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nehmen in einheitlich angeordneter Gewandung Ehren- jungfrauen theil. Das kaiserliche Gefolge, welches in der Kaiserloge Platz nimmt, soll aus 60 Personen be­stehen.

Orb, 18. Mai. Die Wasserleitungsfrage für Orb scheint nunmehr ihrer Lösung etwas rascher entgegen zu gehen. Nachdem die rührige Wasserleitungs-Kommission die umfangreichsten Borbcreitungcn getroffen und die ver­schiedenen Hindernisse beseitigt, namentlich die Heikelste, die Geldfrage erledigt hat, ist bereits von der Stadtver­waltung das Projekt genehmigt worden. Es handelt sich nun noch um Vergebung der Arbeiten und um die Art und Weise, wie die Vergebung derselben erfolgen soll. Jedenfalls verdient die Gesellschaft den Vorzug, die die Vorarbeiten gemacht hat, ein öffentliches Aus schreiben wird aber wohl doch kaum umgangen werden können.

Wilhelmsbad bei Hanau, 19. Mai Gutem Ver­nehmen nach wird von der Regierung gegenwärtig das Projekt erwogen, in dem hiesigen Kurorte eine Land- wirthschacksschule für Damen „besserer" Stände zu er richten. Von berufener Seite soll zu dem Zwecke bereits eine Besichtigung der Oertlichkcit erfolgt sein.

Offcnbach, 15. Mai. (Eine ehrliche Finderin.) Ein bei einem hiesigen Bäckermeister bedienstetes Mädchen hatte gestern das Glück, einen Brillantring zu finden, auf dessen Wiedcrfindung eine Belohnung von 100 Mk. ausgesetzt worden war. Obgleich das Mädchen den Ring für werthlos hielt, trug es denselben doch auf die Polizei und sie war nun nicht wenig überrascht, als sich heute früh der Verlierer, ein hiesiger Fabrikant, bei ihr entstellte, um ihr die ausgesetzte Belohnung zu über­geben. Sie wollte das Geld jedoch nicht für sich selbst annehmen, bat vielmehr, dasselbe möge an ihre in Bayern wohnenden armen Eltern gesandt werden. Diesem Wunsch ist sofort entsprochen worden.

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Von Philipp Buxbaum. (Fortsetzung.)

Eben bog er vom Wege ab und schlich einem jungen Eichenschlage zu, als er den Ruf des Schwarzspechtes vernahm, ein durchdringendes und langgezogenes ..ktihäh klihä!" Die kleine Gestalt besam Leben; der Ton galt ihm ' mib wurde von einem verborgen stehenden Jagd genossen als Anruf nachgeahmt. Sofort antwortete der Vogelsteller mit „hupchup!" dem Rufe des Wiedehop cs Noch einige hundert Schritte, und vor ihm erhob sich aus dem Gebüsch ein kleiner, untersetzter Mann mit einem Falkenblicke und der pfeifenden Stimme des Königsweihes. Es war Wullenweber, ein weit und breit gefürchteter und verwegener Wilddieb. - Er hieß eigentlich Heinrich Lotz und war ein Wollcnspinncr aus Michclstadt. Als armer Eltern Sohn nahm er schon frühzeitig an Treib-. und Hetzjagden Theil, um als Treiber einige Groschen zu verdienen. Schon von Jugend auf fand er Gefallen an dem Leben im „grünen Wald , und da er seiner Ausdauer und seines Spürsinnes wegen als Pack- und Büchsenträger bet den Jägern wohl

Kirschbaum genommen und richtete das gespannte Ge­wehr mit den Worten auf den Landjäger: „Willst Du bringen oder ich schieße!"

Der Wilddieb verstand keinen Spaß, das war bekannt. Noch ehe der Landjäger seine Flinte an den Backen ge­bracht Hütte, wäre der Schuß von oben erfolgt. — Hops, hops, hops — war der Polizeibeamte auf der Straße und trollte nach Erbach weiter.

An einem Sonntag Morgen stand Lotz an der Hunds­wiese auf dem Anstand. Fünf Schritte hinter ihm führte der Fußpfad vorbei, auf welchem eben zwei bewaff­nete Förster nach Reichesheim gingen. Wullenweber, der sie kommen sah, rührte sich nicht vom Platze.

„Abgelegt!" rief der Aeltere dem ihm bekannten Wilddieb zu. Entschlossen rief dieser nach dem Walde: „Lips, Veite, Jockei, Henne, macht Euch fertig!" Dann wandte er sich zu den beiden Jägern und sagte herrisch: „Wollt Ihr Euch trollen, oder ich lern' Euch manngen!" — Hub richtig liefen Beide davon, Wullenweber aber, der ganz allein war, lachte sich iu's Fäustchen.

Im Spätsommer 'and ein Jäger in einem Dickicht am Lärmfeuer einen Hirsch aufgehängt, der ausgeweidet und im Innern mit frischem Eichenlaub ausgesüllt war Er glaubte, den Wilddieb auf der That überraschen zu können und verbarg sich in dem nahestehenden Weißdorn- gebüsch, die Büchse zum Schusse bereit. Wullenweber ließ auch nicht lange auf sich warten; er hatte die Spur des Jägers im weichen Boden entdeckt und mußte an­nehmen, daß dieser ihm das erlegte Wild so leicht nicht überlassen werde. Um keinen Preis hätte er auf den Hirsch verzichtet. Mit umgehäugter Büchse trat er aus dem nächstgelcgcncn Walde hervor und schritt über die Felder dem Dickichte zu. Plötzlich blieb er stehen, wandte sich um und rief gegen den Waldsaum, aus dem er ge­kommen war: „Empfangt den Herrn Jäger, wie man es int Zuchthause macht, mit einem freundlichen Will- kumm!" Ruhig trat er baun in das Dickicht, hing den Hirsch ab und schleppte ihn vor den Augen des Jägers nach dem Walde, in dem er verschwand.

Monatelang wurden im Rehbacher Park die schönsten Stücke Rothwild weggeschossen. Daß Wullenweber der Thäter war, unterlag keinem Zweifel. Die Jäger boten Alles auf, um ihn dingfest zu machen; aber es gelang ihnen nicht. und nach wie vor wurde gewildert. — Ge­leitet von seinem Hunde, ging der Jägerbursche des Forstmeisters in der Morgenfrühe einem Wildwechsel nach, als er kaum hundert Schritte weit einen Schuß I hörte. Er stürzte auf die Stelle zu und fand am Boden einen feisten Hirsch in den letzten Zuckungen. Das Thier war weidgerecht auf's Blatt geschossen; heller, schaumiger Schweiß (Blut) drang ihm aus dem Wind­fang (Nase) und dem Geäse (Maul) und ebensolcher Schweiß tropfte langsam aus der Kugelwunde. Der Jäger suchte die Umgegend ab, fand aber nirgends eine Spur vor einem Wilderer. Dann besah er genau die Wunde des Thieres Die Farbe (Haare) zurückstreichend, bemerkte er, daß der Ausschuß tiefer saß, als der Ein­schuß, an welchem die Haare fehlten und daß nur ein rundes Loch zu sehen war Der Schuß mußte von einer höher gelegenen Stelle aus erfolgt sein. Ganz in der Nähe stand eine hohle Eiche, an welcher sein Jagd Hund den Wind aufnahm und unruhig wurde. „Aha!" sagte der Jäger, und trat an den Baum, an dem er auf einem tier hängenden kräftigen Aste die Spuren des ö leren Erstcigens gewahrte. Dann klopfte er mit dem Kolben seiner Büchse an den Stamm und rief: „Ist der Herr Wullenweber zn Haus?" Sowrt antwortete es von innen: „Jawohl! Und seine geladene Büchs' auch; hier ist sie!" — An einem Knorrenloche sah der Gewehrlauf des Wilddiebs in der Richtung auf den Jäger hervor. „Auch meine Kameraden sind daheim!" sagte Lotz von oben und that einen schrillen Pfiff, dem ganz in der Nähe ein dumpfer Knall folgte. Dc Jägerbursche ergriff die Flucht. Wullenweber hatte in geringer Entfernung einen Selbstschutz gelegt, den er durch eine über die Neste gelegte dünne Schnur ent zündete. (Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

— Walldorf (Baden). Nachdem vor einigen Wochen ein hiesiger Bäcker sich für 1000 Laib Brod ein Rat einhandelte, schloß jüngst ein Wirth einen anderen Handel ab. Er lieferte nämlich für ein Fahrrad 1700 Schoppen Bier. Wieder ein anderer kaufte sein Rad dem Gc Wichte nach, indem er für das P'und 25 P g. bezahlte. — Zu welchen Sinnestäuschungen ein Rä schlein führen kann, dafür lieferte ein biederer Bewohner des Oden Waldes einen schlagenden Beweis. Voll des süßen Weines wollte er per Bahn heimwärts ziehen, vorher aber noch im warmen Wartesaal ein halbes Stündchen ausruhen. Er schwankte und schwankte, gerieth jedoä statt in den Wartesaal in einen in der Nähe des Bahn ho es befindlichen Wassergraben. Er legte sich n chts destowewger gemüthlich hin und schlief auch wirklich ein Plötzlich verspürte er jedoch die Nässe auf ferner Hau, und nächtliche Passanten hörten aus der Tiefe die Worte - „Das Beschwerdebuch her! Ist denn dies auch ei Wartesaal, da brennt nicht einmal Licht darin, und - Kreuzdonnerwetter: Wasser steht auch noch darin." Seine „theure Gattin" wird ihm wohl später den rich­tigen Wartesaal gezeigt haben.

gelitten. war, so wurde er mit der Zeit in dem Waidwerk kunstgerecht eingcübt, und war stets dabei, wenn es etwas zu jagen gab. Wer hätte auch glauben mögen, daß- den Jägern in dem unscheinbaren Jungen ein so • kühner Feind erwüchse, der wie der junge Kuckuck seine Stiefgeschwister aus dem Neste zu verdrängen suche! Lotz's Neigung für die Jägerei entwickelte sich bald zur unbezwingbaren Leidenschaft, der zu fröhnen er als Jägerbursche in die Dienste des Grafen zu Erbach ein zertreten beabsichtigte. Dieser Entschloß wurde durch seinen Vater vereitelt, der ihm dem Gewerbe der Wollen- spinnerei zuführte. Die einförmige Arbeit am Rade vermochte den Heranreifenden Lotz nicht zu befriedigen; sein Sinn stand nach dem W ld und Wild. Nur an Sonntagen blieb ihm Zeit, die dumpfe, staubige Stube mit dem freien Leben» draußen zu vertauschen, das bleiche Angesicht in derneiyM;Bcrglu>t zu baden und - den Thieren des Waldks nachzuspüren.

So wurde er mit dewZeit ein Wilddieb und zwar ein unverbesserlicher. Er hatte schon mehrere Freiheits- strä en erlitten, war dadurch aber nicht gebessert worden. Sein Geschäft als Wollenspinner hatte er längst ange­geben ; das unftäte Leben und der Kerker hatten den noch in mittleren Jahren stehenden Mann sichtlich ge­altert. Der Abenteuer wurden sehr zahlreiche von ihm erzählt. Die Bauern verriethen ihn nicht, da er beim Abschießen des ihre Felder sehr schädigenden Hochwildes ganz in ihrem Sinne handelte.

So kam er einmal zu einem Wirthe in Hetzbach und bat um die Erlaubniß sich in dessen Baumgarten Ki sehen brechen zu dürwu. Der Wirth gestattete ihm das, be­merkte aber, daß ein Landjäger nach ihm gefragt habe.

„Macht nichts!" faste Wullenweber. „Wenn er zu- rückkommt, so sag' ihm nur, ich thät Kirschen brechen! Richtig fragt auch der Landjäger bei seiner Rück kunft: „Noch nichts von Wullenweber gemerkt?"

/„Doch. doch," versetzte der Wirth, „in meinem Baum­garten dahinten brichl er Kirschen."

Eins, zwei, drei — stand der Mann des Gesetzes Unter dem Baum, gewährte den Wilddieb und rief hinauf: „Schnell herunter vom Baum! Ihr seid arretirt!"

^Wullenweber aber hatte seinen Stutzen mit aus den

— Säurefreies Lötwasser. Zur Darstellung von säurefreiem Lötwasser bringt man in Salzsäure Zink- blcchabfälle, und zwar in solcher Menge, daß nach voll­kommener Sättigung noch ein Ucberschuß von Zink vor­handen ist. Nach einigen Tagen ist das überschüssige Zink zu entfernen, die Lösung dann mit der gleichen Menge Wasser zu verdünnen und zu filtrieren. Nun setzt man tropfenweise Ammoniakflüssigkeit hinzu, so lange, bis sich der anfangs entstehende Niederschlag gerade wieder gelöst hat Mischt man die Lösung von Chlorzinkam­monium mit Stärkekleister, so erhält man eine syrupdicke Flüssigkeit, die als Lötpaste dann Verwendung findet, wenn die Form des zu lötenden Gegenstandes die Ver­wendung von flüssigem Lötwasser schlecht gestattet. Das Lötwasser eignet sich sehr gut zum Löten von Weißblech, Eisen und Messing. Das Lot für verzinnten Eisendraht besteht aus drei Theilen Blei und einem Theil Zink.

- Eine Riesenzahl. Die Frage: welches ist die größte Zahl, die man mit nur Ziffern schreiben kann, wird wie folgt beantwortet: Der Nichtmathematiker ckommt bei Beantwortung dieser Frage nicht über die Zahl 999 hinaus, aber man kann mit 3 Neunen eine viel größere, geradezu ungeheure Zahl darstellen, wenn man sie fol­gendermaßen setzt: 9ö° So werden sie, wie jeder Schüler der Mathematik weiß, gelesen: „Neun hoch neun hoch neun" und bedeuten eine zweimalige Potcnzirung. Die zuerst vorzuuehmeude Potcnzirung 9° (neun hoch neun ) besagt, die Zahl 9 soll 9mal mit sich selbst multiplizirt werden, was die schon recht ansehnliche, aber noch durchaus faßbare Zahl von 387 420 489 ergiebt. In Folge der zweiten Potcnzirung muß die Grund­zahl 9 nunmehr 387 320489 mal mit sich selbst muh liplizirt werden. Was dabei herauskommt, ist noch nie berechnet worden und wird auch schwerlich jemals be­rechnet werden, aus dem einfachen Grnnde, weil die Zeit eines Menschenlebens zur genauen Berechnung nicht ausreichen würde. Es läßt sich aber sagen: die fraglche Riesenzahl würde jedenfalls mehr als 369 Millionen Ziffern haben. Wollte man eine solche Ziffernreihe niederschrefben, indem man ein sehr langes Papierband nähme und auf ein Dezimeter 20 Ziffern brächte, so würde das Band eine Länge 18484 fi bis 18 485 Kilo­meter haben müssen, das heißt das 1'^'ache des Erd­durchmessers, der im Aequator 1 1 756 Kilometer beträgt, und zur bloßen Niederschrift würde man wenn man in der Minute 100 Ziffern zu Papier brächte und täglich, mit Einschluß aller Sonn- und Feiertage, 10 Stunden arbeitete, ungefähr 17 Jahre gebrauchen. Alles, was man sonst von sehr großen Zahlen kennt, z. B. diejenige, welche durch »fortgesetzte Verdoppelung der Anzahl der Weizen­körner auf den 64 Feldern eines Schachbrettes entsteht, ober diejenige, welche aus dem Zinseszins eines zu Christi Zeit angelegten Pfennigs erwächst, ist ganz ver- ichwiudend gering gegenüber der hier beschriebenen Riesenzahl, die sich einfach mit 3 Neunen darstellen läßt.

— Wie lange lebt man, ohne zu essen? Zur Be­antwortung dieser Frage schreibt der „Berl. Lok.-Anz.": Ein Mensch im normalen Zustande widersteht 20 Tage, Fastende von Prosession haben es schon auf 30—40 Tage gebracht. Das Pferd kann 25 Tage ohne zu fressen leben, vorausgsetzt, daß es Wasser zum trinken hat; es kann 17 Tage leben, wenn es nichts zu trinken hat, wird aber schon nach 5 Tagen eiligeren, wenn cs frißt, ohne zu trinken. Eine Katze kann es 15—20 Tage mit anschen, falls sie nur zu trinken hat. Von Hunden weiß man, daß sie schon 30 Tage ohne zu fressen cxistirt haben; sind sie doch des Getränkes beraubt, so sterben sie schon nach 20 Tagen. Das Kaninchen kann es 14 Tage ohne Nahrungsaufnahme aushalten, die Taube 10, der Spatz jedoch nur zwei Tage. Den Rekord im Fasten haben die Kröten erreicht: sie haben zwei bis drei Jahre ohne Speisen leben können.

— Im Dusel. Sie: „Du scheinst ja gestern einen gehörigen Schwips gehabt zu haben; hier liegt ja Deine goldene Uhr und "Kette im Aquarium?" — Er (ver­katert) : „Na, das ist! doch ein Behälter für Goldsachen, Da sind doch Deine Goldfische auch drin."

— Festgenagelt Jüngling: „Ach, Fräulein Gelb­stern, könnte ich doch so mit Ihnen durchs Leben schweben, ich gäbe alle Schätze der Welt dafür!" — Gelds mmler: „Bitte, zehn Pfennig für den Tanz" - Jüngling: „Ach, jetzt habe ich mein Portemonnaie vergessen!"

— Was man hat, hat man. Er: „Der Ring scheint Dir zu groß zu sein, Geliebte. Soll ich ihn mitnehmen und Umtauschen?" — Sie: „Nein, Liebster, ein Ver- lobnngsring bleibt ein Verlobungsring und.wenn ich ihn um den Hals tragen müßte."

— Scherzfrage. „Wer ist der größte Streber der Welt?" „Der Radfahrer." „Warum?" „Er macht beständig einen krummen Rücken und tritt dabei fort­während nach unten."

— Aus der Militär-Schwimmanstalt. Schwimm­lehrer (zum Soldaten, der beim Thurmsprung zögert): ,Na, Schnabel, Sie warten wohl gleich da oben auf ihren Civilver orgungsschein!"

Frühzeitiger Bezug von Thomasmehl.

Die außerordentliche Preissteigerung, die das Super­phosphat seit Frühjahr 1898 erfahren hat, und die in­folge dauernden Anziehens der Preise für Rohphosphatt