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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 3. Juni 1899.

50. Jahrgang.

l^lMhtttrtOtl auf ^e .Schlüchtcrner Zeitung" werden noch fortwährend von allen

~ Postanstalten und Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. Mai. Wie Tags zuvor in Berlin, so hat am Mittwoch in Potsdam die Frühjahrsparade der dortigen Garnison vor dem Kaiser stattgefunden. Beide Male war der muthmaßliche österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, zugegen, den der Kaiser ä la suite des Kaiser Franz-Garderegiments stellte.

Ueber die Jagdreisen des Kaisers wird mitge- theilt, daß der Monarch am Freitag Abend in Pröckel- witz (Ostpreußen) eintrifft. Am Tage zuvor besucht Se. Majestät Kiel und sein Gut Sabinen bei Elbing.

Köln. Bei der Ankunft der preisgekrönten Sänger vom Gesangwettstreite in Kassel wurde denselben hier ein jubelnder Empfang zu Theil. Ein großer Festzug, an dem fast alle Kölner Vereine mit ihren Fahnen sich betheiligten und bei welchem fünf Musiktorps mitwirkten, geleiteten die Sieger vom Bahnhöfe nach dem Gürzenich, wo eine großartige Festfeier statt anb. Jedem aktiven Mitgliede des Männergesangvereins, der seit dem Jahre 1851 nicht mehr konkurrirte, wurde am Bahnhöfe durch Ehrenjungfrauen ein Lorbeerkranz überreicht. In Kassel erhielten die Kölner an 100 Glückwunschtelegramme In den Vorräumen der Festhalle drückten sich die Sänger die Hände, einzelne umarmten sich, jodelten, riefen hurrah und trieben sich, genau wie in den fidelsten Stunden des Kölner Karnevals, die Cylinder ein. Der Sekt floß in Strömen im Orangerieschloß, Herr Kort- mann stiftete 200 Flaschen dieses edlen Getränkes und machte die Mittheilung, daß er 3000 Mk zum Bau eines Vereinshauses in Köln stifte. Dem Bericht über den Einzug der siegreichen Sänger in Killn ist nachzutragen, daß über 100 Vereine im Zuge marschirten, die Sänger fuhren in 63 Equipagen. In der ersten Equipage des Herrn Oelbermann saßen die Herren Oberbürgermeister Becker, Präsident von Othegraven und zwei Herren des Comitees, in der zweiten mit Rosen prachtvoll ausgeschmückten Kutsche des Herrn Stollwerck hatten u. a. der Dirigent des Vereins Königlicher Musikdirektor Schwartz und der Vicepräsidcnt Herr Toni Avenarius Platz genommen. Die Vorbci- fahrt bezw. der Vorbeimarsch des Zuges hat weit über eine Stunde gedauert, was deutlich für seine imposante Länge spricht.

Das Infanterie-Regiment Nr. 115 in Darmstadt hat zur Zeit einen 35jährigen Soldaten, dessen Militär­dienst mit wechselvollen Schicksalen verknüpft gewesen ist. Er ist in einem Dorfe bei Schlettstadt geboren, hielt sich zur Zeit des Eintritts des militärpflichtigen Alters in Frankreich auf und wurde dort als Franzose in ein Artillerie-Regiment in der Nähe der deutschen Grenze eingestellt. Nach abgelegter Dienstpflicht heirathete er eine Französin und gründete in Frankreich einen Haus­stand. Bei einem gelegentlichen Besuche in Deutschland wurde er ergriffen und als Angehöriger des Reichs- landcs, der seiner Militärpflicht noch nicht genügt, in das Infanterie-Regiment Nr. 115 eingestellt. Aus diesem desertirte er und entkam nach Frankreich zu seiner Familie. Beim nochmaligen Ueberschreiten der Grenze wurde er wieder ergriffen. Nachdem er zunächst

9 Jahre Festung abgebüßt hatte, wurde er seinem alten Truppentheil überwiesen. Vor kurzer Zeit kam nun auch seine Familie, die Frau und mehrere Kinder, nach Darmstadt. Da sie ganz mittellos war, mußte sich die Armenpflege ihrer anuehmen.

Jena, 25. Mai.Frei" ist der Bursch! In eigenartiger Weise haben auswärtige Studenten an­geblich Corpsstudenten aus Tübingen, die hier zum Pfingstfeste eingetroffen waren, ihrer Feiertagsstimmung Ausdruck gegeben: In früher Morgenstunde, so berichtet man an Apoldaer Blätter, alamirten sie das Hotel zum deutschen Haus, wo sie Wohnung genommen hatten, belästigten die Bewohner des Hotels und Vorübergehende, diese nicht allein mit Worten, sondern auch, indem sie Gegenstände durch die Fenster warfen. Schutzleute, die Ruhe gebieten wollten, wurden beschimpft, zugleich flog alles, was nicht niet- und nagelfest war, auf die Straße, Geschirr, Spiegel, Möbel, Betten und andere Gegenstände, Erst nachdem diejungen Herren" zwei

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern. 2. Juni.

* Das hessische ländliche Genossenschaftswesen, welches sich am 7.-9. Juni d. I. in Hanau zu seinem 18. ordentlichen Verbandstag versammelt, hat auch in diesem Jahr sich eines bedeutenden Fortschritts zu erfreuen. Wie wir einem soeben erschienenen Buch Die ländlichen Genossenschaften im Reg. Bez. Cassel" int Auftrage der Landwirthschaftskammer bearbeitet vom Pfarrer Meyenschein, entnehmen, bestehen gegenwärtig in dem Reg. Bez. Cassel an Raiffeisenschen Genossen­schaft 298 Darlehnskassen - Vereine mit 28916 Mit­glieder in 849 Ortschaften (der Reg.-Bez. Cassel hat im Ganzen 1327 Landgemeinden) 1 Bezirks-Produktions-

Stunden ihr wüstes Treiben fortgesetzt hatten und es nichts mehr zum Zerstören gab, hörte der Skandal auf, der selbstverständlich ein Nachspiel haben wird. Die Betreffenden sollen bereits aus ihren Verbindungen aus­geschlossen worden sein. Man berichtet noch, daß der Wirth des Deutschen Hauses 1800 Mark Schadenersatz verlangt' ein Beweis, wie vandalisch die jungen Herren gehaust haben.

Lübeck, 30. Mai. In dem Keller des Möbelhändlers Senff am Klingberg hat sich ein Mädchen 27 Tage ver­borgen gehalten, ohne die geringste Nahrung zu sich zu nehmen. Völlig zu einem Skelett abgemagert, wurde das Mädchen zusammengekauert dort aufgefunden. Wie es heißt, ist die Aufgefundene identisch mit einem Mädchen, das von der Staatsanwaltschaft steckbrieflich verfolgt wird, weil es bei verschiedenen Herrschaften Stellung annahm und sich das sogenannte Gottesgeld geben ließ, die Stellen aber einfach nicht antrat.

Köslin. Ueber 44000 Kreuzottern sind, wie die KöSl. Zeitung" berichtet, im Laufe des vergangenen Jahres im dortigen Regierungsbezirk ge angen worden, wofür an Prämien mehr denn 11000 Mark aus der Staatskasse gezahlt worden sind.

Ausland.

Agram, 31. Mai. Ein verheerendes Unwetter mit agclschlag vernichtete die Ernte in den kroatisch-bosnischen .aenzdistrikten. In Valisselo wurden Häuser abgedeckt, Bäume umgeknickt und zahlreiches Vieh wurde erschlagen, auch Menschen kamen um. In Klabusa sollen siebzehn Menschen zu Grunde gegangen sein.

Aus Süd Ungaru, speziell aus den getreidereichsten Komitaten, kommen Nachrichten über einen am Montag erfolgten verheerenden Hagelschlag, der vier Fünftel der Saaten vernichtete.

Nord-Amerika. So schlimm wie die Dinge für die Amerikaner auf den Philippinen liegen, so ungünstig ist für sie auch die Lage auf Cuba. Der Umstand, daß es den Vereinigten Staaten an ausreichenden Truppen gebricht, wird auch von den Subaltern wirklich ausge- ützt. Als auf Cuba die Auszahlung von 300 Mark an jeden kubanischen Soldaten beginnen sollte, der seine Waffen abliefern würde, erschien kein einziger Soldat, trotzdem der Zahlmeister die Gelder bereit hatte. Gegen Mittag stellte sich ein Neger in kubanischer Uniform ein; er hatte aber nur zum Troß gehört und besam deshalb fein Geld. Noch später kamen 4 angebliche Gemeine, denen ein Täuschungsversuch leicht nachgewiesen werden konnte. Die Amerikaner halten 400 Soldaten erwartet! Die kubanischen Offiziere erklärten darauf höhnend, über ein Jahr würden bie Iankees ebenso aus Cuba hinaus­geworfen sein, wie unlängst die Spanier. Von den Philippinen lau en fortgesetzt Hiobsposten in Washington ein. Die Eingeborenen sind fest entschlossen, die günstige Gelegenheit, die ihnen durch den Eintritt des Regen­wetters geboten ist, nicht unbenutzt vorübergehcn zu lassen, sondern mit aller Macht gegen die Amerikaner vorzugehen. Auf ihren Schiffen sind diese wohl sicher, auf Luzon selber dürften sie sich aber kaum halten können. Dazu kommt, daß auch auf den kleineren süd­lichen Philippinen-Jnseln der Haß der Eingeborenen gegen die Amerikaner stetig im Wachsen begriffen ist. Aus der Insel Nequos wurde ein amerikanischer Kapitän getötet und eine große Anzahl seiner Begleiter in gräß­licher Weise zu Tode gemartert. Dort werden die Ame­rikaner nun auch ein Beispiel statuieren müssen, wozu sie freilich herzlich wenig oder gar keine Truppen übrig haben.

und Verkauis-Genossenschaft mit 14 Mitgliedern; 7 Kornhaus-Genossenschaften mit 122 Mitglieder; 2 Pferde, zucht-Genossenschaften mit 50 Mitgliedern; 10 Molkerei- Genossenschaften mit 892 Mitglieder, 6 Consum-Vereine mit 660 Mitglieder; 1 landw. Konsumverein mit 40 Mitgliedern; im Ganzen 325 Genossenschaften mit 30694 Mitgliedern. Die Darlehnskassen-Vereine allein haben in 1898 eine Einnahme von 13*,2 Mill. gehabt. Die Aktiva betrugen am 1. Jan. 1899; If ^.>onen. In Anbetracht der Bedeutung dieses Genossenschafts­wesens hat die Königl. Regierung den in denselben zahlreich wirkenden Lehrern auch in diesem Jahre wieder für den Besuch des Verbandstages einen Urlaub bewilligt.

* Heuernte. Bei der Heuernte wird vielfach noch der Fehler gemacht, daß man das Gras viel zu spät schneidet; läßt man die Zeit der Blüthe des Grases vorübergehen und die Samen nahezu oder ganz reifen, so erntet man zwar mehr Masse, aber erheblich schlechteres Heu, als bei zeitigem Mähen, da die wichtigsten Nähr­stoffe des Grases zur Ausbildung der Samen, welche Letzteren bei der Ernte größten Theils verloren gehen, verwendet werden. Außerdem wird bei späterer Heuernte der für einen etwaigen zweiten Schnitt (Grummet) be­stimmte Nachwuchs sehr beschädigt. Dazu kommt noch, daß bei späterer Ernte die Pflanzen hartstenglig und schwerverdaulich werden. Für alle diese Nachtheile der späten Heuernte vermag die erzielte größere Blenge an Heu keinen Ersatz zu bieten. Am besten ist es, wenn man kurz vor oder bei Beginn der Blüthe schneidet. Je schneller das Trocknen der Futterpflanzen vor sich geht, um so besseres Heu erzielt man, d. h. um so weniger Nahrstoffverluste treten ein. Abwechselnd beregnetes und besonntes Heu verliert nicht nur seinen aromatischen Geruch und sein gutes Aussehen, sondern auch einen erheblichen Theil seiner Nährstoffe. Hält der Regen während der Heuernte tage- und wochenlang an, so wird das Heu, von etwaiger Fäulniß abgesehen, fchließlich derart ausgelaugt, daß eS nur noch einen sehr geringen Werth hat.

* Französische Zehnsrankstücke in Gold werden zur Zeit, wie aus mehreren Städten gemeldet wird, viel als Zehnmarkstücke in Umlauf gesetzt. Da die Geld­stücke aber nur einen Werth von 8 Mark haben, so erleidet der Empfänger bei jedem Stücke einen Verlust von 2 Mark. Darum sei Vorsicht bei der Annahme von Zehn-Markstücken empfohlen.

* Bis jetzt durften Nachnahme-Sendungen, den geltenden Bestimmungen gemäß, dem Adressaten nur einmal präfentirt werden; konnte der Empfänger nicht sofort Zahlung leisten, so erhielt er das Packet, auch gegen Erlegung des Betrages obwohl es acht Tage auf der Post lagerte, nicht ausgefolgt, bevor nicht eine abermalige Genehmigung des Absenders hierzu vorlag. Jetzt sind die Postanstalten angewiesen worden, Anträge der Empfänger auf Aushändigung als unbestellbar ge­meldeter Nachnahme-Packete zu entsprechen, solange noch keine abweichende Verfügung des Absenders bei der Be- stimmungs-Postanstalt eiugegangcn ist. Die Lagerfrist solcher Packete bei der Post bleibt nach wie vor auf 7 Tage normirt.

* Mit dem nächsten Jahre gelangt bekanntlich der einjährige Militärdienst der Volksschullchrcr zur Einführung. Bei diesem Anlaß sei darauf aufmerksam gemacht, daß während des Dienstjahres eine Fortzahlung des Lehrergehaltes, wie sie bisher bei der zehnwöchent- lichen Dienstzeit stattfand, nicht Platz greift.

Preisstiftungen für Frankfurt a. M. 1899. Für die 13. allgemeine deutsche landwirthschaftliche Wanderausstellung, welche die Deutsche Landwirthschafts- Gesellschaft vom 8.13. Juni in Frankfurt a. M., abhält, sind folgende Preise ausgesetzt: 125,887 Mk., 45 Preisgaben und 323 Preismünzen, davon für die Thier-Abtheilung 119,844 Mk., 41 Preisgaben und 25 Preismünzen. Um diese Preise bewerben sich im ganzen 322 Pferde, 1228 Rinder, 214 Schafe, 462 Schweine, 74 Ziegen, rund 1500 Stück Geflügel, 53 Nummern Fische, 1619 Erzeugnisse und Hilfsmittel und 3312 landwirthschaftliche Geräthe und Maschinen.

Cassel. Im Sängerwettstreit wurden als Preischor gesungen:

Der Reiter und sein Lieb; von Hoffmann von Fallersleben, componirt von Edw. Schulz. E» zog ein Reiter wohl in den Krieg Und als er aus sein Grauroß stieg,