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SchlüchterlierMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 35.

Mittwoch, den 3. Mai 1899. *

50. Jahrgang.

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i^lMImillPtl auf ^eSchlüchterner Zeitung" 50l^l&UUlly&ll werden noch fortwährend von allen - ! Postanstalten und Landbriestrügern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

vorgekommen. Nachdem schon in Lauban mehrere Fälle! und witzigen Veteranen zu Gast zu bitten, derselbe festgcstellt worden waren, sind nunmehr auch in das1 schwelgte dann bei solchen Gelegenheiten in endlosen

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin sind am Mittwoch Vormittag in Straßburg in Elsaß ein­getroffen und am Bahnhof vom Statthalter Fürsten Hohenlohe-Langenberg, der Generalität und den Spitzen der Behörden empfangen worden. Das Infanterie­regiment Nr. 122 stellte die Ehrenwache, deren Front Sc. Majestät abschritt. Eine Eskadron des 9. Husaren­regiments geleitete den Wagenzug nach dem Statthalter­palais, wo ein Frühstück stattfand. Die Stadt ist reich beflaggt, in den Straßen herrscht reges Leben. Nach­mittags besuchte der Kaiser den Odilienberg. Nach der

Rückkehr war größere Tafel beim Statthalter. Um 8 Uhr erfolgte großer Zapfenstreich.

Die sensationelle Geschichte des egytischen Atten­tats auf Kaiser Wilhelm ist jetzt endlich aufgedeckt. Nach der Frkf. Ztg. werden nicht Anarchisten am 12. Mai vor dem Schwurgericht in Ancona erscheinen, sondern ein Polizeispitzel Namens Bazzani ist der An­geklagte. Er liess die Bomben anfertigen und schmuggelte sie in das Haus des in Alexandrien lebenden Anarchisten Parrini. Durch dieEntdeckung" des angeblich ge­planten Attentats wollte B. sich eine schöne Belohnung sichern. Seine Schliche sind aber aus Tageslicht ge­kommen.

Eine unheimliche Zusammenstellung ist die Auf­zählung der Berliner Morde. Ihre Zahl beträgt seit dem Jahre 1880 bis jetzt nicht weniger als vierzig, und beinahe die Hälfte davon ist unaufgeklärt: nämlich in siebzehn von diesen vierzig Fällen weiß man nichts wer der Mörder ist und in einem achtzehnten Falle kennt man wohl den Mörder, aber dieser ist mitsammt seiner Frau und der geraubten Beute entkommen. Alle diese unliebsamen Thatsachen drängen sich gerade jetzt wieder in den Vordergrund, da auch der Mörder der Prostituirten Singer noch nicht entdeckt worden ist, und bringen das alte Thema aufs Tapet von der Unzulänglichkeit der Berliner Kriminalpolizei, deren Vertreter auch in dem jüngsten Mordprvzcsse wegen der Ermordung der besagten Singer sich nicht gerade mit Ruhm bedeckt haben. Jm^ Interesse der allgemeinen und öffentlichen Sicherheit kann nicht dringend genug der Wunsch ausgesprochen werden, daß die leitenden Männer auf Besserung in diesen Zuständen bedacht sein möchten.

Der frühere Präsident des Reichsgerichts Eduard V. Simson ist Dienstag Abend 8 Uhr 10 Minuten nach

Krankenhaus Bethanien zu Steinau a. Oder eine Frau und zwei Kinder aus dem Dorfe Kunzendorf eingeliefert worden, bei denen auch diese gefährliche Krankheit fest­gestellt worden ist. Sie ist dort durch polnische Arbeiter eingeschleppt worden. In einem Dorfe bei Greifenberg in Pommern wird ebenfalls ein Fall von Erkrankung an echten Pocken gemeldet.

Köln, 1. Mai. Die beim hiesigen Kohlen-Syndikat und dessen Mitgliedern zahlreich einlaufenden Anfragen belgischer industrieller Werke und Kohlenverbraucher mußten rundweg abgelehnt werden, da die rheinisch-westfälischen Zechen nicht einmal den Inlandsbedarf befriedigen können,

Breslau, 2. Mai. In dem Mordprozeß gegen den Schuhmacher Franz Herrmann hat heute das Schwur­gericht nach fünftägiger Verhandlung das Urtheil gefällt. Der Angeklagte wurde wegen Todtschlags zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt.

Rhapsodien aus der großen Zeit und wußte durch die

längerem Leiden saust entschlafen.

Dem Vorstände des Centralverbandes des Vereines

Ausland.

NewAork, 1. Mai. In Mardner (Jdaho) terrorisiren die ausständigen Bergleute die ganze Umgegend und zwingen alle Gruben und Fabriken des Distriks zur Betheiligung am Ausstande. Hunderte von Arbeitern nahmen einen bewaffneten Eisenbahnzug bet Burke weg, beluden denselben mit Dynamit und zwangen den Zug­führer, sie nach Wardner zu bringen, wo sie die Berg- werks-Burcaus, Maschiuenhäuser und Fabriken in die Lust sprengten. Der Schaden beträgt über eine Million Dollars. Darnach kehrten die Arbeiter unbelästigt zurück. Der Gouverneur bietet Militär auf.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchter«, 5. Mai.

* Ernannt wurde der Steuersupernumerar Rosen- berger (von Nicderzell) zum Königlichen Steuersekretär. in Gelnhausen.

* - Wie bekannt, geht auch im Regierungsbezirk Cassel die Bildung einer Handwerkskammer ihrer Vollendung entgegen. Nach dem Entwurf der Wahl­ordnung sind wahlberechtigt unter der Voraussetzung, daß sie ihren Sitz im Bezirk der Handwerkskammer haben: 1. die Handwerkerinnungen; 2. diejenigen Gewerbevereine und sonstigen Vereinigungen, welche die Förderung der

1 gewerblichen Interessen des Handwerks verfolgen und ! mindestens zur Hälfte ihrer Mitglieder aus Handwerkern bestehen. Von den 22 Mitgliedern der Handwerkskammer sind 18 durch die Handwerkerinnungen und 4 durch die Gewerbevereine u. s. w. zu wählen. Auf je ein Mit­glied wird ein Ersatzmann gewählt. Zum Zwecke der Wahl werden Wahlbezirke und zwar gesondert sür

Innungen einerseits und für Gewerbevereine und sonstige Vereinigungen anderseits gebildet. In jedem der Wahl-

selbstständiger Gewerbetreibender empfahl dem Finanz-! bezirke ist je ein Mitglied und ein Ersatzmann zu wählen. ; ..... Jede Handwerkerinnung bis zu 20 Mitgliedern hat eine

Wäarcnhöusfmgc, wie derVvssZtg." noch nachträglich Stimme; bei 2150 Mitgliedern erhält sie zwei ~ ' ------- 1 ~ 3 Stimmen und für je 30 weitere Mitglieder eine weitere

minister v. Miguel bei der neulichen Besprechung Der

gemeldet wird, die Organisation des Mittelstandes. Dos Fehlen dieser Organisation habe zum Theil die heutige Nothlage des Mittelstandes verschuldet. Die Bildung der Centralvercine fand seinen vollen Bestall, unb er

Stimme.

Mehr als 5 Stimmen darf eine Innung

spornte die Herren an, unbekümmert um links und rechts auf dieser Bahn fortzuschreiten. Wenn erst der Mittel­stand eine Macht im Staate geworden, dann würden alle Parteien mit ihm rechnen müssen. Der Staat wolle gern helfen, aber gegen den Willen der Parteien lasse sich auf gesetzlichem Wege nichts für den Mittelstand thun

Die Konkurse haben in Sachsen im letzten Jahre wieder zugenommen. Es hat 1093 gegen 857 im Jahre 1897 zu verzeichnen. In ganz Deutschland erhöhte sich die Zahl der Konkurse von 6954 im Jahre 1897 auf 7363 im Jahre 1898.

Herne, 1. Mai. Auf Zeche Wilhelmine Viktoria setzte der Maschinist den Förderkorb zu hart auf die Sohle auf, wodurch ein Mann tödtlich, drei Mann schwer und fünf leicht verletzt wurden. Die Unfälle, die durch fehlerha te ober leichtfertige Handhabung des Förder- korbeS hervorgcrusen werden, mehren sich in letzter Zeit auffallend.

Die Erkrankungen an echten Pocken scheinen sich nicht auf die Fälle in Jserlohn beschränken zu wollen. In Dettelbach in Untersranken wurden einige russische Landarbeiter, die an den echten Pocken erkrankt sind, ins Krankenhaus eingeliefert. Auch in Schlesien sind Fälle

oder eine Vereinigung nicht führen. Die Wahlen er­folgen durch die Jnnungsvcrsammluugen und die General­versammlungen der Vereine.

* Offizieren der ehemaligen kurhessischen Division und auch solchen unseres 11. Jägerbataillons wird es nicht uninteicssant sein zu erfahren, daß demnächst die Er­lebnisse eines Offiziers des kurhcssflch - westphälischen Jägerbataillons im russischen Feldzuge 18121813 im Drucke erscheinen werden. Tasselbe rückte mit dem Kontingenten des Jerome Bonaparte von der Garnison Kassel aus und zeichnete sich in allen Schlachten ber Grand Armee auf russischem Boden aus. Verfasser dieser Erinnerungen ist der in 1866 in Schlüchtern verstorbene Klosterrentmeister Wilhelm Lorentz, dessen sich noch manche Kurhessen als vielerfahrenen, äußerst kenntnißreicheu und pflichttreuen Beamten, sowie edlen Menschenfreundes und Wohlthäters der Armen und Bedrängten erinnern werden. Seine Schicksaalc auf den russischen Schlachtfeldern und in langwieriger, harter Kriegsgefangenschaft waren in der That selbst in jener ereignisreichen Zeit ungewöhnlich wechselvoll und schwer zu nennen. Deshalb liebten es auch die Oi filiere der kurhessischen Truppen, auf dem Durchmärsche durch Schlüchtern von oder zu den Manövern, sich in der gastlichen Klosterrenterei bei dem jovialen, redseligen und

Anschaulichkeit seiner Darstellung, gewürzt mit pikantem Humor, seine militärischen Zuhörer, theilweise noch Kriegskameraden und Leidensgefährten, zu fesseln. Schreiber dieser Zeilen hat die selbsterlebte Geschichte der napoleonischen Kriege vom altenOnkel Lorentz" durch jahrelangen Verkehr mit demselben besser als aus Büchern gelernt und betrachtet die Herausgabe der eigenhändigen Aufzeichnungen des ehemaligen jungen Jägcro fiziers als einen Tribut der Dankbarkeit und als einen nicht unwesentlichen Beitrag zur kurhessisch- westphälischen Kriegsgeschichte.

Das Reichsversicherungsaint hat aus Anlaß eines Spezialfalles die grundsätzliche Entscheidung ge­troffen, daß uneheliche, aber vom Vater anerkannte Kinder unverheiratheter weiblicher Versicherter, die infolge Betriebsunfalles im Krankenhause behandelt werden eher den Tod erleiden, stets Anspruch auf Rente genau nie eheliche Kinder haben, auch wenn der Erzeuger noch lebt. Die Ansicht, daß die Rechtslage durch die Anerkennung der Vaterschaft seitens des Vaters und j ine Verurtheilung zu Alimentation eine andere wird, ist rcchtsirrthümlich. Das ist nur der Fall, wenn durch nachfolgende Ehe des Erzeugers des Kindes mit der Mutter ober auf sonst gesetzlich zulässige Weise das uneheliche Kind lcgitimirt wird.

Wciperz. Hierselost, wo bis jetzt noch kein Gottes­haus existiere, ist am 3. Mai der Grundstein zu einer Kapelle gelegt worden. Weiperz, welches jetzt nahezu 400 Einwohner, darunter ca. 80 Schulkinder, zählt, war vor Jahrhunderten eine Filiale von Sterbfritz. Wciperz befriedigte dann lange feine kirchlichen Bedürf­nisse in dem entlegenen, auf unweg'amen Pfaden zu erreichenden Herolz, zu dessen P^arrverbande es mit Spanners auch noch gehört. Erst um die Mitte dieses Jahrhunderts wurde durch Errichtung einer Kuratie in dem nur J/2 Stunde entfernten Sannerz eine Erleichtec-

ung geschaffen.

Aus Gersfeld wird zur Ergänzung einer kürzlichen Notiz geschrieben: Den Freunden und Besuchern unserer schönen Rhönberge zur Kenntniß, daß die diesjährigen Wallsahrtstage, an welchen Touristen auf eine sichere Unterkunft im Kloster Krenzberg nicht rechnen können, sind: 3., 23. Mai, 13., 24. Juni, 8. Juii, 6., 18., 22., 27. August, 3 8., 14., 24. September, 4. 4. Ok­tober. Dazu sind immer die Abende und Nächte vorher zu rechnen.

Hauau, 28. April. Die im Landkreise Hanau stark nuftretende Rabenplage gab im Vorjahre dem Kreistage Veranlassung, den erheolichen Betrag von 2000 Mk. zur Vertilgung der Raben im Kreishaushalts-Etat für 1698/09 vorzusehen. Nachdem man mit geeigneten Per­sönlichkeiten, mit Waldarbeitern und Tannenzapfenbrechern Abkommen getroffen hatte, wurden während der Brut­zeit Monat April die in den Nestern befindlichen Eier und jungen Raben ent ernt und die Nester voll­ständig zerstört. Die alten Raben wurden, soweit sich die Jagdpächter damit einverstanden erklärt hatten, von zuverlässigen Personen abgeschossen. Die Fangergebnisse waren: 480 alle Raben, 10496 junge Raben, 16477 Rabeneier, 1054 Rabennester. Dieselben wurden bei den Bürgermeistern der betheiligten Gemeinden abge- liefert. Die Vergütungen betrugen: für einen alten Raben 1530 Pfg., >ür einen jungen 510 Pfg. Die Gesammtausgab.n hierfür stellten sich auf 2101,44 Mark. Durch dieses Vorgehen wurden die Raben er­heblich vermindert, doch ist bei dem Umfange der vor­handenen Rabenhorste eine Wiederholung der Vertil­gungsmethode nothwendig, weshalb der Kreistag des Landkreises Hanau für 1899 weitere 20UU Mk. im Haushalts-Etat vorgesehen hat.

Usiugcn, 2. Mai. Daß der Landmann sich nicht gern von den baaren Resultaten seines Fleißes trennt, ist eine bekannte Thatsache. Und wenn er die Münze aus der Hand und aus der eigenen Obhut geben soll, so verursacht ihm das oft b-S gleiche Unbehagen, als ob er sie auf Nimmerwiedersehen verlöre. Ein Beispiel von dem Mißtrauen, das bei solchen Gelegenheiten an

den Tag tritt, hat man kürzlich in einem Keinen Dörf­chen in der Nähe von Ufingen im Taunus erlebt. In dem kleinen Orte besteht eine Spar- und Darlehnskasse