Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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M 35. MiLLwoH, den 3. Mai 1899. 50. Jahrgang.
^UfMhtfrääl!^ au' bie »Schlüchterner Zeitung" j?€!lXUUs&^HI werden noch fortwährend von allen - — — Postanstalten und Landbriesträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
Infolge eines Antrags aus Handwerkerkrcisen findet die auf Mittwoch, den 3. Mai d. I. im Hessischen Hof anberaumte Vereinigung der selbstständigen Handwerker und Gewerbetreibenden behufs Besprechung über die Gründung einer Innung anstatt Nachmittags um 4 Uhr erst Abends um 8 Uhr statt.
Schlüchtern, den 1. Mai 1899.
Der Königliche Landrath: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. 30. April. Der Kaiser ist von seiner süddeutschen Reise in der Nacht zum Sonnabend nach Berlin zurückgekehrt. In Wiesbaden hatte Se. Majestät eine Begegnung mit dem Fällig Oskar von Schweden.
— Im Beisein des Kaiserpaares fanden Sonnabend Vormittag auf dem Tempelhowr Felde bei Berlin die Bataillonsbesichtigungen des Kaiser Alexander- und des Kaiser Franz-Regiments statt.
— Deutschland und Amerika. Ein Leser, dessen Sohn im vorigen Jahre zur Besatzung der „Prinzeß Wilhelm" gehörte, als das Schiff vor Manila lag, hat der „Tügl. Rundsch." einen Brief zur Verfügung gestellt, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Vor einigen Tagen hatte der amerikanische Admiral dem mistigen (v. Diedenchs) ein Schreiben geschickt, in dem er verlangte, daß sich alle unter deutscher Flagge cin- lamendcu Schiffe einer Revision durch einen Janker unterziehen sollten — wenn nichts anders, so durch „Gewalt". Unser Admiral antwortete einfach, daran wäre nicht zu denken — und „Gewalt gegen Gewalt Wir erhielten den Bewhl, nach Marivalcs zu dampfen und im Verein mit S. M. S. „Kaiserin Angusta" und „Kormoran" unter „Klar Schiff zum Ge echt" am nächsten Mittag um 12 Uhr wieder einzulaufen. Doch der Iankee hatte wohl bemerkt, wie der Wind wehte. Sein „ruhmvoller" Scesicg gegen die alten Holzklepper des Spaniers hätte wohl einen ordentlichen Dämp'er bekommen, kurz, als wir die amerikanischen Schiffe bei Kavitc passirten, hatte sich der amerikanische Admira bereits, einen Irrthum vorschützend, bei unserem Ehe entschuldigt." Das scheint also der wirkliche Kern bei Aufschneidereien des Kapitäns Coghlan zu sein.
— Die Postkommission des Reichstages hat den Zeitungstarif, wie er in der Vorlage ausgestellt ist, sowie die vier dazu gestellten Anträge abgelehnt und eine Unter- kommission eingesetzt.
— Ein deutscher Kriegsgefangener sollte, wie wir seinerzeit mit Vorbehalt meldeten, nach einer Anzeige des früheren französischen Fremdenlegionärs Fischer an das Bezirkskommando in Landsberg a. W. in einem Fort bei Marseille oder in Algier seit nahezu 30 Jahren zurückgehalten werden. Wie jetzt die „Nordd. Allg. Ztg." mittheilt. sind trotz der Zweifel, denen das Gerücht von vornherein begegnen mußte, Ermittelungen angestellt worden. Wie vorauszusehen war, hat sich herausgcstcllt, daß es sich wieder einmal um müßige Erzählungen handelt, die jeder thatsächlichen Unterlage entbehren.
* — Was bei der Geflügelzucht noch verdient werden kann. In den letzten zehn Jahren haben wir an das Ausland ca. 230 Millionen Mk. für Geflügel und ea 580 Millionen Mark für Eier bezahlt. Diese Summen fließen zur Hälfte nach Rußland, 3/io nach Oesterreich- Ungnn und zu 2/i o nach Italien, den Niederlanden, Frankreich und Belgien. Wann werden die Deutschen anfangen, diese ungeheueren Summen selber zu verdienen?
Die städtische Sparkasse in Dresden hat in den letzten drei Jahren Kurverluste in der Höhe von insgesammt 1,573,000 Mark gehabt, davon entfallen auf das vorige Jahr allein 812,000 Mark. Diese Verluste haben zur Folge gehabt, daß der große Sonderreserve fonds der Dresdener Sparkasse bis auf 120,000 Mark zusammcngcschmolzen ist. Jedenfalls würde es für die Kasse vortheilhafter gewesen sein, ihre Gelder zu etwas leichteren Bedingungen als bisher hypothekarisch auzu- legen und dieselben namentlich mehr der Errichtung kleiner Wohnungen dienstbar zu machen. Wir meinen daß nennenswerthe Verluste bei einer derartigen Anlage der Gelder nahezu gänzlich ausgeschlossen gewesen wären.
Leipzig, 28. April. Die Erdarbeiten auf dem Gelände des Völkerschlochtuationaldcukmals bei Leipzig schreiten immer weiter vorwärts. In wenigen Monaten wird der natürliche Boden, welcher die Fundamente des Denkmals tragen soll, in seinem vollen Umfange blos- gelegt sein. Die ausgeschachteten Erbmassen sind zunächst im Osten des Platzes zu einer mächtigen, circa 12 Meter
An die Handwerker und Gewerbetreibenden des Kreises Schlüchtern.
J.-Nr. 2520. Wie bekannt geht auch im Regierungsbezirk Kassel die Bildung einer Handwerkskammer ihrer Vollendung entgegen. Nach dem Statuten-Entwurf oll die Kammer aus 22 Mitgliedern bestehen. Zu den Kosten der Handwerkerkammer hat jeder Handwerker und Gewerbetreibende des Kreises beizuiragen, während zur Wahl der Kammer-Mitglieder nur die Innungen und sonstigen Handwe-ker-Verbände berechtigt sind. Da im Kreise Schlüchtern nur eine Innung— die Metzger-Innung in Schlüchtern, und nur ein Handwerker- Verband — der Handwerker- und Gewerbeverein in Schlüchtern — besteht, ist zur Zeit keine Aussicht vorhanden, daß der Kreis in der Handwerkerkammer einen Vertreter haben wird, wenn nicht die in den größeren Städten überall durchgeführte Bildung von Innungen rech. Handwerkerverbänden auch im Kreise Schlüchtern rechtzeitig zur Ausführung gelangt.
Da dies tm eigensten dringenden Interesse alKr Handwerker und Gewerbetreibenden des Kreises liegt hat der Herr Regierungs-Präsident den Unterzeichneten beauftragt, nochmals auf die Wichtigkeit einer schleunigen Organisation des Handwerks- und Gewerbebetriebs hin- zuweisen und die Bildung von Innungen resp. Hand- wcrkervereinen thunlichst zu fördern.
In Folge dessen habe ich eine gemeinsame Berathung der Bürgermeister der Städte und der größeren Landgemeinden des Kreises mit Vertretern des Gewerbevereins zu Schlüchtern, den Mitgliedern des Kreisausschusses und der gewerblichen Kreiskommission über diese Frage veranlaßt. Hierbei wurde von allen Bethciligten die große Wichtigkeit einer baldigen Organisation des Handwerks anerkannt und folgende Bc chlüsse gefaßt:
1 Zunächst wird beantragt, bei Königlicher Regierung dahin vorstellig zu werden, daß die Zahl der Mitglieder der Handwerkskammer owcitvermehrt werde, daß wenigstens jeder Kreis des Bezirks einen Vcrtrcterstndcr Kämmererhalte.
2. Die Bildung von Innungen resp. Handwcker vereinen im Kreise möglichst zu fördern und darüber,bc- zunächst die Bildung von sog. „freien Innungen" oder „freie Gcwcrbevcreine" ins Auge zu fassen sein, die be= heiligten Kreise des Handwerker- und Gewerbestandes selbst zu hören.
Daß im Kreise die Bildung von Zwangsinnungen zur Zeit unthunlich sei, wurde allerseits betont. Ob aber die Bildung von „freien Innungen^ oder von Ge- Werbevereinen den Vorzug verbleiten, darüber waren die Absichten in der Versammlung getheilt.
3. Daß zur Berathung und Beschlußfassung hierüber besondere Versammlungen der Handwerker und Gewerbe treibenden des Krei es an mindestens 4 Orten abzuhalten seien, in welchen von geeigneten Referenten über die ganze Frage ein aufklärender Vortrag zu halten sei.
Nachdem sich die Herren Bürgermeister Salomon- SchlüchternundBerta-Soden bereit erklärt haben, diese Vor- träge zu übernehmen, labe ich nunmehr sämmtliche Handwerker und Gewerbetreibende des Kreises
nach Schlüchtern auf Mittwoch, den 3. Mai, Nachmittags 8 Uhr, im Hessischen Hof, , nach Sterbfritz auf Donnerstag, den 4. Mal, Nachmittags 4 Uhr in der ehemals Blum'schen Wirthschaft . ,
zu einer Versammlung ein, in welcher die Herren ^mowon und Berta einen Vortrag über die Gründe, welche eine schleunige Organisation des Handwerks und Gewerbe- standes erheischen, halten werden.
Schlüchtern, den 18. April 1899.
Der Königliche Landrath: Roth.
Der auf den 4. Mai b. Js. hierselbst »»gesetzte Viehmark findet unter den seitherigen Bedingungen statt.
Der Auftrieb des Viehes beginnt Morgens um 6 Uhr.
Fulda, den 28. April 1899.
Der Königliche Landrath: Steffen.
hohen Halde au'gcschüttet worden, die einen Theil der Anschüttung bildet, welche später die Grundpfeiler des Denkmals auf der Nord-, Ost- und Südseite bis zu einer Höhe von 23 Meter mantelartig umgeben wird. An der nach der Stadt zu gelegenen Stirnseite wird das Denkmal vom natürlichen Boden an in die Erscheinung treten und anstatt der Erdanschüttung eine gewaltige Stützmauer mit einem Kolossalrelief erhalten, zu deren beiden Seiten monumentale Freitreppen bis zu der innerhalb des phramidenartigen Aufbaues liegenden Ehrenhalle führen.
Leipzig, 30. April. Die nationalsoziale .Hilfe" schreibt: Eine lausige Versicherung ist eben in Leipzig zu Stande gekommen. Sie nennt sich „Versicherung gegen Ungeziefer" und ist zwischen der Bäckerinnung zu Leipzig und einem Herrn G. Zucht in L.-Gohlis vorläufig auf drei Jahre abgeschlossen worden. Muß der Zweck der Versicherung erst noch deutlich erklärt werden? Es heißt darüber in dem Versicherungsverträge: „Es verpflichtet sich Herr Gustav Zucht, den Mitgliedern der Bäckerinnung zu Leipzig auf ihren Antrag bie in den Bäckereien der Mitglieder und deren Wohnräumen vorkommenden Unzuträglichkeiten durch Ungezie er zu beseitigen." Je nachdem bie „infizirten" Bäckereien 2 oder 5 ober mehr Gesellen und Lehrlinge beschäftigen, steigt die Versicherungsprämie von 15 aus 25 Mark im Jahre. Also „Versicherung gegen Läu^c!!" ■—
Meiningen. Ein erschütterndes Bild von Schuld und Sühne erstand vor dem Schwurgericht zu Meiningen. Frau Bauner, geb. Brehm, war beschuldigt, im November 1896 ihr einen Monat zuvor geborenes Kind vorsätzlich getödtet zu haben. Die Unglückliche hat einst bessere Tage gesehen: sie ist die Tochter eines ba yrischen Bezirksarztes und verheirathete sich mit einem wohlhabenden Landwirth in Mellrichstadt. Wegen ortgesetzter Mißhandlung verließ sie 1895 Hans und Hof, den Mann und ihre fünf Kinder und verdingte sich als Dienstmagd. In einer solchen Stellung lernte sie einen Taglöhner kennen. Als sie sich Mutter fühlte, wurde sie von ihrem Liebhaber verlassen und stand ganz allein da. Einen Dienst konnte sie wegen ihres Zustandes nicht mehr finden. Ihren Unterhalt erwarb sie zunächst durch Sammeln und den Verkauf von Heidelbeeren. In Römhild kam sie nieder und wurde ins Krankenhaus ausgenommen. Nuh ihrer Entlassung begann eine furchtbare Leidens,zeit für die Arme. An vielen Thüren suchte sie um Arbeit nach, aber überall bildete der Säugling das Hinderniß. Ohne Mittel, zum Betteln zu stolz, fristete sie ein erbärmliches Dasein; vierzehn Tage schlief sie mit dem Kinde im kalten November- monat auf bloßer Erde im Freien, drei Tage und drei Nächte verbrachte sie ohne einen Bissen Brod in einem Kellergewölbe. In Folge der dadurch hervorgerufenen Ent- kräftung versiegte auch der natürliche Quell der Nahrung für ihr Kind. Dessen Wimmern beachte sie zur Verzweiflung und so machte sie dem jungen Leben durch Erdrosseln mit einem alten seidenen Tuchlein ein Ende. Den Leichnam ließ sie liegen, er wurde nach Monaten ge= müden, angefreffen von den Thieren des Waldes. Nach Vorübung der That erlangte die Mutter eine gesicherte Stelle, hatte aber keine ruhige Stunde mehr. Ihr
offenes Geständniß vor Gericht schloß sie mit der Erklärung, daß sie die Sühne für ihre That gerne auf ich nehmen werde. Die Angeklagte wurde unter Zubilligung nilbernber Umstände zu drei Jahren zwei Monaten Gefängniß verurtheilt.
Bonn. Zu dem Dienstmannduell bringt die in Bonn erscheinende „D. Reichs-Ztg." folgenden Nachtrag: Man hat sich vergeblich bemüht, zu erforschen, wie die Dienstmänner dazu kamen, ein Pistoleuduell cinzugchen. Das hat sich jetzt herausgestellt. Die beiden Männer geriet peil in Meinungsverschiedenheit und waren im Begriff, handgreiflich zu werden, als ein Kollege sagte: „Sid doch verständig, Pitter, wenn ehr üch Haut, kommt eher wägen Körperverletzung en et Gefängniß, wenn ehr ich evvc dujeliert, baun kommt ehr op Festung, un bat s vill feiner." Da nun die Herren die Festung dem Gefängniß vorzogen. so beschlossen sie das Duell.
Mainz, 27. April. Vor längerer Zeit wurden sämmtliche Militäckautinen in den Kasernen in Sclbst- wrwaltung genommen, weil sich die Militärbehörden dadurch für die konsumirenden Mannschaften einen größeren Vortheil versprachen. Man scheint hiermit