen. lleberall zeigten große Blutlachen, mit welcher Erbitterung der Kampf geführt worden ist.
karten 3. Klasse für einfache oder Doppelfahrt gestattet. Nähere Auskunft ertheilen die Stationen.
* — Denjenigen, welche nächsten Samstag zur Ausstellung nach Frankfurt reisen wollen, sei mitgetheilt, daß der sonst nur an Sonn- und Feiertagen verkehrende Zug 218 auf hiesiger Station um 7.46 Uhr Morgens eintrifft und um 7.47 weiter fährt. Die Ankunft in Frankfurt erfolgt um 10 Uhr.
* — Vom Vorstände des Detaillisten-Verbandes für Hessen und Waldeck erhalten wir nachstehende Zeilen mit der Bitte um Veröffentlichung: WK wir soeben in Erfahrung bringen, betreiben unreelle ^Hausierer mit Stoffen in unserem Bezirk wieder einmal ihr betrügerisches Handwerk. Dieselben verbreiten abgeschnittene Stücke, ganz gewöhnlicher Biberbuckskin von 3'/« Mtr. Länge, welcher einen Gesamtwert von 3,25 Mk. besitzt; sie fordern 50 bis 60 Mk., haben aber nachweisbar schon zu 5 Mk. verkauft. Das kennzeichnet dies unreelle Gebühren genügend und wir ersuchen unsere Mitbürger, namentlich auf dem Lande, sich mit diesen Leuten nicht in Handel einzulossen, da die Waare eigentlich gar keinen Werth besitzt. Die maßgebenden Behörden bitten wir, ihr Augenmerk auf sie zu richten und auf Grund der ge- setzlichen Bestimmungen, wie schon früher mit anderen geschehen, zur Anzeige zu bringen. Ganz besonders warnen wir bei dieser Gelegenheit vor Holländischen Firmen, welche in Deutschland Serien-Loose rc. anbieten, denn alle derartige Angebote basieren auf Schwindel und Hunderte von Firmen sind in Holland, welche sich aus dieses Schwindelgeschäft gelegt haben.
* — Aus der Strafkammer-Sitzung vom 5. Juni. Der 24jährige Mädchenschullehrer Z. aus Hanau, m Langendiebach bisher angestellt, wurde unter Annahme mildernder Umstünde wegen Nothzuchtsverbrechens nach .8 174 in idealer Concurrenz mit den §§ 175 und 176 R.-St.-G.-B. in 5 Fällen zu einer Gefängnißstrafe von 3 Jahren und 5 Jahren Ehrverlust verurtheilt.
Fulda, 2. Juni. Verschiedene Mittheilungen sind schon verbeitet worden über die Lage des diesjährigen Manövergeländes. Die Gegend bei Fulda wurde auch als in Aussicht genommen genannt, von Hanau aus aber als unzutreffend bezeichnet und zwar mit Unrecht, wie sich jetzt herausstellt. Es ist nun sicher, daß die Großherzogliche Hessische 49. Infanterie-Brigade Anfangs September im Kreise Fulda manöverirt. Herr Generalmajor v. Plötz, welcher im Hotel „zum Kurfürsten» hier abgestiegen war, besichtigte dieser Tage das Terrain und fand es für günstig — Am 31. Mai, Abends gegen 9 Uhr, brach in der Scheuer des Adam Hasenauer zu Rommerz Feuer aus, welches nicht nur das ganze Anwesen einäscherte, sondern auch ein Menschenleben vernichtete. Der junge Besitzer des nun in Trümmer gelegten Hauses hatte tags zuvor Hochzeit gehalten, bei welcher der 50jährige verheirathete Anton Fritz aus Eichenzell als Gast zugegen war. Dieser Man nun, der im Bett gelegen haben mag, wurde gestern früh fast bis zur Unkenntlichkeit verbrannt unter dem Schutt aufgesunden. Einen entsetzlichen Anblick bietet seine im Spritzenhause untergebrachte Leiche. Es ist ein Räthsel, wie in dem einstöckigen Hause der Mann hat verbrennen können daß man an ihn nicht gedacht hat oder er sich nicht selbst retten konnte zu einer Zeit, wo man gewöhnlich noch nicht im tiefsten Schlafe zu liegen Pflegt oder aber durch den Feuerlärm geweckt werden müßte.
Gelnhausen, 1. Juni. Die Eisenbahnbrücke der oberhessischen Bahn über die Kinzig war gestern der Gegenstand des allgemeinen Interesses. Die Auswechselung der vorhandenen mit einer neu und stärker construirten Brücke, sollte innerhalb einer Zugpause von 2 Stunden stattfinden. Die Ausführung dieser Aufgabe lockte Hunderte von Bewohnern der hiesigen Stadt an, ferner waren ca. 60 Studenten der Techn. Hochschule in Darmstadt mit ihren Professoren und mehrere höhere Beamte der Bahnverwaltung, sowie der Chef der ausführenden Firma C. H. Jucho aus Dortmund anwesend. Die Brücken sind 33 Meter lang. Die vorhandene war mit der neuen verkuppelt. Nach Passiren des Zuges 12,30 Uhr begann die Lösung der Verbindung des Schienenstranges mit beiden Enden der Brücke und als dies geschehen, begannen sich sofort die beiden Eisen- kolosse seitwärts zu bewegen. In 12 Minuten hatte diese Verschiebung stattgefunden. Die Schienenstränge der Strecke wurden nun mit der neuen Brücke verbunden