Einzelbild herunterladen
 

SlhlWtrnerMmig

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 40.

SamSlilt den 20. Mai 1899.

50. Jahrgang.

itrfkllH^n ti "Nf die .Schtüchterner Zeitung" F^^IttUUeeb^^ werden noch fortwährend von allen -~------------Postanstalten und Landbriesträgern

owie von der Expedition entgegen genommen

pfingst Gruß.

Pfingftmorgen ist erschienen, Frisch in die Welt hinaus l Da pflückt sich hold im Grünen Der Freude bunter Strauß.

Seht, wie die Berge blauen

Die Wälder duftig ganz,

Und wie ob allen Auen

So gold'ner Sonnenglanz.

Die Döglein musizieren,

Lob, Lhr' und preis allwarts;

Das sollte Dich nicht rühren,

Du armes Utenschenherz?

Der Pfingstgruß traut und Helle,

Den die Natur Dir singt,

Dring' auch in Deine Zelle,

Worin er weiter klingt.

(Empor aus Deinem Schlummer, Heut' ist die Wonne Dein!

Herz, schüttle weg den Kummer

Und laß es Pfingsten fein.

Theod. Klein.

Deutsches Reich

Berlin. Wie es heißt, wird der Kaiser am 1. Juni in

Kiel Eintreffen und die Taufe des Linienschiffes Ersatz König Wilhelm" auf der Germaniawerft vollziehen.

Am 18. August gedenkt der Kaiser von Neuem die Reichslande zu besuchen und der Enthüllung oer Kolosfalfigur des gepanzerten Engels beizuwohnen, welche Figur gleichsam den Mittelpunkt für die auf dem Schlachtfelde von St. Privat befindlichen Denkmals Anlagen bilden wird. Prinz Adalbert, der dritte Sohn des Kaiserpaares, tritt Mitte Juni auf dem SchulschiffCharlotte" in den Marinedienst.

Bei einer Benzin-Explosion verunglückten am Montag in Berlin drei Personen. Ein Mädchen erlitt den sofortigen Tod. Eine alte Frau trug so schwere Ver. letzungen davon, daß sie im Krankenhause verstarb. Ein Mann trug starke Brandwunden davon. Das Unglück ist noch nicht aufgeklärt._____________________________

Auslaus

Wien. 2600 Erklärungen des Ucbertritts von der katholischen zur evangelischen Kirche sind in Deut ch- Oesterreich im ersten Viertel dieses Jahres enolgt. Seitdem hat die Zahl der Uebertritte so angenommen, daß bald die Ziffer Zehntausend erreicht sein dürite.

Rußland. Eine ganze Sektireramilie.,bestehend aus Mann, Frau, einer l4jährigen Tochter, eaiem lOjäbngeu Sohn, sowie einem Säugling, also, fünf Personen ist in dem Dorfe Galschi bei Saratow in den Tod g gangen. In ihrem religiösen Fanatismus zogen sie drei Werst weit vor das Dorf, entkleideten sich total und legten sich auf den Schnee. Am nächsten Tage fanden Nachbarn sie erfroren auf. Sie gehörte zu der Sekte, welche den Selbstmord verherrlicht.

England Der Admiralitätsrüth hat in den letzten Tagen bemerkenswerthe Versuche mit einem neuen elektrischen Geschütz gemacht welches von einem jungen Ingenieur Namens Neumann erfunden ist Die Regierung hat dem Erfinder 75,000 Pfund angeboten. Derselbe so dert aber 100,000. Beim Abfeuern des Geschützes wird weder Rauch bemerkt, noch ein Knall vernommen.

Amerika. Der Imperialismus und die Annexions­politik scheint den Amerikanern noch ernste Schwierigkeiten bereiten zu sollen. Während die Kämpfe auf den Philippinen hod) unabsehbar fortdauern, taucht auf Kuba ebenfalls das Kricgsgespenst wieder auf. Die Verwaltung denke nicht daran, den Kubanern zu gestatten, noch länger ihre Heeresorganisation aufrecht zu halten. Es würden vielmehr Maßnahmen getroffen werden, die kubanische Armee aufzulösen und zu entwaffnen. Die Anhäufung von Waffen und Munition seitens der Kubaner werde in gewissen Kreisen als das Anzeichen von Vorb reitungen für eine bewaffnete Erhebung angesehen für den Fall, daß die Vereinigten Staaten nicht allen Wünschen der Kubaner nachlärnen.

Lokales »nd Provinzielles.

* Schlächtern. 19. Mai.

* Die Maul- und Klauenseuche in Schlächtern ist erloschen und der Verkehr mit Rindvieh freigegeben

* Schonet die Saaten! Jetzt, wo Tausende in Gottes freier Natur Erholung suchen, ist wohl die bescheidene Bitte am Platze, das grüne Eigenthum Anderer pflichtgemäß zu schonen. Es ist kein Zweifel, daß man dem ländlichem Eigenthum nicht gleiches Recht mit anderem Besitzthum zugenehen will. Da tritt man, statt auf dem Fußpfade zu bleiben, doch o t daneben auf den hohen Saatrand. Dort bricht man Zweige, dort pflückt man leichthin und ohne besonderen Zweck ganze Sträuße Feld- und Wiesenblumen, um sie bald wieder halbverwelkt wegzuweren. Der Landmann erlaubt ja verständnißvollen Sammlern gerne eine Freiheit, aber eben deshalb mahne Jeder Unbefugten gegenüber zum Maßhalten. Freiheit ist eine schöne Sache, aber keine Freiheit ohne Gerechtigkeit!

* Die Zeitungsmeldung, daß das 18. Armeekorps eine diesjährigen Herbst Übungen in der Gegend von Fulda abhalten werde, wird, wie derHau. Anz." schreibt, mit Recht demeutirt, denn nach dessen Information ist das Gelände zwischen Wetzlar und Friedberg für das diesjährige Manöver des genannten Armeekorps gewühlt worden. Die 21. Division manöverirt in der Gegend von Wetzlar.

Soden Stolzenbcrg, 17. Mai Eine freudige Ueber raschuug wurde vor einigen Tagen den Bewohnern unseres Badeortes zu Theil, als der Salzsprudel, der infolge von Röhrenbrüchen während der Wintermonate sich in den Schooß der Mutter Erde zurückgezogen hatte, in der neuerhaltenen Fassung mächtiger denn je seine Wasser i orderte. Erbohrt wurde er im Jahre 1895 aus einer Tiefe von kaum 100 Meter und er hat nicht aufgehört, seitdem das Interesse unserer fachmännischen Kreise zu erregen. Denn überreich an Kohlensäure und festen Sandbestandtheilen, entstammt er offenbar einem Quellengebiete, das gerade hier in weiten Grenzen unter einem Hydrauli chcm Drucke von seltener Stärke sich befindet und noch immer nicht als vollständig erschlossen gelten kann. Einer mächtigeren Tiechohrung bleibt es vmbehallen, die hier schlummernden Schütze an wcrthvoller Soolc zu heben, die berufen zu sein scheinen, eine glänzende Zukunst des Soolbades Soden-Slolzenberg zu begründen. Das im grauen Alterthume bereits rühmlichst besannt gewesene Quellengebiet ging im Jahre 1^40 als eine Schenkung des Kurprinzen Friedrich Wilhelm, in einer Ausdehnung von rund zwei Millionen Quadratmetern, auf die Stadtgemeinde Soden-Stolzenberg über, aber erst im Jahre 1880 wurde es von neuem Trink- und Badezwecken nutzbar gemacht und seitdem ist unser, im lieblichen waldumkränzten Thäte der Kinzig gelegener Kurort im raschen Aufblühen begriffen.

Flieden, >7. Mai. Ein recht betrübender Unglücksfall hat sich vorgestern hier ereignet. Der im besten Mannes alter stehende Gastwirth A. Rieser von hier fuhr in die naheLäde , um 2 Tannen zu holen. Unterwegs gingen die Pferde durch und ein Rad te sich vom Wagen, wobei der beklagcnswcrthe Mann unter die Achse des Wagens gerieth. An den erhaltenen inneren und äußeren Verletzungen ist Rieser gestorben.

Freie,istemau, 10. Mai Der wegen des im März d.J. an der hiesigen Post-Agentur versuchten Einbruchdiebstahls beschuldigte Schneider aus Jldeshauseu, welcher schon eine Vorstrafe von über 8 Jahren Zuchthaus verbüßt hatte, erhielt gestern wegen des oben bezeichneten Vergehens von der Strafkammer in Gießen eine weitere Zuchthaus­strafe von 5 Jahren, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizei-Aufsicht.

Aus der Rhön. In den Jagdbezirken des Guts- bezirkes Ferd. Schloth in Nordheim o. d. Rhön wird wird schon seit längerer Zeit gewildert. Infolgedessen wurde von der Gendarmerie seit mehreren Tagen ein Kontrolldienst eingerichtet. Dieser hatte nun den Erfolg, daß zwei Diebe gerade in dem Moment festgenommen wurden, als sie ein in der Schlinge ge angenes Reh in einem Sack verschwinden ließen. Wie sich alsbald herausstellte, war der eine ein Namensvetter des Gutsbesitzers Bauer Florian Schloth, der andere der Forstauiseher Ebner. Des Wilderns verdächtig war dieser Wächter des Gesetzes schon lange.

Efchwege, 19. Mai. Aus hiesiger Gegend zieht in

jedem Jahre eine große Schaar Männer aller Altersklassen nach Norddeutschland, um in den Ziegeleien zu arbeiten. Aus dem Kreise Eschwege ergreifen gegen 1200 Männer im Frühjahre den Wanderstab, um dort zu arbeiten. Aber auch viele Mädchen verlassen im Frühjahre ihre Heunath, um nach Braunschweig rc. zu fahren, und dort für die Konservenfabriken zu arbeiten. So ist in den vergangenen drei Wochen schon eine große Anzahl Mädchen von hier und aus der Umgebung nach Braunschweig gefahren, um sich auwerben zu lassen; am Samstag früh fuhren 80 Mädchen vom hiesigen Bahuhose ab, und Montag folgte noch ein größerer Trupp nach.

Reichenbach, 18. Mai. Ein entsetzliches Unglück hat am vergangenen Sonnabend viele Familien in Schrecken und in große Trauer versetzt. Bei einem Gewitter schlug der Bl tz mitten in eine Mädchenschaar, die eben von der Waldarbeit nach Hause eilen wollte. Eines der Mädchen, die Tochter des Händlers Peter Simon, war sofort todt, zwei andere erlitten Verletzungen, daß an ihrem Aus kommen gezweifelt wird. Alle anderen waren betäubt, nur eine war noch im Stande Hilfe herbei- zuholen. Eine in der Nähe besindliche Schafherde wuide ebenfalls betäubt

Hess Oldcudors. Eines seltenen Jagdglückes erfreute sich Herr Siegmann in dem benachbarten Großenwieden, indem er einen Seehund in der Weser im Gewichte von 134 Pfund schoß. Schon seit mehreren Tagen waren 2 solcher Thiere in der Weser beobachtet worden.

Fechenheim, 18. Mai. Infolge der geplanten Ver­legung des Oubahuhofes in Frankfurt weiter außerhalb der Stadt in die Nähe der Rödertzöfe ist die Firma Mayfarth u. Cie. (Fabrik |ür landwirthschaftliche (Mschiuev) genöthigt, ihren dortigen Grundbesitz, der zur Errichtung der umfassenden Neubauten des Bahnhofes von der Bahnverwaltung zum größten Theil beansprucht wird, aufzugeben und sich anderen Ortes auzukaufen. Die genannte Firma hat sich nun an die Gemeindebehörde zu Fechenheim gewandt mit dem Ersuchen, ihr von dem ihr gehörenden nach Frankfurt zu gelegenen Gelände 36 Morgen zu überlassen. Sie bietet für den Morgen 10,000 Mark, sodaß der Gemeinde Fechenheim dadurch eine Einnahme von 360,Ouo Mark wird. Auf dem angekauften Gelände sollen nun die bisher in Frankfurt gelegenen Etablissements Eisengießerei im Westend und die Maschinenfabrik im Osleud hier vereint werden. Die Firma Maysahrt beschäftigt etwas über 1000 Arbeiter, seßha te Handwerker der verschiedensten Branchen, die nun auch genöthigt und gewillt sind, in Fechenheim Wohnung zu nehmen, sodaß dessen gegenwärtig etwa 6000 Seelen belrageude Einwohnerzahl sich in kürzerer Zeit um lüOu vermehren wird. Da durch diesen Zuzug, sowie die sehr leistungsfähige Firma selbst für die Gemeinde Fechenheim weitere, sehr einträgliche Stcuerquellen sich ergeben, so hat die Gemeindebehörde sich im Prinzip vorbehaltlich noch zu treffender Verein­barung bezüglich Uebernahme entstehender Kosten, Ent­schädigung, Servilute u. s. w., für den Verkauf deS beanspruchten Geländes erklärt und demgemäß die Firma Mayfahrt beschieden.

Frankfurt N. M. (Zum sechsten und hoffentlich zum letzten Mal) Aus der Tagesordnung des Landgerichts stand eine Ehescheidungsklage, die etwas mehr Interesse als die landläufigen erregte. Die Klägerin ist die Frau; der Mann ist schon einmal geschieden und seine Frau war inzwischen zweimal verheirathet und ist noch zwei­mal geschieden worden. Dies beiläufig; die jetzige Klägerin hatte nun in der Ehe nicht das Glück gefunden das ihr Mann ihr versprochen hatte. Bald sah sie sich enttäuscht und es gab vielfach unerquickliche Scenen Fün mal schon hatte sie Klage auf Ehescheidung emgereicht. Fünfmal gelang eine Versöhnung, der Mann schwur Urfehde mit der Versicherung, er wolle künftig brav sein und ganz gerade Wege wandeln. Er thak dies aber nicht - - io sagt wenigstens die Frau und so machte sie dann das Halbdutzend der Scheidungsklagen voll. Der Vorsitzende meinte zwar zuerst, hier fei Hopfen und Malz verloren. Innerhalb acht Jahren >echs Scheidungsklagen |ei doch ein Bischen gar zu viel, aber er machte doch noch einen Bersöhnnngsversuch. Den Beiden wurde anheim gegeben, ob es nicht daS Beste sei, wiederum versöhnt nach Haus zu gehen und den festen Vorsatz zu fassen, niemals mehr wegen